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4.0 von 5 Sternen Ein irrer Trip mit Spaßfaktor, 10. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Mandels Büro: Roman (Taschenbuch)
Man muss zwar nicht unbedingt bekifft sein, um dieses Buch zu lesen, aber es könnte durchaus helfen. Denn es ähnelt allem Möglichen - nur eben keinem klassischen Krimi, als der es ja eigentlich einsortiert wird. Meine Vermutung lautet: der Autor hat sich absichtlich einen ziemlichen Spaß erlaubt, hat munter alle möglichen Erwartungen unterlaufen, und einen ziemlich irren Trip hingelegt, der aber trotzdem Spaß macht - sobald man sich darauf einlassen kann.

Max Mandel und Sigi Singer, deren Namen wohl nicht ohne Grund lustig alliterieren, verlieren ihren Job als Musikjournalisten, und entschließen kurzerhand, die Detektei von Max' verstorbenem Onkel zu übernehmen. Sie haben dies noch gar nicht groß öffentlich gemacht, als auch schon die erste Klientin über die Schwelle spaziert kommt. Wie frisch aus einem klassischen "Film Noir" kopiert, ist da "die Malleck", eine bekannte Schauspielerin, eine eher mysteriöse Blondine. Ihre Motive werden nicht ganz klar - Mandel und Singer sollen ihren Mann, den über 40jährigen Altrocker, Schwerenöter und Spätpubertierenden Leo Tillman, observieren. Doch schon bald geht alles drunter und drüber - Tillman tot, die Ermittler verfolgt, wichtige Tondokumente verschwunden...

Diese Zusammenfassung hört sich noch recht normal und nachvollziehbar an. Aber beim eigentlichen Lesen muss man schon sehr aufpassen, um diesen Faden nicht aus den Augen zu verlieren. Die Kriminalhandlung geriet für mich schon ziemlich bald ins Hintertreffen, weil es um ganz andere Dinge geht. Es geht um eine ungewöhnliche Erzählperspektive (Sigi, der Underdog, erzählt im "Danach" gleichzeitig für sich und seinen Chef), lauter schräge Situationen, noch schrägere Sätze und Formulierungen, einen Helden, der keiner ist (Mandel ermittelt so gut wie gar nicht), lauter unmotiviert erscheinende Handlungen, etliche Nebenschauplätze, kuriose Wortschöpfungen, und ein ziemlich irres Ende, das auch wiederum halb "offen" ist.

Ich konnte mir den Autor förmlich beim Verfassen des Buches vorstellen! Er war selber in der Musikszene tätig, und aus jedem Kapitel spricht die Freude, dieses Milieu voller Exzentriker nach Strich und Faden sezieren und wohl auch karikieren zu dürfen. Hinzu kommt seine trickreiche Technik, immer mal wieder Szenen und Settings aus bekannten Alt-Krimis, wie James Bond, Jerry Cotton oder Edgar Wallace, einzuflechten - die ergeben zwar nicht unbedingt Sinn, machen aber einen sinnfreien Heidenspaß! Außerdem habe ich es unglaublich genossen, wie der Autor mit Sprache spielt. So manches Mal habe ich mir eine unerwartete Lachträne aus dem Auge getupft... "Deus AXT machina", also bitte!! Sein Mut zu gewagter Metaphorik ist wirklich sehr zu bewundern.

Zusammenfassend würde ich das Buch doch empfehlen. Zwar nicht dem Leser, der auf das Etikett "Kriminalroman" hereinfällt - aber doch dem aufgeschlossenen Zeitgenossen, der seine Freude an einer bunten Collage hat. Mir hat das Buch echt gut gefallen - obwohl ich nüchtern war.
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