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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
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Rezension bezieht sich auf: Kein neues Menschenbild: Zur Sprache der Hirnforschung (edition unseld) (Taschenbuch)
Janich attestiert den Naturwissenschaften eine Sprachvergessenheit: "Hirnforschung muß sogar in ihren harten naturwissenschaftlichen Teilen zur Kenntnis nehmen, daß sie selbst im Medium der Sprache stattfindet" (88), schreibt er und stellt zugleich fest, wie wenig in den verschiedenen Beiträgen mit klarer Begrifflichkeit und sauberer Trennung der Ebenen, auf denen geschrieben wird, gearbeitet wird. Diese Feststellung sowie sein Grundanliegen vermag Janich in dem 192-Seiten-Buch durchaus plausibel darzustellen. Auch erfreut die Feststellung, dass "die Lebenswelt mit ihrer Alltagssprache und mit ihrer sozialen Praxis (...) durch die Wissenschaft unhintergehbar" (177) sei.Im Zentrum des Buches stehen die Analysen von 3 wesentlichen Ebenen des Diskurses: der Objektsprache (auf der die naturwissenschaftlichen Sachverhalte dargestellt werden), der Parasprache (die Ausdruck des Selbstverständnisses, der Programme und Ansprüche beinhaltet) und der Metasprache (die Reflexion der anderen beiden Ebenen). Auf allen 3 Ebenen findet Janich klärende und präzisierende Worte, die durchaus lesenswert sind. Das vollmundige Fazit lautet: "Die Hirnforschungsdebatte verpaßt eine Lösung des Körper-Geist-Problems, weil sie dem Dogma verfallen ist, in den exakten Wissenschaften könne es nur logische und kausale Verhältnisse geben. Wird dagegen das Treiben der Hirnforschung durch vernünftiges Handeln von Menschen mit berücksichtigt, also der Mensch nicht nur als Objekt, sondern als Subjekt der Hirnforschung miteinbezogen, kann auch die Zweckrationalität ihren Platz in der Debatte einnehmen, die sich nur gegenüber der eigenen tatsächlichen Praxis täuscht. (...) Die Hirnforschungsdebatte ist ein ideologisches Überbauphänomen, das nur die eigene zugrunde liegende Praxis mißversteht." (176) Dieses Fazit wird jedoch argumentativ nicht eingeholt. Dass Janich wesentliche Reflexionsarbeit nicht leistet, zeigt sich in den Einzelanalysen der drei Ebenen. Letztlich behauptet er lediglich, dass die beschreibende Ebene der Naturwissenschaften nicht den Mensch insgesamt erklären könne. Sein Grundargument, dass Naturwissenschaften mit Sprache arbeiten, diese Bedingtheit aber nicht selbst reflektieren würden, leuchtet durchaus ein. Aber es genügt nicht, um den Reduktionismus zu widerlegen, dem die Schwächen der Sprache durchaus bewusst sein kann, ohne vom grundlegenden Standpunkt abrücken zu müssen. Argumente des Reduktionismus tauchen schlichtweg keine auf, damit produziert Janich keine redliche Kritik, sondern eher ein einseitgies Plädoyer. Er betont etwa, dass die Vollzugsebene ungleich der (naturwissenschaftlichen) Beschreibungsebene sei, geht aber mit keinem Wort darauf ein, wie Reduktionisten genau die von Janich postulierten Unterschiede nivellieren wollen. Auch die Differenz von Objekt- und Subjektebene stellt er mit klingenden Beispielen dar, ohne die Reduktionsvorgehensweise zu erwähnen. Damit bietet Janich keinen seriösen Beitrag zur Debatte. Nebenbei muss auch erwähnt werden, dass sich Janich auch von nicht-reduktiver Seite aus angreifbar macht, wenn er gegen typische philosohpsche Vertreter dafür argumentiert, dass eine klare und kontextunabhängige Begriffsdefinition möglich sei, mittels der dann Sprachprobleme zu lösen sein. Gerade die aktuellen Vertreter einer unabhängigen Subjektseite würden Janich hier widersprechen. Völlig offen bleibt, wie sich Janich das Verhältnis von Subjekt- und Objektseite vorstellt. Sicherlich muss er in diesem Buch keine Lösung für alle Probleme bieten, es ist aber für die geringe Argumentationstiefe durchaus typisch, dass er hier nicht mehr bietet. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen Kommentare
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag:
01.05.2011 15:06:20 GMT+02:00
A. Oellrich meint:
Sie monieren u.a., dass Janich Behauptungen argumentativ nicht einholt (3. Absatz), dass Janich die Reduktionsweisen nicht klar macht (5. Absatz), dass Janich nicht tief genug argumentiert (7. Absatz). Die beiden Zitate, die Sie im ersten Absatz bringen reichen völlig, um für Klarheit zu sorgen. Hat man es begriffen, ist es letztlich einfach. Wirklich schwierig scheint es zu sein, in dieses Verständnis zu kommen. Dazu zwei Untertitel der Bücher von Gerhard Roth. Da heißt es: "Aus Sicht des Gehirns" und "Wie das Gehirn unser Verhalten steuert". Ein Gehirn "sieht" nicht. Sehen kann nur ein Mensch, Tier etc. Das Gehirn steuert kein Verhalten, sondern nur der Mensch "steuert" sein Verhalten. Tut er das nicht, dann ist er eine Maschine fremdgesteuert, gengesteuert oder wie auch immer. Dann kann aber auch niemand feststellen, dass das so ist, denn entweder wir steuern oder wir werden gesteuert, vom Gehirn, von Gott und Teufel, den Systemen der Ismuse oder von was auch immer. Es ist schlicht ein Widerspruch zu behaupten, wir Menschen werden von (unseren?) Gehirnen gesteuert. Gerhard Roth (bzw. Gleichgesinnte) ist der einzige Mensch, der seine Menschlichkeit, seinen Organismus, Leib, Verstand, Gefühle etc. verlassen kann, konnte, um sich dann im Nirgendwo mal mit seinem Gehirn zu unterhalten und zu fragen, was dieses den Tag lang so Geheimnisvolles treibt. Und natürlich erzählt das Gehirn des Gerhard Roth dem Gerhard Roth im Nirgendwo, was es sieht und macht. Unhintergehbarkeit heißt, dass es für keinen Menschen einen jenseitigen, quasi göttlichen Standpunkt gibt, von dem aus man Gehirne beobachtet oder sich mit diesen über ihre "Sichtweisen" unterhält. Auch naturwissenschaftliche Erkenntnis ist nur in Sprache formulierbar. Eine neutrale oder objektive Sprache gibt es nicht, weil es eine "jenseitige" Sprache wäre. Sprachen und Sprechen sind immer an Menschen und ihre soziale Praxis gebunden. Objektsprachen, Metasprachen etc. müssen stets an entsprechende Muttersprachen gebunden und in diese rückübersetztbar bzw. aus diesen konstruierbar sein. Wer das bestreitet lebt nicht auf diesem Planeten oder will es nicht verstehen oder wahrhaben, weil dann die ganzen Phantastereien ein Ende haben.
Antwort auf einen früheren Beitrag vom
10.11.2012 19:33:20 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 10.11.2012 19:33:53 GMT+01:00
Mario Donick meint:
Diesen Grundgedanken haben, denke ich, alle, die das Buch gelesen haben, schon verstanden. Daran ist auch nichts auszusetzen.
Das Problem ist, dass Janich von (Wort-)Bedeutungen auszugehen scheint, die sich nicht ändern und die immer, zu jeder Zeit, zu jedem Ort, in jeder Situation, exakt sind. Auf die Möglichkeit des Sprachwandels und des Bedeutungswandels geht er nicht ein. Dies schreibt der Rezensent leider erst am Ende seiner Kritik: "Nebenbei muss auch erwähnt werden, dass sich Janich auch von nicht-reduktiver Seite aus angreifbar macht, wenn er gegen typische philosohpsche Vertreter dafür argumentiert, dass eine klare und kontextunabhängige Begriffsdefinition möglich sei, mittels der dann Sprachprobleme zu lösen sein. Gerade die aktuellen Vertreter einer unabhängigen Subjektseite würden Janich hier widersprechen." Man muss Janich zu gute halten, dass er sich gegen diese Sichtweise abgrenzt. Leider begründet er das nicht vernünftig, und seine entsprechenden einführenden Erläuterungen zu Sprache und Kommunikation bleiben recht oberflächlich. Dies ist halt sehr schade, denn sein Grundansatz ist wichtig.
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