Kundenrezension

4.0 von 5 Sternen Americana aus Vancouver, 30. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Asleep at the Wheel (Audio CD)
Desert Radio sind eine Band aus Vancouver und stellen mit "Asleep At The Wheel" ihr erstes Album vor. Besondere Lorbeeren haben sie sich mit dem Song "February Day", einer Hommage an den verunglückten NASCAR Star Dale Earnhardt, verdient. (E. war an einem Februartag während eines Rennens in Daytona tödlich verunglückt). Ansonsten war und ist in unseren Breitengraden nicht viel über Desert Radio bekannt.
"Asleep At The Wheel" startet mit dem gerade angesprochenen "February Day". Entgegen der Vorgeschichte des Songs aber nicht verhaltend oder anklagend, sondern ordentlich nach vorne treibend. Der Song hat eine schöne Hookline, mächtig schrubbende Gitarren, schöne Backing Vocals und mit knapp drei Minuten überhaupt keine Längen!
Etwas zurückhaltender agieren Desert Radio mit "Be There". Der Song ist an sich ganz interessant, hat aber m.A. nach keinen richtigen Biss.
Das ändert sich schlagartig mit dem schleppend-schönen Titeltrack: "Asleep At The Wheel" vereint alle Vorzüge klassischem Roots Rocks, ist spannend aufgebaut, mit einprägsamer Hookline und einer unendlichen Sehnsucht versehen. Augen zu und im Geiste auf schmalen Straßen irgendwo durch die Herbstwälder der Ostküste fahren...
-Und mit "Bad Habits" geht die Fahrt gleich weiter. Ebenfalls ein guter Song, wenngleich er sich doch ziemlich nah verwandt mit "Asleep At The Wheel" zeigt. Auch hier finden wir herrlich dominantes Gitarrengeschrubbe, das sich zum Schluss hin mit einer geschundenen Violine duelliert.
Das kurze "Probably Anyway" ist etwas langatmig (nein, dass ist nicht paradox). Zudem macht sich hier ebenfalls eine weitere, sehr enge Wesensverwandtschaft zu den voran gegangenen Songs bemerkbar. Auch wenn man diesen schleppend-gitarrenlastigen Sound und die gepressten Vocals als Trademark der Band versteht, klingt mir hier vieles einfach zu gleich!
Rockiger geht es wieder mit "Down" zur Sache. Hier spielt die Band ihre Trümpfe wieder voll aus. Das Take ist wirklich sehr gut gelungen und könnte ohne weiteres als Single-Auskopplung dienen.
Nach den eher depressiven Vorgängern kommt "Redwood Tree" beinahe schon als "Gute-Laune-Song" 'rüber. Die Nummer verfügt über einen fast schon positiv-poppigen Refrain und über eine vielschichtige Instrumentierung.
Das anschließende "Something Happened To Me" dürfte unbestritten die beste Nummer der Scheibe sein. Eher wieder melancholisch angehaucht, zieht einen der Song regelrecht in seinen Bann. Auch hier punkten wieder die unwahrscheinlich dichte, vielschichtige Instrumentierung, klasse Vocals und eine wunderschöne Hookline.
Bei "Drunk" muss ich, glaub' ich, keine großen Worte verlieren. Die Nummer ist, sagen wir mal, sehr einfühlsam interpretiert. So fühlt man sich nun mal, wenn man irgendwann am Nachmittag aus "seinem Tee" erwacht, wenn der Schädel brummt und die Hypophyse das Lied vom Tod spielt...
Auch "James Dean" zeigt sich überaus gefühlvoll! Das Take ist ein wenig eckig, was mit prinzipiell entgegen kommt, und ist mit denselben Attributen versehen, wie alle Nummern davor. Schöne Gitarrenläufe, klagende Vocals und kantige Hook.
Ein Fragezeichen taucht bei "Wife" auf. Gräbt dieser schmissige Rocker schon ein wenig am (späten) Punk, ist er nur rebellisch oder stellt er einfach nur ein positives Signal in Richtung Frustrationstoleranz dar...? Die Antwort lass' ich jetzt mal im Raum stehen!
Zuletzt bleibt noch "Juarez". Ein Take, dem ich die gleichen herausragenden Qualitäten bescheinigen würde, wie zuvor schon "Something Happened To Me". "Juarez" kommt jedoch noch melancholischer daher, verfügt, ebenfalls über eine prägnant-schöne Hookline, ist großteils aber wesentlich sparsamer instrumentiert. Eine schöne Roots Rock Nummer!

Mit "Asleep At The Wheel" legen Desert Radio eine wirklich gut gelungene Roots-Americana CD vor. Musik, die gerade an nebelig-kalten Oktober- und Novembertagen zur melancholischen Grundstimmung beiträgt. Sicherlich ist die Scheibe nicht ganz so depressiv, wie sich das jetzt anhört. Aber der Hinweis auf die "dunkle" Jahreszeit ist mehr als passend.
Wem Bands wie Last Train Home, Slobberbone, die Walkabouts oder Cross Canadian Ragweed (wobei letztere selten so depressiv klingen) ein Begriff sind, der kann mit Desert Radio nicht viel verkehrt machen und sollte "Asleep At The Wheel" unbedingt mal probehören.
*Ein hooked-on-music.de Review*
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