Kundenrezension

16 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Geht es nicht mehr ohne Sex...?, 4. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Zementgarten (Taschenbuch)
Verliebt in Abbitte", enttäuscht von Saturday" bin ich voller Neugierde und auch Vorfreude an Der Zementgarten" von Ian McEwan gegangen. Mir war bewusst, dass es sich dabei um schwere Kost handeln wird, leider war es mir nicht bewusst, dass McEwan offensichtlich sich wieder einmal dem Zwang der literarischen Neuzeit ergab der da lautet: Schreibe über Sexualität und es wird gelesen und diskutiert!"

In der Schilderung der vier sich alleine überlassenen Kinder / Jugendlichen zeigt McEwan ein großes Können in der Schilderung der Atmosphäre. Es ist Hochsommer, die Mutter stirbt, die Tage vergehen, ohne Ziel und Inhalt. Der Alltag wird zum Traum, die einzementierte Mutter im Keller zu einer Sache, der man sich ab und zu erinnert. Wie ein kurzes Auftauchen aus einem endlosen Grau.

Das kleinste Kind retardiert, die älteren nehmen es wertlos hin. Die Zweitälteste vergräbt sich in das Schreiben von Tagebüchern und Briefe an ihre tote Mutter und zieht sich mehr und mehr in ihre eigene Welt zurück.
Der 15-jährige Ich-Erzähler" beobachtet all diese Veränderung ohne besondere Regung und existiert nur noch ohne wirklich zu leben. Aus seiner Lethargie können ihn nur noch die weiblichen Reize seiner älteren Schwester für Minuten herausholen.

McEwan zeigt auf eindrucksvolle Weise einige Wochen in dem Leben der Kinder auf, die sie selbst als eine Zeit ohne Tag und Woche, ohne Einheit sehen. Abstrakt und unwahr der Gedanke an ihre Mutter im Keller. Die Verhaltensweisen der Einzelnen drohen zu eskalieren und tun es mitunter auch.

Schon zu Beginn des Buches wird dem Leser klargemacht, dass sich der Erzähler an seiner großen Schwester sexuell erregt. Dies gipfelt in einen inzestuöse Moment. Doch wenn McEwan dem Leser versucht klarzumachen, dass diese eine Folge aus den dramatischen Verhältnissen sei, so fehlt dieser Versuch! Ob beide Eltern oder nur noch die Mutter lebt, ob die Mutter frisch einzementiert ist oder das Chaos schon Einzug gehalten hat - die Anziehung zu seiner Schwester bleibt ohne Veränderungen. Wie aus heiterem Himmel passiert es dann - einfach unglaubwürdig! Der wahrscheinlich von McEwan erhoffte Knalleffekt zum Schluss ist ihm misslungen. Es macht keine Sinn, das passiert, was passiert, der Autor kann nicht den Leser überzeugen, dass dies eine Folge der sich alleingelassenen Kinder ist.

Für die Geschichte völlig unerheblich, für die Atmosphäre schädlich, ist das Daueronanieren" des Erzählers. Ich möchte es einem 15-jährigen Jugendlichen nicht absprechen, dass dies ein wichtiger Punkt in der sexuellen Entwicklung ist, doch, warum muss ich als Leser ca. 30 Mal darüber unterrichtet werden?! Auch hier wieder - das Onanieren, zieht sich unverändert durch das ganze Buch, nur einmal ein kurzer Hinweis, dass er nun nicht mehr so oft Lust dazu hat. Was habe ich als Leser verbrochen, das mich diese einfach nur nervigen Intermezzi dauerhaft begleiten müssen? Braucht McEwan das, damit von seinem Buch gesprochen wird?! Eigentlich nicht...

Wenn der dauerhaft onanierende Jack einfach nur nervig war, so finde ich den Anfang des Buches verwerflich! Es werden Doktorspielchen der Geschwister beschrieben. Dabei ist das zu untersuchende Objekt" die kleine Schwester, die zu dem Zeitpunkt ca. vier Jahre alt ist.
Wir schauten ihr mit der Taschenlampe in den Mund und zwischen die Beine und fanden die kleine Blume aus Fleisch" und dann heißt es Sue drängte uns weiterzumachen,...."

In aller Deutlichkeit - es geht mit hier nicht darum, irgendwelche Doktorspielchen anzuklagen, aber welche Botschaft wird hier gesendet? Ein kleines Kind findet es im Grunde gut und witzig und bettelt förmlich nach mehr, wenn ihm ans Geschlecht gefasst etc wird. So etwas kann und darf einfach nicht von einem ernstzunehmenden Autor geschrieben werden! Mein Meinung hat nichts mit Prüderie zu tun, doch in Zeiten von immer mehr bekann twerdenden Kindesmissbrauchs muss ich einfach sensibler sein und kann nicht schreiben: Sue drängte uns, weiterzumachen"!!!

In der Summe kann ich leider nur drei Sterne geben, zu nervig, zu anstrengend zu sinnlos ist das Teilhabenlassen des Erzählers an seinem Onanieren, seinen mal feuchten, mal trockenen Ergüssen und dem Erregtsein beim Anblick der Schwester!

Im Grunde ist Der Zementgarten" ein gelungenes Buch, leider scheint der Autor ohne o.g. Nervigkeiten nicht auszukommen. Schade, denn zu gerne hätte ich mich von der sehr bedrohlichen und eigenwilligen Atmosphäre mitreißen lassen.
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Kommentare


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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 05.08.2008 16:02:49 GMT+02:00
Pantalaimon meint:
Aus meiner Sicht hat Lesestubs das Buch gründlich missverstanden. Die erotische Anziehung zwischen Jack und Julie ergibt sich nicht aus den "dramatischen Verhältnissen", sie erscheint vielmehr natürlich und von den sozialen Normen unbeeinflusst bzw. unbeeindruckt. Inzest ist ein gesellschaftliches Tabu, aber daraus zu folgern, dass es krankhaft sei, halte ich doch für vermessen. Ich erinnere nur an einstige Tabus wie Oralverkehr, Selbstbefriedigung, Homosexualität etc. Meiner Meinung nach geht es hier um den Konflikt zwischen Natur und Kultur, wobei ersteres dem zweiten stets überlegen sein wird, wie vehement auch die Anstrengungen der Menschen bleiben, die Natur zu unterdrücken und ihren Lebensverhältnissen unterzuordnen. McEwan demonstriert die Macht der Natur explizit an der Sexualität, folglich zieht sich diese als Thema durch die gesamte Geschichte und manifestiert sich speziell bei den Kindern in ihrer unberührten Form, wo noch alles ausprobiert werden kann, ohne sich an den feststehenden Normen zu orientieren, solange sich kein Erwachsener einmischt.
Dieser Roman provoziert in der Tat, indem er uns immer wieder mit der Sexualität der Jugendlichen und Kinder konfrontiert. Auf diese Weise drängt er uns zu hinterfragen, ob die öffentliche Meinung darüber, wie oder ab wann sich Menschen sexuell zu betätigen haben, der menschlichen Natur wirklich gerecht wird. Ganz offensichtlich wird diese Frage am Ende der Geschichte verneint.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.05.2009 14:11:29 GMT+02:00
babyshambles meint:
danke!!

Veröffentlicht am 24.01.2010 12:11:56 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 24.01.2010 12:19:16 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 29.03.2011 22:56:59 GMT+02:00
DYx meint:
Man darf etwas nicht schreiben? Literatur und Kunst darf alles.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.11.2011 20:42:41 GMT+01:00
@Dustin
Nein, auch Literatur und Kunst darf auf keinen Fall "Alles".
Aber "Das" , was Mc Evan in seinem Roman schreibt, überschreitet meines Erachtens auf keinen Fall die Grenzen des Zulässigen.
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