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Atemsprache!, 28. Dezember 2002
Rezension bezieht sich auf: Rachmaninoff: 2. Klavierkonzert (Audio CD)
Jetzt also das 2. Klavierkonzert von Rachmaninoff. Das erste, was ich von Hélène Grimaud hörte, waren die Études Tableaux, ebenfalls von Rachmaninoff. Sie hatte mit diesen Stücken den Denon-Musikpreis gewonnen. Damals konnte ich es nicht fassen, wie ein Kind den Geist eines Komponisten derart genau erfassen und mit abgeklärter Spouveränität in Klänge übersetzen konnte. Der einzige Trost für mich war die zweite CD, die ich von ihr hörte: Auch sie klang sehr stark nach Rachmaninoff. Der Komponist allerdings hieß: Chopin. Eine fünfzehnjährige kann eben doch nicht alles verstehen und in Töne fassen. Als Hélène neun Jahre alt war, überlegten ihre Eltern, sie wegen "Hyperaktivität" in Therapie zu schicken. Das Problem erledigte sich, als ein Klavier ins Haus kam. Fortan wurde alle überschüssige Energie von den Tasten ihres Instruments aufgesaugt. Hélène erledigte das Programm der klassischen Klavierausbildung in fünf statt der üblichen sechs Jahre. Danach begann für Hélène Grimaud eine Weltkarriere. Jetzt also das 2. Klavierkonzert von Rachmaninoff. Ist es Frau Grimaud - mittlerweile 32 Jahre alt - gelungen, ihre Nähe zum Komponisten noch zu steigern? Ich muß gestehen, meine Lieblingsaufnahme bleiben ihre 1986 erschienenen Études Tableaux. Die aktuelle Aufnahme blieb mir eigentümlich fern, sehr den Noten verhaftet, wenig lebendig - bis ich im Hintergrund der exzellenten Aufnahme Hélène Grimauds Atem entdeckte. Hier eröffnete sich für mich eine weitere Dimension ihres Klavierspiels. Das Atmen bezeugt die körperliche wie die seelische Anstrengung, die der Komponist seiner Interpretin abverlangt. Über den Klängen des Steinway-Flügels schwebt ihr Leiden, ihre Anstrengung, ihre Lust am Spiel. Als Hörer befinde ich mich zwischen Interpretin und Instrument. Und mich umspülen die Klänge des Pianoforte wie der Atem der Pianistin. Alle Läufe, alle Rhythmen, alle Harmonien erhalten neues Leben von Frau Grimaud. Zugegeben, es ist ein etwas ungewöhnlicher Weg, sich einer Aufnahme zu nähern. Die heutige technische Perfektion von Frau Grimaud kann beim ersten Hören steril wirken, doch spätestens ihre Atemsprache bringt dem Zuhörer Rachmaninoff körperlich nahe. Hinhören! Und genießen...
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Rachmaninoff: 2. Klavierkonzert B000058BAY
Hélène Grimaud
Teldec Classics (Warner)
Rachmaninoff: 2. Klavierkonzert
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Atemsprache!
Jetzt also das 2. Klavierkonzert von Rachmaninoff. Das erste, was ich von Hélène Grimaud hörte, waren die Études Tableaux, ebenfalls von Rachmaninoff. Sie hatte mit diesen Stücken den Denon-Musikpreis gewonnen. Damals konnte ich es nicht fassen, wie ein Kind den Geist eines Komponisten derart genau erfassen und mit abgeklärter Spouveränität in Klänge übersetzen konnte. Der einzige Trost für mich war die zweite CD, die ich von ihr hörte: Auch sie klang sehr stark nach Rachmaninoff. Der Komponist allerdings hieß: Chopin. Eine fünfzehnjährige kann eben doch nicht alles verstehen und in Töne fassen. Als Hélène neun Jahre alt war, überlegten ihre Eltern, sie wegen "Hyperaktivität" in Therapie zu schicken. Das Problem erledigte sich, als ein Klavier ins Haus kam. Fortan wurde alle überschüssige Energie von den Tasten ihres Instruments aufgesaugt. Hélène erledigte das Programm der klassischen Klavierausbildung in fünf statt der üblichen sechs Jahre. Danach begann für Hélène Grimaud eine Weltkarriere. Jetzt also das 2. Klavierkonzert von Rachmaninoff. Ist es Frau Grimaud - mittlerweile 32 Jahre alt - gelungen, ihre Nähe zum Komponisten noch zu steigern? Ich muß gestehen, meine Lieblingsaufnahme bleiben ihre 1986 erschienenen Études Tableaux. Die aktuelle Aufnahme blieb mir eigentümlich fern, sehr den Noten verhaftet, wenig lebendig - bis ich im Hintergrund der exzellenten Aufnahme Hélène Grimauds Atem entdeckte. Hier eröffnete sich für mich eine weitere Dimension ihres Klavierspiels. Das Atmen bezeugt die körperliche wie die seelische Anstrengung, die der Komponist seiner Interpretin abverlangt. Über den Klängen des Steinway-Flügels schwebt ihr Leiden, ihre Anstrengung, ihre Lust am Spiel. Als Hörer befinde ich mich zwischen Interpretin und Instrument. Und mich umspülen die Klänge des Pianoforte wie der Atem der Pianistin. Alle Läufe, alle Rhythmen, alle Harmonien erhalten neues Leben von Frau Grimaud. Zugegeben, es ist ein etwas ungewöhnlicher Weg, sich einer Aufnahme zu nähern. Die heutige technische Perfektion von Frau Grimaud kann beim ersten Hören steril wirken, doch spätestens ihre Atemsprache bringt dem Zuhörer Rachmaninoff körperlich nahe. Hinhören! Und genießen...
weißallesundnix "weißallesundnix"
28. Dezember 2002
- Insgesamt:
5

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