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Kundenrezension

56 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "You'll Never Leave This Island.", 8. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Shutter Island (Limited Edition) (Steelbook) (DVD)
Wenn Federal Marshall Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) von einem der Insassen der Nervenheilanstalt auf Shutter Island diese Prophezeiung an den Kopf geworfen bekommt, ist man fast schon geneigt, ihr zu glauben, denn der vermeintlich wohlwollende Anstaltsleiter Dr. Crawley (Ben Kingsley) scheint zusammen mit dem deutschen Psychiater Naehring (Max von Sydow) im Namen der Regierung teuflische Experimente durchzuführen. Zudem schreiben wir das Jahr 1954, und ein deutscher Psychologe in Naehrings Alter dürfte eine gewisse Vorgeschichte haben. Und außerdem mehren sich recht rasch die Anzeichen dafür, daß Teddy Daniels, der mit einem Kollegen, den er nie zuvor gesehen hat, zusammenarbeitet, unter fadenscheinigem Vorwand auf diese Insel gelockt worden ist, denn wie soll es Rachel Solano, die geisteskranke Kindsmörderin, deren Verschwinden er hier untersuchen soll, von hier auf das Festland geschafft haben?

Wem kann Teddy Daniels auf dieser zur Nervenheilanstalt für geistesgestörte Straftäter umgebauten Insel überhaupt noch trauen? "You'll never leave this island", klingt da nicht länger wie das Gerede eines Geisteskranken - und gleichzeitig erinnert die hoffnungslose Isolation unseres Helden inmitten eines Meers von Verschwörung und Wahnsinn an Joseph Conrads Beobachtung "We live as we dream - alone", die die Quintessenz seines Romans "Heart of Darkness" ist.

Mit "Shutter Island" (2010) hat Martin Scorsese mehr als nur einen spannenden Psychothriller mit Elementen des Film noir geschaffen - aber es ist ihm eben auch nichts Geringeres als eben dies gelungen. Daniels ist ein zerrissener Mann, dessen Ich sich zu Anfang des Filmes lädiert - mit einem Pflaster auf der Stirn - aus der Taufe eines Waschbeckens erhebt, und das "Pull yourself together", das sich der Protagonist vor dem Spiegel zuraunt, kann durchaus wörtlich verstanden werden im Sinne des "Vergewissere dich deiner Identität!" Recht früh wird klar, daß es Daniels nicht in erster Linie darum zu tun ist, die verschwundene Rachel Solano wieder aufzuspüren, sondern daß er einem Komplott hinterherjagt, das die Anstalt im Zusammenspiel mit der Regierung eingegangen ist. Dabei steigen dann auch die Geister seiner Vergangenheit aus ihren Gräbern - seine Rolle bei der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau ebenso wie seine von Verdrängung quälender Schuld belastete Ehe mit einer Frau, die er schließlich durch einen heimtückischen Mord verliert. Wichtig ist ihm hierbei aber festzuhalten, daß seine Frau nicht durch das vom wahnsinnigen Hausmeister gelegte Feuer verbrannte, sondern durch den Rauch erstickte. Später wird man erkennen, daß Ersticken wirklich ihre Todesursache war, auch wenn Daniels sich mit all seinen weiteren Anmerkungen zu ihrem Tod im Irrtum befand.

Wem diese meine kryptischen Andeutungen zu wirr und zu unbefriedigend erscheinen, der ist mit "Shutter Island" unter Umständen nicht wirklich gut bedient, denn Scorsese tut mit seiner Bilderflut aus Erinnerungen, Träumen und bildgewordenen Ängsten des Protagonisten im Grunde nichts anderes als den Akt des Sich-Zusammen-Reißens Daniels' mit all seinen Rückschlägen abzubilden, wenn dabei auch manche Einzelheiten im nachhinein als Winke mit Zaunpfählen erscheinen. So ist die Figur des wahnsinnigen Hausmeisters Laeddis (Elias Koteas) mit der riesigen Narbe, die sich quer durch sein Gesicht zieht, und den beiden verschiedenfarbigen Augen eigentlich ein sehr oberflächlicher Griff in die Freudianische Klischeekiste, aber viele der anderen Gesichte Daniels', die Scorsese an uns vorbeiziehen läßt, sind von irrer Intensität. DiCaprio gelingt es, uns für die Figur des verzweifelt suchenden und noch verzweifelter nicht sehen wollenden Daniels einzunehmen, und sie trotz ihrer Schattenseiten, wie etwa ihrer nur schlecht unter der Maske von Professionalität versteckten Wut und Aggression, nicht fremd oder unsympathisch erscheinen zu lassen, während Kingsley und Sydow ihre Charaktere zwar dämonisch - wen würde die Machtfülle eines Psychologen auf einer Inselanstalt nicht verängstigen -, aber nicht eindimensional spielen.

So macht es denn auch nichts, sollte man wirklich schon während des ersten Ansehens hinter das Geheimnis von "Shutter Island" kommen, denn ganz so unstrittig wie es das Feature "Historische Entwicklung der Psychiatrie in den USA" auf der DVD erscheinen lassen will, ist die Auflösung der Story meiner Meinung nach denn doch nicht. Darüber hinaus lohnt dieser Film auch ein zweites und sogar ein drittes Ansehen im Wissen um seine Mehrdimensionalität, erscheinen einem viele Szenen und das Verhalten der einzelnen Personen dann doch in einem ganz anderen Lichte, das den Zuschauer befähigt, die Ambivalenz, mit der Scorsese seinen Film ausgestattet hat, vollends zu goutieren.

Ja, "Shutter Island" ist mehr als eine Mischung aus Thriller und Film noir. Er ist ein Kommentar zum Sendungsbewußtsein und zu den Irrwegen der modernen Psychologie, und er ist eine Symphonie des Grauens, das daraus resultiert, daß wir es letzten Endes selbst sind, die unsere eigene Realität konstruieren, wobei wir mitunter in Sackgassen enden, aus denen keiner unserer Hilfeschreie unverzerrt in das Leben der anderen dringt.

Und, last not least, ist "Shutter Island" wohl der letzte Beweis dafür, daß Scorsese mit DiCaprio das gelungen ist, was ein anderer Regisseur, Anthony Mann, mit einem anderen Schauspieler, James Stewart, schaffte - nämlich aus einem festgelegten Typus einen ernstzunehmenden Charakterdarsteller zu formen.

Wem mein Quark aus Metaphern und Andeutungen nicht behagt, der sei vor diesem Film gewarnt. Allen anderen indes wünsche ich, daß sie für sich eine zufriedenstellende Antwort auf die immer und immer wieder von Daniels gestellte Frage finden mögen.
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1-10 von 14 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 11.02.2011 11:17:52 GMT+01:00
Klein Tonio meint:
Lieber Tristram,

Ist natürlich nicht einfach, das Ding spoilerfrei zu rezensieren, chapeau... Ich hatte es auch mal versucht, gleich nach dem Kinobesuch, und war ebenso begeistert wie Du. Für Scorsese fand ich den Film eher ungewöhnlich, dieses Surreale und sehr ruhig Erzählte. Aber brillant. Was Mann/Stewart betrifft, so würde ich doch sagen, dass sich Mann den Preis "ernstzunehmender Charakterdarsteller Stewart" mit Hitch teilen muss. Liebe Grüße, Tonio

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.02.2011 18:55:32 GMT+01:00
Lieber Tonio,

Du hast es aber doch auch ohne Spoiler geschafft. Gerade bei einem Film wie diesem ist es natürlich wichtig, nicht zu viel zu verraten, während man bei den älteren Schätzchen, mit denen wir uns sonst beschäftigen, wohl davon ausgehen können, daß die meisten, die unsere Rezis lesen, die Filme ohnehin schon kennen. Da kann man dann eben mehr ins Detail gehen als bei einer Kinorezension eines relativ aktuellen Films. Apropos Kino: Bald ist es ja endlich soweit: True Grit!!!

Was Mann und Stewart betrifft, so kann Mann es sich sicher leisten, ein kleines Stück des Verdienstes an Hitch abzutreten :-) LG, Tristram

Veröffentlicht am 01.12.2011 11:43:38 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.12.2011 00:01:55 GMT+01:00
jazzfan meint:
hi tristram,
scorsese formt aus dicaprio einen ernst zu nehmenden charakterdarsteller...that`s right !...ob ihm das mit richard gere auch gelingen würde?
grüße

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.12.2011 20:29:01 GMT+01:00
Hallo jazzfan,

da Richard Gere ja einer meiner Anti-Lieblingsschauspieler ist - hatte ich das mal erwähnt? -würde ich sagen, daß man aus ihm weder etwas Ernstzunehmendes noch einen Charakterdarsteller, geschweige denn beides zugleich, formen könnte ...

Beste Grüße, Tristram

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.09.2012 19:52:54 GMT+02:00
Jochen M. meint:
Ja, spoilerfrei eine gewisse Spannung und Vorfreude zu vermitteln,
ist wirklich eine Kunst für sich!
Und, @Tristram, ich möchte Dir jetzt keinen Honig um den Bart
schmieren, aber das bekommst Du immer wieder hin.
Ähnlich interessant schreiben z.B. auch der geschätzte M. Bähre
(leider zu selten) oder auch @jury (mit einem ordentlichen Pfund
Gesellschaftskritik), um nur zwei zu nennen, denen ich so manche
DVD oder Bluray 'verdanke' !
Viele andere Filmrezensionen beantworten wohl auch alle
Fragen, die man so hat, aber ihnen fehlt eben dieses gewisse
Etwas, das dann so richtig neugierig macht...
So, jetzt ziehen wir uns 'Shutter Island' rein,
sprich nach der Sportschau ;-)

Moin und Gruß, JM

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.09.2012 17:53:49 GMT+02:00
Lieber Jochen,

vielen Dank für Dein Lob! Spoiler versuche ich in der Tat immer dann zu vermeiden, wenn es sich um relativ neue und deshalb wohl (noch) nicht jedem bekannte Filme handelt, während ich bei Klassikern und alten Schinken oftmals die Auflösung als bekannt voraussetze. M. Bähre und Jury sind wirklich zwei gute Adressen - vor allem der erstklassigen Rezension Jurys ist es gedankt, daß ich überhaupt einmal in den Genuß von "Blade Runner" kam, der heute in meiner Liste ziemlich weit oben steht. Es gibt aber noch viele weitere Schreiber(innen) hier, die das Stöbern, den gedanklichen Austausch und das Rezensieren zu einem Vergnügen machen.

Beste Grüße
Tristram

Veröffentlicht am 08.03.2014 15:15:36 GMT+01:00
Julian O. meint:
ich zitiere: [...] er ist eine Symphonie des Grauens, das daraus resultiert, daß wir es letzten Endes selbst sind, die unsere eigene Realität konstruieren, wobei wir mitunter in Sackgassen enden, aus denen keiner unserer Hilfeschreie unverzerrt in das Leben der anderen dringt.

genau so ist es mir auch gegangen, als ich den film das zweite mal sah. der regisseur lockt uns absichtlich in solche sackgassen sodass im prinzip der aufmerksame zuschauer selbst das gefühl bekommt, er wäre inzwischen verrückt geworden. und auch wenn man noch solange darüber nachdenkt bzw. noch so oft den film anschaut: man wird sich trotzdem immer wieder in dieser von dir genannten "Sackgasse" wiederfinden. ich habe den film inzwischen 5x geschaut & trotzdem komme ich immer noch ins grübeln. liebe grüße

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.03.2014 19:39:17 GMT+01:00
Hallo,

fünfmal habe ich diesen Film zwar noch nicht geschaut, aber ich bin sicher, daß dieser wohlkonstruierte Alptraum auch einer derart häufigen Betrachtung standhalten kann, ohne langweilig zu werden.

Vielen Dank für die netten Worte und beste Grüße
Tristram Shandy

Veröffentlicht am 07.09.2014 13:16:47 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 07.09.2014 13:17:17 GMT+02:00
Inkognito meint:
Es geht in dem Film nicht um Psychologie, sondern um Psychiatrie. Ich weiß nicht, wieso so viele Menschen das immer verwechseln. Es gibt natürlich auch Psychologen, die sich zum Psychotherapeuten weitergebildet haben und dann mit solchen Patienten arbeiten, die irgendwie vom wissenschaftlichen Normaltyp abweichen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.03.2016 16:22:20 GMT+01:00
Greenhill meint:
Hallo Inkognito,
da haben Sie recht und die Unterscheidung ist wichtig, da es auch um den Unterschied zwischen einem oft als Gutachter eingesetzten Wissenschaftler(Psychologe) und einem approbierten Arzt (Psychiater) handelt.
Hallo Tristram,
Verspäteter Glückwunsch zu dieser Rezension. Ich habe den Film, obwohl schon länger im Regal, erst heute gesehen, weil mir das Duo Scorsese/DiCaprio nach DEPARTED und AVIATOR etwas suspekt geworden war. THE WOLF habe ich deshalb auch gemieden.
Doch hier war ich sehr positiv überrascht. Di Caprio spielt wirklich überragend - wörtlich gemeint, sein Partner Mark Ruffalo spielt den Marshal doch sehr dezent, noch nicht einmal eine Pistole kann er ohne vorherige Rumnestelei samt Holster abgeben. Beides hat durchaus seinen Grund, doch da Du so wunderbar die Spoilerfalle umschifft hast, will ich auch nicht weiter darauf eingehen. Ben Kingley und Max von Sydow als undurchsichtige Psychiater, eine sehr überzeugende Damenriege und exzellente Nebendarsteller ergänzen einen wirklich vorzüglichen Cast.
Wenn also etwa David Lynch und Alfred Hitchcock einen gemeinsamen Film gedreht hätten, wäre so etwas wie SHUTTER ISLAND dabei herausgekommen.
Sehr schön auch die Reminiszenzen an Hitch - Teddy erblickt von der Klippe den offensichtlich toten Chuck mit exakt der gleichen Pose wie Scotty in VERTIGO vom Kirchturm die offensichtlich tote Madeleine - und Kubrick - die beiden sich an den Händen haltenden toten Geschwister.
Sehr guter Film also, Scorsese kann es also zum Glück noch, den ich mir sicherlich noch öfters anschauen werde, auch aufgrund Deiner informativen Besprechung.

Liebe Grüße bis bald

Greehhill
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