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17 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ut si Deus non daretur, 15. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden (Gebundene Ausgabe)
Das theologische Spektrum umfasst seit jeher Vertreter, die für eine eher allegorisch-philosophische Position stehen, solche deren Ausgangspunkt die lebendige, konkrete Gotteserfahrung und eine christozentrische Exegese ist, sowie gnostisch-mystizistische Strömungen – und natürlich eine Vielfalt zwischen all dem. Seit ihrer Entstehung im frühen 19. Jh. gewinnt jedoch die liberale Theologie mit ihrer eindimensional rationalistischen Textkritik in stetig wachsendem Maße an Einfluss.

Ein Versuch der Versöhnung eines ursprünglich neutestamentlichen Christentumsverständnisses mit dem liberalen, modernistischen Ansatz fand durch eine Kerygmatische Theologie in verschiedenen Ausprägungen – symbolisiert durch Karl Barth und Rudolf Bultmann statt. Beide sind durch Kierkegaard geprägt, bzw. durch ein Verständnis des dänischen Philosophen, wie es sich parallel im Existenzialismus entfaltete. Man hält in der Bibelexegese nach Sinnstrukturen Ausschau, um deren Verkündigung (Kerygma) es den Verfassern des NT gegangen sei. Die Frage nach dem historischen Kern (bspw. einer Wundererzählung) kann dabei außen vor bleiben.

In der Konsequenz läuft das darauf hinaus, dass zwei Theologen die gleichen „Sprachspiele“ verwenden können und doch völlig offen bleibt, ob dem auf Seiten des „Senders“ eine quasi poetologische oder eine konkrete, transzendente Bedeutung beigemessen wird. Deutlich wird dies „bestenfalls“ an der Wirkung auf den Zuhörer. „Exusia“ - Vollmacht und „Dynamis“ - die befreiende und erneuernde Kraft - wird der Verkündigung fehlen, wenn der Verkündiger nicht selbst von Gott ergriffen ist.

Was in den Kirchen durch gelichtete Reihen und schläfrige Augen sichtbar wird, hat zumind. einen wesentlichen Grund in den Hörsälen der Universitäten. Hätten neuerdings immer lauter auftretende neo-atheistische Eiferer, die – sicherlich nicht ganz zu Unrecht - gegen die staatl. Finanzierung der Theologenausbildung wettern, eine tiefere Kenntnis des Lehrbetriebs – sie würden wohl ihre diesbezügliche Meinung schnell ändern. Denn liberal geprägte theologische Mainstream – so der Autor des Buches – trug und trägt sehr effizient zur Zerstörung der Grundsubstanz christlichen Lebens bei. „Der Zustand der Kirchen auf evangelischer wie katholischer Seite ist zu einem nicht unwesentlichen Teil jener schonungslosen Zerstörung zu verdanken, die von den Bibelwissenschaftlern ausging.“

Dabei billigt Berger, selbst viele Jahre einer der herausragendsten Vertreter universitärer Theologie (Uni Heidelberg) und Autor zahlreicher Fachbücher, dem liberalen Standpunkt vom Grundsatz her durchaus Legitimität zu. Was jedoch einst – unter den Bedingungen einer La Placeschen Weltsicht - Ausdruck emanzipierten Denkens war, sei längst zum neuere Entwicklungen in allen Wissenschaftsbereichen ignorierenden Dogmatismus erstarrt. Ein fest im Sattel sitzendes akademisches Establishment biedere sich dem naturalistischen Zeitgeist an und mache zudem anders denkendem Nachwuchs den Zutritt zum Lehrbetrieb schwer. An den Unis bestehe ein „Zitier-, Berufungs- und Vortragseinladungskartell“.

Berger ist nicht grundsätzlich gegen den historisch-kritischen Ansatz. Dieser trägt in vielen Fällen zu einem besseren Verständnis der Bibeltexte bei, indem er den geschichtlichen Kontext erhellt, um Aspekte der Textkomposition (Formkritik) und der sprachlichen Deutungsmöglichkeiten bereichert usw. Der Hang alles ohne Notwendigkeit zu sezieren und anzuzweifeln hat jedoch auch eine unübersehbarer Fülle von Deutungsmöglichkeiten hervorgebracht. Da sich eine ganze Wissenschaft nur einer Schriftensammlung widmet, führt der in allen Sparten vorhandene Druck, mit Neuem aufzuwarten und sich zu profilieren, zudem zu immer fantasievolleren Konstrukten.

„Das Ausscheiden vermeintlich unechter Jesus-Worte hat das Neue Testament zerklüftet […] Das angeblich Unechte ist in Wirklichkeit meist das Ungeliebte“, so Berger. Die Echtheitsentscheidung sei in einem „hohen Grade abhängig von Mode, Geschmack, Konfession und Zeitgeist“.

Dabei war der Umgang mit der Bibel bzw. der Textsammlung, die im Laufe vieler Jahrhunderte zur Bibel heranreifte - von Außenseitergruppen abgesehen - nie unkritisch. Schon der Kanonisierungsprozess ging mit Textkritik einher. Es gibt eine Fülle von Wundererzählungen, Legenden, erbaulichen Schriften im Umkreis der jüdisch-christlichen Basistexte, die nicht als "Wort Gottes" identifiziert wurden. Auch ist ein allegorischer Ansatz alles andere als neu. Bereits die Propheten reden in Metaphern. Jesus selbst bekundete, in der Öffentlichkeit v.a.in Bildern zu reden. Paulus deutet alttestamentliches Geschehen wiederholt als "typologische Vorschattung" zeitgenössischen und endzeitlichen Geschehens. Dies setzt sich bei den Kirchenvätern, in der Scholastik usw. fort.

Grundsätzlich, so der Autor, seien die Texte so glaubwürdig wie nur Weniges in der Altertumswissenschaft. Die Zweifel an der Existenz Jesu, eine Zeit lang ebenfalls en vogue, haben denn auch längst an Überzeugungskraft verloren. „Über keine andere Persönlichkeit der Antike sind nach ihrem Tod so schnell und so zahlreich Biografien entstanden wie über Jesus. Neben den vier Evangelien gibt es 68 weitere Evangelien, die keine Aufnahme ins Neue Testament fanden, aber auch nicht völlig wertlos sind. Diese Vielfalt an Berichten ist in der Antike einmalig!“ Dazu kommen neuere Forschungsergebnisse. Früher meinte man, das Johannes-Evangelium sei Ende des 2. Jh. entstanden. Inzwischen fand man in Ägypten Papyrustexte, die um 120 entstanden sein müssen. Es gibt die Tendenz, die Verfassung der Evangelien vor der Zerstörung Jerusalems 68 anzusiedeln. Wenn dem so ist, lebten Zeitzeugen Jesu also noch und man konnte nicht einfach irgendetwas verbreiten.

Während selbst die wohl elitärste Vereinigung von Top-(Natur-)Wissenschaftlern - die amerikanische NAS - kein Probleme damit hat, in offiziellen Statements zur Kompatibilität von Religion und Wissenschaft die Möglichkeit der Existenz von "supernatural forces or entities" einzuräumen, verrenkt sich die universitäre Theologie bei dem Versuch, bestimmte Bereiche der Transzendenz zu retten, während sie andere in das Reich der Legenden verlagert, da man sie natürlich keinem aufgeklärten Menschen mehr zumuten könne. So seien alle Inhalte der Evangelien, die „Übernatürliches“ beinhalten, „nachösterlich“ entstanden. Berger spricht von einer ständigen Verbreiterung des „Ostergrabens“. Den Schock und die Niedergeschlagenheit über den Tod Jesu hätten die Jünger aus liberaler Sicht mit einer Mystifizierung der Person Jesu zu kompensieren versucht. In den „vorösterliche“ Textpassagen begegne man noch am ehesten dem historischen Jesus, der sich nie als Messias gesehen hätte; seiner Ethik und Theologie, seinem Engagement und Reformgeist. Alles Nachfolgende hingegen sei Verklärung. Besonders gilt das natürlich für die Wundergeschichten. Berger hält dem entgegen: "Das alles […] lässt sich nicht so erforschen und bedenken, 'als gäbe es Gott nicht', so weit reichen unsere Argumente hinsichtlich der neutestamentlichen Autoren. Ihr Maßstab war die unbezweifelte Existenz Gottes. Insofern sind die neutestamentlichen Autoren auch entlastet, weil sie offenkundig nicht schreiben, um zu betrügen, sondern eben weil die Wirklichkeit Gottes sie erreicht und umgekrempelt hat."

Auch die Kindheits- und Passionsgeschichten sind Gegenstand des Fundamentalzweifels. Dabei wird als herausragendes Indiz der Unglaubwürdigkeit kontinuierlich bereits angesehen, dass eine tatsächliche Übereinstimmung mit den alttestamentlichen Aussagen über den kommenden Messias besteht. Das ist natürlich ein recht merkwürdiger Argumentationsgang. Würde man diesem Ansatz generell folgen, müsste die Geschichte an sehr vielen anderen Stellen – allen historischen Befunden zum Trotz – umgeschrieben werden. Bethlehem, Hebron, Aleppo, Jerusalem werden im AT Segen oder jedenfalls Bestand verheißen. Tatsächlich gibt es sie immer noch. Aschkalom (Jeremia 47, 5), Babylon (Jesaja 13, 22), Theben, Memphis (Hesekiel 30, 13), Ninive (Nahum 2), Samaria (Micha 1, 6) wurden Gericht und Untergang zugesprochen. Sie sind heute Ruinenstädte. Nicht etwa weil fromme Archäologen sich das zusammenreimen, sondern weil es wirklich so ist.

Den mächtigen Assyrern und dem glorreichen pharaonisches Ägypten wird der Niedergang voraus gesagt. I.d.T. haben sich diese Reiche, ihre Kultur und Religion für immer aus der Weltgeschichte verabschiedet. Nicht so das kleine Israel mit seiner Kultur und Religion. Auch Israel wird von Zerstörungen und Vertreibungen heimgesucht werden, am Ende aber doch – wie vorhergesagt - einen Neubeginn erfahren (Vgl. bspw. Hesekiel 28, 25-26). Israels allen Verfolgungen und Anfeindungen zum Trotz erfolgte Staatsgründung 1948 ist ebenfalls keine Legende fundamentalistischer Juden, die im Nachhinein alttestamentliche Prophetien rechtfertigen wollen, sondern eine historische und politische Tatsache.

Man mag einwenden, dass Ergebnisse von Ausgrabungen ein völlig anderes Gewicht haben, als die Berichte der Evangelisten. Das angewandte Prinzip wird dadurch nicht überzeugender. - Das AT redet davon, dass der Gesalbte Gottes in Bethlehem zur Welt kommen würde. Folglich, so die liberale Logik, müsse Bethlehem als Geburtsort Jesu wohl erfunden sein. Dazu kommt, dass Jesus als der gilt, der aus Nazareth kommt. Berger wendet hier ein, dass er selbst auch in Hildesheim geboren sei, sich aber stets als aus Goslar stammend bezeichnet hätte – eben weil er dort aufgewachsen ist.

Auch der Kindermord des Herodes gilt als Legende. Berger hält dem entgegen: „Herodes hatte einen schlechten Ruf und war für seine Grausamkeit bekannt. Dass mögliche Nachfolger aus dem Weg geräumt werden, gehört zum Alltagsgeschäft von politischen Tyrannen – und das gilt bis in unsere Zeit. Die Anordnung des Kindermordes aus Angst vor dem Machtverlust ist keine Propaganda des Evangelisten Matthäus, sondern ist sehr plausibel.“

Bei dgl. handelt es sich um im Grunde – für die eigentl. christl. Botschaft - unwesentliche Dinge. Ans Eingemachte geht es jedoch, wenn theologische Kernaussagen von elementarer Bedeutung nicht mehr verstanden werden. Dies ist bspw. der Fall beim Themenkomplex „Gesetz und Gnade“, an dem sich Generationen liberaler Theologen vergeblich abgearbeitet haben. Da man außerstande ist, sich auf die Denkvoraussetzungen der Verfasser der betreffenden Texte wirklich einzulassen, sieht man Widersprüche, wo gar keine sind und versucht diese wiederum über das Postulat unterschiedlicher Autoren (in diesem Fall v.a. die Paulusbriefe betreffend), verschiedener Denkrichtungen („Siegestheologie“ des Lukas, „Kreuzestheologie“ des Paulus) usw. aufzulösen. Dabei sind hier keinerlei intellektuelle Klimmzüge von Nöten – sehr einfache Menschen, insbes. auch solche die aus einem nicht-christlichen Hintergrund heraus dem Evangelium begegnen, verstehen den Zusammenhang oft sofort: Jeder Mensch weiß um den Anspruch, der sich in seinem Gewissen manifestiert. Und er weiß, in welchem Maße er auf dem Weg der Moral daran scheitert. Die Gnade reißt die Mauer der Schuld zwischen Gott und Mensch nieder und ermöglicht so den Eintritt in eine Gottesgemeinschaft die sich zutiefst befreiend auswirkt und den betreffenden Menschen von innen her positiv verändert.

Schwierigkeiten hat man selbstverständlich auch mit anderen zentralen, im NT geschilderten Ereignissen – Jungfrauengeburt, leibliche Auferstehung, Himmelfahrt, Pfingsten. Hier wie in Bezug auf viele andere Stellen sucht man auch nach Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen mit den mythologischen Überlieferungen der miteinander in Kontakt stehenden Stämme und Völker des vorderorientalen bzw. mediteranen Altertums und kommt zu dem Schluss, dass sich die Schreiber der Bibel ausgiebig aus dem ihnen zugänglichen Pool religiöser Motive bedient hätten: Erschaffung von Welt und Mensch etwa seien ähnlich schon bei den Sumerern und Ägyptern beschrieben. Ursprüngliche Paradiesvorstellungen und Sintflutberichte finden sich in zahlreichen Kulturen, einer der letzteren schriftlich aufgezeichnet zuerst im Gilgamesch-Epos. Der Regenbogen gilt auch in anderen Kulturen als Bundeszeichen zwischen himmlischer und irdischer Welt. Der Turmbau von Babel findet bereits bei den Sumerern Erwähnung. Auch die Aussetzung des künftigen Retters (Moses) als Kleinkind im Korb auf einem Fluss sowie seine Auffindung durch die Tochter des Herrschers (Pharao) sei kein singulär israelisches Motiv. Etc. etc.

Für das NT ist der Verweis auf den griechischen Herakles-Mythos sehr populär. Auch dieser Heros sei eine ersehnte Rettergestalt, Sohn der Götter, verfolgt, geprüft und versucht, ein rastloser Helfer, am Ende ein Überwinder, der, nach einem Besuch im Totenreich zu guter Letzt in den Olymp der Götter erhoben wird. Wie in Bezug auf andere Texte gilt jedoch auch hier: Der Bericht über Leben und Wirken des Jesus von Nazareth und der Herakles-Mythos könnten bei genauerer Betrachtung - was die wesentlichen Züge betrifft – verschiedener kaum sein. Vom Intrigenspiel der griechischen Götter im Hintergrund einmal abgesehen - Herakles ist ein Held und Kämpfer der quasi durch sein „Übermenschentum“ bestechen möchte und mit den zwölf ihm als Buße dafür, dass er im Wahn Frau und Kinder erschlagen hatte, auferlegten Arbeiten unglaubliche Herausforderungen besteht.

Das besondere in Jesu Leben ist dagegen seine Integrität, sein aufopferungsvoller Einsatz für Kranke, Schwache, Arme, Besessene, Gefallene, Ausgegrenzte, seine furchtlose und vollmächtige Konfrontation der Selbstgerechten und in sozialen Belangen gewissenlosen, der Reichen und Mächtigen. Er wirkt gerade nicht selbstherrlich aus eigener Kraft, sondern vertraut der Hilfe und Leitung des Vaters im Himmel. Er siegt nicht durch physische oder politische Überwältigung derjenigen, die ihm entgegentreten, sondern indem er sich selbst bzw. seiner Berufung treu bleibt und allen Anfeindungen zum trotz den Weg der Nächstenliebe geht. Dies kostet ihm schließlich das Leben.

Kreuz und Auferstehung haben jedoch auch noch eine weit tiefere Bedeutung: hier stirbt der Sündlose für die Sünder. Gott selbst nimmt die Strafe für die Verfehlungen der Menschheit in seinem Sohn auf sich. Der Heraklessche Besuch im Totenreich, von dem sich nach Meinung mancher Gelehrter, die ersten Jünger hätten inspirieren lassen, hatte das Ziel – im Rahmen der letzten Bußauflage den dreiköpfigen Hund Zeberus „heraufzuholen“. Herkules stirbt schließlich indem er sich – als er im Zuge eines Eifersuchtsdramas vergiftet von unerträglichen Schmerzen gepeinigt wird – selbst das Leben nimmt. Die Götter nehmen ihn zu sich. Die Griechen verehren ihn als Helfer in allen Lebenslagen, die Römer dann als Gott des Handels.

Genauso gut bzw. schlecht ließen sich letztendlich Parallelen zum indischen Ramajana oder zum Kult um die alt-chinesischen Stadtgottheiten ausmachen. Es ist wie mit vielen anderen Dingen, Phänomenen und Prozessen in der materiellen, geistigen und sozialen Sphäre auch: aus großer Distanz betrachtet, erscheint vieles ähnlich; erst aus der Nähe werden die tiefen Unterschiede sichtbar.

Viele weitere exegetische Probleme werden von Berger angesprochen. Wie bspw. Jesu Aussage in Mk. 9, 1 über das nahe Kommen des Gottesreiches einordnen? Berger weist hier auf einen möglichen Bezug zur nachfolgend geschilderten Verklärung Jesu hin. Fast naheliegender erscheint jedoch – in Entsprechung zu Joh. 16, 7 – das Pfingstereignis. – Hat Jesus tatsächlich das Vaterunser gebetet und gelehrt. Nein sagt die gängige Theologie – dies passe nicht zum sich durch viele andere Stellen vermittelnden Bild von der Gegnerschaft Jesu gegen alles Rituelle. Berger stellt hier einen Bezug zu Matth. 6, 7 her – Jesus mahnt, „nicht zu plappern wie die Heiden“. Im folgenden gibt er ein Beispiel für authentisches, wesentliches Gebet. Ein „rituelles“ Vaterunser wurde erst im Laufe der Kirchengeschichte daraus.

Nun ist es natürlich tatsächlich so, dass manche Sequenzen in AT und NT widersprüchlich erscheinen, beliebte Bsp. sind hier die unterschiedlichen Schöpfungsberichte in Genesis, Jesus-Stammbäume in den Evangelien, die unterschiedlichen Darstellungen der Aussage Jesu über die Zeit bis zur Auferstehung (2 oder 3 Tage). Nicht selten bieten sich in solchen Fällen durchaus plausible Erklärungsmöglichkeiten an, doch wie immer dem auch sei: Für die meisten Christen, so darf man sicher festhalten, war dergleichen kaum je geeignet, die Aussagekraft der Bibel in Frage zu stellen. Luther nahm sich durchaus die Freiheit, von einer unterschiedlichen geistlichen bzw. theologischen Tiefe der einzelnen biblischen Bücher zu reden. Dennoch konnte er der katholischen Kirche, die dem Leitfaden der Schrift stets die Tradition zur Seite stellte, sein „Solo Scriptura“ entgegenhalten. N. L. von Zinzendorf, eine herausragende Gestalt des Pietismus, Gründer der Herrnhuter Brüdergemeinde, ein Zusammenschluss von Christen, von deren Authentizität und menschlicher Qualität der Dichterfürst Goethe so tief beeindruckt war, dass er später in seinen Lebenserinnerungen festhielt, dass er sie „herzlich lieb“ gewonnen hatte und „es nur an ihnen gelegen hätte, ihn zu einem der ihren zu machen“, redete bereits zu einer Zeit, als es den historisch-kritischen Ansatz in der universitären Theologie noch nicht gab, ganz offen von „Fehlern und Ungereimtheiten“ und erörterte diese sogar in Gemeindeversammlungen. „Es ist eine unverantwortliche Torheit, die Bibel so auszukünsteln, dass man wider allen Sinn und Verstand glauben soll, dass sie gelehrt, zusammenhängend, nach unserer Art methodisch geschrieben sei; da doch ihr göttlicher Geist und Leben in die Gestalt und Form eines miserablen Hirten-, Fischer- und Visitator-Stil […] eingewickelt ist“, schreibt er 1742 in „Theologische Bedenken“.

Dennoch ist Zinzendorf auch der Mann, der rastlos und mit großer Begeisterung das Evangelium verkündet, und unzähligen Menschen zum Glauben an Jesus Christus und einem befreiten Leben in der Orientierung am lebendigen Wort der Schrift verhilft. Seit mehr als einem Viertel Jahrtausend werden weltweit die auf ihn zurück gehenden Losungsheftchen gelesen.

Die Verfasser der biblischen Schriften selbst behaupten ebenso an keiner Stelle, absolut perfekt und widerspruchsfrei zu sein. „Jede Schrift ist von Gottes Geist eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werke ausgerüstet“, heißt es vielmehr in 2. Timotheus 3, 16-17. Verfasserfragen, form- und redaktionsgeschichtliche Hintergründe, zeitliche Zuordnungen, vermeintliche oder tatsächliche Fehler und Widersprüchlichkeiten in im Grunde marginalen Aussagen – dies alles tangiert die hier beschriebene „Funktion“ der Schrift in keiner Weise, denn es geht ihr nicht um historische oder naturkundliche Exaktheit bzw. Wissensvermittlung.

Auch Berger geht es sicherlich nicht darum, sämtliche vermeintl. od. wirkliche Ungereimtheiten der Bibel mit Macht weg zu erklären. Er macht jedoch deutlich, dass sich der Sinn der biblischen Botschaft nur dann erschließt, wenn man sie als Ganzes betrachtet und nicht nach weltanschaulichem Gusto Inhalte selektiert. Gäbe es keine Erlösung, die sich im Hier und Heute des einzelnen Menschen manifestieren kann und keine Gewissheit in der Gotteserfahrung, die den Menschen auf eine völlig neue Existenzebene erhebt, wäre die christl. Botschaft genau das, was viele ihrer Gegner ihr vorwerfen: ein Gedankensystem, das wider alle menschliche Erfahrung Geltung beansprucht, das den Menschen die Krankheit erst einredet, die sie zu heilen vorgibt; ein überforderndes Moralsystem, das Lebendigkeit eher erstickt als freisetzt.

Bergers Buch ist hoch interessant; die Reaktionen darauf sind es ebenso. Die Kritik ist entweder wohlwollen oder betrifft – wo sie eher negativ ausfällt – eine vermeintlich überzogene Kritik Bergers an der kreativen Vielfalt wissenschaftlichen Denkens und Forschens. Nirgends werden jedoch Bergers Standpunkten konkrete Fakten entgegen gesetzt, diese gar als widerlegt oder illegitim dargestellt. Einmal mehr wird deutlich, welche Diskrepanz oft zwischen der selbstgewissen Außendarstellung des „Forschungsstandes“ verschiedener Wissenschaftssparten und dem, was wirklich als Fundus gesicherten Wissens gelten kann, besteht.
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1-10 von 15 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 20.07.2013 11:55:58 GMT+02:00
argus x meint:
Vorweg: 'ut si deus non daretur' - doch wohl als Vorwurf gemeint - wenn Sie mit dieser Einstellung an angeblich 'heilige' Schriften herangehen, dann sind diese alle wahr und gültig - und die kritische Forschung ist keinen Schritt weiter. In der Logik nennt man so etwas allerdings einen Zirkelschluss.
Selbstverschuldete Unmündigkeit ist das, was die Aufklärung dem mittelalterlichen Menschen vorgeworfen hat, und genau dieser Unmündigkeit redet der im Mittelalter stehen gebliebene Dämonen- und Geisterseher K. Berger das Wort, z.B. nach der Muster: Engel, Teufel und Dämonen gibt es, weil sie in der Bibel vorkommen, - Feen, Gnome und Klabautermänner gibt es nicht, sie kommen nämlich dort nicht vor. Kann man dies vielleicht noch als infantile Kleingeisterei abtun, - um einiges übler steht es mit seiner anti-aufklärerischen Grundhaltung, insbesondere mit seiner Vorstellung von der Menschenwürde, die er in Anlehnung an die mittelalterliche 'Geistesgröße' Joachim von Fiore nur bei dem sehen will, dessen "Gottebenbildlichkeit wiederhergestellt ist"..."der Maßstab für Aufgeklärtheit ist Jesus Christus, die vollendete Aufklärung ist christologisch geprägt" (S.82). Im Umkehrschluss ergibt sich daraus: dem nicht Gottebenbildlichen und nicht Christuserleuchteten steht also - in gröbster Verkennung der Anliegen der Aufklärung - Menschenwürde nicht zu. Damit wird wieder einmal der Lieblingsbeschäftigung der Christen gefrönt, die Menschen - die Mitbürger - nach eigenen Maßstäben zu selektionieren und den ausgeschiedenen Teil als Menschenwürde-los (vermutlich auch als der Hölle verfallen?) zu diffamieren.
Wie man unschwer erkennen kann, ist K. Berger hoffnungslos dem mythologisch geprägten, vorwissenschaftlichen Denken des Mittelalters verhaftet geblieben, das dem Teufel auch gerne mal ein Tintenfass nachwirft. Nur - welcher aufgeklärte Mensch würde das heute noch tun?

Abschließend sei noch nachgefragt: was kann denn "wirklich als Fundus gesicherten Wissens" (letzter Absatz Ihrer Rezension) in der Theologie gelten ??? --- Doch wohl kaum die Bergerschen Phantastereien!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.07.2013 12:20:06 GMT+02:00
F. Grossmann meint:
Aufklärung war ja nicht gegen Religion gerichtet,, Nur wenige Aufklärer waren Atheisten, und dann meist eher im agnostischen Sinne.. Zentrales Anliegen war, Vernunft und eigenständiges Denken zu aktivieren und nicht etwa die kirchliche Dogmatik durch naturalistische zu ersetzen. Es ging darum, Kategorien zu klären: Wie weit reicht die Ratio? Was ist der Ratio nicht zugänglich, sondern bestenfalls durch Offenbarung? Wo ist intersubjektive Vergewisserung möglich und wo nur subjektive? Welche Fragen können wir beantworten und wo müssen wir offene Fragen bzw. einen Pluralismus der Antworten aushalten? Was können wir überhaupt von der Welt außerhalb von uns erkennen/aussagen?
Den meisten Aufklärern erschien Atheismus und Vernunft nicht vereinbar (Voltaire: Atheismus = „größte Verirrung der Vernunft") . Ob Berger soweit gehen würde, wage ich zu bezweifeln.
Die Errungenschaften der Aufklärung waren/sind gefährdet/in Frage gestellt durch:
- einen Skeptizismus in Bezug auf die Fähigkeit der Ratio, menschliches Handeln in einer guten Weise zu leiten und zu bestimmen (der reinen Ratio kann de Sade so plausibel erscheinen wie Kant, Marx so vernünftig wie Hegel)
- Obskurantismus, der parallel zur Aufklärung geradezu zu boomen begann und bis heute boomt (Esoterik, Spiritismus, Okkultismus)
- einen naturalistischen bzw. materialistischen Reduktionismus, der besonders in Natur-und Sozialwissenschaften zu dominieren versuchte und versucht , für viele destruktive gesellschaftstheoret. Ansätze verantwortlich war und ist (Rassismus, Eugenik, Sozialdarwinismus, Marktliberalismus, Kommunismus usw.) und auch in den Naturwissenschaften als Blockade wirkte (besonders deutlich im ausgehenden 19. Jh.)
Wenn man sich das vor Augen hält und sich Bergers Buch vor diesem Hintergrund anschaut, wird klar, dass er Aufklärung vom Feinsten betreibt. Er behauptet keineswegs, wie Sie glauben, dass das, was die Bibel schreibt wahr ist, weil es eben die Bibel schreibt. Er macht deutlich, was mit intellektueller Redlichkeit/ Hard Facts vereinbar und denkmöglich ist und öffnet Bereiche subjektiver Selbstvergewisserung, die die gängige Theologie oft von vornherein ideologisch ausschließt und abriegelt..

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.07.2013 22:51:09 GMT+02:00
[Von Amazon gelöscht am 23.08.2015 11:35:55 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.07.2013 12:20:49 GMT+02:00
F. Grossmann meint:
...das gilt ja wohl weit eher für Leute, die mit naturalistischen Scheuklappen durchs Leben gehen..
Das Buch diskutiert überhaupt keine „Hard Facts", sondern nimmt ganz selbstverständlich auf diese Bezug .. Dass es bspw. keine stichhaltigen Belege für den Kindermord des Herodes gibt oder keine außerchristl. Zeitzeugen Jesu, die Forschungsergebnisse zu den Datierungen der neutestament. Texte etc. wird von Berger an keiner Stelle in Frage gestellt.. Seine Kritik setzt bei der Interpretation der Fakten an. Wenn diese auf der Basis einer naturalistischen Dogmatik geschieht, hat man keine Chance zu erfassen, was die Texte aussagen. Das ist Bergers Punkt. Er sagt nicht etwa: Du musst glauben, was für die Bibel Wahrheit ist. Er sagt: Hört auf den Blick dafür zu verbauen, was für die Bibel Wahrheit ist. - Wie sich der Einzelne dann dazu positioniert, bleibt ihm überlassen...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.07.2013 12:27:31 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 30.07.2013 08:02:07 GMT+02:00
argus x meint:
"Er (Berger) sagt: ...hört auf den Blick zu verbauen, was für die Bibel Wahrheit ist!"
Was für die Bibel - genauer die Bibelverfasser - Wahrheit ist, ist für die Bibelwissenschaft heute von nur begrenztem Interesse, - die universitär betriebene Bibelwissenschaft hat ergebnisoffen zu forschen, sie ist kein Institut zur Glaubensstärkung, wie dies anscheinend viele Rezensenten (und K. Berger??) annehmen. Insbesondere ist es nicht ihre Aufgabe, Illusionen, die sich die Bibelverfasser vor ca. 2000 Jahren gemacht haben, mit neuem Glanz zu versehen. Sie fördert exakt das zu Tage, was von den Bibelaussagen bei intellektueller Redlichkeit heute - frei von Illusionen - noch vertretbar ist.
Nur ganz am Rande sei vermerkt, dass auch der 'Liebe Gott' kein Freund von Illusionen ist, - auch nicht von glaubensseligen mittelalterlichen Illusionen - - - eine schlichte Wahrheit, die Herrn Berger bisher offensichtlich entgangen ist. Was er uns nämlich erzählt und predigt, ist schlicht und ergreifend die Verherrlichung der Illusion als Selbstzweck.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.07.2013 12:47:21 GMT+02:00
F. Grossmann meint:
Was macht Sie so sicher, was hier Illusion ist und was nicht? Besonders ergebnisoffen scheint Ihr Denken m.E. jedenfalls nicht zu sein.. Wenn Sie stichhaltige Argumente dafür haben, dass Bergers Sicht nicht mit intellektueller Redlichkeit vereinbar ist, hätten Sie diese doch in Ihrer Rezension unterbringen können. Ein Bekenntnis zum naturalistischen Tunnelblick allein wirkt jedenfalls nicht sehr überzeugend. Berger war immerhin Jahrzehnte lang einer der renommiertesten Professoren seines Fachs an einer der renommiertesten Universitäten in D.. Seine Publikationen zum NT gehören zur am meisten rezipierten Fachliteratur.
Wieso sollte es für die Bibelwissenschaft nur von begrenztem Interesse sein, was für die Bibelverfasser Wahrheit ist, was genau sie meinten? Wenn sich Experten zu Epikur, Platon oder Cicero äußern, will ich doch wohl genau dies hören und nicht oder zumindest nicht in erster Linie, was von deren Ansichten nach Meinung der Wissenschaftlers heute noch brauchbar ist oder was in deren Weltbild passt usw. War Epikurs Götterlehre nur Kompensation seiner traumatischen Erfahrungen im Zuge der makedon. Eroberung? Müssen Homers Epen umgeschrieben werden, weil manche Forscher glauben, dass der historische Kern die Aufstände der Kikelier gegen die Assyrer sind, wobei die Niederlagen der ersteren verarbeitet werden, indem Homer sie zu Siegern stilisiert?
Dgl. kann Erwähnung finden sollte doch wohl aber nicht das Werk als solches verdecken oder nach Gutdünken umgestalten..
Was die von Berger kritisierte Theologie macht , ist doch genau das, was Sie meinen, dass sie nicht machen dürfte: Aufpolieren, Glauben stärken.. Nur verkratzt und verschmiert sie so eher.. Und Glauben zu wecken sollte man dann doch lieber Gott überlassen, den Sie zu Recht als Feind aller Illusionen bezeichnen.. Das ist eben letztlich die entscheidende Frage: vermittelt Theologie wirkliche, erlösende Gotteserfahrung?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.08.2013 07:43:35 GMT+02:00
argus x meint:
"die letztlich entscheidende Frage ...."
Einmal unterstellt, die Theologie vermittle "erlösende Gotteserfahrung", ist diese dann wirklich nur durch den Glauben an Wundertaten und Wunderwesen K. Berger'scher Prägung zu erlangen? Geht es nicht auch ohne Teufel, Totengeister und ähnliches mystery-Zubehör ?? Ist etwa den Anhängern der kritischen Bibelexegese erlösende Gotteserfahrung nicht mehr moglich?
Oder wird hier doch das Spektrum der Theologie unter einseitiger Betonung von unglaubwürdigen mystery-Effekten zu sehr verengt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.08.2013 12:46:06 GMT+02:00
F. Grossmann meint:
Ich persönlich bin immer für Perspektivenvielfalt.. Was man der Wissenschaft oder besser Wissenschaftlern oft vorwerfen muss, ist, dass sie die weltanschaulichen Voraussetzungen nicht ausreichend deutlich machen, alternative Deutungsmöglichkeiten verschweigen, den Grad an Fragilität von Erkenntnissen nicht vermitteln. Gerade diejenigen, die ins mediale und publizistische Rampenlicht drängen, verkaufen ihren Forschungsstand oft als der Weisheit letzter Schluss. Das betrifft nicht nur die Theologie; mehrere aktuelle, kritische Publikationen zu anderen Wissenschaftsbereichen zeigen das.
Natürlich spielen die Dinge, die sie ansprechen zunächst mal kaum eine Rolle.. Und ja - Gott ist groß - ich denke schon, dass auch eine eher kritische Akzente setzende Exegese den Kern des Evangeliums - ex usia - vermitteln kann, und umgekehrt: Buchstabenverhaftung und rigider Fundamentalismus können eine Kompensation dafür sein, dass man den lebendigen Gottesbezug längst verloren hat. Aber irgendwann ist eben eine kritische Grenze überschritten. Wenn man Gesetz und Gnade nicht mehr zusammenbekommt; wenn man meint, es ginge um Moral, wo von Heiligung die Rede ist; wenn der Heilige Geist auf den Geist der Vernunft reduziert wird.. usw. hat man die entscheidende Dimension aus dem Blick verloren.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.08.2013 20:15:03 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 11.08.2013 20:16:14 GMT+02:00
argus x meint:
Festzuhalten bleibt, dass die kritische Bibelwissenschaft die plausibleren Resultate liefern und eben auch auf Fakten verweisen kann (historische Textforschung, Textvergleiche und -widersprüche u.Ä.), während Berger letztlich immer bei seinem 'Glauben' - häufig mittelalterlich und damit vorwissenschaftlich gedeutet - Zuflucht suchen muss, insbesondere bei seiner Verteidigung übernatürlicher Phänomene.
Einem chronischen Hang zur Profilneurose bei kritischen Bibelforschern wird man m.E. dagegen - auch angesichts der zwischenzeitlich lange währenden Tradition - nicht als maßgeblichen Bewertungsmaßstab nehmen können.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.08.2013 17:41:39 GMT+02:00
F. Grossmann meint:
Sie ist plausibler, solange man sich im naturalistischen Zirkelschluss bewegt. "Übernatürlich" ist eine künstliche Kategorie. Es wäre naiv zu glauben, es gäbe nicht mehr, als wir mit unseren fünf Sinnen unmittel- oder mittelbar erfassen können. Wissenschaft sollte sauber arbeiten und nicht in Bereiche hineinpfuschen, zu denen sie naturgemäß nichts beitragen kann. Gott passt nicht in ein naturalistisches Zwangskorsett. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Theologen naturalistische Deutungsmöglichkeiten anbieten. Wer aber so tut, als gäbe es keine äußerst plausiblen anderen Deutungsmöglichkeiten, überschreitet seine Grenzen. Was immer in zwei Jahrtausenden Christentum wirklich gut war, hatte mit einem sehr ursprünglichen Verständnis des NT zu tun. Menschen erfuhren und erfahren Gottes Kraft, die ihr Leben befreit und durch und durch positiv verändert. Wo dies geschieht kann man etwas vom Jubel der Erlösten erleben. Menschen kommen heraus aus den extremsten Lebenskrisen und engaieren sich nachhaltig und mit vollem Einsatz für ihren Nächsten.. Wo dies verblasst, entsteht Gesetzlichkeit, Bigotterie, Spießertum, Moralismus, Selbstgerechtigkeit, Glaubenszwang, Intoleranz und all die anderen Dinge, die wir an Religionen nicht mögen. Oder man hat über den Zeitgeist hinaus kaum noch etwas zu sagen.. Wenn wir Glück haben ist dieser einigerm. humanist.-gutmenschlich geprägt; wenn wir Pech haben, sind die Kirchen voll mit aufgeklärt-liberalen Deutschchristen....
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