Kundenrezension

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen A Schwanenritter from Massachusetts, 8. August 2013
Rezension bezieht sich auf: The RCA Opera Treasury - Lohengrin (Audio CD)
Referenz? Nein, eine Referenzaufnahme ist diese amerikanische Einspielung dann doch nicht. Obwohl: Schöner hat den Lohengrin bis heute wohl kein Tenor gesungen als der unvergessliche Sandor Konya. Weich, glanzvoll, edel klingt sein Ritter. Man spürt, hier singt ein italienisch geschulter Sänger, der alles ganz anders (und so viel besser) macht als seine zahlreichen Kollegen. Die (vollständige) Gralserzählung im Dritten Aufzug schickt den Hörer direkt in den Himmel, oder zumindest in den Gralstempel. Nicht einmal Melchior hat diese Szene so gesungen. Sein ohne Zweifel leicht vorhandener Akzent (man muss schon taub sein, den nicht zu bemerken) stört dabei keineswegs - im Gegenteil. Er gibt diesem mysteriösen und fremden Ritter zusätzliches Charisma und Profil, ohne dass die Textverständlichkeit leiden würde. Ich ziehe Konya nicht nur seinen vielgelobten Kollegen Jess Thomas und James King vor, sondern auch René Kollo, der sich unter Karajan sehr gut schlägt, und vor allem Placido Domingo, der unter Solti zwar schön singt, jedoch mangels Sprachkenntnis nichts vom Gehalt des Textes transportieren kann.

Mit den übrigen Beteiligten ist es nicht ganz so gut bestellt: Lucine Amara ist keineswegs eine schlechte Elsa, kommt aber mit ihrer etwas zu hellen und farblosen Stimme nicht an Janowitz oder gar Elisabeth Grümmer heran. Beide Sängerinnen haben das schönere Timbre, singen textverständlicher und ausdrucksvoller, und letztere zusätzlich noch so wunderbar beseelt und vollkommen, dass es nichts schöneres gibt.
Das Paar Ortrud-Telramund ist hier auch nicht ideal - zumindest, wenn man als Maßstäbe Varnay/Uhde (unter Keilberth 1952 live in Bayreuth) oder auch Ludwig/Fischer-Dieskau anlegt. Zwar haben Rita Gorr und William Dooley hinreichend große und auch klangvolle Stimmen. Aber es fehlt an Dämonie und Verzweiflung in der Charakterisierung.

Leinsdorf dirigiert die Bostoner Symphoniker, deren Schwerpunkt, wie bei amerikanischen Orchestern üblich, auf den Blechbläsern liegt, expressiv und zügig, übergeht dabei jedoch manche Nuance, die man bei Keilberth, Kempe, Sawallisch und auch Matacic findet.
Letzterer dirigiert übrigens eine wundervolle Bayreuther Aufführung aus dem Jahr 1959, die als Alternative empfohlen sei. Konya singt dort gleichfalls (und mindestens so schön wie hier) die Titelpartie und hat in Elisabeth Grümmer die ideale Elsa an seiner Seite.
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Von 1 Kunden verfolgt

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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 17.01.2014 14:39:37 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.01.2014 16:41:27 GMT+01:00
Es ist immerhin anerkennenswert, dass Sie Lucine Amara wenigstens bescheinigen, keineswegs eine schlechte Elsa zu sein. Sie hatte allerdings keine „etwas zu helle Stimme“, sondern ein eher ein dunkel gefärbtes Timbre, das auch unverwechselbar war und keineswegs den Vorwurf der Farblosigkeit rechtfertigt. Die Partie der Elsa ist nicht auf glanzvoll dramatische Spitzentöne, sondern primär auf beseelten Ausdruck angelegt. Gundula Janowitz und Elisabeth Grümmer hatten ohne Zweifel die Rolle der Elsa ebenfalls großartig interpretiert, und es ist letztlich eine Frage des persönlichen Geschmacks, welche Stimme und Interpretation man den Vorzug gibt. Dass es Rita Gorr und Wiliam Dooley an Dämonie und Verzweiflung in der Charakterisierung fehlen würde, ist gänzlich unverständlich. Vor allem war Rita Gorr für ihre Interpretationen im Wagner-Fach und ihre dramatisch-dämonische Steigerungsfähigkeit berühmt. Sie legt hier ein beredtes Zeugnis ab, und Dooley interpretiert mit männlicher Ausdruckskraft überzeugend ohne vordergründigen schauerlichen Ansatz. Mit Ihrem Vorwurf gegen amerikanische Orchester bedienen Sie nur deutschtümelnde Vorurteile, bei denen Sie zu insbesondere zu übersehen scheinen, dass die Blechbläser bei den Wagner-Opern eine erhebliche Rolle spielen. Die Bayreuther Aufführung aus dem Jahr 1959 ist sicher auch eine gute Empfehlung. Dort wird die Ortrud ebenfalls von Rita Gorr gesungen. Aber dort fehlt der komplette Schlussteil von „Oh Elsa! Was hast Dur mir angetan“…bis „Der Schwan! Der Schwan“…, eine Kürzung, die auf Richard Wagner selbst zurückgehen soll und der daher in Bayreuth bei Aufführungen entsprochen wird. Gleichwohl wird von vielen Opernliebhabern gerade dieser Schlussabschnitt geschätzt. Die gegenständliche Einspielung unter Leinsdorf ist hingegen vollständig, was sehr begrüßenswert ist. Auch klangtechnisch (in Opulenz und Transparenz mit entsprechender Breitenwirkung) erscheint mir diese Einspielung besser als der Live-Mitschnitt aus Bayreuth 6 Jahre zuvor.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.03.2014 17:47:38 GMT+01:00
lancelot meint:
Die Bemerkung über die Blechlastigkeit ist keineswegs ein Vorurteil, sondern ein schlichtes Faktum. Die amerikanischen Orchester sind ja auch zu recht stolz darauf und pflegen diese Blech-Kultur. Und Sie haben völlig recht, dass gerade bei Wagner das Blech eine erhebliche Rolle spielt. Ich habe lediglich bemerkt, dass im Vergleich dazu die Holzbläser und Streicher immer etwas schwächer ausfallen (Holzbläser etwa im Vergleich zu den Berliner PO, Streicher im Vergleich zu den Wienern) bzw. sich nicht so durchsetzen können. Wer mal Solti live mit dem CSO gehört hat, weiß, wovon ich spreche. Da hat man stellenweise nur noch Blechbläser gehört.
Das wird man noch feststellen und bemerken dürfen.
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