Kundenrezension

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4.0 von 5 Sternen Guter Männerfilm, schwacher Antikriegsfilm, 17. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Das dreckige Dutzend (DVD)
"Das dreckige Dutzend" ist die Mutter aller Himmelfahrtskommandofilme, der Streifen war 1967 extrem erfolgreich und löste eine Welle von Ähnlichem aus, unter anderem mehrere Fortsetzungen. Er hat einen gewissen Kult-Status erlangt; fast zwangsläufig erscheint es, dass auch Tarantino ihn ausgiebig in seinen "Inglourious Basterds" zitiert. Was ist dran an diesem Film? Recht viel, aber er droht auch gelegentlich, auf einen allzu hohen Sockel gehoben zu werden.

Zunächst das Gute: Regisseur Robert Aldrich hat es immer verstanden, solche zupackenden Männergeschichten mit einer gewissen zynischen Härte zu inszenieren und dabei noch den einen oder anderen innovativen Akzent zu setzen. So ist der Film über weite Strecken tatsächlich angenehm direkt und nicht nur in der Action, sondern auch in der Darstellung sonstiger Verhaltensweisen genau wie das titelgebende Dutzend: dreckig. Es beginnt bereits mit einer Hinrichtung, dann werden zu den Credits die zwölf Sträflinge ins Bild gerückt, mit Auflistung des Strafmaßes, gefolgt von Rekrutierung, knochenharter Ausbildung und schließlich Einsatz gegen Nazis im weitesten Sinne. Dabei gibt es trotz einer gewissen Freude an der Darstellung einer harten Männerclique auch Kritik am Militär: Der Fisch stinkt vom Kopfe her. Wer allen Ernstes keine bessere Idee hat, als einen Haufen verwegener Räuber und Mörder inclusive eines hochgefährlich religiösen Fanatikers und eines professionellen Mafioso in die Hände eines US-Ausbilders und anschließend des Feindes zu geben, dem sind noch ganz andere Sachen zuzutrauen... Die perverse Idee kommt von ganz oben. Und der Film stellt das über weite Strecken relativ ungeschminkt dar, schon erkennbar an der Auswahl der Darsteller: 1967 waren die Grenzen zwischen "Heavies" und "Leading Men" teilweise schon brüchig, bei Aldrich sind sie ganz aufgehoben. Nicht nur in den Rollen der Delinquenten, auch ansonsten sehen wir überwiegend Darsteller, die eher für Haudegen als für positiv konnotierte oder gar romantische Helden bekannt sind. Ernest Borgnine als vorgesetzter General, der die Idee mitzuverantworten hat, Lee Marvin als Ausbilder, Ralph Meeker allen Ernstes als Militärpsychologe, und bei dem Dutzend solche Typen wie Charles Bronson, Trini Lopez, Telly Savalas, aber auch der im wahren Leben eher intellektuelle Regisseur und Schauspieler John Cassavetes darf hier aus der Haut fahren.

Der Trupp liefert sich Wortgefechte, Zynismus, latente und ausbrechende Aggressivität, am Anfang gegeneinander und gegen Marvin, am Ende gegen die Nazis. Durch den geschickten Beginn, die Präsentation während der Credits und ein paar Einzelgespräche während der Rekrutierung, schenkt der Film trotz seiner Gruppendynamik vielen Mitgliedern des Dutzend individuelle Stimme und Gesicht, die Typen sind einprägsam und unterscheidbar. Aldrich-"Helden" brauchen nicht viele Worte, Blicke und Gesten sagen alles. Allein, wie Bronson einmal von Angehörigen eines anderen Trupps zusammengeschlagen wird und hinterher im Wege stiller Post weitergesagt wird, wer es war, bis einer merkt, dass er es Bronson selbst sagen will, und wie Bronson das mit einem unnachahmlichen Blick quittiert, der genau sagt, dass man sich mit ihm lieber nicht anlegen sollte... Aldrich konnte diese wortkargen Männerwelten in einer harten Coolness inszenieren, die die Männlichkeit gleichzeitig hochhielt, aber auch bewusst machte, und die hässlichen Seiten dahinter nicht verbarg. Und so war es vielleicht auch er, der aus einem wie Bronson, dessen Filmographie bei Gott durchwachsen ist, das Meiste herausholte, gerade durch die Reduktion der großen Geste. Man(n) ist hier eben in einer Welt, in der man die Codes auch so versteht, und das macht Aldrich nur selten zum Ausstellungsstück, sondern er kombiniert es mit einer harten, schmutzigen, perversen Welt und einer perversen Aufgabe. Sie kann nur von dem Urbild des Mannes gelöst werden, aber gleichzeitig ist das, was er da tut, keine wirkliche Lösung. Die Männerwelt ist alternativlos, aber nicht heilsbringend, und von daher sind Aldrich-Filme gelegentlich reichlich pessimistisch. Im Falle des "dreckigen Dutzends" geht das so weit, dass am Ende die Handgranaten in eine Falle geworden werden, in der sich neben den Nazis auch deren Frauen und Freundinnen befinden - was von Tarantino indirekt zitiert wird, bei dessen "Basterds" jeder und jede Deutsche ein Nazi ist und am Schluss ebenfalls alle in einer Falle umkommen, ob sie nun aktive Täter waren oder nicht. (Am Rande: Wenn kurz vor der finalen Schlacht ständig aufzufliegen droht, dass Lee Marvin sich mit mangelnden Deutschkenntnissen nicht gerade dafür eignet, undercover einen Deutschen zu geben, hat das ebenfalls eine - sehr überzeichnete - Widerspiegelung bei Tarantinos "Basterds" gefunden.)

Doch eines muss klar gesagt werden: Aldrich hält diesen fatalistisch-perversen Zynismus nicht konsequent durch. Da sind andere seiner Filme besser. Zwar gelang ihm Vieles, und er ist auch in Momenten, in denen der religiöse Fanatiker (Savalas) auszurasten und alle Pläne zu verraten droht, ein Meister des Spannungskinos. Doch es schleicht sich immer mal wieder oberflächliche Kumpanei und Landserromantik durch. Lustig ist das Soldatenleben, faria faria ho. Natürlich geht es am Ende hart zur Sache, und viele des Dutzends werden es nicht überleben. Aber vorher sehen wir eben in typischer Klischeehaftigkeit, wie der verhaßte zum geliebten Ausbilder wird, der aus dem Chaotenhaufen verantwortungsbewusste Kameraden macht, die in guter Freundschaft und Loyalität zusammenhalten. Wir sehen, wie bei einer Wehrübung in so einer Art Kriegsspiel die depperten Gegner reingelegt und hops genommen werden - das war zwar einer dramaturgischen Notwendigkeit geschuldet, da man das Dutzend sonst nicht zum Einsatz zugelassen hätte, passt aber in dieser verspielt-witzigen Top-Gun-Probenszenario-Romantik nicht zu der Härte des übrigen Filmes. Wir schmunzeln ab und an über einen von dem jungen Donald Sutherland gespielten comic relief - stellen aber dennoch fest, dass er von der subversiven Antikriegshaltung in "M.A.S.H." ungefähr so weit entfernt ist wie die Bild-Zeitung von der FAZ. Er ist halt der Kasperkopp der Truppe und erfüllt die Klischeefunktion, dass in jedem Kumpelfilm so eine Figur dabeizusein hat, auch hier im tiefsten Landserkitsch gefangen und kaum mit dem Rest des Filmes kompatibel (wiewohl seine kleine Rolle einigermaßen Laune macht).

Man kann es so sagen: "Das dreckige Dutzend" ist ein knalliges Actionabenteuer und in seiner zupackenden, direkten Inszenierungsart mit einem Schuss Kälte und wortkargem Zynismus besser als das Meiste aus dem Genre. Aber der große konsequente Antikriegsfilm, zu der er gelegentlich geschrieben wird, ist er definitiv nicht. Krieg ist hier eher ein Sport, wenn auch ein sehr brutaler. Tatsächlich hat Footballfan und Ex-Spieler Aldrich mit Jim Brown einen Footballprofi in sein Dutzend aufgenommen, den er z.B. bei einem schnellen Sprint auch genau so inszeniert. Nein, nein, dann ist es schon konsequenter, wenn Aldrich mit "Die Kampfmaschine" tatsächlich einen ziemlich brutalen, gemeinen, aber auch ansatzweise spaßigen Footballfilm inszeniert hat. Zum Krieg mag das nicht so recht passen. Aber irgendwie sehenswert ist es (bei guter DVD-Qualität und wenigen, aber netten Extras) dann doch.
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