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Kundenrezension

10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen High Noon: Endlich restauriert in HD, 30. September 2013
Rezension bezieht sich auf: 12 Uhr mittags - High Noon [Blu-ray] (Blu-ray)
"High Noon" (1952), in Deutschland unter dem Titel "12 Uhr mittags" bekannt, gilt allgemein als der berühmteste Western aller Zeiten. Der Film war seinerzeit für sieben Oscars nominiert und gewann vier für Dimitri Tiomkins Filmmusik, den Titelsong, den Schnitt und natürlich den unvergesslichen Hauptdarsteller Gary Cooper.

Regie führte der Österreicher Fred Zinnemann, das großartige, unglaublich kompakte Drehbuch mit seinen messerscharfen Dialogen schrieb Carl Foreman und verantwortlicher Produzent war der legendäre Stanley Kramer.

Will Kane (Gary Cooper), Marshall des kleinen Städtchens Hadleyville, hat gerade den Bund fürs Leben mit der Quäkerin Amy Fowler (Grace Kelly) geschlossen, als ein Telegramm eintrifft. Frank Miller (Ian McDonald), der mit seiner Bande die Stadt im Griff hatte, bevor Kane dort für Ordnung sorgte, ist begnadigt und aus dem Gefängnis entlassen worden. Noch im Gerichtssaal hatte Miller dem Marshall tödliche Rache geschworen. Sein Bruder Ben (Sheb Wooley) und seine alten Kumpane Pierce (Robert Wilke) und Colby (Lee van Cleef in seinem Kino-Debüt) warten bereits am Bahnhof, um Frank in Empfang zu nehmen. Genau um 12 Uhr mittags wird der Zug eintreffen...

Will steht vor einer schweren Entscheidung. Er fühlt sich immer noch verantwortlich für die Stadt und die Bürger. Eigentlich hat er sein Amt bereits niedergelegt, sein Nachfolger soll aber erst in ein paar Tagen eintreffen. Ihm bleibt etwas mehr als eine Stunde, um die Stadt zu verlassen. Tatsächlich bricht er zunächst mit Amy auf, kehrt aber bald wieder um. Amy, die jeder Gewalt entsagt hat, seit sie mit ansehen musste, wie ihr Vater und ihr Bruder erschossen wurden, versucht, ihren Mann umzustimmen, doch dieser weiß, dass er vor Miller und seiner Bande nicht davonlaufen kann.

In der verbleibenden Zeit versucht der Marshall, Verbündete für seinen Kampf gegen die Miller-Gang zu finden, doch alle seine Freunde und früheren Mitstreiter versuchen entweder, ihn zur Flucht zu überreden oder wenden sich aus Angst, Feigheit und persönlichen Motiven von ihm ab. Der Richter (Otto Kruger), der damals das Urteil gegen Miller sprach, sieht die Situation voraus und sucht vorsichtshalber selbst das Weite. Der Bürgermeister (Thomas Mitchell) fürchtet bei neuer Gewalt um den Ruf der Stadt und ihre Zukunft. Sogar sein Deputy Harvey Pell (Lloyd Bridges), der eine Beziehung zu der mexikanischen Geschäftsfrau Helen Ramirez (Kathy Jurado) hat, mit der auch Will einst liiert war, kehrt ihm aus verletztem Stolz den Rücken. Will lehnt außerdem mehrfach Hilfe ab, da er nicht das Gefühl hat, dass die Betreffenden ihm wirklich helfen können bzw. er das Leben gerade dieser Personen nicht aufs Spiel setzen will. Außerdem hat Frank Miller nach wie vor Freunde in der Stadt. So muss Will Kane sich im berühmtesten Showdown der Western-Geschichte allein den vier Verbrechern stellen...

"High Noon" ist so viel mehr als nur ein einfacher, kleiner Western und auf vielen Ebenen absolut untypisch für dieses amerikanischste aller Genres. Der Film bietet für einen Western nur sehr wenig Action. Er konzentriert sich stattdessen ganz auf die Figuren und ihre Konstellation zueinander. Das Städtchen ist der einzige Schauplatz der Handlung. Gedreht wurde in nur vier Wochen mit einem Budget von 750.000 Dollar. Die Geschichte wird nahezu in Echtzeit erzählt in kargen, trostlosen Schwarzweiß-Bildern. In seiner visuellen Gestaltung erinnert der Film stark an Schlüsselwerke des italienischen Neo-Realismus wie Vittorio de Sicas "Fahrraddiebe" oder Roberto Rossellinis "Rom, offene Stadt".

Fred Zinnemann, der in Hollywood bereits für seinen direkten, schnörkellosen Stil bekannt war, hält sich in seiner Inszenierung so eng wie möglich an die Vorgaben des Drehbuchs. So sorgt er dafür, dass nichts, was in diesem Film gesagt oder getan wird, dem Zufall überlassen bleibt, indem er für alles entsprechende Grundlagen schafft, entweder durch Dialoge oder durch Gesten und andere Kleinigkeiten, die von der Kamera eingefangen werden.

Nicht nur in der Entwicklung seiner Figuren umgeht "High Noon" bahnbrechend etablierte Klischees und betritt gerade im Western echtes Neuland, etwa bei den beiden bemerkenswerten weiblichen Charakteren. Amy und Helen bedienen nur auf den ersten Blick den ewigen Klassiker blond gegen dunkelhaarig. Amy Fowler ist kein naives, weltfremdes blondes Fräulein und Helen Ramirez ist kein mexikanisches Bad Girl. Die beiden Frauen sind auch keine Rivalinnen um die Gunst und Liebe des Helden. Die Damen sind viel komplexer, tiefgründiger und emanzipierter angelegt, als es in Western bis dahin üblich war.

Auch im Einsatz von Kamera und Schnitt war dieser Film seiner Zeit weit voraus. Die drei visuellen Eckpfeiler sind die mehrfach wiederholte, vollkommen statische Kamera-Einstellung der Eisenbahnschienen vor dem Eintreffen des Zuges, der Marshall selbst, der ständig in Bewegung ist und nach Helfern sucht, und die immer wieder eingeblendete, gnadenlos tickende Uhr.

Seine enorme Dramatik bezieht dieser Western durch den Einsatz der Mittel des Suspense. Das Unheil in Gestalt von Frank Miller ist zunächst nicht sichtbar, aber es nähert sich unaufhaltsam. Gleichzeitig ist der Zuschauer emotional immer auf der Seite von Marshall Kane.

Es wird von Anfang an mit Großaufnahmen, etwa von Gesichtern gearbeitet. Die Close-Ups werden immer zahlreicher und auch extremer, je näher der Showdown rückt. Die offensichtlichen Erwartungen des Zuschauers werden durch die Struktur des Drehbuchs und die Art der Inszenierung konsequent unterlaufen. Schon die Tatsache, dass der Haupt-Schurke erst unmittelbar vor dem Showdown erstmals auftritt, ist mehr als ungewöhnlich. Das Warten auf seine Ankunft sorgt dafür, dass die Spannung zu keiner Sekunde abnimmt. Frank Millers Gesicht sehen wir dann auch nicht gleich in der ersten Einstellung als er aus dem Zug steigt. Der Regisseur schneidet erst dann zu einer Großaufnahme, als Miller seine ehemalige Freundin Helen Ramirez, die ihrerseits gerade mit Kanes Frau den Zug besteigen will, erblickt. Auch die Musik, die zuvor eher dezent war, nimmt im letzten Akt des Dramas eine immer gewichtigere Rolle ein. "High Noon" nimmt gewissermaßen im Ansatz den extremen Stil der Italo-Western eines Sergio Leone vorweg, ohne freilich deren opernhaften Impetus zu erreichen.

Der Held, Will Kane, ist kein amerikanischer Hurra-Patriot, der sich mit fliegenden Fahnen ins Gefecht stürzt, sondern ein Mann, der in der Stadt, die ihm so viel zu verdanken hat, plötzlich isoliert ist. Will Kane rechnet damit, dass er die Konfrontation mit der Miller-Bande nicht überleben wird. Noch Minuten, bevor der Zug eintrifft, verfasst der Marshall sein Testament. Er hat Angst, was Darsteller Gary Cooper nur uns, das Publikum, in den Szenen direkt spüren lässt, in denen der Marshall allein ist und sich unbeobachtet glaubt.

Gary Cooper war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits 50 Jahre alt. Seine Müdigkeit und sein Alter sieht man ihm an, was seine Performance um so eindrucksvoller macht. Will Kane will kein Held sein, doch wenn er jemals ein friedliches Leben führen will, ohne ständig Angst haben zu müssen, dass seine Todfeinde ihn aufspüren, muss er tun, was er eben tun muss.

Auch wenn "High Noon" eigentlich kein politischer Film ist, kann man ihn durchaus als Parabel auf die Umtriebe und das politische Klima in Amerika während seiner Entstehungszeit verstehen. Zudem beschäftigt er sich eindringlich mit der Rolle und Stellung des Einzelnen in einer Gemeinschaft, den Mechanismen eines demokratischen Rechtsstaates und dessen natürlichen Einschränkungen. Man kann nun einmal niemanden verhaften und einsperren, bevor er nicht etwas Gesetzwidriges getan hat. Am Bahnhof auf jemanden zu warten ist schließlich nicht verboten. In einer Diktatur wäre man der Miller-Bande sicher mit anderen Mitteln zu Leibe gerückt. Der Film ist gottlob konsequent genug, nicht in Populismus oder Polemik zu verfallen. Er zeigt die Zustände wie sie nun einmal sind, schafft es aber gleichzeitig, sich jeder Wertung über ein politisches System zu enthalten.

"High Noon" könnte auch in einem anderen Milieu als einer Western-Stadt spielen. Romantisches Wildwest-Flair sucht man vergeblich. Die Kernthemen des Filmes sind absolut zeitlos, sein Blick auf die Moral einer Gesellschaft und die menschliche Natur ist ernüchternd. Besonders deutlich wird dies in den Kommentaren von Will Kanes greisem, schwer krankem Vorgänger (Lon Chaney). Hier versagt die Gemeinschaft. Und ob man Western nun mag oder nicht: Dieses Werk ist bis heute ein Lehrbeispiel für ganz große Filmkunst mit vergleichsweise einfachen Mitteln.

Endlich gibt es diesen Klassiker auch in Deutschland in angemessener Umsetzung! Die bisher bei uns erhältliche DVD aus dem Hause Kinowelt mit dem unscharfen, von Verschmutzungen und anderen Defekten durchzogenen Bild und dem verrauschten Ton kann eingemottet werden! Pünktlich zum 60. Jahrestag war "High Noon" in den USA 2012 auf Bluray erschienen. Nun hat es der neue HD-Transfer auch zu uns geschafft. Der Film wird präsentiert im Format 4:3/ 1.33:1. Der Ton liegt in deutscher und englischer Sprache vor. Die Original-Tonspuren wurden im DTS-Verfahren aufbereitet. Dazu gibt es ausblendbare deutsche Untertitel.

Das Bild ist, gemessen am Alter des Original-Materials, eine Wucht! Die Schwarz-Weiß- Kontraste, die Regisseur Fred Zinnemann und Kameramann Floyd Crosby so wichtig waren, kommen jetzt erst voll zur Geltung. Auch der Ton liegt in ausgezeichneter Qualität vor und klingt meiner Meinung nach im englischen Original sogar noch besser als auf Deutsch. Bei der deutschen Tonspur handelt es sich um die bekannte, sehr gute Original-Synchronisation.

Auch bei den Extras trumpft die Bluray groß auf. Es gibt ein etwa 20-minütiges Making-Of, durch das Filmkritiker und Historiker Leonard Maltin führt, dem am Ende aber ein derber Lapsus unterläuft. Er sagt, Gary Coopers Oscar für die Rolle des Will Kane sei sein einziger gewesen. Falsch! Es war bereits sein zweiter Oscar. Den ersten bekam er 1941 für "Sergeant York." Einem echten Experten sollte sowas eigentlich nicht passieren.

Besonders empfehlenswert ist die 50-minütige Dokumentation "Inside High Noon" aus dem Jahr 2006, in der dieser Western nicht nur in allen rein filmischen Aspekten analysiert wird. Vielmehr wird die zeitgeschichtliche und kulturhistorische Bedeutung von "High Noon" gezeigt. Die Macher sahen sich seinerzeit einem enormen Druck ausgesetzt. Der Film entstand auf dem Höhepunkt der Kommunisten-Hatz durch Senator McCarthy und bietet in diesem Kontext reichlich Raum für Interpretationen. Es wird erklärt, warum gerade dieser Western die Jahrzehnte überdauert hat, aber auch, warum viele Fans klassischer Western gerade diesem Film ablehnend gegenüberstehen.

Als weitere Extras bietet diese Edition den Titelsong, den deutschen und amerikanischen Trailer, sowie ein tolles Booklet mit weiteren Hintergrundinformationen.

Würden Klassiker immer so in High Definition präsentiert wie "High Noon", würde vielen DVD-Freunden die Entscheidung, ob sie auf die blauen Scheiben umsatteln sollen, leichter gemacht. Eine ganz klare Kaufempfehlung!
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