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5.0 von 5 Sternen Nicht zu viel Staat, aber auch nicht gar keiner!, 14. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Es gibt viel zu tun: Warum wir kluge Politik für eine starke Wirtschaft brauchen (Gebundene Ausgabe)
Warum sollte man als Europäer ein Buch eines ehemaligen US-Präsidenten lesen, in dem er die wirtschaftliche, finanzpolitische und grundsätzliche gesellschaftliche Situation seines Landes ausführlich analysiert und ebenso ausführlich Lösungsvorschläge dezidiert darlegt? Aus zwei Gründen: zum einen, weil man die USA und ihre gegenwärtige Situation durch diese Betrachtung von innen heraus deutlich besser erfasst, als man es aus den Medien, selbst aus den qualitativ besten und um Sachlichkeit und Aufklärung bemühten, mit Blick von außen erfahren kann; zum andern, weil sich aus den Lösungsvorschlägen durchaus auch Ableitungen für unsere eigenen zum Teil erheblichen Schwierigkeiten konstruieren lassen, denn so sehr es viele grundlegende Unterschiede im staatlichen und gesellschaftlichen Aufbau zwischen Europa und den USA gibt, überwiegen doch die Gemeinsamkeiten und somit auch ein recht großer Teil der dringend zur Lösung anstehenden Probleme.

Clinton erweist sich mit diesem Buch einmal mehr als ein ausgezeichneter Staatsmann, der Ideologien ablehnt und Probleme pragmatisch zu lösen oder mindestens zu lindern sucht. Keineswegs nur in diesem Buch, das belegen auch alle neutralen Quellen, ist erkennbar, dass kein ehemaliger US-Präsident der letzten 30-40 Jahre eine größere Legitimation hätte als Clinton, ein solches Buch als einen ernsthaften Beitrag in die gesellschaftliche politische Diskussion einzubringen. Unter keiner anderen Regierung ging die Arbeitslosenquote soweit zurück, wurde Staatsverschuldung massiv abgebaut (es wurden nicht nur keine neuen Schulden gemacht, was Sinn unserer neuen gesetzlichen Schuldenbremse ist, sondern massiv getilgt!), wurden Zukunftsinvestitionen angeschoben und die unter Reagan einsetzende Drift zwischen Verarmung und schon an Perversion grenzenden Reichtum umgekehrt. Und all das ohne ein überbordendes staatliches Eingreifen oder exorbitant steigende Steuern, aber eben auch nicht durch selbstzerstörerische permanente Steuersenkungen, ideologisch naiven Marktglauben und einer Regierung, die sich aus am besten allem heraushält, wie es die an Einfluss gewinnende Tea-Party-Bewegung mit den Jahren immer hysterischer als Forderung propagiert. Ein Großteil dessen kippte die ihm folgende Bush-Administration binnen kürzester Zeit und erreichte rasch (und noch deutlich vor dem Kollaps des Finanzsystems!) neue Negativrekorde in Arbeitslosigkeit, Staatsverschuldung, Ausdünnung der Mittelschicht sowie Pleiten von mittelständischen Firmen und Privatpersonen und eine vollkommen durchdrehende sich nach oben bohrende Spirale der Vermögensbildung des obersten Prozents der amerikanischen Gesellschaft. Hatte zu Beginn der 1980er Jahre ein Vorstand eines Aktienunternehmens noch etwa das 35fache des durchschnittlichen US-Jahresgehalts (und hatten dies auch im Grunde alle als gerecht empfunden), lag es am Ende der zwölfjährigen Reagan/Bush sen. Ära bei etwa dem 120fachen. Auf diesem Niveau wurde es die acht Jahre (1993-2001) unter Clinton gehalten, um dann bis 2007 auf das 400fache anzusteigen! Und trotz der von den USA ausgehenden weltweiten Krise des Finanzmarkts, liegt es heute, nach kurzem "Einbruch" inzwischen wieder beim 300-350fachen (Stand 2012 bei Erscheinen des Buches), während Millionen Amerikaner ihre Kreditraten für ihre Häuser nicht mehr zahlen können und sie aus der Mittelschicht absteigen oder abzusteigen drohen.

Es ist von außen betrachtet nicht verständlich, wie bei so offensichtlichen Fehlentwicklungen, die ideologische Propaganda der Tea-Party-Bewegung die Grand Old Party (Republikaner), aus deren Reihen sie hervorgeht, zu zerreißen droht, und zwar keine eigene Mehrheit, aber doch soviel Einflussnahme vom Wähler gestattet bekommt, dass sie das Land lahmlegen und nachhaltig beschädigen kann. Clinton, als Demokrat schon aus Tradition eher pragmatisch veranlagt und von einem vernünftigen, nötigen Maß der Einflussnahme seitens der Regierung und des Staates überzeugt, leistet mit "Es gibt viel zu tun" ein wertvolles Stück Aufklärungsarbeit. Das Buch richtet sich natürlich voranging an die politische Klasse, müht sich aber auch für einfache Bürger verständlich zu sein - was ihm bei der Komplexität vieler Themen nicht gelingen kann, ein gewisses Maß an Vorwissen und Verständnis ist nötig, anders wäre ein solches Buch auch wertlos; Politik ist eben nicht Talk-Show kompatibel!

Clintons Analysen sind genau und scharf, frei von Polemik, aber nicht frei von Humor vorgetragen, sachlich untermauert und mit ausführlichen Entwicklungs-daten/-tabellen und internationalen Vergleichen zu anderen Staaten dargestellt und belegt. Dass die USA in den Clinton-Jahren bereits auf einem besseren Weg waren, kann man ihm nicht als kosmetischen Griff vorhalten, um im eigenen Buch besser dazustehen, es sind Fakten. Und er überbetont es nicht, im Gegenteil, er wird nicht müde insbesondere Leistungen früherer republikanischer Präsidenten über Lincoln zu Theodore Roosevelt und Eisenhower zu loben und ist klug genug auch Verdienste von Reagan, Bush sen. und selbst Bush jun. zu goutieren.

Der 130seitigen Analyse folgt als zweiter Teil des Buches über fast 100 Seiten eine lange Reihe wohlüberlegter und sachlich begründeter Vorschläge zu Maßnahmen, die zum Teil längst überfällig sind, um die USA aus dem fatalen Sog der regierungsfeindlichen Ideologen zu lösen und der Gesellschaft wieder das zurückzugeben, was in den USA einstmals erfunden wurde: den amerikanischen Traum! Ein Amalgam aus Vitalität, Leistungsbereitschaft, Chancengleichheit, Solidarität mit Benachteiligten und unbedingte Meinungsfreiheit, frei von ideologischer Ächtung und Diffamierung. In 46 Punkten schildert Clinton, was zu tun ist, nur was auch möglich ist, was dringend geboten ist. Er begnügt sich mit diesem Buch also nicht mit Wehklagen und Vorwürfen, sondern bringt aktiv ausgearbeitete Vorschläge in die Diskussion ein und mahnt deutlich zur Eile. Auch aus diesen Vorschläge, kann die europäische politische Klasse Inspirationen ziehen, auch wenn einige der Punkte auf uns weniger oder auch gar nicht zutreffen, andere dafür umso mehr. Es gibt viel zu tun, keineswegs nur in den USA!
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