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Kundenrezension

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Warum sollte man keine Vergleiche anstellen?, 1. Dezember 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Elizabeth Gaskell's Wives and Daughters (3 Disc Set) (DVD)
Ich kann nachvollziehen, dass sich manch einer an die Romanstoffe von Jane Austen erinnert fühlt, wenn er sich mit dieser Wives & Daughters"-Verfilmung befasst. Ich glaube auch nicht, dass Jane Austen ein wirkliches Problem damit gehabt hätte. Vermutlich wäre sie sogar stolz darauf, dass die Euphorie, die ihre Romane heute noch auslösen, sicher mitverantwortlich ist, dass den Lesern und dem Publikum nun vermehrt ebenfalls die Romane und dazugehörigen Verfilmungen anderer bedeutender englischer Autorinnen und Autoren angeboten werden. Es gibt eine ganze Reihe verfilmenswerter Romanstoffe in der englischen Literatur - Wives & Daughters" gehört ohne Zweifel dazu und hat es verdient, mehr Beachtung zu finden.

Wer aber nun eine Liebesgeschichte à la Stolz und Vorurteil erwartet, wird vermutlich enttäuscht werden, denn die Romanze steht gar nicht so sehr im Vordergrund dieses Romans - obwohl man in dieser Verfilmung dem Publikum diesbezüglich entgegenkommt und ein romantisches Ende hinzufügt hat, welches es im Roman gar nicht gibt. Die Parallelen zu Jane Austen sind daher eher im Detail zu finden. Vergleicht man z. B. die Persönlichkeiten von Elizabeth Bennett und Molly Gibson, der Hauptfigur von Wives & Daughters", so kann man folgendes feststellen: beide sind junge Frauen, die eher vaterbezogen sind. Beide sind auch mit einer nicht ganz unproblematischen Mutter bzw. Stiefmutter geplagt und besitzen jeweils eine Schwester oder Stiefschwester, die sie mit Schönheit überstrahlt. Eine Gemeinsamkeit ist auch, dass sowohl Elizabeth als auch Molly sehr gute Menschenbeobachter sind, zu ihrer Meinung stehen und diese mit Überzeugung auch Autoritäten gegenüber vertreten. Beide machen sich damit nicht immer Freunde, sie gewinnen aber letztendlich durch ihre Ehrlichkeit den Respekt ihrer Mitmenschen. Es gibt aber auch Unterschiede: Molly Gibson ist jünger als Elizabeth Bennet. Sie wird erst erwachsen, muss ihren Platz in dem Geschehen um sie herum finden und sich ihrer Gefühle als Frau erst klar werden. Auch die Suche nach einem Ehemann ist für sie noch nicht so drängend. Ihr Leben ist noch ganz abhängig von den Entscheidungen anderer - und auch wenn diese ihr Nachteile bringen, steht sie ihren Mitmenschen selbstlos mit Rat und Tat und Verschwiegenheit zur Seite. Gerade deswegen ist Molly mir sehr sympathisch.

Molly steht viel mehr Problemen und Charakteren gegenüber als es beispielsweise Elizabeth Bennett tut. Und wie so oft bei Elizabeth Gaskell hat man einfach das Gefühl, dass diese durchaus heute noch Aktualität besitzen. Eben das macht den Reiz dieser Geschichte aus. Da geht es u.a. um die Problematik alleinerziehender Mütter und Väter, den Schwierigkeiten beim Bilden einer - wie wir das heute nennen - "Patchworkfamilie". Es geht um Stiefmütter, die einem das Leben schwer machen, um Schwestern, die man zwar liebt, die aber ausgerechnet von dem Mann begehrt werden, zu dem man sich hingezogen fühlt. Da geht es aber auch um Männerprobleme: um den Verlust der Ehefrau, um in Druck geratene Väter, die ihr Lebenswerk dringend an Söhne weitergeben möchten, die dies aber nicht wollen oder können; um Söhne, die ihr wahres Leben vor dem Vater verbergen, um diesen nicht zu enttäuschen, und die nicht den Mut finden, zu sich selbst zu stehen. Und schließlich noch um verschmähte Liebhaber, Vorurteile, Berechnung, aber auch um Loyalität untereinander: darum, dass man bei allen Problemen und Krisen zusammenhält.

Auch eine andere Figur dieses Romans ist hochinteressant: Cynthia, Mollys Halbschwester, die von allen heißbegehrt wird, selbst aber nicht lieben kann. Egal wo sie auftaucht, ihr wird sofort die gesamte Aufmerksamkeit zuteil. Molly läuft in Gefahr, in Cynthias Schatten keine Beachtung mehr zu finden und dann auch noch den Mann, den sie liebt, an sie zu verlieren. Dies wird zur Zerreißprobe, denn Molly liebt ihre Schwester zwar weiterhin, muss aber erkennen, dass Cynthia diesen Mann nicht so liebt, wie er es verdient hat. Gerade dieser Konflikt und diese Schwesternkonstellation machen den Roman spannend. Denn seien wir mal ehrlich: Würden Sie nicht daran verzweifeln, einen Menschen wie Cynthia in Ihrem Umfeld zu haben? Als Zuschauer oder Leser fällt es einem ab und an schwer zu entscheiden, ob man Cynthia akzeptieren kann, wie sie ist, oder verurteilen soll. Doch Elizabeth Gaskells Erzählkunst schafft es, dass man auch für sie Verständnis findet wie auch für all die anderen Charaktere von Wives & Daughters".

Aufgrund dieser menschlichen Vielfalt ist mir bei dieser fast sechsstündigen Verfilmung keinen Moment langweilig geworden. Ich habe sie sogar am Stück gesehen und dies dann noch einmal wiederholt, als ich sie einer anderen Person zeigte. Dabei hatte ich Zeit genug, mich an der ausgesprochen aufwendigen und malerischen Ausstattung zu erfreuen. Aber auch die Detailtreue zeigt, wie ausgesprochen liebevoll verfilmt wurde. Dies zeigt sich z.B. darin, dass eine Person, von der in der ersten Folge erzählt wird, dass sie Käse über alles liebt, in der letzten Folgen tatsächlich während eines Abendessens ständig zum Käse starrt. Oder dass Molly tatsächlich beerenverschmiert ist, wenn sie vom Beerensammeln kommt, oder am Ende des Films genau vor dem Baum weinend zusammenbricht, vor dem sie schon am Anfang als Kind einen Schwächeanfall erlitt.

Wenn Sie sich von der Erwartung frei machen können, ausschließlich eine Liebesgeschichte vorfinden zu müssen, und sich stattdessen einer ganzen Reihe von interessanten Charakteren und zwischenmenschlichen Problemen öffnen können, dann stehen die Chancen gut, dass Sie Wives & Daughters" mögen werden.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 01.12.2008 13:38:57 GMT+01:00
Liebe Franziska Stier,

da haben Sie aber wirklich eine sehr eindringliche und ausführliche Rezension verfasst, in der vermutlich ziemlich viel Herzblut drinsteckt, richtig?! Elisabeth Gaskell scheint ein Faible dafür zu haben, charakterlich und äußerlich sehr unterschiedliche Frauen einander gegenüberzustellen. So zum Beispiel auch in "North and South", auch wenn dies in der Verfilmung etwas vernachlässigt wurde!

Wenn allerdings der letzte Absatz eine Anspielung auf den wunderbaren Roman von Jane Austen ("Stolz und Vorurteil") sein soll, muss ich widersprechen. Die Geschichte um die Bennet-Schwestern und den stolzen Darcy auf reine Liebesromanze zu reduzieren, ist doch etwas gewagt. Vielleicht bekommt man bei der Verfilmung von 2005 diesen falschen Eindruck (leider). Aber die Adaption von 1995 bringt den wundervollen Humor Austens so richtig zum Glänzen.

Viel Freude noch beim Rezensieren wünscht
Tanja Heckendorn

P.S. Kennen Sie auch schon "Cranford"? Ein Muss für jeden Gaskell-Fan!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.12.2008 19:39:46 GMT+01:00
Liebe Tanja Heckendorn,

Sie haben ganz recht. Da steckt schon eine ganze Menge Herzblut in meiner Rezension, weil ich die angesprochenen Probleme in diesem Roman persönlich sehr interessant finde.

Ich wollte aber auf keinen Fall eine Wertung verfassen, sondern lediglich einen Vergleich anstellen, da ich doch den Eindruck habe, dass aufgrund der neueren Verfilmungen von "Stolz und Vorurteil" eine solche Erwartungshaltung beim Publikum geweckt wird und dann die Enttäuschung bei einigen Zuschauern groß ist, wenn die Gewichtung bei anderern Literaturverfilmungen nicht die gleiche ist. Ich bin selbst ein großer Freund von Jane Austen und speziell von "Stolz und Vorurteil" und würde den Roman an sich auch niemals als reine Romanze bezeichnen. Jane Austens Romane haben ganz besonders Qualitäten, in diesem Falle wollte ich aber jedermann ermutigen, sich auf die Romane von Elizabeth Gaskell und deren Verfilmungen einzulassen.

Und da kann ich mich Ihrem Tipp vollkommen anschließen: Auch "Cranford" ist dazu sehr gut geeignet und kann jedermann empfohlen werden.

Ich hoffe, ich konnte meinen letzten Absatz noch ein wenig differenzieren, und danke Ihnen für das ansonsten positive Feedback.

Franziska Stier
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