Kundenrezension

234 von 262 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Endlich geschafft... Oder: Wie man einen "Thriller" nicht schreiben sollte, 2. Juli 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Breaking News (Gebundene Ausgabe)
Vorweg: Insgesamt ist das Buch ein guter historischer Roman oder eine Dokumention über die Geschichte Israels. Ging es um die Qualität der Recherche und der Menge was ich über Israel gelernt haben, würde das Buch von mir 5 Sterne bekommen. Aufmachung, Beschreibung und Werbung versprechen allerdings einen mitreißenden Thriller und einen solchen wollte ich auch lesen. Da verspricht das Buch meiner Meinung nach aber eindeutig zu viel...

IN KÜRZE:
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Der Klappentext verspricht "Einen mitreißender Thriller vor dem Hintergrund einer epischen Saga". Dieses Versprechen wird leider in keiner Weise eingelöst.

In den rund 1000 Seiten versteckt sich etwas, das entfernt an einen Thriller erinnert aber mich nicht wirklich mit gerissen hat. Dabei ist die Grundidee der Story gar nicht schlecht und hätte wirklich Potential. Leider wird dieses durch die gleichzeitige Erzählung der "epischen Saga" komplett zu Nichte gemacht.

Frank Schätzing versucht nicht nur einen spannende Geschichte zu erzählen sondern nebenbei auch noch die gesamte Geschichte des Staates Israel anhand einer Familiengeschichte zu behandeln. Beides hängt zwar grob zusammen, aber die Ausführlichkeit des historischen Teils ist bei weitem übertrieben. Das einzig gute dabei ist, dass Schätzing sich auf die letzten 90 Jahre beschränkt und nicht bei Urvater Abraham angefangen hat...

IM DETAIL:
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Vor fast 10 Jahren habe ich mit "Der Schwarm" mein erstes Buch von Frank Schätzing gelesen und war begeistert. In der Zwischenzeit habe ich andere Bücher von Schätzing gelesen und diese haben mir eigentlich durchweg gefallen. Breaking News konnte mich aber nicht überzeugen.

"Der Schwarm" habe ich verschlungen. Von einigen Bekannten hörte ich aber immer wieder, dass ihnen das Buch zu detailliert und langatmig sei. Ich liebe dicke Bücher und fand gerade diese Tiefe toll.

Kurz: Ich habe also nichts gegen Bücher mit ausführlicher Hintergrundgeschichte, im Gegenteil. "Breaking News" stößt aber selbst bei mir an eine Grenze oder überschreitet diese sogar.

Die Geschichte lässt sich eigentlich kurz und knapp zusammenfassen:
Top Journalist Tom hagen ruiniert durch eine zweifelhafte Aktion seinen Ruf, findet in Israel eine neue Story um sich zu rehabilitieren und gerät dabei in einen politischen Komplott.

Könnte spannend sein. Das Problem ist, dass dieser Thriller ständig von Rückblicken in die Geschichte zweier israelischer Familien unterbrochen wird. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn damit nur der Hintergrund beleuchtet würde. Aber der Rückblick beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts und kämpft sich dann durch die gesamte israelische Geschichte bis in die Gegenwart. Das Schicksal der Familien, die verschiedenen Gefühle und die Landschaft werden dabei bis ins Detail beschrieben.

Nachdem das Scheitern des Tom Hagen beschrieben wurde beginnt der erste Rückblick auf die Familiengeschichten in Israel. Dieser Schnitt ist so hart und zusammenhangslos, dass man sich fragt ob man im falschen Buch weiter liest. Erst nachdem man sich durch die ersten Jahrzehnte der Familiengeschichte gearbeitet hat geht es weiter mit Tom Hagen.

Die Geschichte Israels ist dabei erstklassig recherchiert und die Familiengeschichten auch durchaus gut erzählt. Ich habe viele (für mich) neue Informationen über Israels Geschichte erfahren, und einiges gelernt. An dieser Stelle verdient Schätzing durchaus Anerkennung. Das Problem ist für mich, dass dies einfach nicht zu einem "Thriller" passt. Das ist so, als würde man "James Bond" gucken und dabei nebenbei Haar klein die gesamte Geschichte des englischen Königshauses behandeln, nur um zu erklären worum Bond einen Anschlag auf die Queen verhindert.

Bei diesen geschichtlichen Einwürfen stört nicht nur deren Ausführlichkeit, sondern vor allem auch, dass der "Thriller" hierdurch immer wieder unterbrochen wird. Auch wenn der Spannungsbogen nicht allzu weit gespannt wird, wird jeder Anflug von Spannung direkt von der nächsten Geschichtsstunde abgelöst: "James Bond blickt in den Pistolenlauf des Bösewichts... Und nun dazu wie Georg II seinen Morgentee genießt..."

FAZIT:
===============
200 Seiten "Thriller" mit Tom Hagen
+ 400 Seiten Geschichtsuntericht
+ 400 Seiten Füllmaterial (Landschaft, Nebenschauplätze der Fimiliengeschichte ohne Bezug zur Hauptstory, etc.)
= 1000 Seiten "Breaking News"

Würde man den Thriller so belassen wie er ist und die Geschichtsstunden auf 50 Seiten kürzen hätte man ein nettes Buch. So ist das Ganze aber leider (selbst für Liebhaber langer Erzählungen wie mich) eine echte Quälerei.

WICHTIG:
===================
Ich habe mir Mühe gegeben das Wesentlich zusammen zu fassen. Natürlich kann ich dabei nur meine eigene Meinung wiedergeben. Wenn noch Fragen offen sind beantworte ich diese soweit möglich gerne in den Kommentare.

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Kommentare

Von 4 Kunden verfolgt

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1-10 von 11 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 31.07.2014 18:25:17 GMT+02:00
Udo Goldstein meint:
Ich stimme Ihrer Einschätzung zu, dass die knapp 1000 Seiten hart an der Schmerzgrenze dessen sind, die man gewillt ist zu lesen. Auch ich empfand den geschichtlichen Teil sehr gut recherchiert. Aber ein "Triller" im engeren Sinne ist das Buch nun wirklich nicht. Auch die unterschiedlichen Familiensaga waren zum Teil sehr langatmig und trugen zum eigentlichen Inhalt nicht unbedingt etwas bei. Auch die sehr ausführlichen, bis ins kleinste Detail beschriebenen Landschaftsbilder waren zum Teil sehr langatmig. Alles in allem ein Buch, dass mit einigen hundert weniger Seiten sicherlich die eigentliche Story über Israel und Kriegsreporter Hagen auch gerecht geworden wäre. Weniger kann manchmal auch mehr sein

Veröffentlicht am 19.08.2014 13:07:34 GMT+02:00
Wolle meint:
Danke für Ihre gute Bewertung des Buches. "Der Schwarm" war trotz einer schon ausufernden und nervenden Detailfülle sehr spannend und hat mich echt mitgenommen. Aber bei "Lautlos" kam schon extreme Langeweile auf. Ich hab mich förmlich durch die hanebüchene Story und die enzyklopädische Recherche gequält. Ihre Rezension bestätigt mich darin das neue Buch nicht zu kaufen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.08.2014 13:09:41 GMT+02:00
Ares meint:
Vielen Dank für die Rückmeldung, es freut mich, dass die Rezension hilfreich war :-)

Veröffentlicht am 27.08.2014 10:37:55 GMT+02:00
Schili meint:
Hahaha...danke. Ohne "Breaking News" bislang gelesen zu haben, (was ich natürlich noch tun werde), hat mich diese Rezi sehr erfreut. Weshalb? Nun, weil ich bislang diese(Ihre) Gedanken bei JEDEM Schätzing hatte. Tolle Stories.Stets akribisch bis ins Detail recherchiert. Und genau diese Detailverliebtheit ist ausgerechnet dann die große Schwäche bislang sämtlicher Schätzings. Ich stelle mir manchmal vor, dass ein in Freundschaft verbundener Lektor den Schätzing beiseite nehmen würde mit den Worten: "Hey, Frank. Tolles Buch. Ich kürze es mal um 400 Seiten - und wir haben eine gut lesbare, literarische Granate...!" ;-) Trotzdem werde ich mir "Breaking News" nun bestellen, allein schon deshalb, weil ich die Thematik hochinteressant finde und weiß, dass zumindest die Fakten erstklassig recherchiert wurden.

PS: "Das ist so, als würde man "James Bond" gucken und dabei nebenbei Haar klein die gesamte Geschichte des englischen Königshauses behandeln, nur um zu erklären worum Bond einen Anschlag auf die Queen verhindert."

Herrlich. Selten wurde die Schwäche der Schätzing-Bücher so pointiert in einem Satz zusammen gefasst.

Veröffentlicht am 27.08.2014 11:07:13 GMT+02:00
C. Ruckli meint:
Ich habe das Buch gekauft, bevor ich Ihre Rezension gelesen habe - leider. Bin genau gleicher Meinung wie Sie. Wenn Thriller draufsteht und Geschichtslektion drin ist, grenzt es für mich an Etikettenschwindel.

Veröffentlicht am 01.09.2014 14:45:05 GMT+02:00
warhammer meint:
Hallo, danke für diese ausführliche Rezension. Nun weiß ich, dass ich dieses Buch nicht kaufen werde. Frank Schätzing liebt es -leider- viele, die Story nicht weiterbringende Details, einzuflechten. Das war schon in "Der Schwarm" teilsweise hart an der Grenze des Zumutbaren (Herr Lehrer, ich weiß was, ich weiß was...). Somit habe ich nun das Geld für was anderes über :-).

Veröffentlicht am 02.09.2014 12:00:29 GMT+02:00
M. Rosenthal meint:
Sehr treffende Rezension. Stimme voll und ganz zu. Ich bin irgendwann dazu über gegangen, nur noch die Geschichte um Tom Hagen zu lesen und den Rest einfach zu ignorieren. Das geht durch die kreativen Kapitelüberschriften (Jahreszahlen) auch sehr einfach.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.09.2014 21:26:05 GMT+02:00
Willi meint:
Ich bin absolut Ihrer Meinung...und dabei immer noch Schätzing-Fan!
Leider verfällt Frank Schätzing in den letzten Büchern immer mehr in diese unglaubliche Detailverliebtheit, der man sich Seite um Seite förmlich durchkauen muss!...Das macht diesen Lesespass einfach zunichte. Ich habe mich dabei ertappt, dass ich einen (nicht gezählten) Bündel an Seiten einfach überschlage habe!
Das tut mir richtig leid! Und das sollte auch nicht das Ergebnis sein!...
Ich bin genauso alt wie F. Schätzing! Mich verbindet und erinnert sehr viel aus seinem Denken und Schreiben... Ich wünsche mir, dass er wieder zurück findet in seine "alte" Schreibweise!
Das soll und muss hier einmal reichen als Kritik...Ich werde dieses Buch nicht kaufen!

Veröffentlicht am 11.10.2014 07:28:16 GMT+02:00
DiPie meint:
Vielen Dank für Ihre exzellente Rezension. Ich lese das Buch nun schon seit 2 Wochen und "fürchte" mich regelrecht jedes Mal vor dem nächsten Geschichtsteil. Ich werde wohl die Methode von M. Rosenthal übernehmen und nur noch die Tom Hagen - Kapitel lesen (obwohl mir bisher die sehr glaubwürdigen Hintergrundinfos von Schätzing gerade gefallen haben).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.10.2014 11:20:33 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 11.10.2014 11:23:41 GMT+02:00
Schili meint:
Hallo. Ich habe Herrn Schätzing vor zwei Tagen Live in Köln bei einer interaktiven Lesung zu BN erleben dürfen. Ich besitze das Buch schon, habe es aber bislang nicht gelesen, da ich es für den sehr bald anstehenden Urlaub aufsparen wollte. Halten wir fest: ein großer Literat wird Schätzing wohl nie werden(seufz, allein schon immer diese Metaphern, mit denen er jongliert...), das konnte ich aus den vorgelesenen Sequenzen wohl wieder zweifelsfrei entnehmen. Aber er ist ein wirklich beeindruckend guter Vorleser,die Story ist spannend und originell, es wurde wohl wieder herausragend für BN recherchiert und er schaffte es hervorragend, aus seiner( sic!) Sicht und aus seinem Verständnis heraus den Nahostkonflikt zu erklären. Das hat mir sehr gut gefallen. (Wer das anders sieht: bitteschön. Kein Problem. Ich habe meine Meinungen und Ansichten nicht als absolute Wahrheit gepachtet. Und ich hatte den Eindruck: der Herr Schätzing auch nicht. ;-))
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