Hallo,
was haben Sie denn in Salzburg studiert? Ich nehme doch an, am Mozarteum.
Gruß
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
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Rezension bezieht sich auf: The Sound of Music - Meine Lieder, Meine Träume (Einzel-DVD) (DVD)
Vier Jahre lang habe ich in Salzburg gelebt, der Stadt mit der damals höchsten Selbstmordrate Österreichs. Ich habe Föhn, Schnürlregen, penetrante Marionettenverkäufer auf der Getreidegasse und Touristenströme im Mirabellgarten ebenso ertragen wie die latente Fremdenfeindlichkeit und einen cholerischen Professor. Mozart nannte Salzburg ein Kaff und der Dichter Thomas Bernhard arbeitete seine Hassliebe zu der Puppenstubenstadt literarisch gleich mehrfach auf.In meinem letzten Jahr habe ich die "Sound of Music"-Tour zu den Originalschauplätzen des Films gemacht. In einem Bus voller Briten, Kanadier und Amerikaner, von denen eine zugab, den Film über hundert Mal gesehen zu haben. Süffisant wies der Fremdenführer auf die Fehler des Films hin und ich hätte ihn dafür erwürgen mögen, weil es ihm gar so viel Freude machte, den Leuten die Illusion zu rauben und die Amerikaner mal wieder als dumm hinzustellen. Es geht in diesem Film um Gefühl und davon kriegt man eine Menge verpasst: Wen juckt es da, dass der Fluchtweg über den Untersberg nicht in die Schweiz sondern direkt nach Deutschland führt, dass das Schloss der von Trapps im Vergleich zum Stuckpalast des Films eine kleine Klitsche ist, die Nonnenkirche sich aus zig Salzburger Gotteshäusern zusammensetzt, Marias geliebte Wiese kilometerweit vom Kloster entfernt und das Jodeln nicht authentisch ist. Kein Trinkgeld gabs für den Schnute ziehenden Fremdenführer, dafür aber gemeinsames "The hills are alive" mit amerikanischen Rentnern, die mir kaum glauben wollten, dass ich den Kassenschlager noch kein einziges Mal gesehen hatte und nur die Schallplatte kannte. In der Tat war die süße Mehlspeise aus Poppins-Schneewittchen-Cinderella- und Bells of St. Mary-Zutaten derart in Deutschland gefloppt, dass sie nicht mal die Synchronkosten einspielte. Die ist allerdings auch misslungen: Die Hepburn/Loren-Stimme der sonst so einfühlsamen Marion Degler passt so gar nicht zu Julie Andrews glockenhellem Sprechgesang und klingt wie eine gelangweilte Pflichtübung. Schlimmer noch: Da die Degler wohl nur wegen ihres österreichischen "r "für die Synchronisation herangezogen wurde, übernahm den Gesangspart eine unbekannte Operettendiva und die passt wiederum nicht zu dem dunklen Timbre der Degler. Nach meiner Sightseeing-Tour las ich in einer Salzburger Bibliothek das Drehbuch und endlich, endlich konnte ich den Film ein Jahr später auf Video sehen. Mein Fazit: Er ist abartig und macht dennoch Spaß. Und das bis heute. Gestern sah ich den Streifen das erste Mal auf großer Leinwand - zum Mitsingen in einem Kölner Programmkino. Und er funktioniert immer noch. Ein Halbperuaner setzte sich neben mich: "Wollen wir gemeinsam singen?" und intonierte fehlerfrei "Sixteen going on seventeen". Vor mir saßen vier lesbische Engländerinnen, die zufrieden nickten über Marias Wortgefechte mit dem Trapp-Oberhaupt, rechts von mir stimmten zwei Franzosen "La melodie du bonheur" an und der megacoole Brocken in der ersten Reihe johlte glücklich über die nazisabotierenden Nonnen. Selbst die unglaubwürdigsten Szenen - wie der eindeutig bei "Giganten" abgekupferte Heulkrampf der sensiblen Adelsgewächse - und die abgeschmacktesten Beziehungskisten verfehlten nicht ihre wohlberechnete Wirkung. Und das bedeutet: Großes Kino! Die volle Dröhnung Emotion! Ein bisschen, wie "It's a small world" in Disneyland - mittendrin denkt man: "Jetzt ist aber langsam gut!" und am Ende schnurrt man beglückt: "Schön war's! Nochmal!" Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen Kommentare
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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag:
28.11.2010 01:55:39 GMT+01:00
donald meint:
Hallo,
was haben Sie denn in Salzburg studiert? Ich nehme doch an, am Mozarteum. Gruß
Antwort auf einen früheren Beitrag vom
12.12.2010 09:06:54 GMT+01:00
Loreley meint:
Hallo Donald, ja, das stimmt. Sie auch?
Veröffentlicht am
09.03.2011 14:52:48 GMT+01:00
sevenoften7 meint:
Der Film ist abartig? Ich habe selten so großen Spaß und ein derart großes Interesse beim Lesen einer Rezension gehabt, wie hier bei der Ihrigen. Ich finde Ihren erfrischenden Schreibstil herrlich und habe Ihre Anekdoten sehr genossen. Obwohl ich den Film keineswegs abartig finde.
Vielen Dank, hat großen Spaß gemacht.
Antwort auf einen früheren Beitrag vom
09.03.2011 15:08:58 GMT+01:00
Loreley meint:
Dankeschön, sevenoften7. Mir hat es Spaß gemacht, die Rezi zu schreiben und mich zu erinnern. "Abartig" ist nicht bös' gemeint. Der Film gaukelt einem leider eine Scheinwelt vor, in der sich alles fügt. Das ist aber schon o.k. so. Gerade in der heutigen Zeit! Es wirkt auf mich nur manchmal etwas verstörend, weil die Realbezüge doch etwas naiv geschildert sind. Dennoch: Ich liebe "The Sound of music"!!!!!
Antwort auf einen früheren Beitrag vom
16.11.2012 15:51:13 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 16.11.2012 22:17:21 GMT+01:00
Hans-Georg Seidel meint:
Aber auf Naivität und Scheinwelten sind Sie doch abonniert, jetzt auf einmal real? Warum sind Scheinwelten gerade in der heutigen Zeit akzeptabel? Realbezüge zu naiv schildern, das kritisieren Sie ernsthaft, das praktizieren Sie doch fortlaufend indem Sie mißliebige Regisseure diffamieren als Vergewaltiger, Verseucher, Zwangsbeglücker und vielem mehr. Sound of Music über 100 mal, wenn`s gefällt, aber bitte nicht das Musiktheater in seinem Anspruch damit permanent verwechseln. Ganz großes Kino? Auch das noch. Daraus wird Ihre gesamte Sicht auf das Musiktheater klar. Sie möchten permanent weichgespielte Emotionskost serviert bekommen. Sittsam, brav, alles schön gebadet, sauber im Anzug. Die 1950er Jahre lassen grüßen. Damit schließt sich der Bewertungshorizont.
Freundliche Grüße
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