Kundenrezension

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen I dont want to set the world on fire, I just want to start a flame in your heart, 1. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Fallout 3: Spiel des Jahres Edition (Computerspiel)
Zuerst muß ich anmerken, daß RPGs Neuland für mich sind. Solche Spiele waren mir immer zu zeitaufwendig und komplex... nun spiel ich aber sehr gerne Borderlands. Dieses Spiel wird ja oft mit Fallout 3 verglichen, u.a. wegen dem Endzeitszenario und den Rollenspielelementen. Wobei sich der RPG-Einfluß bei Borderlands ja bekanntermaßen in Grenzen hält und es sich mehr auf die Action ankommt. Und so kam es, daß ich trotz meiner bisherigen Ablehnung mal ein richtiges RPG spielen wollte, denn irgendwie wollte ich plötzlich mehr tun und Einfluß auf die Geschichte haben können.

Obschon mir RPGs wie gesagt bisher fremd waren, bin ich ziemlich schnell ins Spielgeschehen eingetaucht. Zu Beginn des Spiels muß man ja seinen Charakter designen. Schon hier fing der Spaß an. Zuerst wird man im Vault 101 (einem Atomschutzbunker bei Washington D.C. für die "besseren" Leute, die dort nach einem Atomkrieg untergebracht wurden) geboren und der Vater möchte einen Namen für sein Baby ausdenken. Hier kann man dann seinen Namen im Spiel eintippen. Weiter gehts mit dem Geschlecht und dem Aussehen. Hier gibts vorgefertigte Modelle oder man bastelt sich sein eigenes zukünftiges Aussehen bis ins kleinste Detail... Alleine damit war ich über eine halbe Stunde beschäftigt :p Anschließend durchlebt man im Zeitraffer seine Kindheit (wobei man auch seine späteren Skills festlegen kann) und Jugendzeit. Als man dann 19 Jahre ist, flieht der Vater aus dem Vault 101. Es ist nämlich so, daß alle Insassen den Bunker niemals verlassen dürfen. Aber den Vater zieht irgendwas in die nuklearverseuchte Welt rund um D.C.
Man folgt nun dem Vater und bricht ebenfalls aus dem Vault 101 aus und ist ab diesem Moment auf sich alleine gestellt in einer zerstörten und brutalen Welt. Ab hier heißt es dann Vati suchen :)

Ich muß sagen, daß Spiel hat mich bereits ziemlich gepackt... die Spielewelt ist riesengroß und überall gibts was zu entdecken, Leute und deren Geschichte kennen zu lernen, Gegenstände und Waffen finden... Man bekommt laufend Aufträge angeboten, welche man annehmen oder auch ablehnen kann. Aber ich merke, daß meine eigentliche Motivation (nämlich Vati finden) jetzt schon mehr und mehr in den Hintergrund tritt. Es gibt einfach zu viel zu tun und zu entdecken. Bereits entdeckte Orte werden auch auf der Landkarte markiert und können im Schnellreise-System besucht werden (so werden lange Märsche erspart).

Zur technischen Seite: Grafik und Sound gefallen mir gut. Die Grafik ist aber nicht mehr State-of-the-Art, aber trotzdem gelungen. Die düstere Endzeit-Atmosphäre wird toll in Szene gesetzt. Es gibt auch einen fliessenden Wechsel zwischen Tag und Nacht. Die Animationen der Menschen, Roboter und Lebewesen ist aber manchmal etwas holprig. Toll ist allerdings diese phänomenale Weitsicht im Spiel. Wenn man sich auf einem erhöhten Ort befindet, kann man wirklich kilometerweit sehen. Man sieht dann z.B. in der Ferne die zerstörten Hochhäuser von Washington D.C. oder andere weit entfernte Gebäude :) Das hab ich so schon lange nicht mehr in einem Spiel gesehen. Bei vielen Spielen wird die Grafik beim rumlaufen aufbebaut und blendet nach und nach Gebäude ein. Bei Fallout 3 hat man diesen Effekt nicht. Auch wird nur nachgeladen, wenn man ein Gebäude oder einen U-Bahnschacht betritt. Ansonsten läuft man flüssig durch das Ödland. Das macht die Welt realistischer. Ich erwisch mich manchmal dabei, wie ich einfach nur durch die Landschaft laufe, nur um Orte für einen guten Ausblick zu finden :)

Man kann übrigens wahlweise in der Ego- oder Third-Person-Perspektive spielen. Spielen tu ich mit einem X-Box Gamepad, welches perfekt erkannt wird. Ein positiver Punkt: Im Gegensatz zu Borderlands kann man bei Fallout 3 jederzeit speichern. Der Sound gibt die Atmospähre auch gut wieder... Die Musik läuft meistens entspannend, wird bei Kämpfen aber hektischer. Beim durchwandern des Ödlands hört man den Wind leise flüstern, welcher den Staub auf den Wegen aufwirbelt und auch Gegner lassen sich anhand ihrer Geräusche lokalisieren.

Was ich auch toll finde und erst eben rausgefunden habe... man kann mit seinem Pip-Boy (das ist eine Art PDA, welche man am Arm trägt und u.a. auch das Inventar, die Missionen und die Landkarten verwaltet) Radio hören. Es gibt auch anscheinend mehrere Sender. Bei einem läuft während des Spiels dann die ganze Zeit 50er Jahre Musik... ein anderer Sender spielt patriotische Musik. Mal eine ganz andere Erfahrung und gibt dem Spielgeschehen eine ganz spezielle Note :) Überhaupt ist das Spiel obschon in der Zukunft spielend an die 50er angelehnt. Man sieht das an den Autos und ganzen Gegenständen, welche man z.B. in Häusern findet. Da sieht man u.a. Transistoren-Radios und Röhrenfernseher.

So wie Fallout 3 die Zukunft darstellt, hätte es tatsächlich kommen können. Einfach ein schauriger Gedanke, wenn man die zerbombten Städte durchwandert und die Häuserruinen sieht. Aber andererseits ist es auch faszinierend, solch ein Szenario mit seinem selbst erstellten Charakter zu durchleben. Das Spiel wird mich wohl lange beschäftigen... Und wenn ich es doch irgendwenn mal durch hab, dann hab ich noch die Addons :)

Ein Wort zur Gewalt im Spiel: Dieses Spiel ist für Erwachsene und deshalb ab 18. Aber nichtsdestotrotz möchte man den erwachsenen deutschspachigen Spielern mal wieder nicht zuviel zumuten und hat kurzerhand einige Gore-Szenen und anscheinend auch anstössige Dialoge entfernt. Wenn man z.B. den VAST-Modus aktiviert, wird das Spielgeschehen eingefroren und man kann genau die Körperteile der Gegner anvisieren. Wenn man richtig trifft, wird man mit einer Slow-Motion Animation "belohnt", die sich gewaschen hat ;) In höheren Levels lernt man auch, im VAST-Modus mehrere Gegner hintereinander anzuvisieren. Man wird z.B. mit einer Gruppe Raiders konfrontiert und zielt mit einem Jagdgewehr deren Köpfe an... Solche Szenen dürfen erwachsene deutschsprachige Spieler wohl nicht sehen :(
Ich halte nichts von dieser Bevormundung und habe deswegen zur US-Fassung des Spiels gegriffen. Fallout 3 spielt nunmal in einer Welt nach dem Atomkrieg und daß es dann nicht zimperlich zugeht, ist klar. Glücklicherweise verstehe ich Englisch und habe durch diese Entscheidung keinen Nachteil :)

Ich bin wirklich überrascht von diesem Spiel und deswegen auch 5 Sterne. Hätte nicht gedacht, daß es mir bereits nach kurzer Zeit so viel Spaß machen würde. Ich hatte immer die Bedenken, daß ich mich zulange in ein solches Spiel einarbeiten muß, ich aber eigentlich mehr der ungeduldige Typ bin. Aber das hat sich nicht bewahrheitet :)

Update 6/1/11: Ein Wort zu den viel besprochenen Abstürzen von Fallout 3. Auch ich habe bisher 2x seit der Installation vor 1 Woche erlebt, daß das Spiel aus heiterem Himmel abschmiert und ich mich auf der Windows Oberfläche wieder finde. Den Grund oder die Gründe kann ich nicht nachvollziehen. Das ist mir einmal in der Hitze eines Gefechts mit einigen Super Mutanten und einmal beim Benutzen des Pip-Boys passiert. Ich spiele Fallout 3 auf einem M11x mit SU7300 Dual Core, 4GB RAM, nVidia GT335M und Win 7 Home 64bit. Diese Art Absturz habe ich auf meinem Notebook bisher bei keinem anderen Spiel erlebt. Habe das Spiel auch übrigens über Steam bezogen. Wegen diesem Wehrmutstropfen muß ich dem eigentlich genialen Fallout 3 nun nachträglich einen Stern abziehen :(

Update 22/1/11: Ich mußte grad mal meinen Rezensions-Titel bearbeiten :) Das Spiel macht immer noch Laune. Die Ingame-Musik ist einfach nur zynisch in Anbetracht der Umstände. Wer bei dieser Musik ein Rudel Super-Mutanten mit der Fat Man Waffe (wie zynisch, war Fat Man doch der Name der Nagasaki-Bombe) auslöscht, weiß wovon ich schreibe. Absolutes Top-Spiel, auch wenn die gelegentlichen Abstürze nerven.

*** Vorsicht Spoiler! ;) ***

Kleiner Tipp: Wenn man z.B. von einem Rudel Wölfe im Ödland attackiert wird, nutze ich um Munition zu sparen, die Power-Faust. Schwächere Gegner kann man damit munitionssparend ausser Gefecht setzen. Denn es gibt 2 Probleme, mit denen man laufend im Spiel konfrontiert ist: Es herrscht zwar generell kein Munitionsmangel, aber für spezifische Waffen findet man doch recht selten Munition UND die Waffen gehen kaputt bei häufiger Nutzung. Man kann diese zwar reparieren (gute Reparatur-Skills vorausgesetzt), aber es kommt vor, daß im Gefecht die richtige Waffe grad mal wieder kaputt ist bzw. noch schlimmer, die Waffe mitten im Gefecht kaputt geht oder einfach passende Munition fehlt.

Natürlich kann man Waffen auch beim Waffenhändler kaufen/reparieren oder Munition kaufen, genug Geld in Form von Kronkorken vorausgesetzt... allerdings wacht in uns allen auch schonmal das Böse und man könnte sich dazu entschließen, die Waffen und Munition unentgeltlich zu erwerben ;) Genauso wie auf Sklavenjagd gehen, die Gefangenen mit elektronischen Halsbändern versehen und am nächsten Sklavenhändler verkaufen. Alternativ kann man Sklaven auch vom Sklavenhändler befreien und diesen dann ausrauben... Die einzelnen Sklaven kann man dann befreien, indem man ihnen das Halsband entfernt. Hat man aber keine guten Wissenschafts-Skills, könnte das Halsband explodieren und der armen Kreatur sprichwörtlich den Kopf kosten. Das ist mir mal passiert... Es war mir bereits gelungen, einen Sklaven zu befreien und ich fühlte mich nun als der Befreier im Wastland. Sklaven befreien bringt gutes Karma. Also wollte ich noch mehr Sklaven befreien und fand auch welche. Kurz vor dem Eingriff wurde ich wieder mal gewarnt, daß meine Wissenschafts-Skills eigentlich nicht hoch genug sind, um den Sklaven ohne Komplikationen befreien zu können. Ich könnte nun aus Angst um das Leben des Sklaven vom Eingriff absehen, oder es einfach ausprobieren. Der Sklave meinte auch noch, daß er lieber tot wäre als sein Leben lang Gefangener zu sein. Also gesagt und getan, das Halsband versucht zu entfernen (hatte ja schon mal funtkioniert), als der Sklave sich über das plötzliche vibrieren des Halsbandes wunderte... ein beherzter Sprung nach hinten verhinderte Schaden an meiner eigenen Spielfigur... jedoch verlor ich durch diese Aktion gutes Karma und die übrigen Sklaven rannten nun alle weg von mir, da sie mir nicht mehr trauten :(

Gutes oder schlechtes Karma haben aber Einfluss auf den Spielverlauf. Mit gutem Karma kann man andere Leute eher von seinem Vorhaben überzeugen, wenn es sich sich um eine gute Sache geht. Mir ist es aber tatsächlich schon passiert, daß mein gutes Karma eine andere Person daran hinderte, mir auf meinem Weg zu folgen. Problem war, diese Person war ein Bandit und befand mich als zu anständig ;) In dieser Situation hätte ich einen Mitstreiter anwerben können, schlechtes Karma vorausgesetzt.

Ich versuche im Spiel ein gutes Karma zu erhalten. Aber hier und da kommt doch der Schweinehund aus einem raus, wenn die Situation günstig ist. Aber naja, ist ja nur ein Spiel :D Und auch das macht Fallout 3 aus: Der Spielverlauf lebt vom agieren des Spielers. Alles was man tut, kann später auf einen zurückfallen. Im guten wie im schlechten... Ganz wie im richtigen Leben ;)

Über alles, was ich bereits bei Fallout 3 erlebt habe, könnte ich ein kleines Buch schreiben. Wenn ich Fallout 3 irgendwann mal durch hab, kommt New Vegas dran :D

edit 1/5/11: Für alle, die schonmal Probleme mit dem Radio im Pip-Boy haben (Musik stottert, Radiosprecher klingt normal): Ich habe den Fall gehabt, daß der Fraunhofer MP3 Codec für die stotternde Musik verantwortlich war. Die Lösung war der sogenannte MAD Filter. Dies scheint ein alternativer Codec zu sein, welcher aber das Problem behoben hat. Ich mußte nach der Installation aber auch den Fraunhofer Codec deaktivieren. Das geht z.B. mit der Freeware InstalledCodec.

Übrigens schien das Problem bei mir mit dem Einsatz der externen X-Fi Soundkarte begonnen zu haben.
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