MSS_ss16 Hier klicken Kinderfahrzeuge createspace Cloud Drive Photos Kamera16 Learn More Amazon Weinblog Hier klicken Fire Shop Kindle Sparpaket GC FS16
Kundenrezension

159 von 192 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Den Leser für dumm verkauft, 22. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Das kooperative Gen: Abschied vom Darwinismus (Psychologie) (Taschenbuch)
Kurzversion der Kritik:
Darwin's Evolutionstheorie besagt, dass Selektion auf die Variation erblicher Merkmale wirkt, und dadurch die besser angepassten Individuen in der nächsten Generation häufiger vertreten sein werden. Mit andern Worten, dass über Variation und Selektion Adaptation zustande kommt.

Um von Darwin's Evolutionstheorie Abschied nehmen zu können, müsste man also auf das Element der Selektion verzichten können, das heisst irgendwelche Veränderungen im Genom müssten direkt in Richtung der unter den neuen Umweltbedingung gewünschten Eigenschaften erfolgen.

Bauer's Buch macht nun nichts anderes, als die neueren molekularbiologischen Erkenntnisse interessant zusammenzufassen, die zu besagter Variation als Ausgangsmaterial für die Selektion führen, und sagt dann selbst (S.188), dass die Selektion, die die am Besten angepassten Varianten bevorzugt, eine unabdingbare Notwendigkeit sei, um Anpassung zu erzeugen.

Bauer sagt somit betreffend Variation, Selektion und Adaptation genau dasselbe, was auch die Evolutionstheorie besagt. Deshalb ist die Aussage, dass man nun vom Darwinismus Abschied nehmen könne, unlogisch, widersprüchlich und nicht sehr wissenschaftlich.

Das alles ist relativ einfach einzusehen, auch für Bauer, und es ist deshalb unverständlich, dass er versucht dem Leser trotzden an unzähligen Stellen zu suggerieren, dass genomische Veränderungen direkt in gewünschter Richtung entstehen.

Die etwas ausführlichere Version der Kritik:
Darwins Evolutionstheorie beruht im Wesentlichen auf der verblüffenden Einfachheit, dass Individuen einer Tier- oder Pflanzenart betreffend Merkmalen, die auch an ihre Nachkommen weitergegeben werden, varieren, und dass diese Merkmale Selektionsprozessen unterliegen, die in ihrer Intesität zeitlich variieren können. Dadurch ändern sich die Träger dieser Merkmale über gewisse Zeiträume und es können wie oft belegt, auch neue Arten entstehen. Erst später publizierte Mendel die Regeln der Genetik, und wiederum viel später entdeckten Watson, Crick und Rosalind Franklin die DNA als die Grundlage dieser erblichen Variation. In den letzten Jahrzenten wurden viele Gene entziffert, Mutationsgrundlagen und wesentliche Prozesse der Genregulation verstanden, epigenetische Prozesse und die Entstehung und Bedeutung mobiler Elemente im Genom entdeckt. Es wurde auch entdeckt, dass auf die Zelle oder den Organismus wirkende Stressfaktoren Auftreten und Häufigkeit dieser mobilen genetischen Elemente beeinflussen kann. Damit baut Bauer eine Luftblase auf und versucht dem Leser klar zumachen, dass es Dank dieser stressinduzierten "Umbauschübe" des Genoms zu adaptiven Veränderungen komme, und wir deshalb Darwin's Selektionshypothese zu einem grossen Teil vergessen könnten. Das ist natürlich Unsinn, da vorausgesetzt werden müsste, dass der Umbau des Genoms selbstinduziert in adaptiver Richtung geschieht. Tatsache ist, dass durch diese Prozesse lediglich Variation entsteht, auf die klassische Selektion wirken kann und dadurch über Generationen Adaptationen zustande kommen. Genauso ist auch die Evolution epigenetischer Regulation das Resultat von klassischen Selektionprozessen.

Im letzten Kapitel verkauft uns dann Bauer seine "Umrisse einer neuen Theorie", die über Gentransfer, Genkontrolle, HOX-Gene, mobile genetische Elemente, und genomische Entwicklungsschübe nicht viel enthält, was man nicht schon wüsste. Dann lässt er die Blase platzen, indem er die essentielle Bedeutung der natürlichen Selektion eingesteht, dass "nicht alles, was durch genomische Entwicklungsschübe neu entstand oder entsteht, ist lebens- oder vermehrungsfähig. Insoweit bleibt die Selektion eine biologische Tatsache, allerdings in einem wesentlich andern Sinne als im darwinistischen Dogma". Alles was Bauer dann hinsichtlich dieses wesentlich andern SInnes anzufügen hat, ist Semantik: "Zum Untergang von Spezies kam es im Wesentlichen nicht aufgrund kontinuierlicher Selektion, sondern im Rahmen von umweltbedingten Massenauslöschungen". Sowohl Darwin als auch die Neue Synthese gingen nicht davon aus, dass Selektionsdrucke zeitlich und geographisch nicht varieren können.

Bauer bedient sich in seiner Argumentation auch der Methodik, Leuten Worte und Sinn in den Mund zu legen, die gar nicht so gesagt und gemeint waren. Beispielsweise zitiert er (p.89) Barbara McClintock's Aussage "The genome is a highly sensitive organ" und uebersetzt sie als "Das Genom ist ein hochgradig wahrnemungsbegabtes Organ. Mit "sensitive organ" war hier ein "empfindliches Organ" gemeint, was niemand abstreitet, Bauer's fälschliche oder absichtliche Uebersetzung als "wahrnemungsbegabtes Organ" legt vollständig andere Konzepte aus dem menschlichen kognitiven Bereich in McClintocks Mund.

Es ist allzu offensichtlich, dass Bauer mit den Ideen von Dawkins wie sie in dessen brillianten Büchern " The selfish gene" und " The extended phenotype" ausgedrückt sind, nicht auf vernünftige Art umgehen kann. Unterdessen gibt es eine Unzahl von Studien, die genetische und genomische Konflikte und deren Bedeutung in der Evolution von Organismen, aber auch hinsichtlich medizinischer Bedeutung für Krankheiten bis hin zum Krebs in feinstem Detail aufzeigen, die aber von Bauer, zum Leidwesen medizinischen Fortschrittes, allesamt ignoriert werden.

Die Aussage Bauer's, dass Darwin's Evolutionstheorie inklusive der neuen Synthese ein "nicht mehr lebensfähiges weil unbrauchbares Konzept" darstelle, ist deshalb nicht viel mehr als ein unglücklicher und überrissener Versuch, sich für das Darwin-Jubiläumsjahr 2009 auch etwas ins Rampenlicht zu stellen. Insgesamt finde ich es sehr schade, dass der Autor sich damit die echte Chance vergeben hat, eine wirkliche Synthese zwischen Darwin's Evolutionstheorie und den Erkenntnisen der modernen Molekularbiologie zu schaffen, und damit aus gutem Grunde viel vom Rampenlicht hätte abbekommen können. Neben den molekularbiologischen Kenntnissen hat er zweifellos auch das schreiberische Talent dazu.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
  [Abbrechen]

Kommentare

Kommentare per E-Mail verfolgen

Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-10 von 76 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 25.11.2008 16:56:07 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 26.11.2008 10:45:57 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 25.11.2008 16:57:06 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 26.07.2009 22:30:16 GMT+02:00
Speltzer meint:
DEFÄKATION STATT REZENSION

Zunächst: Ich gratuliere zur Namensänderung, nachdem sich Enrico (alias HEINRICH) Ulove jetzt in Carlo Ulove umgetauft hat (beim nächsten Tauffest schlage ich "Piedro" vor).

Ansonsten bleibt es bei meinem Statement: Heinrich (alias Enrico), mir graut vor Dir! Eine Rezension wie eine Defäkation: ohne einen klugen Gedanken. Schade.

Veröffentlicht am 25.11.2008 20:23:42 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 20.11.2009 12:39:51 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.11.2008 20:33:59 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 20.11.2009 12:39:58 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.11.2008 11:08:04 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 26.11.2008 11:08:23 GMT+01:00
Speltzer meint:
Manche Leute kommen mir vor wie religiöse Betschwestern, die jedesmal, wenn in der Welt ein neues Phänomen auftaucht, darauf verweisen, was in der Bibel steht und dass dort schon alles Fundamentale beschrieben ist. Auch meine Oma pflegte, wenn irgendetwas Neues auftauchte, immer zu sagen: "..ist alles schon mal dagewesen". Keine Frage, man kann die Welt so sehen, wenn man will, man kann jedes neue Phänomen banalisieren, wenn man das Bedürfnis danach hat.

Man kann aber im Kopf auch frisch bleiben und anerkennen, dass manchmal tatsächlich neue Elemente auf der Bühne erscheinen. Als ich Bauers Buch gelesen haben, wurde mir klar, dass dieser Autor 1. eine Loblied auf Darwin singt und weit davon entfernt ist, den Meister anzupinkeln; 2. die Selektion nicht in Frage stellt (im Gegenteil), sondern ihre Rolle bei der Entstehung neuer Arten anders definiert als Darwin; 3. die sexuelle Selektion, Rekombination etc. an keine Stelle bezweifelt hat, aber nicht in den Mittelpunkt gestellt hat, weil er 4. auf der Basis zahlreicher Forschungsdaten einen fundamental neuen (kreativen, d. h. zu neuen komplexeren Genomen führenden) Mechanismus beschreibt, der für die Entstehung neuer Arten offenbar eine zentrale Rolle spielt. Ich habe den Eindruck, dass viele nicht in der Lage sind, den Blick für etwas echt Neues zu öffnen.

Es sei Ihnen aber gegönnt: Sie können alles unter dem guten alten Begriff der Mutation subsummieren, obwohl damit mal ganz andere Phänomene beschrieben wurden als was Bauer beschreibt. So können Sie auch jede komplexe Rechenoperation mit dem Kommentar banalisieren, indem Sie darauf hinweisen dass die Basis von allem ist, dass 1+1=2 ist und dass das ja schliesslich schon lange bekannt ist.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.11.2008 12:29:17 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 20.11.2009 12:40:06 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.12.2008 13:46:09 GMT+01:00
@Lena
***
"Erst später entdeckte Mendel die Regeln der Genetik,..."
Eigentlich nur ganz wenige Jahre später, man könnte auch sagen: zeitgleich.
***
ist doch völlig egal!
Um was es Enrico geht ist doch für jeden - außer Lena natürlich - offensichtlich:
Darwin wusste nichts von Genen, er wusste nur etwas von Variation innerhalb einer Art und Vererbung von Eigenschaften.
Wie die Variation zustande kommt, über das sagt die Theorie folglich nichts, nur das der Variationsmechanismus nicht zielgerichtet ist.
Was soll da bitte durch Bauer widerlegt sein?

Veröffentlicht am 04.12.2008 11:09:56 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 26.07.2009 22:32:18 GMT+02:00
Speltzer meint:
Es bleibt dabei: "HEINRICH (alias Enrico), mir graut vor Dir", die Lektüre der nunmehr erheblich aufgeblähten Version Ihrer MiesePETER-Kritik auf eine Kurz- und Langversion macht die Sache nicht besser. Ihre Sprache verrät Ihren Geist: Häme und Polemik. Wer Richard Dawkins schwachsinniges Buch von den egoistischen Genen (von dessen Theorien sich alle seriösen Evolutionsbiologen wie z. B. Kutschera distanzieren - leider nur diskret, weil keiner den Mut hat, offen gegen ihn anzutreten) für "brillant" hält, hat ein intellektuelles Problem.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.12.2008 11:58:38 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 22.11.2009 12:51:56 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.12.2008 12:01:44 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 22.11.2009 12:52:06 GMT+01:00]
‹ Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 Weiter ›