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4.0 von 5 Sternen Strokes-Liebeserklärung an die (Sounds der) 80er!, 16. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Comedown Machine (Audio CD)
Eigentlich kam "Comedown Machine", das 5. offizielle Album der in der Vergangenheit vielgepriesenen Strokes, eher recht still, bescheiden und unauffällig in die diversen Musik- und Elektronikfachmärkte. Auch der "Run" auf den Strokes-Neuling dürfte sich offenbar in überschaubaren Grenzen gehalten haben - zumindest habe ich in meinem näheren Umkreis (und da wird durchwegs auch von neuen Musikerscheinungen gesprochen) nicht wirklich viel über diesen Silberling zu hören bekommen... Hierzu verfasste Kundenrezensionen (mit denen ich mich im Vorfeld natürlich auch ein bisschen vertraut gemacht habe) sind verhältnismäßig auch spärlich - an deren Zahl gemessen wenigstens (bis dato "nur" 20 zu einer Neuveröffentlichung einer doch durchaus begehrten Band unserer Tage) - ausgefallen...

Ich führe diesen Umstand zu allererst einmal auf eine gewisse Ratlosigkeit zurück. Ist das tatsächlich noch jene Band, die zu Beginn des neuen Jahrtausends als größte Newcomerband gefeiert wurde? Sind das dieselben Wuschelköpfe, die einst so lässig-schmissige Garagenrocksound-Songs von der Leine gelassen haben?
In der Tat: "Is This It" und "Room On Fire" sind schon eine Weile her... Spätestens seit dem Drittwerk ("First Impressions Of Earth") klingt nicht mehr alles, was Julian Casablancas & Co unter ihre Fittiche nehmen, frei, lässig und/oder ungezwungen. Wenngleich unmissverständlich im selben Atemzug gesagt werden muss, dass auch eben besagtes Werk sowie das nach langer, langer Wartepause veröffentlichte "Angles" durchwegs gute Scheiben geworden sind, die beweisen, dass die Welt die Strokes immer noch braucht...

Obwohl der Neuling nun eigentlich durchaus als mehr oder weniger "logische" Fortsetung des ebenfalls ausgetüftelten "Angles" gesehen werden kann, bleiben dennoch ein paar Unstimmigkeiten vorhanden, mit denen eben offenbar nicht jeder (ehemalige) Strokes-Freund so recht umzugehen weiß...
Kleiner Einschub zwischendurch: Man sollte Mr. Casablancas Solo-Veröffentlichung "Phrases For The Young" (das ich übrigens immer schon gemocht habe und immer noch gerne höre) nicht außer Acht lassen - das bestimmt auch maßgebend an der Weiterentwicklung bzw. Neuorientierung der Band beteiligt war - dazu aber gleich mehr...

"Comedown Machine" ist gewissermaßen ein kleines Rätsel oder vielleicht eine Art Denkaufgabe für all diejenigen, die sich vom etwas "verfremdenden" Ersteindruck des Neulings nicht haben abschrecken lassen. Die Platte klingt vorerst einmal nach Discosounds anno 80er-Jahre, monatelang im bombensicheren Studiobunker ausgetüftelt und musikalisch eben stark angelehnt an Julian Casablancas Solo-Werk...
Ob das generell gut oder schlecht ist, ist zuerst einmal freilich dem Musikgeschmack jedes einzelnen überlassen - von der Produktion her kann man der Scheibe jedenfalls nichts vorwerfen, hier wurde gewiss nichts, aber auch rein gar nichts dem Zufall überlassen.
Darin aber liegt für viele alteingesessene Fans vermutlich schon die Wurzel des Übels begraben - die Spontaneität, die Gedankenblitzeingabe, das (gewollt) "Schmissige" - kurz: all das, was eben gerade den ureigenen Charme der beiden Erstwerke ausgemacht hat - fehlt irgendwie und muss auf vorliegendem Silberling berechnender Kühle und Souveränität Platz machen. Kann natürlich auch funktionieren - tut es eigentlich auch. Nur wofür, fragt man sich teilweise - und auch das erscheint mir durchwegs berechtigt...
Freilich ist trotz allem unbestritten die Handschrift der Band (also der einzelnen Musiker) erkennbar - nicht nur am Gesang erkennt man als Hörer sofort, dass es die Strokes sind, die man hier zu hören bekommt. Dennoch kann man im Falle von "Comedown Machine" nicht wirklich von einer bahnbrechenden Innovation sprechen. Platten, die ein bisschen "Retro" Richtung 80er schielen, hat's in den letzten Jahren mehrere gegeben - und auch die waren zum Teil sehr gut (prominentestes Beispiel wäre da meines Erachtens z.B. LCD Soundsystem alias Mastermind James Murphy).
Zwar hat auch diese Strokes-Neo-Inszenierung Hand und Fuß, aber innovativ wie einst das überragende "Is This It" (dann hör ich aber schon auf mit nervigen Früher-war-alles-besser-Vergleichen) ist "Comedown Machine" sicher nicht. Fraglich ist auch, ob man mit dieser Veröffentlichung (beim Vorgänger "Angles" war man da noch weitaus vorsichtiger) nicht etwas zu weit ausgeholt hat und nun doch viele Fans vergrault, die die zuvor kurz angesprochenen "alternativen", rotzigen Ecken und Kanten an der Band so sehr mochten...

Fest steht für mich jedenfalls, dass den Strokes mit "Comedown Machine" ein sehr gutes Pop-Album gelungen ist, das in erster Linie durch seinen homogenen, wohldurchdachten Konzeptcharakter besticht und durchwegs musikalisches Feingefühl offenbart.
Contra: Mir haben die "alten" Strokes auch besser gefallen. Zwar enthält auch der Neuling einige Stücke, die sehr gut funktionieren (allen voran das für das Album eher untypische "All The Time", das auch zu Albumbewerbungszwecken herangezogen wurde und binnen zweieinhalb Minuten beweist, dass die Strokes nichts, aber auch rein gar nichts von all dem eingebüßt haben, was sie einst so groß gemacht hat), aber trotz aller Studiotüfteleien und trotz aller musikalisch-kompositorischer Qualität, will sich nicht so recht ein Herzenszugang meinerseits einstellen...
Dennoch muss ich für die Platte letztlich 4 (wennauch eher schwache) Sterne vergeben, weil Tracks wie z.B. der Opener "Tap Out" (mit starken melodiösen Anleihen aus dem 80er-Jahre-Klassiker "Big In Japan") oder "One Way Trigger" sowie "Chances" und das sehr experimentell anmutende "Call It Fate, Call It Karma" (das entfernt an 30er-Jahre-Aufnahmen erinnert), trotz aller möglicher Geschmacksdifferenzen, letztlich zu interessant bzw. zu herausfordernd bzw. zu tanzbar klingen, als dass man sie mittels schlechter Bewertungen oder einfachen Ignorierens einfach links liegen lassen könnte...

Kurzum: Obwohl ich zunächst auch nicht wirklich vom Strokes-Neuling angetan war und ich mir bewusst relativ viel Zeit bis zum Verfassen dieser Rezension gelassen habe, bleibt "Comedown Machine" nach wie vor ein kleines und interessantes Rätsel für mich. Zum einen ist es sehr gut gemachte Popmusik, verpackt in einer Art "Retroschale" im 80s-Style, andererseits jedoch stellt sich wohl jedem, der sich mit dem Werdegang der Strokes beschäftigt hat, unweigerlich die Frage, ob denn diese Band solch eine Veröffentlichung tatsächlich nötig hatte - vor allem, wenn man bedenkt, dass Julian Casablancas Soloprojekt "Phrases For The Young" eine ähnliche Sparte bereits abgedeckt hatte, die für mich größtenteils sogar innovativer, aufrüttelnder und entschlossener klang als eben diese Neuveröffentlichung...

Fazit: Für mich ist die Scheibe (also "Comedown Machine") bis heute interessant geblieben. Man kann "Comedwon Machine" durchaus mal zwischendurch auflegen oder einfach nur im Hintergrund mitlaufen lassen - funktioniert tadellos. Aber auch eine bewusste, "tiefergehende" Auseinandersetzung mit dargebotenem musikalischen Stoff(en) kann am Ende lohnend sein, vorausgesetzt freilich, man bringt die nötige Geduld und zumindest ein bisschen guten Willen mit ein...

Mehr als 4 Sterne sind aus meiner Sicht - trotz aller positiven Aspekte - aber nicht drinnen! ***/****

Nicht schlecht. Ironischerweise wohl auch gerade für Menschen geeignet, die den Strokes bisher eher nicht so viel abgewinnen konnten!

Abschließend noch einmal meine persönlichen Anspieltipps für vorliegendes Gesamtwerk (das man am besten aber trotzdem am Stück hören sollte!):
- Tap Out
- All The Time
- One Way Trigger
- 80s Comedown Machine
- Chances
- Call It Fate, Call It Carma

...soweit, so gut.
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