Kundenrezension

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fundiert und praxisnah !, 9. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zen-Training: Praxis, Methoden, Hintergründe (HERDER spektrum) (Taschenbuch)
Dies ist ein tiefgründiges, von einem Grossmeister der Vermittlung kompakt geschriebenes Praxis- und Lehrbuch nicht nur über Zen, sondern auch über Meditation und den tiefen Sinn des Lebens im Allgemeinen. Der Autor schreibt von sich, dass er 30 Jahre gebraucht habe, bis er das Gefühl hatte, vom Zen ein bisschen verstanden zu haben, weil es ihm an organisierter Methode und Theorie gefehlt hatte (S.262). Diese Lücke hat er nun mit diesem Buch vollumfänglich geschlossen.

Im Aufbau geht er dabei vom Grobstofflichen zum Feinstofflichen, beginnend mit der Sitzhaltung über die Atemphysiologie zur Erkenntnistheorie, vor. Im Gegensatz zu anderer Zen-Literatur fällt auf, dass der Verfasser gleich zu Anfang seines Buches den Begriff der Erleuchtung, Einheit" verwendet und ihn in die drei Hauptkategorien Samadhi, Kensho und Satori einteilt, zu denen es dann noch weitere Abstufungen gibt. Für Sekida ist das Eintreten in den Samadhi absolut notwendig, da dies die Läuterung des Bewusstseins darstellt (S. 256). Das allumfassende Gewahrwerden der Läuterung des eigenen Geistes nennt man dann Kensho (S.111). Beim Satori wird einem auf einen Schlag eine erschöpfende und tiefe Erfahrung zuteil, eine explosionsartige Erleuchtung (S.278). Sehr beeindruckt haben mich dann die Kapitel Erfahrungen des Kensho", in dem Fallbeispiele von Zen-Schülern beschrieben werden, die das Kensho erlangt haben und das Kapitel "Eine persönliche Schilderung", in dem der Autor seinen eigenen Zen-Weg beschreibt. Den Versuch, etwas mit Worten eigentlich nicht Fassbares wie Samadhi, Kensho oder Satori zu schildern, habe ich in der von mir gelesenen Zen- und Meditationsliteratur bisher so nicht gefunden. Die Erleuchtungserfahrung, die die ganze Abhandlung durchzieht, wird im weiteren Verlauf auch gegen Drogenerfahrungen und Psychosen abgegrenzt. Last but not least nimmt Sekida ausführlich Stellung zu den westlichen Existenzphilosophen M. Heidegger und E. Husserl, die seiner Meinung nach nicht zu einem wirklichen Verständnis von Sein/Existenz vorgedrungen sind und den Sucher frustriert zurücklassen.

Für problematisch halte ich die Einstellung Sekidas, dass der Samadhi unbedingt erlangt werden muss, denn ich bin mir nicht sicher, ob jedermann den Samadhi erreichen kann. Dazu bedarf es einer grossen psychischen Stabilität und Standfestigkeit. Wenn wir versuchen, Erleuchtung zu erlangen, kann dies eine schwere Bürde für unseren Geist sein und er wird dann nicht klar genug sein, um die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind, meint Shunryu Suzuki in seinem wunderbaren Buch "Zen-Geist, Anfänger-Geist", das die genaue Gegenposition zu Sekida einnimmt. Sekida lässt allerdings auch keinen Zweifel daran, dass es sich beim Zen um einen viele Jahre dauernden Weg voller Schweiss und Tränen (S. 203) handelt und deshalb gibt es so wenige Erleuchtete. Denn die Erreichung des Ganzen erfordert den Einsatz des Ganzen und mit ein wenig Meditation nach Feierabend wird man wohl nicht dorthin gelangen.Ich persönlich bin auf meiner langen Reise noch keinem Erleuchteten begegnet und falls jemand eine(n) solche(n) Meister kennen sollte, bei dem ich in die Lehre gehen könnte, wäre ich für eine Rückmeldung sehr dankbar. Für das Buch gebe ich 5 Sterne. Dixit: Ein Suchender !
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 21.05.2014 17:00:32 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.05.2014 17:03:06 GMT+02:00
Sie nennen Sekida einen "Großmeister". Ich empfinde es gerade als äußerst erfrischend, dass Sekida sich selbst nirgendwo mit irgendwelchen Titeln oder "bestätigten Erleuchtungserlebnissen" schmückt, was er offenkundig überhaupt nicht nötig hat, weil er ein im besten Sinne individuierter Mensch ist.
Er stellt sich vielmehr ganz bescheiden als Englischlehrer dar, der sich äußerst intensiv und hochkompetent mit Zen praktisch und theoretisch sein Leben lang auseinandergesetzt hat.
Ist es nicht gerade sehr befreiend, dass hier endlich mal einer sehr kompetent schreibt und sich ausnahmsweise NICHT auf besondere Autorisierung durch andere berufen muss - wie das übrigens ausgerechnet deutsche Zen-Autoren oft meinen nötig zu haben?
Gerade dadurch, dass er sich NICHT in die üblichen Zen-Hierarchien einordnet oder einordnen läßt, wird er besonders menschlich und ist ein sehr bedeutsamer Lehrer. - Aber Sie meinten "Großmeister" vielleicht ja auch gar nicht in diesem üblichen hierarchischen Sinn....
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Ort: Winterthur, Zürich Schweiz

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