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Kundenrezension

170 von 179 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch wie eine Bergbesteigung, 23. Dezember 2008
Von 
Rezension bezieht sich auf: Also sprach Zarathustra (Gebundene Ausgabe)
Zentrales Thema in Nietzsches wohl bekanntestem Werk, Also sprach Zarathustra, ist der Übermensch. Hierbei handelt es sich nicht um einen biologisch höherwertigen Menschen im Stile des nationalsozialistischen Herrenmenschen, sondern um den vollends selbstverwirklichten Menschen, der sich aus eigener Kraft von sozialen und moralischen Zwängen befreit hat und Zarathustras Forderung an sich und andere, "Werde, wer du bist", erfüllt hat.

Die Lehren des Buches präsentiert uns Nietzsche nicht als philosophische Abhandlung, sondern in einer vielzahl gleichnishafter Geschichten, in deren Zentrum der namensgebende Zarathustra steht. Zarathustra ist ein, wie er es nennt, "Schaffender", also jemand, der nicht mehr Mensch und noch nicht Übermensch ist, und ist nicht mit Friedrich Nietzsche gleichzusetzen. Im Verlauf des Buches präsentiert sich die Sicht dieses sich selbst verwirklichen wollenden Zarathustra sowohl auf konkrete Elemente der Welt wie Frauen oder das Christentum als auch auf abstraktere Phänomene wie den Sinn des Daseins oder Einsamkeit. Dabei kommen auch weitere wesentliche Komponenten Nietzsches Philosophie wie die Ewige Wiederkehr oder der Wille zur Macht zur Sprache, sodass ein sehr weites Themenspektrum behandelt wird.

Bekanntermaßen vertritt Nietzsche durchgehend sehr extreme und streitbare Positionen, die fast immer in radikalem Widerspruch zur Ethik sowohl seiner wie auch unserer Zeit stehen - Sexismus, rücksichtsloser Egoismus und Verachtung für den gewöhnlichen Menschen gehören zum Weltbild des Zarathustra. In sich ist sein Gedankensystem aber sehr koherent und durchdacht und im Kern keinesfalls "böse", sondern freiheits- und lebensbejahend, ja -ersehnend - alles läuft darauf hinaus, sein Leben so frei und intensiv wie irgend möglich zu leben, was für Nietzsche nur außerhalb und in der totalen Abkehr von der Gesellschaft und ihrer Moral möglich ist.

Allerdings schafft Nietzsche mit Worten wie "die Überflüssigen" und "die All-zu-vielen" (womit er Zarathustra die Menschen beschreiben lässt, die so leben wollen, wie Gesellschaft, Religion und die herrschende Moral es wünschen) und mit dem Lob der mitleidlosen Härte selbst die Voraussetzungen dafür, dass seine Philosophie leicht von den Nazis für ihre Zwecke eingespannt werden konnte. So ist denn auch Also sprach Zarathustra mitnichten eine ausgewogene, differenzierte Betrachtung, sondern ein leidenschaftliches, auf seine Weise geniales, aber auch extrem schwarz-weiß-malendes Pamphlet auf höchstem inhaltlichen wie stilistischem Niveau.

Um "Also sprach Zarathustra" genießen zu können, bedarf es zum einen der Fähigkeit, einen Text, der das eigene Wertesystem fundamental angreift, zu lesen, ohne sich selbst dabei angegriffen zu fühlen. Zudem bringt es der angesprochene gleichnishafte, exzessiv Metaphern nutzende Stil mit sich, dass viele Botschaften Zarathustras verschlüsselt auftreten und man sich intensiv mit manchmal einzelnen Sätzen befassen muss, will man nicht die Hälfte des im Buch steckende Inhaltes übersehen.

Immer wieder vergleicht Nietzsche das Leben des Schaffenden mit der Besteigung eines hohen Berges, dessen Gipfel der Übermensch ist. Auch dieses Buch ähnelt einer Bergbesteigung: Sehr oft ist es gleichzeitig schön wie auch sehr mühevoll zu lesen, und man kommt ohne Konzentration und geistige Anstrengungen oft nicht voran. Am Ende wird man aber mit der Möglichkeit belohnt, die Welt aus einer völlig neuen Perspektive zu sehen und den eigenen Horizont zu erweitern - und dann Nietzsche zuzustimmen oder ihm zu widersprechen.

5 Sterne für dieses Buch "für alle und keinen" - sicherlich aber für alle, denen Philosophie Freude macht.
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1-10 von 10 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 22.01.2009 09:02:34 GMT+01:00
Sehr gute Rezension - so habe ich das Buch auch "erlebt".

Veröffentlicht am 05.12.2009 22:09:03 GMT+01:00
[Von Amazon gelöscht am 01.08.2011 09:49:07 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.12.2009 16:01:07 GMT+01:00
Avariel meint:
Von einem b a n a l e n Genuss schreibe ich nirgends, vielmehr tritt im letzten Abschnitt deutlich zutage, worin der Genuss besteht, nämlich in der konzentrierten geistigen Auseinandersetzung mit den Gedanken Nietzsches. Diese ist alles andere als banal, sie aber auch genießen zu können und beim Gebet an den Esel aufgrund der gelungenen Parodie sogar schmunzeln zu müssen, möge mir und den hoffentlich zahlreichen anderen Lesern dieses Werkes unbenommen sein. Es ist ja nun wahrlich nichts Schlechtes daran zu finden, wenn man beim Lesen eines philosophischen Werkes sich nicht mit dem stets griffbereit liegenden Fremdwörterbuch durch allzu trockene Seiten arbeiten muss, sondern daran auch seine Freude hat.
Und ob die Werte, die Nietzsche angreift, falsch sind oder nicht, das ist Ansichtssache und von uns an dieser Stelle sicherlich nicht erschöpfend zu behandeln. Aber wie ich ebenfalls im letzten Abschnitt schrieb, kann und sollte ja jeder Leser sich darüber seine eigene Meinung bilden.

Veröffentlicht am 12.07.2010 19:42:12 GMT+02:00
Amazoner meint:
>> Zentrales Thema in Nietzsches wohl bekanntestem Werk, Also sprach Zarathustra, ist der Übermensch. Hierbei handelt es
>> sich nicht um einen biologisch höherwertigen Menschen im Stile des nationalsozialistischen Herrenmenschen, sondern um
>> den vollends selbstverwirklichten Menschen, der sich aus eigener Kraft von sozialen und moralischen Zwängen befreit hat
>> und Zarathustras Forderung an sich und andere, "Werde, wer du bist", erfüllt hat.

Wie jede Generation, so interpretiert auch diese alles so, wie es ihr in den Kram paßt. Und da momentan Selbstverwirklichung (für Psychopathen kann darunter auch Mord verstanden werden) auf der Agenda ganz oben steht, wird Nietzsche eben dahingehend interpretiert. Ich kann mich dem nicht anschließen. Zarathustra ist in meinen Augen vergleichbar mit heutigen Trans- und Posthumanisten, die die "Weiterentwicklung" der menschlichen Art durch Vermischung mit Maschinen oder gar ihre gänzliche Ablösung durch dieselben fordern. Der Übermensch Nietzsches hat in meinen Augen nichts mit individueller Glückseligkeit zu tun, sondern mit dem Muß, die Evolution nicht beim Homo sapiens sapiens zu stoppen, sondern sie aktiv fortzuführen. In meinen Augen eine schreckliche Ansicht, aber gerade dadurch wird der Zarathustra lesenswert. Selten hat mich ein Buch so sehr schockiert und bewegt wie dieses - und das ist auch gut so.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.07.2010 00:07:42 GMT+02:00
Avariel meint:
Ihr Hinweis auf die Selbstverwirklichung durch Mord bietet sich m. A. n. an, unsere Perspektiven zusammenzuführen. Natürlich geht es Nietzsche auch - und vor allem ? - um die Überwindung des gegenwärtigen Menschen, der zwischen Tier und Übermensch positioniert sei. Als Rezept empfiehlt er dabei, wenn ich ihn richtig verstehe, dass die Starken und Mächtigen wieder als Starke und Mächtige leben, die Schranken der gesellschaftlichen Moral und Zwänge überwinden und Eigenschaften wie Habgier und Machtwillen ohne Rücksicht auf die Schwachen ausleben - will heißen: dass sie sich als die Starken und Mächtigen selbst verwirklichen, die sie in ihrem eigentlichen Wesen nach sind.

Veröffentlicht am 06.03.2011 09:39:17 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 06.03.2011 09:39:47 GMT+01:00
Njetotschka meint:
Sehr gute Rezension, war für mich hilfreich! Danke an "Avariel"

Veröffentlicht am 03.01.2012 09:14:56 GMT+01:00
Wunderbare Rezension, die das Buch sehr treffend auf den Punkt bringt - ich habe alles genauso empfunden und stimme auch Ihrer Einschätzung, wie man das Buch am sinnvollsten lesen möge, völlig zu. Schön, ab und zu solch gleichgesinnte Rezensionen zu finden.

Veröffentlicht am 09.02.2012 12:06:17 GMT+01:00
R. Ritter meint:
Sehr gute Rezension!

Sie haben den "Berg" bezwungen...

Veröffentlicht am 22.06.2013 19:30:43 GMT+02:00
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Veröffentlicht am 11.12.2013 00:04:50 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 11.12.2013 23:42:59 GMT+01:00
Gute Rezension, der ich zustimme. Vielleicht hilft es, vorher die entsprechenden Kapitel oder besser gleich das ganze Werk: " Ecce homo" zu lesen, die Autobiographie Nietzsches. Er erläutert dort u.a. seine Philosophie und insbesondere den "Zarathustra". Der Zugang wird erleichtert, auch wenn "Ecce homo" wenige Wochen vor Ausbruch der Erkrankung Nitzsches (Progressive Paralyse. Syphilis Stad. IV) geschrieben wurde, was man dem Text in einigen absolut größenwahnsinnigen Passagen anmerkt. Trotzdem genial. Über Vieles kann man streiten, Einiges ist nicht akzeptabel. Der Einwand von "Amazoner" vom 12.07.2010 ist nicht von der Hand zu weisen (Rechtfertigung zur Gewalt bis zum Mord bei entsprechender subjektiver Überzeugung).
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