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4.0 von 5 Sternen Ökonomische Theoriegeschichte als Kultur-, Philosophie- und Geistesgeschichte, 5. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Gebundene Ausgabe)
Der Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek hob in seiner Freiburger Antrittsvorlesung hervor, dass "Nur-Ökonomen" schlechte Ökonomen sind, je nach Position könnten solche "Nur-Ökonomen" auch zu einer Gefahr für die Gesellschaft werden.
Ein solcher "Nur-Ökonom" ist Tomás Sedláèek (TS) keinesfalls, vielmehr wird bei der Lektüre des Buches klar, dass die Etablierung der Ökonomie hin zu einem universitären Lehrfach aus vielen Quellen des ökonomischen Denkens der kulturellen Geistesgeschichte gespeist worden ist.
Eine wesentliche Quelle der Ökonomie ist in der praktischen Philosophie zu verorten - nicht umsonst war mit Adam Smith, der als Begründer der klassischen Ökonomie gilt, in Glasgow Professor der Moralphilosophie. Doch der ökonomie-geschichtliche Blick von TS geht noch viel weiter zurück. Wichtige Aussagen zur Ökonomie findet TS schon im Gilgamesch-Epos ("die unsichtbare Hand"); anschaulich stellt TS die vielen ökonomie-relevanten Passagen dar, welche in der Bibel (im Alten und Neuen Testament) zu finden sind; auch ein literarischer Spaziergang durch die großen abendländischen Werke der Dichtung und Philosophie reflektiert ökonomische Themen.
So legt TS in einen atemberaubenden Streifzug durch die Geistesgeschichte die Wurzeln ökonomischen Denkens offen, ohne dabei die Werke der wortgewaltigen Vertreter der klassischen Ökonomie zu vergessen; und schließlich bezieht TS Stellung zur mathematisierten - und damit scheinbar exakten - heutigen, modernen ökonomischen Theorie.
Dabei geht TS mit den Darlegung der Ökonomie in den modernen Lehrbüchern hart ins Gericht; die Vermathematisierung des Menschen zum "homo oeconomicus" als eine Variable in einem scheinbar exakten und wertfreien ökonomisch-mathematischen Modell ist für TS nichts weiter als ein rationalistischer Irrweg. Der Mensch ist keine mathematische Größe, die gemäß irgendeinem ökonometrisch-mathematischen Modell zu agieren hat; deshalb ist den modernen Ökonomen mehr oder weniger die Menschlichkeit abhanden gekommen.
Dabei zeigen die Einlassungen von TS zu den Punkten Arbeit, Kapital, Güter-Tausch-/-Gebrauchswert, Zinsen, Geld usw., dass er die moderne Ökonomie (die er kritisiert) sehr gut kennt und beherrscht. Seine Ausführungen zu den Krisenphänomenen (z. B. Weltwirtschaftskrise) belegen dies ebenfalls.
TS bekennt m. E. in diesem Buch, dass er ein Ökonom im eigentlichen Sinne ist, d. h., dass er eben kein "Nur-Ökonom" ist - oder anders ausgedrückt: Vertreter des ökonomischen Mainstreams ordnen TS wohl in die Schublade "Renegat" ein.

Fazit: Das Buch ist gut lesbar und zu empfehlen; insbesondere den jungen Leuten, die Ökonomie studieren möchten. Für diese Gruppe ist das Buch eine sehr gute Einführung in die Ökonomie, eine bessere Einführung als die meisten Einführungsveranstaltungen des ökonomischen Studiums oder die einführenden ökonomischen Lehrbücher. TS zeigt was die Ökonomie ursprünglich war und im Kern auch heute - trotz der Vermathematisierung des Faches - sein sollte: Eine moralische Wissenschaft.
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