Kundenrezension

43 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht von dieser Welt..., 27. August 2003
Rezension bezieht sich auf: Moving Pictures (Audio CD)
Bei Rushs unzähligen Weltklasse-Alben ist es doch möglich, ein einziges Werk herauszuheben; und das ist "Moving Pictures". Diese 7 Songs von 1981 stellen die markanteste Schaffensphase einer genialen Band dar. Sie stehen am Umbruch von der Hard Rock- Periode hin zur keyboardlastigeren Ära: Am Scheideweg entstand die perfekte Symbiose. Die Songs sind jeder für sich einer der besten in der Geschichte des Progressive Rock, jeder einzelne ein großes Meisterwerk. Während mit "The Camera Eye" der letzte echte Epos der Band vertreten ist, sind die anderen Stücke weitestgehend ebenso ‚kurz' (Normallänge eben) wie prägnant. Hinzu kommt noch das verrückteste Instrumental der Rockgeschichte, das quietschlebendige "YYZ", das tatsächlich mit einem Morsecode beginnt, den Drummer Neil Peart auf dem Pearson Toronto International Airport aufgeschnappt hat.
"Tom Sawyer" ist der legendärste Opener der Bandgeschichte - ein Song, mit dem man wie mit keinem anderen die Band bis heute identifiziert. Durch Mark Twains Helden von 1876 inspiriert und in die moderne Welt versetzt weist der Song skurrile Lyrics auf, die manchmal aus Sätzen, manchmal aus Aufforderungen oder einzelnen Schlagwörtern bestehen. Sie gehen einher mit dem dynamisch wechselnden musikalischen Ausdruck. "Tom Sawyer" ist ein Song, in dem ebenso viel Lebendigkeit steckt wie in dem Charakter, den er beschreibt, angetrieben durch die explosiven Keyboardakzente gleich zu Beginn und Neil Pearts unglaublich kraftvollen Drums.
"Red Barchetta" erzählt durchgängig eine Geschichte - die von der Liebe zu einem legendären roten Barchetta und einem Wettrennen auf der Straße. Die Musik mit ihrem rhythmischen Drive voller Akzentverlagerungen und Synkopierungen und mit ihren wunderschönen Gitarrenmustern gespickt mit zahllosen Wechseln versetzt den Hörer mitten in das Erlebnis hinein und transportiert eine wunderbare Stimmung.
Nach "YYZ" folgt der Klassiker "Limelight", der sich um das Leben im Rampenlicht dreht, um den goldenen Käfig, um Schein und Realität. "Limelight" ist wundervoll umgesetzt mit einem Refrain, der von einer sagenhaften Melodie getragen wird und zunächst mit zarter Clean Guitar einen Gang zurück schaltet, um dann in der zweiten Hälfte mit rockigem Drive Gas zu geben. Hinzu kommt ein gigantisches Heavy-Solo vor dem abschließenden Refrain, das sich schließlich wieder in die traumhaften Clean-Guitar- Strukturen auflöst.
Das zweigeteilte "The Camera Eye" beschreibt zunächst die unterkühlte Atmosphäre New Yorks mit den "Streets of Manhattan" und stellt dann das Leben in London mit den "Streets of Westminster" gegenüber. Inspiration hierfür fand Neil Peart im Klassiker "Manhattan Transfer" von John Dos Passos und dessen Darstellung der Stadt als Maschine. "The Camera Eye" zeichnet sich durch seinen monumentalen Aufbau aus - über Minuten hinweg kommen neue Elemente hinzu, die dann in herrlich verknüpften Strukturen variiert werden. Die Phasen des Songs sind nie kompliziert, aber genial ineinander verschachtelt.
"Witch Hunt" beinhaltet mehr Keyboards als die übrigen Songs auf "Moving Pictures". Die Atmosphäre ist unheimlich und düster. Die spezielle Thematik der Hexenjagd überträgt sich in die heutige Zeit auf Ängste der Menschen, was auch durch den Untertitel "part III of ‚Fear'" deutlich wird.
"Vital Signs" ist mit seinen Effekten, ungewöhnlichen Sounds und staccato-Rhythmen von Gitarre und Drums ein weiteres außergewöhnliches Stück zum Schluß.
Alle Songs auf "Moving Pictures" haben eines gemeinsam: Sie flößen den Themen, über die sie geschrieben sind, Leben ein. Sie sind niemals statisch, sondern erwecken Bilder und Geschichten im Kopf des Zuhörers, sind tiefgehend und spornen die Fantasie an. Hierfür steht auch das aufwendige und geschickt tiefsinnige Artwork des Albums. Drei Bilder werden vor ein paar Zuschauern in ein Museum getragen. De Szenerie steckt voller Wortspiele: Bilder, die Bewegung zeigen - die Bilder werden bewegt - die Bilder bewegen ihre Betrachter. Es handelt sich um Rushs 2112-Stern, ein Bild von Johanna von Orleans auf dem Scheiterhaufen (mit Bezug zu "With Hunt") und dem inzwischen legendär gewordenen humorvollen Bild von Hunden, die Poker spielen. Zur Aufnahme der Szene wählte man das Queen's Park Building in Toronto, dessen drei Eingangsbogen mit jeweils drei Pfeilern zusammen mit den drei Bildern zur symbolträchtigen Anzahl der Bandmitglieder passt. Obwohl der Plattenfirma das Shooting damals zu aufwendig erschien, hielten Rush an ihren Vorstellungen fest und zahlten es aus ihrer eigenen Tasche.
"Moving Pictures" ist ein Meilenstein der Rockgeschichte und auch in Rushs Bandhistorie. Obwohl die drei Kanadier noch kein einziges mittelmäßiges Album abgeliefert haben, ist dieses Album doch mit seiner unfassbaren Dynamik, Magie, Inspiration, musikalischer und technischer Vielfalt einfach durch nichts und niemals zu überbieten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare


Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 14.04.2010 23:17:59 GMT+02:00
Tearz meint:
Naja, ich glaube nicht, dass es dein Ziel war, durch übertriebene Lobhudelei Ironie zu erzeugen. Aber genau so liest sich deine Rezension. Die kann man, wenn man nicht gerade Rushjunkie ist oder in Erinnerungen an die Zeit der "wahren" Rockmusik schwelgt, nämlich nicht ganz für voll nehmen. Es gibt eben nicht nur Rush. Sondern sehr viel mehr. Und Rush sind keine Musikgötter.

Abgesehen davon finde ich sie auch gut und das Album ist das Beste, was ich von ihnen kenne.

Veröffentlicht am 15.05.2010 19:12:53 GMT+02:00
Dr. Music meint:
Na ja, RUSH sind in der Tat genial, aber leider sind auch ihnen mittelmässige bis schwache Alben unterlaufen! So ziemlich alles was nach 'Roll The Bones' erschien war relativ schwach, einzig das letzte Album, 'Snakes & Ladders', konnte wieder in etwa die Klasse vergangener Tage erreichen. Für mich persönlich ist 'Hemispheres' das schönste Album, was aber sicherlich damit zu tun hat, dass es meinen Einstieg in die Musik von RUSH bedeutete und ich die Band erstmals anno 1979 live sah!
‹ Zurück 1 Weiter ›

Details

Artikel

Rezensentin / Rezensent


Ort: St. Wendel

Top-Rezensenten Rang: 12.598