Kundenrezension

22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen ...ist nicht immer LIebe, 10. September 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Was man Liebe nennt. Zuneigung, Freundschaft, Eros, Agape. (Taschenbuch)
Lewis erzählt uns hier sehr viel Richtiges über Zuneigung, Freundschaft, Eros und Agape, der höchsten Form der Liebe wie sie in der Bibel beschrieben wird. Man erkennt bei vielem, was er sagt sofort, dass es stimmen muss, weil man selber schon genau diese Gedanken- und Gefühlsgänge in vergleichbaren Situationen hatte. Nur, dazu hätte man nicht unbedingt das Buch lesen müssen.
Lewis gewährt uns Einblick in sein Seelenleben und erklärt uns dabei zugleich wie es in uns in den meisten Fällen aussieht. So weit so gut. Oder doch nicht, denn es gibt da wenig aufregendes zu berichten. Wenn also jemand erwartet etwas nicht-psychologisches, schönes, zauberhaftes über die Liebe zu erfahren, wird er wohl eher enttäuscht. Lewis ist hier kein Dichter. Er stellt an den Leser fast so hohe Anforderungen wie es eine wissenschaftliche Arbeit erfordert. Er seziert, was man Liebe nennt und dabei geht es ihm ähnlich wie einem Chirurgen, der tief schneidet und doch den Zugang zur Seele nicht freilegt. Beim Chirurgen liegt es daran, dass er es nur mit dem Leiblichen zu tun hat. Und bei Lewis? Er erweckt oft den gleichen Eindruck.
Wichtig ist in dem Werk, dass Lewis herausstellt, dass es keine wichtigere Liebesart gibt als die zwischen Mensch und Gott, weil einzig diese Bestand hat und die Basis für alles aufbauende, das auch stehen bleibt, ist. Andere Liebesarten müssen sich dem unterordnen, vernünftigerweise und lebensnotwendigerweise.
Lewis schweift oftmals ab ins Philosophische. Doch dabei entwickelt er seine stärksten Aussagen. "Der Mensch kommt Gott am nächsten, wenn er Gott in einem gewissen Sinn am wenigsten gleicht." Lewis liebt offensichtlich solche Widersprüche. Wie sie sich auflösen, erklärt er in überzeugender Weise. Man muss unterscheiden zwischen Gottesnähe und Gottesähnlichkeit. Zu erkennen, dass man wenig Ähnlichkeit mit Gott hat, weil er alles Gute hat, wessen man selber dringlichst bedarf, versetzt einen sofort in eine Nähe zu Gott, von der aus man von ihm erreichbar und ansprechbar ist. Und daher gilt auch: "Das Höchste steht nicht ohne das Niedrigste", denn "Eine Pflanze braucht unten die Wurzeln und oben den Sonnenschein, und Wurzeln sind nun mal schmutzig." Es ist praktisch unmöglich Christ zu sein, und sich nicht seiner absoluten Bedürftigkeit bewusst zu sein.
Wer solche Aussagen nicht mag, der sei vor diesem Buch gewarnt. Der Leser lässt sich auf eine gehörige Menge christlicher Glaubenssätze und Lebensansichten ein. Und auch wenn es in der Hauptsache um die Spielarten der Liebe geht, Lewis findet immer wieder zurück zu christlichem Gedankengut, vielmehr baut er alles um seinen christlichen Glauben herum auf und krönt es mit dem Agape Angebot Gottes.
Bei aller Liebe versäumt er es interessanterweise nicht, unredliche Hohlköpfe, die das Christentum dünkelhaft und überheblich angreifen, politisch völlig unkorrekt anzugehen und des "erhabenen Schwachsinns" zu überführen. Was nicht schwer ist, aber leicht zu versäumen. Wer das Christentum verteidigt, tut es ja nicht zwangsläufig gegen solche, die nur darauf aus sind es zu verleumden. Lewis Sprache ist aber meistens von großer Zurückhaltung geprägt, auch wenn es durchschaubar scheint, dass er das wohl eher aus Berechnung als aus Freundlichkeit heraus tut.
Lewis ist wohl auch nicht der Freund der Feministinnen. Für ihn ist die Ehe ein Abbild (Mysterium) des Verhältnisses von Gott zu den Menschen. Und daher ist die Unterordnung kein notwendiges Übel sondern ein Weg zum Segnen. Dass die Unterordnung der Frau durch lieblose Männer ins Maßlose gesteigert wird und dass das Heidentum schon seit jeher die Ausbeutung und Versklavung der Frau betreibt, müsse von der biblisch geforderten Unterordnung der Frau, die als unabdingbares Gegengewicht die ebenso geforderte Liebe des Mannes zur Frau herausstellt, unterschieden werden. "Auch die entschiedensten Feministinnen brauchen mein Geschlecht nicht um die Kronen zu beneiden, die ihm das heidnische oder das christliche Mysterium anbietet. Denn die eine ist aus Papier, die andere aus Dornen. Die wirkliche Gefahr liegt nicht darin, dass die Männer zu eifrig nach der letzteren greifen, sondern dass sie es zulassen oder fördern, wenn ihre Frauen sie sich anmaßen."
Lewis legt aber den Schwerpunkt eindeutig auf das Versagen des Mannes die Frau so zu lieben, dass ihr von vorneherein der Anreiz für ihr Aufbegehren genommen wird. Wenn es so leicht ist, ist es sehr schwer!
Lewis hat auch immer eine eigene Theologie. Er schlägt mit Vorliebe einen Bogen vom alltäglichen zur höheren Himmelsmathematik. "Es gibt nur einen Ort außer dem Himmel, wo wir vor allen Gefahren und Wirrungen der Liebe vollkommen sicher sind: die Hölle."
Insgesamt eine interessante Arbeit, die nicht immer leicht zu lesen ist. Mehr etwas für philosophisch interessierte.
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