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4.0 von 5 Sternen zur Kulturgeschichte, 21. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Platon in Bagdad: Wie das Wissen der Antike zurück nach Europa kam (Gebundene Ausgabe)
„Wie hat die Wissenschaft der griechischen Antike überdauert und auf welchem Weg gelangte sie nach Westeuropa?“ (fast 1000 Jahre später), das ist die Kernfrage, der sich John Freely in seinem Buch nachhaltig zuwendet, wenn er dies auch weitgehend nicht in flüssig zu lesender Sprache vollzieht.

Ein Weg der Kultur des Denkens und der Wissenschaft, der von Athen nach Alexandria, nach Rom und Konstantinopel bis hin zum nestorianischen Gondischapur. Wo das Wissen noch lange nicht halt macht, sondern über das abbasidische Bagdad, das fatimidische Kairo, Damaskus, das muslimische Cordoba und das normannische Palermo eben zurück nach Europa führt.
Ein Weg, den Freely detailliert nachvollzieht und es dabei nicht versäumt, wesentliche Erkenntnisse und deren Wirkgeschichte aufzuzeigen. So entsteht vor den Augen des Lesers eine umfassende und für die breite Leserschaft gedachte Gesamtdarstellung der Wissenschaftsgeschichte.

Freely gelingt es, die nahtlose Geschichte des Wissens und der Kultur des Wissens überhaupt fundiert nach zu erzählen und stellt intensive Zusammenhänge dabei her, die deutlich aufzeigen, wie die „wissende“ Welt eben „eine Welt“ letztlich ist. Zwar in verschiedenen Entwicklungsstadien (vieles wurde auch getilgt und vergessen an einstigen „Hochburgen des Wissens“), dennoch aber löst sich in der Geschichte der Wissenswanderschaft und Weiterentwicklung das (auch und gerade machtpolitisch-religiös motivierte) Unterteilen in Polaritäten und Gegensätzen („Orient und Okzident“) in guter Weise auf. Wobei Freely durchaus Wert auf ein solides „Fundament“ legt und daher die Anfänge der Wissenschaft in der griechischen Antike breit und fundiert zunächst darstellt.

Dass Trennungen, weltlich gebaute Gegensätze, destruktive Machtrivalitäten letztlich immer Rückschritte für das Wissen der Menschen bedeuten, dass Wissen auch verloren gehen kann und Formen dann wieder eher undifferenzierter Gesellschaftsformen ihren Platz einnehmen, auch dies stellt Freely überzeugend, wenn auch manches Mal zu kleinteilig, dar, wie er überhaupt in der Form auch mit manchen Abbildungen dem Leser auch komplexe Vorgänge durchaus verständlich nahe bringt. So versteht man bei der Lektüre mehr und mehr, dass sich der Orient lange Zeit im philosophischen Denken an Griechenland orientiert hat und eben nicht an fundamentalen, muslimischen Doktrin, ebenso, wie das kaiserliche Rom die Philosophie pflegte und weiter entwickelte und erst später das „dunkle Mittelalter“ über Europa kam als Folge katholischen Machtanspruches und „Verteufelung“ von „Wissen“.

Seite für Seite spürt man dem Buch die Leidenschaft Freelys für sein Thema ab und darf sich als Leser durchaus daran freuen, dass Freely komplexe Zusammenhänge und Erkenntnisse der Wissenschaft in verständlicher Sprache mitzuteilen versteht. Wenn auch die Fülle von Informationen und das Thema an sich ein konzentriertes Lesen notwendig machen und das Buch eher als trockener „Wissensstoff“ denn als „Unterhaltungslektüre“ zu verstehen ist.
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