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5.0 von 5 Sternen Die Meisterin, 30. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Herrin des Hügels: Das Leben der Cosima Wagner (Gebundene Ausgabe)
Als uneheliche Tochter des berühmten Franz Liszt kommt Cosima Francesca Gaetana Wagner im Jahr 1837 in Como/Italien zur Welt. Ihre Kinder- und Jugendjahre verbrachte sie in Paris bis sie im Jahr 1857 den Dirigenten Hans von Bülow heiratete. Der Freiherr war ein großer Anhänger Richard Wagners, welchen Cosima Wagner in jungen Jahren bereits kennenlernte, damals war das Interesse beiderseitig allerdings eher gering gewesen. Erst einige Jahre später, nachdem sie bereits zwei Töchter geboren hatte, verliebte sich Cosima Wagner in den weitaus älteren Richard Wagner. Sie wurde zu seiner heimlichen Geliebten, was sich jedoch bald nicht mehr verbergen ließ. Nachdem zwei weitere Töchter geboren wurden, deren Vater Richard Wagner war, wurde Cosima abermals schwanger. Dieses Mal mit ihrem einzigen Sohn Siegfried. Cosima erzwang daraufhin die Scheidung von Hans von Bülow und heiratete im Jahr 1870 Richard Wagner. Doch bereits während ihrer heimlichen Beziehung zu Wagner lebte Cosima nur noch für den Meister, führte dessen Geschäfte und war modern gesehen, dessen Managerin. Nach Wagners Tod war ihr einziges Bestreben, den Mythos um Richard Wagner voranzutreiben. Cosima lebte nur noch für die eine Sache, sie trieb die Bayreuther Festspiele weiter voran und führte sie schließlich zu einem erfolgreichen Familienunternehmen. Gesundheitlich geschwächt übergab sie die Leitung der Bayreuther Festspiele im Jahr 1908 an ihren Sohn Siegfried und verbrachte ihre letzten Jahre bis zu ihrem Tod am 01. April 1930 zumeist in der Villa Wahnfried in Bayreuth, weiterhin als angesehenes Familienoberhaupt und maßgebliche Herrin in Wahnfried.

Doch wer war die Frau und später so mächtige Witwe von Richard Wagner, die um sein Leben und Wirken einen wahren Kult erschuf, sich als Gralshüterin sah, das Vermächtnis Richard Wagners pflegte und verbissen verteidigte? Oliver Hilmes zeichnet mithilfe neuer Quellenfunde ein sehr umfassendes, vielschichtiges Bild der „Herrin des Hügels“, welche von vielen verehrt, von nicht wenigen aber auch gefürchtet wurde.

Als uneheliche Tochter von Franz Liszt und Marie d’Agoults wuchs Cosima zusammen mit ihrer älteren Schwester Blandine und dem jüngeren Bruder Daniel anfangs bei der Großmutter Anna Liszt in Paris auf. Den Vater sahen die Kinder so gut wie nie und nachdem die Beziehung zu Marie d’Agoult scheiterte, entzog der Künstler seinen Kindern auch die Mutter und fortan oblag die Erziehung der Liszt-Töchter zwei betagten, extrem autoritären Gouvernanten, welche die Mädchen fast komplett der Öffentlichkeit entzogen. Erst im Jahr 1855 holte Liszt seine Töchter zunächst nach Weimar, um sie dann wenige Monate später in die Obhut von Freifrau Franziska von Bülow nach Berlin zu geben. Hier lernte Cosima auch ihren späteren Ehemann, den Dirigenten Hans von Bülow kennen und heiratete diesen am 18. August 1857. Doch die Ehe sollte keine glückliche sein, auch wenn aus ihr die Töchter Daniela und Blandine hervorgingen.

Bereits im Jahr 1853 traf Cosima bei einem Besuch ihres Vaters in Paris auf Richard Wagner, doch der Komponist schenkte dem Backfisch Cosima kaum Beachtung. Erst im Jahr 1863 gestanden sich Richard Wagner und Cosima von Bülow ihre Liebe und fortan kreuzten sich ihre Wege gewollt immer wieder. Bald schon wurde Cosima mit Wagners ersten Tochter Isolde schwanger, im Jahr 1867 folgte Tochter Eva. Offiziell galt Cosima als Wagners Sekretärin, so ließ sich ihr Doppelleben lange verheimlichen. In dieser Zeit lernte Cosima auch König Ludwig II. von Bayern kennen, der Richard Wagner finanziell unterstützte und ihm so seinen ausschweifenden Lebensstil ermöglichte. Als dann im Jahr 1869 der Meistersohn Siegfried geboren wurde, forcierte Cosima die Scheidung von Hans von Bülow, zumal ihre Liaison mit Richard Wagner, dem Meister, sich kaum noch verheimlichen ließ. Am 25. August 1870 heirateten Cosima und Richard Wagner.

Fortan trat Cosima bewusst noch mehr in den Schatten des Meisters, hob ihn regelrecht auf das Podest eines Halbgottes, lebte nur noch für sein Schaffen. Trotz großer finanzieller Schwierigkeiten gelang es dem Ehepaar, auch wieder mit Unterstützung durch Ludwig II. von Bayern, den Traum der Bayreuther Festspiele wahr werden zu lassen und so kam es im Jahr 1876 zu den ersten Bayreuther Festspielen, welche bis heute Prominenz aus allen Teilen der Welt anzieht.

Mit der Geburt von Siegfried war auch die Dynastie Wagner gesichert, Cosima zog ihren Sohn zum Meistersohn heran, seine Schwestern hatten ihr Leben nach ihm auszurichten, er war der Spross, der die Wagner-Dynastie weiterzuführen hatte. Ein schweres Erbe, welches auf den schmalen Schultern lastete. Und es wurde nicht besser als Richard Wagner im Jahr 1883 in Venedig starb. Cosima zog sich fast gänzlich aus der Öffentlichkeit zurück, zog aber im Hintergrund ihre Fäden und behielt die Leitung der Bayreuther Festspiele bis zum Jahr 1908. Villa Wahnfried in Bayreuth wurde die Machtzentrale der Wagners, in deren Gartenanlage Richard Wagner wie auch Cosima Wagner bestattet wurden. Von hier aus trieb die hohe Frau, die Grande Dame von Bayreuth den Erfolg der Festspiele weiter voran und perfektionierte den Mythos um Richard Wagner.

Oliver Hilmes erzählt seine Biografie über Cosima Wagner beinahe so spannend wie ein Krimi. Seine Schilderungen sind ständig durchsetzt von Briefauszügen und Kommentaren von Zeitzeugen. Hierdurch erhält man ein sehr vielschichtiges Bild über die Herrin des Hügels, deren Einfluss bis in höchste politische wie aristokratische Kreise wirkte. Cosima Wagner lebte ausschließlich für Richard Wagner und dessen Erbe. Jeder aber auch wirklich jeder, der sich der Sache nicht annahm, ihren Ansprüchen nicht genügte, den Meister nicht genug verehrte und ihm die gebührende Achtung entgegenbrachte, fiel in Ungnade, wurde zur persona non grata erklärt. Cosima Wagner strahlte durch ihre schlanke, gerade und hochgewachsene Gestalt eine machtvolle Autorität aus, ihr scharfer Verstand wurde bewundert wie gefürchtet.

Man lernt in Oliver Hilmes‘ Biografie eine beeindruckende, aber auch nicht gerade sympathische Frau kennen. Cosima Wagners Welt war voll von Heuchelei, Manipulationen und Intrigen, ihre feindliche Einstellung gegenüber Juden allgemein bekannt, welche gerade der Dirigent Hermann Levi zu spüren bekam, welcher u.a. die Uraufführung von Parsifal 1882 in Bayreuth dirigierte. Cosima Wagners Sticheleien und Äußerungen veranlassten den Dirigenten mehr als einmal, den Festspielen den Rücken zu kehren, doch mit schmeichelhaften Briefen gelang es der Wagner Witwe immer wieder, ihn auf den Grünen Hügel zurückzuholen. Denn Cosima Wagner benötigte Levi als Dirigenten bei den Festspielen, lange Zeit gab es keine Alternative zu ihm, da wurde dann auch in Kauf genommen, dass Levi Jude war. So verwundert es auch nicht, dass nach der Abdankung von Kaiser Wilhelm II., was in der Villa Wahnfried mit Schrecken zur Kenntnis genommen wurde, herrschten die Wagners in Bayreuth doch auch wie Monarchen, Adolf Hitler ab 1923 ein gern gesehener Gast in der Villa Wahnfried war.

Fazit: Eine beeindruckende, hervorragend recherchierte wie interessante Biografie über das Leben und Wirken von Cosima Wagner, der Herrin des Hügels.
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