Kundenrezension

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nach über 30 Jahren noch keinen Rost angesetzt, 26. Dezember 2010
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Rezension bezieht sich auf: Stained Class (Audio CD)
Stained Class markiert einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der härteren Rockmusik. Judas Priest machten sich ein neues Image zu eigen: Schwere Lederklamotten und Motorräder. Auch musikalisch gingen sie wesentlich härter und auch stringenter zur Werke, als auf den beiden Vorgängeralben Sin After Sin oder Sad Wings Of Destiny. Stringent bedeutet in diesem Falle nicht, dass das Album poppig oder einfältige Songs beinhaltet. Tipton, Downing, Halford, Hill und Neuzugang Les Binks an den Drums kommen nur schneller auf den Punkt und verzichten auf musikalische Zickzack-Kurse innerhalb der Songs. Ich gehe mal auf die Songs ein, die ich für am bedeutensten halte:

Bereits der erste Song Exciter kann man als eine Art Steinzeit-Urprototyp von Painkiller ansehen. Sehr schnelles, zugleich aber filigranes Drumming, präzises Stakkato-Riffing, wundervolle Gitarrenleads während der Solopassagen, ein glasklarer Falsett-Refrain und ein furioses Grande finale, welches diesen Parforceritt beschliesst. Wäre Painkiller 1978 aufgenommen worden, hätte es wie Exciter geklungen.

Die Spooky Tooth Coverversion Better By You Better Than Me klingt nicht so spektakulär, wie die juristischen Nachfolgen dieses Songs, bescherte er der Band doch eine Anklage, weil zwei Teenager angeblich durch subversiv in diesem Song versteckte Botschaften zum Selbstmord aufgefordert wurden. Ich selbst lebe noch und konnte auch kein "DO IT DO IT", was die Anwälte der Kläger zu hören glaubten, vernehmen. Der Song hat einen ganz ordentlichen Groove, ist eher im Midtempobereich angesiedelt und dümpelt bis auf den wirklich wunderschönen Refrain etwas unspektakulär vor sich hin. Aber ok, ist ja auch nur ein Cover.

Der Titelsong ist ein wirklich furioser instrumentaler Parforceritt, eine Achterbahnfahrt erster Güte. Ein atemberaubendes, sehr markantes Gitarrenintro, gefolgt von einem hämmernden Stakkatoriff (allerdings nicht so schnell wie Exciter), welches Rob Halford mit seinem hysterischen Falsett würzt und den Song zumindest während der Strophen etwas hysterisch erscheinen lässt. Der Refrain jedoch wirkt sehr erhaben und königlich, nicht ganz so schrill gesungen und weist eine wunderschöne Melodie auf. Die Gitarrensoli sind ebenfalls nicht von dieser Welt. Bedauerlich, dass dieser Song so selten live aufgeführt wurde. Bis zu diesem Punkt der erste Höhepunkt des Albums. Stained Class. Bisher keine Rostflecken.

Invaders wird durch einige sehr spacige Gitarreneffekte eingeleitet, die wohl akustisch ein landendes Ufo skizzieren sollen. Ein einfaches, aber markantes Gitarrenriff und ein sehr schöner, aber simpler Refrain. Iron Maiden haben fünf Jahre später einen ähnlichen Song geschrieben, der auch zufälligerweise genauso heißt, nur in einer schnelleren Version. Ein zunächst unscheinbarer Song, der nach mehrmaligem Hören durchaus zu gefallen weiß, vor allem wegen des Refrains und der Gitarrenarbeit in der Mitte.

Saints In Hell klingt für Judas Priest zunächst sehr untypisch und hat doomige Black Sabbath-Anleihen. Schleppendes Tempo, tonnenschwere Lavariffs, eine unterschwellig bedrohliche Atmosphäre. Erinnert mich vage an Sabbath Bloody Sabbath oder A National Acrobat von den Genrekollegen aus Birmingham (aus dem Judas Priest interessanterweise auch stammen).

Das Highlight des Albums ist meines Erachtens nach die sehr majestätische, wie auch epische Halbballade Beyond The Realms Of Death. In meinen Augen der wirklich ergreifendste Song, den Priest jemals geschrieben haben. Queensryche haben wenige Jahre später für ihre Songs Roads To Madness oder The Lady Wore Black zweifelsohne ihre Inspiration aus dieser Blaupause bezogen. Der Song klingt sehr düster, melancholisch und weißt von den akustischen Strophen ein schleppendes Powerchord-Riffing auf, welches dezent an 16. Century Greensleves von Rainbow erinnert, allerdings in einer wesentlich packenderen und vor allem härteren Version. Textlich handelt der Song von Todessehnsucht eines totkranken Menschen, der seine Außenwelt nicht mehr wahrnehmen will, solange er an ihr nicht teilhaben kann. Also entzieht er sich ihr vollends. Eine so ernste Thematik haben Priest danach nie wieder verfolgt und haben vor allem textlich in den 80ern mitunter sehr tief ins Klo gegriffen mit lächerlichen Cartoon-Klischees. Zum Glück umschiffen alle Songs dieses Albums diese Klischees bei weitem.

Vom Sound her ist das Album sehr transparent und knackig produziert, alle Instrumente sind sehr gut voneinander zu unterscheiden (im Gegensatz zu einigen 80er Alben von Priest, wo Bass und Schlagzeug eine rhythmische Einheit bilden und monoton auf Autopilot zu laufen scheinen, während vor allem die Gitarren dominieren), allerdings mangelt es etwas an Schmackes. Für ein Album aus den späten 70ern dennoch erstaunlich wild, hart und brachial. Härtetechnisch waren es in den frühen 70ern Black Sabbath und Deep Purple, in den späten 70ern vor allem Judas Priest und Rainbow, die neue Grenzen ausloteten.

Die 2001 Remasters Version dieses Albums verfügt über einen anachronistischen Bonustrack aus den Ram It Down Sessions von 1988, der auf Stained Class soundtechnisch sehr deplaziert wirkt, aber dennoch sehr zu gefallen weiß. Technoider Drumcomputer (hat was vom Terminator-Soundtrack) und wundervolle, leicht synthielastige Gitarrenharmonien dominieren mit interessanten Melodien.

Nach 32 Jahren hat dieses wohl erste richtige Metalalbum (Black Sabbath steckten noch zu tief im Blues und Jazz auf ihrem Debutalbum 1970) keinen Rost angesetzt. Bestes Priest Album der 70er. Bedauerlich, dass mit Exciter nur ein einziger Song von Stained Class auf dem Livealbum (naja, so live nun auch wieder nicht) Unleashed In The East vertreten ist.
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