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Kundenrezension

55 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen G. W. Pabst's Meisterwerk endlich auch in Deutschland auf DVD erhältlich: Hervorragend restauriert & beinahe komplett ..., 24. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Die freudlose Gasse [2 DVDs] (DVD)
Meine Vergabe von 5 Amazon-Sternen sollte als Prämierung für die gesamte Doppel-DVD gewertet werden, die von der 'Edition Filmmuseum' mit einiger Verspätung nun endlich doch veröffentlicht wurde. Diese Gesamtausgabe hat jede Anerkennung verdient, denn - kompakt, wie sie ist - wird jeder Filmfreund und Historiker seine helle Freude daran haben und nachdem der Film (in DVD/Buch-Kombination mit dem ursprünglichen Roman) bereits seit einiger in Österreich erhältlich war, wurde es auch Zeit, daß "Die Freudlose Gasse" endlich ihren Weg zurück nach Deutschland fand, wo sie schließlich entstanden war.
Das Main-Feature ist und bleibt natürlich bei allem Georg Wilhelm Pabst's Film selbst, der hier und jetzt in der bestrekonstruiertesten und -restauriertesten Version, die es auf der Welt gibt, vorliegt - mit angegebener Filmlänge von ca. zweieinhalb Stunden fehlen diesem Filmwerk von 1925, das durch die Zensur der verschiedensten Länder mehrfach zerstückelt wurde, jetzt noch ca. 30 Minuten, die es von seiner Originalversion zur Uraufführung trennen ... die scheinen allerdings tatsächlich verschollen zu sein. Das macht aber nichts, man kann dem Film inhaltlich mühelos folgen, die Rekonstruktionsarbeiten, die durch Enno Patallas vor zwei Jahrzehnten initiiert wurden, zeigen sichtbar Erfolg.
Der Kult-Status des Films ergibt sich aus der Kombination mehrerer Faktoren heraus: Vordergründig "der Aufreißer" ist natürlich die Präsenz DES damaligen, international bekannten Film Stars Asta Nielsen zusammen mit der zukünftigen Hollywood-Film-Göttin Greta Garbo im selben Film (wie für Regisseur Pabst selbst, war "Die Freudlose Gasse" auch für Greta Garbo der 3. Film und blieb, im Kontrast zu Asta Nielsen, die einzige deutsche Produktion, an der sie mitwirkte). Dieser Aspekt rückt selbstverständlich erst retrospektivisch in den Vordergrund, Mitte der 20er konnte schließlich noch niemand ahnen, wie sich die Karrieren aller am Film Beteiligten späterhin entwickeln würden. Retrospektivisch betrachtet IST dies allerdings ein Phänomen ... wenige Jahre später brachte Pabst es fertig die Hollywood-Schauspielerin Louise Brooks für die zwei Filmproduktionen nach Deutschland zu holen ("Die Büchse Der Pandora" & "Tagebuch Einer Verlorenen"), die nachhaltig als die zwei signifikantesten Filme ihrer Laufbahn gelten. Phänomenal, daß der (im Sinne seiner Film Karriere) noch junge Regisseur schon für diese Produktion das Glück hatte, amtierende, wie zukünftige Stars im Studio versammeln zu können - außerhalb der Studios war Pabst's Lebensweg nämlich nicht immer mit Glück gesegnet. Zu weiteren Stars/bekannten Namen dieser Ära, die für "Die Freudlose Gasse" vor der Kamera erschienen gehören u.a. Krafft Raschig, Loni Nest, Valeska Gert, Jaro Fürth, Hertha von Walther und natürlich ... Werner Krauß (Pabst hatte auch das Glück, ihn bereits 2 Jahre früher für sein Regie Debüt "Der Schatz" gewinnen zu können). Marlene Dietrich, die, Gerüchten zufolge, ebenfalls an dieser Filmproduktion beteiligt gewesen sein soll, ist definitiv NICHT dabei! Der Name G. W. Pabst stand, auf seine filmischen Arbeiten bezogen, für die sog. 'Neue Sachlichkeit', die den sog. 'Expressionismus' (signifikante Filme u.a.: "Nosferatu", "Das Cabinet Des Dr. Caligari", "Faust", "Das Wachsfigurenkabinett" oder auch "Dr. Mabuse, Der Spieler") in Deutschland ablöste - retrospektivisch ist dabei sogar Pabst's erster Film "Der Schatz" zum Meilenstein ernannt worden, der diese Wende in der frühzeitlichen deutschen Filmgeschichte herbei führte/markierte. Spätestens durch "Die Freudlose Gasse" erhielt diese neue Direktive der Filmkunst ihren finalen, prägenden Stempel und überdies erwies sich der Film für Regisseur Pabst selbst als lukrativ, festigte/etablierte seinen Status in der Filmwelt, was ihm in der Folge neue Perspektiven eröffnete. Aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet also, repräsentiert "Die Freudlose Gasse" einen echten Meilenstein der (nicht allein deutschen) Filmgeschichte.
Inhaltlich kann an dieser Stelle nicht erschöpfend viel wieder gegeben werden, ohne sich im Detail zu verlieren - was den Rahmen einer Rezension sprengen würde. Nur so viel:
Bei "Die Freudlose Gasse" handelt es sich um ein Drama, bzw. ein Melodram. Es gibt dabei allerdings auch einen kriminalistischen Einschlag, denn zwei der Menschen, die im Rahmen der Story zu Tode kommen, werden ermordet. Generell repräsentiert der Inhalt (basierend auf dem gleichnamigen Roman von Hugo Bettauer) eine Art von 'Sightseeing' durch zwei unterschiedliche Gesellschaftsklassen sowie verschiedenste Mentalitäten, menschliche Psychen (= wie immer: Pabst's Spezialität). Spielen tut die Geschichte in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, die von Armut durch Inflation geprägt ist, was in dieser Verfilmung am Beispiel der Melchior Gasse in Wien demonstriert wird. Wer überhaupt ein wenig Geld berappen kann, steht hier eine Nacht lang in einer Schlange an, um beim Fleischer Geiringer (grandios: Werner Krauß!) ein Stück Fleisch zu erwerben. Wer nicht so liquide, dabei aber weiblichen Geschlechts ist, hat dennoch gute Chancen in den Genuß von Fleisch zu kommen - jedoch erst, nachdem Geiringer selbst in den Genuß des fleischlichen Vergnügens kam: Fleisch (= das Materielle, das Greifbare) ist in jeder Hinsicht sein Geschäft, auf das er sich in diesen unsicheren Zeiten hervorragend versteht. Und damit dies auch so bleibt, streut er zuweilen das Gerücht aus, er habe gar kein Fleisch mehr. Wie sich zeigt, kann er dennoch für die eine oder andere Frau noch etwas besorgen, wenn sie ihrem Wunsch danach nur engagiert genug Ausdruck verleiht. Außer dem Schlachter weiß aber auch Frau Greifer (Valeska Gert) ihren Schnitt zu machen und Vorteile aus der allgemeinen Armut zu ziehen. Sie führt ein Modegeschäft in der Melchior Gasse, doch in den Hinterräumen (die eigentlich schon zum Hotel Merkl gehören), versteht sie es einzurichten, daß Frauen, die in ihrer Schuld stehen, diese abtragen können, indem sie Herren der 'Upper Class' Liebesdienste erweisen und somit Frau Greifer's Profit in dieser von Armut geprägten Zeit steigern. Auf diese Möglichkeit greifen dann auch gern diverse Männer zurück, die (und hier wird die gesellschaftliche Brücke geschlagen) ansonsten in den höheren Kreisen verkehren: Der Zuschauer wird Zeuge, wie sie die Börsengeschäfte zu manipulieren verstehen, wie sie es fertig bringen - und das bei präzise kalkuliertem Timing -, Aktien steigen zu lassen oder auch zu Fall zu bringen ... mit eben diesem/demselben Effekt auf die Menschen, die in dieser unsicheren Zeit investieren und spekulieren. Erfolgreich in Szene gesetzt also, hat Pabst aufgezeigt, wie die Zeichen der Zeit denselben Effekt auf Menschen jeglicher Herkunft (= unabhängig von gesellschaftlicher Position) haben können. Der filmische Inhalt, mit vielen weiteren, interessanten Charakteren, gestaltet sich darüber hinaus aber noch viel subtiler, das allerdings muß man sich selbst angesehen haben. Als auffällig empfinde ich, daß es ein über 80 Jahre alter Film (wie z.B. auch Fritz Lang's "Metropolis") vermag, zeitlos gut zu bleiben, da es ihm gelingt, wenigstens 'schattenhaft' Parallelen zu anderen Zeitabschnitten (wovon unsere, heutige nicht so ausgeschlossen sein muß, wie es vordergründig den Anschein haben mag) aufzuzeigen.
Respektlos und wirklich gemein wäre es, in Bezug auf die darstellerischen Leistungen, alleinig Asta Nielsen, Werner Krauß oder Greta Garbo in den Vordergrund stellen zu wollen (die Garbo war zu jener Zeit, im Gegensatz zu anderen, schauspielerisch ohnehin noch nicht so erfahren, im Stummfilm gefällt sie mir persönlich allerdings immer wieder besser, als in ihren späteren, berühmten Tonfilmen). Hervorragend ist nämlich auch Jaro Fürth (als 'herunter gekommener' Hofrat Rumfort und Greta Garbo's Vater in diesem Film), besondere Erwähnung gebührt in jedem Falle auch Hetha von Walther in ihrer Rolle als Else. Tamara Tolstoi aber ist es, die, als Ehefrau des Anwalts Dr. Leid, alleinig in puncto optische, feminine Präsenz alle anderen Frauen des Films in den Schatten stellt. An interessanten Charakteren und ihrer Darstellung hat "Die Freudlose Gasse", wie bereits erwähnt, immer noch einiges mehr zu bieten. Zum Gesamtgenuß beim Ansehen des Films (der über deutsche, wie englische Zwischentitel verfügt), trägt - einmal mehr - maßgeblich das von Aljoscha Zimmermann komponierte, klangliche Ambiente bei.
Was aber den Gesamtcharakter dieser Doppel-DVD, sowie die 5-Sterne-Bewertung ausmacht, ergibt sich, über die toll restaurierten Bilder von Pabst's Meisterwerk hinaus, aus dem zusätzlichen Bonusmaterial. Zwei Dokumentationen sind enthalten, "Der andere Blick" (ca. 111 Min.) und "Pabst wieder sehen" (ca. 21 Min.), die jedem Interessierten einen kleinen Einblick in die Rekonstruktions- und Restaurationsarbeiten, welche die vorliegende Ausgabe ermöglichten, gewähren und darüber hinaus - durch Bilder, wie Zeitzeugen-Berichte - noch einmal Erinnerungen an die Arbeiten an "Die Freudlose Gasse" wie an das Leben und das filmische Gesamtwerk G. W. Pabsts lebendig werden lassen. Hoch interessant!!! Zudem wurden (ausschließlich in Audio-Form) Erinnerungen des Regie-Assistenten Marc Sorkin zusammen getragen. Das bislang unveröffentlichte Drehbuch zu "Die Freudlose Gasse" ist per Computer im ROM-Part einzusehen, beigefügt ist dieser DVD-Edition ein zweisprachiges (deutsch/engl.), 20seitiges Booklet. Ausgestattet ist die gesamte Doppel DVD mit Regionalcode: 0, kann also auf DVD-Playern in aller Welt problemlos abgespielt werden.
Ich meine, die lange Wartezeit auf das Erscheinen dieser Ausgabe wird durch ihre Gesamtpräsentation belohnt, die gesamten, erfolgreichen Restaurationsbemühungen dieser, übrigens wundervoll viragierten (= eingefärbten) Version von "Die Freudlose Gasse" rechtfertigen den Preis (sowie eine 5-Sterne-Bewertung) vollauf - mir ist bekannt, daß 'Film Freaks' auch im Ausland (z.B. USA) bereits sehnlichst auf das Erscheinen dieser Edition gewartet haben und das ist nicht verwunderlich: Mit dieser Version kommt "Die Freudlose Gasse" in bislang bester Qualität jetzt der ursprünglichsten Originalversion am nächsten. Es erübrigt sich eigentlich, dies zu sagen, der Form halber sei es dennoch einmal angemerkt: Dieser Klassiker gehört in jede Stummfilm-Sammlung, die etwas auf sich hält und andernfalls, aufgrund von Ignoranz, einfach nicht komplett genug wäre ... ein absolutes 'Muß'! Ich wünsche die verdiente Freude an diesem DVD-Gesamtwerk!
-- theSilentNoirFreak
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 12.01.2011 18:48:56 GMT+01:00
Rita E. meint:
Vielen Dank für die hervorragende Rezension - es gibt nichts mehr hinzuzufügen.

Veröffentlicht am 22.01.2012 03:14:12 GMT+01:00
asparago meint:
Es gibt noch eine weitere DVD-Veröffentlichung des Stummfilms vom Filmarchiv Austria (FAA) aus der Edition Film&Text, die ein paar Monate älter ist und von amazon (derzeit) nicht angeboten wird. Es handelt sich um eine nur unwesentlich verschiedene Fassung, jedoch mit einem 220 Seiten starken und reich illustrierten Begleitband. Eine ausführliche Gegenüberstellung der beiden Versionen finden Interessierte unter filmblatt.de/index.php?aid=418, die österreichische Ausgabe ist bestellbar unter http://filmarchiv.at/shop/produkt_show.php?s_prod_id=506&language=de&s_meta_id=0
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