Kundenrezension

52 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Horizonterweiterung vorausgesetzt!, 26. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Day & Age (Audio CD)
Auf den ewigen Kreislauf des Musikgeschäftes kann man sich verlassen. Zuerst kommt eine Band und mischt die eingefrorene Musiklandschaft mit neuem Sound auf, dann wird sie zusehens erfolgreicher, spricht auf einmal alle möglichen Menschen an und ist am Ende schlussendlich eine dieser riesigen Massenacts, gegen die sich wiederum neue Bands auflehnen. Ist doch so. Denkt mal drüber nach. Beispiele gibt's genug. Coldplay sind da wohl das beste, wenngleich es bei denen nicht unbedingt einen Verlust, musikalischer Qualität bedeutet, finde ich ja. Die Kooks und Kaiser Chiefs dieser Welt sind da eher die Negativbeispiele. Bei den Killers aus Las Vegas verhält es sich insofern anders, als das die Band nie einen Hehl aus ihren Ambitionen gemacht hat. Als das Debüt Hot Fuss" 2004 erschien stellte es, gerade durch seinen Hang zum britischen 80er-Pop und zur großen Geste, eine willkommene Alternative zu den anderen, jungen Rockbands á la Strokes und Franz Ferdinand da. Zumal das Debüt der vier Amerikaner eine Menge Hits aufweisen konnte.
Die Schelte kam mit Sam's Town". Das hatte dann nur wenig gute Hits und die Veränderung der Band wird wohl über das Wort Ambitionen" definiert. Denn wenn man schon immer viel wollte und dann auf einmal die Möglichkeit dazu hat, dann geht das meist schief. So war denn Sam's Town" etwas zu schwülstig, etwas zu überambitioniert, etwas zu viel des guten. Ohne gute Songs vor allem.

Nun Day & Age" an dem sich die Geister in der Musikpresse ja bereits scheiden. Der Rockpomp des Vorgängers fällt weg... wird aber durch 80er-Pop-Pomp ersetzt. Ja, ich rede hier von unzähligen Flächensynthies, Discobeats, Harmoniegesang und dem guten alten Saxophon. Wenn man so was nicht verträgt, sollte man die Killers 2008 besser vergessen. Und bevor man sie zerpflückt, sollte man verstehen, was sie überhaupt wollen. Die Killers sind nicht die coole kleine Indie-Band, wie sie Franz Ferdinand sind, sie sind nicht die Herzschmerz-Balladen-Band wie Coldplay. Sie sind auch weit davon entfernt, sich musikalisch wie Bloc Party in allen Genres auszutoben. The Killers machen Pop! Richtigen Gitarrenpop alter Schule! Erinnert ihr euch noch an die uncoolen Genesis der 80er? Das wollen die Killers! Deren Polarisierung besteht aus ihrer Glattheit, dem bewussten Spielen mit dem verhassten, glatten Radiopomp dieser Dekade. So klingt Day & Age" wie ein musikgewordenes Stück Torte. Ganz viel Zucker, ganz viel Glanz, viel zu viel von allem. In seiner Konsequenz ist dieses Album geradezu beeindruckend. Die Tatsache, dass die Killers so offensichtlich uncool agieren, macht sie fast schon wieder cool. Hier ist eine Band, die bewusst eher nach den Pet Shop Boys klingen will, als nach Joy Division... dazu gehört Mut und Selbstbewusstsein. Und daran mangelt es den Jungs um Brandon Flowers nicht.

Das kann man und muss man wohl als cooler" Mensch zwangsläufig hassen, aber man kann es auch versuchen zu verstehen, wenn man bereit ist, den eigenen Horizont über die Genregrenzen der Szene heraus zu erweitern. Eins ist Fakt... Day & Age" ist wesentlich besser als Sam's Town". Das liegt primär an den guten Songs! Klar, Human" könnte auch ne Schlagerproduktion sein, A Dustland Fairytale" ist komplett überladen und die Synthieflächen bei The World We Live In" sind echt breit. Aber Fakt ist... wenn man den Pomp wegnimmt erkennt man richtig gute Popsongs. Und wenn Day & Age" eine Erkenntnis liefert, dann die Tatsache, dass die Killers doch noch Songs vom Schlage ihres Debütalbums abliefern können. Ich bin mir fast sicher, dass, wenn man die Songs ins Gewand von Hot Fuss" gepackt hätte, es wesentlich besser verstanden werden würde. Dazu sind die Songs relativ gut. Gut, Ausfälle wie I Can't Stay" order Neon Tiger" gibt's auch, aber gut, die gab's selbst auf Hot Fuss" und auf 2/3 von Sam's Town". Aber die Band sträubt sich bewusst gegen die Wiederholung. The Killers sind keine coole Indierock-Band. Sie machen, seit jeher den Glamorous Indie-Rock'n Roll", den sie auf dem Debüt angekündigt haben. Und Day & Age" hätte mit weniger Pomp sicher auch funktioniert, aber das war wohl nicht Sinn des Ganzen. Dieses Album ist gar nicht mal so übel, sogar recht gut, vorausgesetzt man versucht es zu verstehen und gibt sich Mühe die Songs hinter dem Pomp und den Gesten des Herrn Flowers zu verstehen. Die Gefahr, dass die Killers jetzt eine dieser nervigen Bands werden, die man nur hassen kann und gegen die sich am Ende wieder neue Bands auflehnen werden, ist stets präsent. Oder sie drehen sich beim nächsten Album um 180 Grad. Auf jeden Fall scheinen ihnen im Gegensatz zur Konkurrenz noch nicht die Ideen auszugehen. Und solange man als Band immer wieder polarisiert und überrascht, ist das auf jeden Fall spannender, als wenn man sich wie andere Bands ihres Jahrganges gar nicht mehr bewegt.
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Kommentare


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1-10 von 16 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 29.11.2008 12:21:06 GMT+01:00
Thomas Hüge meint:
Hallöchen.Das ist die wohl beste Rezension die Ich persönlich seit langem gelesen habe.Kann Dir in allen Bereichen nur Recht geben.Klasse !!!

Veröffentlicht am 29.11.2008 19:52:23 GMT+01:00
Harald meint:
auch Sam's Town hat seine (hedonistish ausufernden) Highlights, die du aber vor lauter analysieren vermutlich nicht wahrgenommen hast.

Veröffentlicht am 29.11.2008 22:41:04 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 05.12.2008 07:03:28 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.12.2008 00:20:34 GMT+01:00
Rockgeschichte neu schreiben indem man aus eben dieser alles mögliche zusammenklaut? Na ja, sowas sieht normalerweise anders aus, finde ich. Fakt ist für mich einfach, dass "Day

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.12.2008 21:58:10 GMT+01:00
@Christian,

alles klar. Auch nochmal für Dich. Die Killers wollten nie eine reine Gitarren/Indieband sein. Deswegen war der Schritt nur logisch. Eine reine Rockband waren die Jungs niemals, das nur am Rande.

Veröffentlicht am 02.12.2008 23:56:19 GMT+01:00
Indio-Black meint:
Wie bei anderen Bands ist auch bei einigen Fans von "The Killers" eines wieder deutlich erkennbar:

Wenn einem sogenannten "Fan der ersten Stunde" eine neue musikalische Stil- und Marschrichtung plötzlich nicht mehr zusagt, wenn man nicht von seinem "Schubladendenken" loskommt, wird oftmals die vormals favorisierte Band kategorisch ausgemustert und auf einmal ist alles nur noch schlecht und belanglos.

Das beste Beispiel für einen Stilbruch, der vor ca. 16 Jahren ungläubiges Kopfschütteln bei vielen "Fans" verursacht hatte, das war das Album von U2 - "Achtung Baby"...

Ich mag "The Killers" noch immer - sie treten wenigstens nicht auf der Stelle und bleiben dadurch interessant.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich ca. 6.000 CDs und LPs von Pop, Rock, Indie, Metal, Hip Hop, etc. in meiner Sammlung habe und mich kein Stil(bruch) schocken kann.

Es kommt für mich auf die Qualität der Musik an - und auch wenn "The Killers" jetzt scheinbar ganz anders klingen, so bürgt die Band noch immer für qualitativ hochwertige Musik.

Aber wie heißt es so schön:

"Was der Bauer nicht kennt (oder kennenlernen will???), das frisst er nicht - Schublade auf, Schublade zu..."

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.12.2008 21:48:45 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 05.12.2008 07:02:55 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.12.2008 11:42:30 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.12.2008 12:29:19 GMT+01:00
Indio-Black meint:
Natürlich gibt es Grenzen des "Guten Geschmacks" und natürlich habe ich mir "Day & Age" auch gerade deshalb gekauft, weil ich mit den anderen Alben der "Killers" meine guten Erfahrungen gemacht habe - soviel zum Thema "Fanbonus".

Natürlich kann ich auch nachvollziehen, dass es Hörer gibt, die mit der neuen Stilrichtung ihrer Lieblingsband nichts mehr anzufangen wissen und damit sogar Probleme haben.

Was ich allerdings überhaupt nicht nachvollziehen kann, das sind Rezensionen von diversen Freizeitkritikern in diesem Forum, welche das neue Album mit "Werken" von "Dieter Bohlen" oder "Wolfgang Petri" vergleichen wollen und Parallelen zu diesen "Künstlern" feststellen möchten.

ALSO BITTE:

Jeder Vergleich hinkt - aber hier sind einige wohl doch derbe über das Ziel des guten Geschmacks hinausgeschossen.

Was kommt als nächstes? Vergleiche mit "DJ Ötzi" oder "Rolf und seine Freunde"?

Eine Änderung der musikalischen Stilrichtung gleichzusetzen mit "Schrott" - nur weil der eigene musikalische Horizont nicht ausreicht und man trotz der für meine Begriffe unbestrittenen vorliegenden musikalischen Qualität von "Day & Age" das Werk um jeden Preis niedermachen möchte?

Das neue Album mit musikalischen Ergüssen dieser Art zu vergleichen, nur weil man mit einem neuen Stil der Band nicht klarkommt und nicht erkennen will, dass dieser Stilbruch trotz aller Unterschiede zu den Vorgängeralben nach mehrmaligem Hören vielleicht doch wohl nicht so groß ist?

Natürlich wird Musik von jedem Hörer individuell und subjektiv aufgenommen - trotzdem sollte man genug Objektivität an den Tag legen und solche tollkühnen Vergleiche vermeiden.

Noch immer ist die musikalische Qualität der Songs gegeben - noch immer befinden sich "The Killers" in Gefilden des Pop, Synthie- oder Bombast-Pop, Indie und des leichten Rock.

Deshalb ist das plötzliche Einstreuen der Gattung "Volksmusik" als "Toleranzindikator" für mich nicht verständlich.

Bereits andere Bands vor den "Killers" haben bewiesen, dass eine Verschmelzung einzelner Stile oder ein Richtungswechsel nicht unbedingt schlecht ist - wenn dabei die musikalische Qualität nicht auf der Strecke bleibt.

Für mich ist auch die neue Scheibe von "The Killers" ein musikalisch qualitativ sehr hochwertiges Produkt - Stilrichtung hin oder her.

Ich möchte die Band jetzt nicht als "Erneuerer der Popmusik oder der Rockgeschichte" sehen - dazu fehlt es auch den Vorgängeralben einfach an einer absoluten Brillanz.

Wie schon gesagt - jeder Vergleich hinkt...

Aber wenn ich mir die oben erwähnten Vergleiche mir noch einmal zu Gemüte führe, frage ich mich allen Ernstes, wie diese "Hobby-Kritiker" vor ca. 40 Jahren das "White Album" von "The Beatles" aufgenommen hätten - die Definition von Stilbruch und Neuanfang einer Band schlechthin...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.12.2008 11:43:03 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 04.12.2008 19:02:01 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.12.2008 21:16:49 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 05.12.2008 07:02:34 GMT+01:00]
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