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Kundenrezension

22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Referenzaufnahme, 11. September 2007
Von 
Rezension bezieht sich auf: Weihnachtsoratorium (Audio CD)
Warum wird Gardiner bloß so oft wegen seiner Tempi kritisiert? Zunächst einmal muss gesagt werden, dass es sich bei Gardiner um jemanden handelt, der mit Leib und Seele Dirigent ist und seit jeher eine besondere Beziehung zu Bach's Musik hat. Wer dem Dirigenten und seinen Ensembles einmal bei der Arbeit zugesehen hat, weiß, wie viele Gedanken er sich um die Musik macht, sorgfältig an ein Werk herangeht und versucht, alles aus der Musik herauszuholen. Ihm also Kälte oder sogar Unkenntnis vorzuwerfen, wäre völlig falsch. Gardiner "rast" nicht einfach so durch ein Werk. Wenn er hier und da im Vergleich zu den meisten anderen Interpreten mal ein ziemlich schnelles oder auch sehr langsames Tempo wählt, hat das bei ihm seinen triftigen Grund. Nämlich den, dass das entsprechende Stück ein solches Tempo zulässt oder sogar fordert. Ich stelle immer wieder fest, dass Gardiner's Tempi sowie andere interpretatorische Merkmale wie Artikulation und Dynamik bei jedem Stück ihren Sinn haben, wenn man sich den Text, also die musikalische Aussage, vergegenwärtigt. Bei Gardiner ist immer alles bis ins Detail durchdacht und ganz bewusst ausgeführt. Es begeistert mich jedes Mal, wie unter seiner Leitung alles so ausgewogen und wie aus einem Guss präsentiert wird. Bei keinem anderen ist hinsichtlich des Gesamtkonzepts immer alles so rund, schlüssig und klug durchdacht wie bei Gardiner.

Ich finde, dass Bach's wunderbare Musik heute manchmal immer noch unter der damaligen "Romantisierungs-Welle" zu leiden hat. Das trifft hauptsächlich auf die vier großen Vokal-Werke zu. So auch auf das herrliche Weihnachtsoratorium. Ich möchte nicht abstreiten, dass diese alten Aufnahmen mit einem großen Chor und großem Orchester im Romantik-Gewand auch sehr schöne Momente haben können und in einigen Hörern, die in dieser Zeit gelebt haben, bestimmte Erinnerungen hervorrufen. Somit haben diese Aufnahmen für viele einen eigenen, besonderen Wert. Aber insgesamt hat das von der Interpretation und Aufführung her für mich wenig mit Bach zu tun. Meiner Meinung nach kann Bach's Musik bei diesen damaligen "Über-Interpretationen" nicht ihr ganzes Potenzial entfalten. Die Musik wird auf diese Weise einfach erdrückt von meistens zu langsamen und breiten Tempi, Vibrato im Überfluss und einem überdimensionierten Ensemble, welches keine Leichtigkeit und Durchsichtigkeit zulässt. Man wollte in dieser Zeit Romantik in Bach's Werke legen, wo einfach keine ist. Ich habe mal gehört, dass schriftliche Aufzeichnungen aus Bach's Zeit existieren sollen, aus denen hervorgeht, dass sich die Menschen damals angeblich hin und wieder darüber beklagt haben, dass Bach seine eigenen Werke nach Meinung der Zuhörer zu schnell wiedergegeben haben soll. Bezüglich der Tempi wird Bach's Musik wohl oft falsch eingeschätzt. Das, was manchen Hörern heute als zu schnell erscheinen mag, war für Bach selbst vielleicht ganz normal und er hätte es auch so gemacht. Bei einem Werk wie dem Weihnachtsoratorium gibt es meiner Meinung nach auch gar keinen Grund, auf zügige und lebendige Tempi zu verzichten. Es handelt sich schließlich um ein erfreuliches und heiteres Fest.

Gardiner's Aufnahme des Weihnachtsoratoriums ist angenehm leicht, durchsichtig und mit dem richtigen Gespür für Text und Musik interpretiert. Die Tempi sind überhaupt nicht zu schnell, sondern absolut dieser wunderbaren Musik angemessen. Die Solisten sind allesamt ausgezeichnet. Bei der von einem Rezensenten erwähnten, ebenfalls sehr zu empfehlenden DVD-Ausgabe des Weihnachtsoratoriums, handelt es sich um eine Aufführung, die Gardiner als Auftakt zu seiner Bach-Kantaten-Pilgerreise im Dezember 1999 realisiert hat. Diese "Aufnahme" ist übrigens größtenteils sogar noch etwas schneller als die Studio-Aufnahme. Auch die Tenor-Arie aus der 4. Kantate ("Ich will nur dir zu Ehren leben") und der Eingangs-Chor der 5. Kantate ("Ehre sei dir, Gott, gesungen") sind bei dieser Konzertaufführung genauso schnell wie in der Studio-Aufnahme. Soviel zum Thema, Gardiner hätte später seine angeblich gehetzten Tempi abgelegt.
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Kommentare


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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 27.12.2007 13:30:13 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 28.12.2007 15:59:33 GMT+01:00
"Ich stelle immer wieder fest, dass Gardiner's Tempi sowie andere interpretatorische Merkmale wie Artikulation und Dynamik bei jedem Stück ihren Sinn haben, wenn man sich den Text, also die musikalische Aussage, vergegenwärtigt." -

Trifft das Ihrer Meinung nach auch auf die Arie "Schlafe, mein Liebster" zu?
Das schnelle Tempo nimmt diesem Stück doch jegliche Ruhe ("Schlafe" !!!) weg! In Bezug auf die Tempi unter Beachtung des jeweiligen Gesangtextes halte ich beispielsweise Rillings Interpretation für wesentlich angemessener.

Veröffentlicht am 06.12.2012 18:58:48 GMT+01:00
Sagittarius meint:
Gardiner hat selbst das übertriebene Tempo dieser Aufnahme bei seiner pilgramige zurückgenommen. Einer der Solisten wurde von ihm überrascht, was das Tempo anging und war damit gar nicht einverstanden.

Es geht nicht um "zügig",sondern darum,ob sich bei diesem Tempo noch die Emotion einstellen kann, die man sich von dem Stück erhofft. Sowohl das Weihnachtsoratorium als auch die Matthäus-Passion vertragen eine gewisse Ruhe, was gar nichts mit Behäbigkeit zu tun hat.

Veröffentlicht am 21.10.2013 10:06:13 GMT+02:00
Sehe ich ganz genauso. Ich habe die genannten vier Vokalwerke von verschiedenen Interpreten gehört (Harnoncourt, Herreweghe, Koopman, also die offensichtlichen), aber ich komme immer wieder zu dem Schluss, mir geben Gardiners Interpretationen am meisten. Und z.B. Herreweghe ist jedenfalls bei der Johannespassion nicht wirklich langsamer, also was solls. Für mich ist und bleibt Gardiner der Interpret erster Wahl bei Bach.
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