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Rezension bezieht sich auf: Die Tribute von Panem - The Hunger Games [Blu-ray] [Special Edition] (Blu-ray)
Ich habe mir diesen Film mit meiner Teenager Tochter angesehen und war angenehm überrascht. Die Geschichte ist wirklich gut und regt (soweit dies für einen Hollywood Blockbuster möglich ist) zum Nachdenken an. Nach diesem Film hatte ich ein Gesprächsthema mit meiner Tochter und das wäre nach dem Konsum einer Twilight Folge sicher nicht so gut möglich gewesen. (Zumindest was mich betrifft). Das gesellschaftliche Umfeld dieser Dystopie ist vielleicht manchmal ungenügend erhellt, gewisse Logiklöcher muß man übersehen, trotzdem bleibt aber diese Mischung aus Kindermord, Gladiatorenspiel und Castingshow, gesetzt in eine Gesellschaft mit extremen sozialen Unterschieden, faszinierend. Wer meint, eine solche Szenerie sei abartig, dem muß man zwar einesteils recht geben, andererseits aber hat die Menschheit im Verlauf ihrer langen Geschichte schon ganz andere Scheußlichkeiten zur Volksbelustigung erfunden. Die Hauptfigur, übrigens sehr überzeugend dargestellt (ich empfehle die englische Version), ist keine Superheldin, sie hat Angst, ihr Überleben ist oft nur eine Frage puren Glücks, sie schießt nicht oft aber manchmal daneben, und wo Gewalt ist, läuft sie (wenn nicht in die Enge getrieben) so schnell sie kann davon. Ich habe mich schon bei sehr vielen Teenager Filmen über die Rollenmodelle, die da den für so etwas sehr empfänglichen Jugendlichen aufgedrängt werden, sehr geärgert, diesmal war das nicht der Fall. Zur von manchen kritisierten FSK Freigabe sei gesagt, es gibt eine Unzahl von Filme mit FSK Freigabe, in denen die Toten austauschbare Kegelfiguren sind, dies ist zwar in diesem Film im Prinzip auch der Fall, aber zumindest sterben hier auch die Unschuldigen und es wird hier und da sogar ganz zart angedeutet, daß Tote kein schöner Anblick sind. Und diese im Film ohnehin geschönte Wahrheit sollte man auch Jugendlichen zumuten. Zum Film selbst, er ist gut gemacht, einzelne Szenen sind wirklich gut, z.B. (aber nicht nur) die Zurechtmachung der Tribute für die Präsentation, sie findet nicht umsonst in einer Umgebung statt, die an ein Leichenschauhaus erinnert, hier wird klargemacht, daß es sich bei allen Teilnehmern nicht um Helden sondern um Opfer handelt. Der Gang der Hauptfigur zum Countdown unmittelbar vor dem Beginn der Spiele ist einem Weg zur Hinrichtung nachempfunden einschließlich eines geistlichen Beistands in diesem Fall durch den Stylisten Cinna. Auch der unmittelbare Bildschnitt vom Joystickmörder in der Zentrale zum um sein Leben laufendem Opfer in der Arena läßt an einen Drohneneinsatz in einem modernen Krieg denken. All diese Szenen werden ich so schnell nicht vergessen. Andere Szenen sind schwächer, die Kampfszenen und die eine Sterbeszene sind verharmlost um die FSK Freigabe zu bekommen, die Verwendung einer Handkamera finde ich bei diesen Szenen allerdings als ein angebrachtes Stilmittel. Die spärlichen Liebesszenen sind (das Zielpublikum sind eben Teenager) vor allem durch die verwendete Musik manchmal ein bischen schmalzig geraten. Obwohl, benimmt sich ein verliebter ein bischen schüchterner Teenagerbub nicht vielleicht doch so ? Abgesehen von diesen Szenen ist der Musikeinsatz bei diesem Film sparsam aber in den richtigen Momenten. Die Satrapenarchitektur der Hauptstadt (des Kapitols) hat mich nicht begeistert, sie schwächt die Wirkung ab, der Film erreicht im Gegenteil vor allem in jenen Szenen, in denen er die Figuren bewußt in eine nicht oder nur gering futuristisch verfremdete Umgebung setzt, seine bedrückenden Höhepunkte. Die drei geschilderten Szenen waren vor allem für mich eindrucksvoll/bedrückend, meine Tochter (14 Jahre jung) hatte die entsprechenden Assoziationen (noch) nicht. Abschließend sei gesagt, daß sie natürlich altersgemäß ganz andere Dinge an diesem Film wahrgenommen hat, es war aber insgesamt für uns beide ein gelungener Kinoabend.
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