Kundenrezension

26 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wenn es stimmt, dass Musiker ..., 9. Juli 2009
Rezension bezieht sich auf: Horehound (Audio CD)
... auf ihren Platten fortwährend ihr Leben, vorzugsweise ihre frühe Kindheit verarbeiten, so will man nach dem Anhören von "Horehound" gar nicht mehr wissen, wem Jack White da im Sandkasten, so es überhaupt einen gab, die Schaufel über den Schädel gezogen hat. Man kann dem Jungen ja einiges vorwerfen, Liebedienerei allerdings zählt sicher nicht dazu. Denn dieses Werk seiner Zweit- oder Drittspielwiese The Dead Weather ist so monströs und schwer genießbar, dass er es damit garantiert nicht in die Herzen der Formatradiohörer schaffen wird (und auch die italienischen Ultras werden sich schwer tun, einen neuen Gesang für die Curva darauf zu finden). Nun will ich nicht ungerecht sein, "Horehound" ist allemal hörbarer als atonale Zwölftonmusik von Schönberg oder die grenzdebilen Schunkelreigen der Kastelruther Spatzen. Aber vergleichsweise eingängige Songs wie "Seven Nation Army" oder "Hotel Yorba" sucht man auf der Platte vergeblich. Hier wird von der ersten Minute an dem Killerblues gehuldigt, elf Mal durchdekliniert und variiert, mal mit leichten Reggaetunes versetzt (Cut Like A Buffalo), mal als staubiger Wüstenrock (Rocking Horse), dann wieder als dunkel dräuende Anleihe an Birthday Party (So Far From Your Weapon) verkleidet. Gemeinsam sind allen Songs die kreischenden Powerchords und kurzatmigen Breaks, die Basswalze ist ebenso allgegenwärtig wie das knochentrockene Schlagwerk. Höhepunkte dagegen sind schwer auszumachen, vielleicht noch das Eröffnungsstück "60 Feet Tall", wo man noch erleichtert aufatmet, wenn statt des quiekenden White die kampfbereite Alison Mosshart von den Kills ans Micro tritt. Das als melodisch gepostete Stück "Treat Me Like Your Mother" klingt dann leider wie ein Wiedergänger dieser 90er-Jahre-Crossover-Bands deutscher Prägung wie H-Blockx oder Such A Surge, keine so gelungenen Vorbilder also. Am Ende taumelt dann, müde vom immerwährenden Geknüppel und mit wunden Stimmbändern, die ganze Entourage durstig und entkräftet (Will There Be Enough Water?) im Delirium dahin, ein wenig Mitleid hat man da schon. Ein durchaus interessantes Stück Musik also, aber für's erste Date oder den lauen Sommerabend empfiehlt sich doch eher Bewährtes, da wäre eine Verwechslung zwischen Jack und Barry nicht sonderlich hilfreich ...
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 31.07.2009 10:25:30 GMT+02:00
Velvia Blue meint:
@Martin Lorenz: Eine gut geschriebene Rezension, die trotz "nur" 3 Sternen auf das Album neugierig macht. Schade, daß sie anscheinend von Fanboys systematisch niedergevoted wird...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.08.2010 10:48:26 GMT+02:00
Kann Velvia Blue nur zustimmen. Interessante Rezension.
Es ist auch richtig, zu warnen, dass es nichts süffisant unterhaltsames ist, was einen auf der Platte erwartet.
Aber zwei Anmerkungen hätte ich da schon noch:
1. Die Band ist (erstmalig?) kein reines White Projekt, der Sound wird auch sehr stark von den anderen Bandmitgliedern beeinflusst. Insofern ist der Vergleich mit Stücken von den White Stripes ein bisschen unfair. Wenn auch wieder berechtigt, um darauf hinzuweisen, dass es keine neue WS sind.
2. Der Vergleich mit den H-Blockx und Such A Surge ist für mich viel zu weit hergeholt. Keine Sorge, ich bin kein entnervter Fan, aber mir erschließt sich der Zusammenhang einfach nicht. Ich habe sowohl H-Blockx als auch Dead Weather ausgiebigst gehört, kann aber keinen großen Zusammenhang finden.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.01.2013 15:26:08 GMT+01:00
Amberle meint:
Ja, gute Rezension. Man sollte noch erwähnen. dass es Dead Weather schaffen die schlechteste Bob Dylan-Cover-Version aller Zeiten zu bieten (New Pony). Was sie dem Lied antun ist ein Verbrechen und kann nicht mehr unter "Neuinterpretation" durchgehen.
Die Nähe zu den White Stripes höre ich schon, halt immer bei den Jack White-Stücken der Platte.
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