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Kundenrezension

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schriftstellerleben im Jahre 1936..., 5. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ostende: 1936, Sommer der Freundschaft (Gebundene Ausgabe)
Obwohl ich eigentlich weder Joseph Roth noch Stefan Zweig (wenn man einmal von der Schachnovelle absieht) gross kannte, so wirft dieses Buch doch einen Blick, auf die beiden Schriftsteller und damalige Schriftstellerkollegen, sowie auf die damalige Zeit, und lässt ein wenig ahnen, wie schwierig im Grunde das Leben unter dem Druck der Nazis für Schriftsteller immer mehr wurde und sie ins Exil zwang. Bücher wurden verbrannt und verboten, Ostende in Belgien am Meer, wird Zufluchtsort für viele Gestrandete, darunter etwa Irmgard Keun, Hermann Kesten, Arthur Koestler, Egon Erwin Kisch, Ernst Toller, Otto Katz, Willi Münzenberg, Kurt Wolff oder etwa die Schauspielerin Christiane Grautoff, nur um ein paar Namen zu nennen. Ostende wird Zufluchts- und Hoffnungsort, dem Leid, dem Druck ja der Katastrophe irgendwie zu entrinnen. Doch neben dem existenziellen Druck, dem sich die meisten ausgesetzt sahen, kamen auch Trennungen von Ehepartnern etwa zum Tragen und neue Beziehungen, die sich gerade bildeten. Weidermann stellt die etwas undurchschaubare Freundschaft Zweig-Roth ins Zentrum seines Buches, drum herum gestaltet all das, was diese Schriftsteller-Kollegen beschäftigt und leiden lässt. Roth der etwa an Geldmangel und Alkoholabhängigkeit leidet, oder eben z.B. eine Irmgard Keun, die sich durch ihr Bücherverbot in Deutschland trotz Protest und Einsprache, durch den Verlust ihrer dadurch bedingten Nichteinnahmen einer Existenz-Bedrohung, wie viele andere auch konfrontiert sieht. Jedes Verbot eines weiteren Drucks von Büchern, entzog den Schriftstellern ihre Existenzgrundlagen, die von den Nazis aus, in Deutschland immer bedrohender und konsequenter wurden.

Obwohl es oberflächlich gesehen eine schöne Urlaubsidylle ist, in der sich jene Künstlergruppierung durch die damalige Schicksalsentwicklung zusammen findet, so ist doch gleichzeitig der zunehmende Druck, das nahende Untergehen von allen spürbar und immer schwerer auszuhalten. Wird einem doch bei dieser Lektüre bewusst, unter welch immenser Belastung die Gruppe damals zusammenfand, um irgendwie überleben zu können. Doch gestaltet sich die Freundschaft Zweig-Roth zunehmend schwieriger, bis beide getrennte Wege gehen, auch wenn Zweig seinen Schriftstellerfreund noch eine Zeit lang mit Geld unterstützt, den Roth verliert immer mehr Boden unter den Füssen, verliert Möglichkeiten seine Bücher wenigstens in Amerika abzusetzen und wirkt gegen Ende immer mehr als Klette, die immer weniger lebensfähig ist. So erleben wir also , was sich in etwa in jenem Sommer, in jenem Ostende so alles zugetragen hat, und wie die dortige Zeit erlebt, genossen, getrunken, gearbeitet oder eben auch erlitten wurde. Dadurch erfahren wir so etwas wie lauter kleine Porträts, die neugierig machen, man bekommt Lust vielleicht einmal etwas von Irmgard Keun zu lesen, oder anderen die hier vorkommen. Doch der eigentlich Höhepunkt ist derjenige, wenn Volker Wiedermann im Zeitrafferverfahren, all jene Leben und deren Ausgänge schildert, von Menschen die wir vorher nur in jenem Urlaubs- und Badeort kennenlernten. Es ist spannend geschrieben, wo sich so manche Biographie hinbewegt hat, wer wie lange gelebt hat, oder wer sich auch suizidiert hat. Das hat auch eine traurige und deprimierende Note, macht es einfach einmal mehr deutlich, welch schwere Zeit all diese Menschen damals erlebt haben, obwohl sie eigentlich an einem traumhaften Ort für eine gewisse Zeit lebten, trügt es doch nicht an dem vorbei, welchem tragischen Schicksal viele damals einfach auch ausgesetzt waren. Zwischendurch habe ich es zwar kurzfristig ein wenig trocken erlebt zu lesen, und trotzdem hat Volker Weidermann das klasse gemacht.

Im Grunde ist es eine Schilderung jener Tragik, denen sich die damaligen Schriftsteller nicht oder nur in gewisser Weise entziehen konnten. Und dass ein Stefan Zweig sich im Jahre 1942 suizidiert hat, zeigt auch, dass selbst genügend materielle Einkünfte für einen bestärkten Lebenswillen nicht ausreichten, und wie sehr die Macht der Nationalsozialisten das Leben vieler Menschen, nicht nur von Schriftstellern, essentiell bedrohten, ja (innerlich) zerstörten. Volker Wiedermann will genau davon erzählen, und das ist gut so, denn es ist auch ein Stück Zeitgeschichte, das er uns da vor Augen führt, das berührt und betroffen, ja auch traurig macht. Natürlich ist es eine Mischung zwischen Roman und Sachbuch. Wie sehr jedoch sich der Autor an die Tatsachen gehalten hat, dürften wohl nur eingefleischte Literaturkenner, Stefan Zweig-oder Joseph Roth-Kenner, der damaligen Zeit beurteilen können.
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