Kundenrezension

23 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Missglücktes Meisterwerk, 30. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Prometheus - Dunkle Zeichen [Blu-ray] (Blu-ray)
Es ist nicht leicht einem Film eine Wertung zu geben, wenn sich in dem eine solche Meisterschaft mit derart gravierenden, geradezu anfängerhaften Fehlern vereint. Dem Grundsatz gefolgt, dass das Gute immer zuerst zu nennen ist, zunächst die beeindruckenden Erinnerungen an einen phantastischen SiFi-Film.

Die Bilder (gestochen scharf auf Bluray) sind vom ersten Moment an faszinierend und ziehen sofort in ihren Bann. Die Digitalanimationen sind ebenfalls ganz großes Kino. Die Musik, der Sound, alles stimmt bis aufs letzte Detail. Da zeigt sich die Meisterschaft eines großen Regisseurs und aller Mitwirkenden bereits in der ersten Minute. Später kommen die animierten Alienkonstruktionen des Designers Giger hinzu, tausendmal detaillierter, größer, düsterer und mystischer als man es seit ALIEN I je gesehen hat. Insgesamt vermittelt sich auch im Nachhinein der glaubwürdige Eindruck, dass Ridley Scott da nicht etwa einen Film hinschlusen und mal schnell ein paar Dollars verdienen wollte, sondern sich mit seinem ALIEN-Prequel PROMETHEUS alle Mühe gegeben und viel Herzblut darauf verwendet hat. Diese Intention ist auf jeden Fall zu würdigen, zumal sie im überwiegenden Teil des Films auch glücklich umgesetzt wurde.

Zu den schauspielerischen Leistungen ist zu sagen, dass sich da nicht viel geschenkt wurde. Manchmal kam die eine oder andere Bemerkung typisch hollywoodmäßig rüber, was wahrscheinlich am Drehbuch lag, und das Entsetzen angesichts der horroriblen und mörderischen Alien-Fauna hätte mancherseits auch etwas authentischer rüberkommen können. Trotzdem wurde die feine Grenze zur Indignation des Zuschauers nicht wesentlich berührt oder gar überschritten, also alles in allem wurde solide Schauspielkunst abgeliefert.

Die deutsche Synchronisation war nach meiner Beobachtung nicht gut. Oft kam die Stimme einen Tick zu spät nach den Lippenbewegungen. Das hat mich gestört. Wem das auch so gegangen ist, der kann das ja bestätigen.

Vom ersten Moment an war ich in der gespannten Erwartung einer gediegenen Sciencefiction-Story alter Schule, worin ich zum Glück nicht enttäuscht wurde, wenngleich ich hier bereits einschränken muss, dass sich mir die genauen Zusammenhänge der Geschichte erst nach Ansehen des Zusatzmaterials erschlossen haben. Die Story an sich ist gut. Sie ist ein kongeniales Prequel zu den drei ersten Alien-Filmen.

Womit ich leider zu den Dingen kommen muss, die mir an dem Film überhaupt nicht gefallen haben. An diesem Punkt bitte ich vorab um Verzeihung, denn ohne einige Details des Films zu erinnern, kann ich das nicht vermitteln.
Ich weiß nicht ob Ridley Scott - oder wer auch immer - diesen Cut verbrochen hat, aber so funktioniert das keinesfalls. Nach mancher Szene hielt ich mit erstaunt ungläubigem Gesicht den Film an und grübelte: „WtF war denn das eben?!" Warum reißt der dem plötzlich den Kopf ab? Wer war die Frau, die da gerade durchs Bild gepfeffert wurde, oder was will der alte Mann dort überhaupt??? Warum spielt da ein erwachsener und ausgebildeter Mann (Biologe!) in einer düsteren fremden Umgebung sorglos mit gefährlichen Alienwürmern herum, obwohl alle Anzeichen auf Gefahr stehen? Nicht falsch verstehen, nicht nur ich als Zuschauer weiß schon, was das für Dinger sind, sondern die Logholos des Alienraumschiffs waren doch unmissverständlich oder? War das auf einen unterentwickelten Gefahreninstinkt infolge einer Entwicklungsstörung zurückzuführen? Das hatte ja schon fast das Niveau eines Teenie-Horrorfilms. Und die Nummer mit dem Drink ging mir auch erst mal zu weit, denn da musste ich mir hinterher noch selbst Gedanken machen, wie ich mir daraus eine schlüssige Geschichte zusammenreime. Sicher, es gibt ein Stilmittel der Leerstelle, was sehr reizvoll sein kann, wenn der Autor etwas sagen will, was in Worte gefasst banal oder überzogen würde, oder schwer oder gar nicht zu sagen ist. Aber hier ist meiner Meinung nach gepfuscht worden und zwar besonders beim Cut. Bestätigt hat sich diese Vermutung, als ich das Zusatzmaterial angesehen habe. Da wurden dann schließlich viele der Fragen beantwortet, die sich mir bereits während der Betrachtung gestellt haben.

Wenn es nun allein diese und noch die paar anderen kleinen Dinge wären, dann könnte ein Directors-Cut die meisten Missempfindungen heilen und alles wäre gut. Aber da gab es noch eine Sache, die war so unplausibel, dass sie mich fast wild gemacht hat. Nur so viel [Spoiler]: An dem Tag, an dem ich glaube, dass eine Frau mit quer übern Bauch frisch genähtem (eigentlich getackertem) Kaiserschnitt stundenlang durch die Botanik rennen, hüpfen und springen kann, und zum Schluss auch noch krass mit der Axt fightet, ohne innerlich zu verbluten, hab ich wahrscheinlich den Verstand verloren. Und dieses Fragezeichen kriegt kein Cut je aus dem Film wieder raus.

Was also für eine Wertung? Mit Tränen über ein missglücktes Meisterwerk im Sinne von "ungewöhnlich" drei Sterne. Auch für Gigers geniales Design.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 30.12.2012 14:42:55 GMT+01:00
Selbst als Befürworter des Films, muß ich wirklich sagen, sind sie wirklich der Erste hier, der das Szenario von Prometheus zu größten Teilen richtig einschätzt und vorallem auch differenziert betracht, ohne gleich mit dem Holzhammer auf den film einzuschlagen. So wünsch ich mir Kritiken, auch wenn ich nicht konform mit einer Meinung bin, so dargestellt kann ich auch mal negative Aspekte des Films durchaus akzeptieren.
Danke für diese hilfreiche Rezension !

Veröffentlicht am 30.12.2012 15:34:39 GMT+01:00
Hallo Hans. Ja, danke für deinen Kommentar, sprichst mir im Grunde aus der Seele. Vor allem mit dem Spoiler am Ende. Und keinen der Crew interessiert dieser Hammer-Kaiserschnitt! Auch das Alien wird einfach sich selbst überlassen! Und das sowas grosses in so kurzer Zeit im Körper entsteht, und sie spürt rein garnichts?! Im Kino war ich echt recht verwirrt. Naja, werde wohl trotzdem nicht an der Blu-Ray vorbeikommen. Die Bilder überzeugen einfach, vor allem David inmitten der Sternenkarte, mein Highlight.

Veröffentlicht am 02.01.2013 13:01:32 GMT+01:00
Hans Krone meint:
Vielen Dank für Ihre Zustimmung. Ich mache mir immer noch Gedanken, wie sich bei einem Regisseur wie Ridley Scott solche Dinge erklären lassen. Meine Erfahrung bei hervorragenden schaffenden Künstlern ist ja im allgemeinen die, dass sie in jedem Teil ihres Werkes bewusst handeln. Es wird also nichts dem Zufall überlassen. Andererseits haben auch andere sehr erfolgreiche Regisseure wie z.B. Terry Gilliam (für mich war da "Brothers Grimm" nicht der Bringer) oder, um auch zwei Deutsche zu nennen, Roland Emmerich (2012) und Werner Herzog (Rescue Dawn, Höhle der vergessenen Träume) nicht immer ein gutes Händchen bewiesen. Für mich formt sich der Rang eines Künstlers aber immer aus seinen gelungenen Werken. Mist baut jeder mal. Auch Goethe hat nicht nur gute Gedichte geschrieben.
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