59 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
freiwillige selbstkopiewehr, 21. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Tonight: Franz Ferdinand (Audio CD)
wieder einmal waren die vorausberichte ein unsinn. weder sind ff (franz ferdinand, nicht freiwillige feuerwehr) jetzt eine elktronikband (sieht man vom zweiten teil von "lucid dreams" ab), noch folgen sie ihren genre-kollegen the killers unter die discokugel. auch wenn dieses album "anders" klingt, sind ff immer noch ganz eindeutig ff, also zum tanzen gebrachter rock. was sie getan haben, war vermutlich die notwehrreaktion einer band, die keine lust hat, sich zu kopieren, weil das nämlich eh alle anderen tun. ff standen am anfang der gigantischen newnew wave, welche seit 2005 alles überrollte: pumpende 1-2-1-2-bässe, zappelige gitarren, zum rock verschärfte dance-beats vom schlagzeug, dazu schluchzender, knapp vorm überschnappen befindlicher gesang. sehr, sehr lässig, das ganze! all das ist auf dem neuen album auch da, aber es ist weniger vordergründig, weniger auffällig, verschliffener, zerfranster. im soundbild treiben sich diverse alte synthesizer herum, die gitarren schweifen ab, da und dort zeigt sich ein echo-effekt oder ein lustiges percussion-geräusch. ff klingen dadurch künstlerisch wertvoller, aber auch weniger prägnant, weniger zupackend. die single "ulysses" - ein herrlich aufgeregter track - könnte ganz großes disco-kino sein, dazu schiebt der bass aber zuwenig. so ist es halt ganz großes indie-rock-kino. dieses stück ist sehr typisch für das ganze album. die nächsten stücke sind ähnlich aufgelegt: da bauen sich immer wieder hitmelodien und hitgrooves auf, um dann plötzlich links abzubiegen, sich zu verbremsen oder etwas anderes unvorhergesehenes zu machen. "twilight omens" könnte ebenfalls der große partyhit sein, ist dazu aber schlicht zu mysteriös - und eine spur zu langsam. "live alone" beginnt als superhit - nur um dann zu subtil für einen solchen zu werden. "lucid dreams" ist zur hälfte nett blubbernder indie-disco-rock - und zur anderen überdrückventil für sich aufgestaut habende elektronik-spieltriebe. lustig, aber auch ein bisschen länglich. danach geht das album mit zwei ruhigen, scheinromantischen stücken untypisch, aber interessant zu ende. dieses album spielt, so scheints, mit erwartungshaltungen - die werden aufgebaut und umgehend enttäuscht, oft aber auf das allerangenehmste. oft, aber nicht immer - bei manchen songs habe ich den eindruck, die sind schlicht nicht ganz so gut, sprich zwingend, sprich auch inspiriert, wie früheres. was ff mit diesem album gelungen ist: sie klingen anders - und trotzdem ausschließlich wie sie selbst. anders als bei anderen new new wave acts kommt man hier kaum auf die idee, die üblichen postpunk-verdächtigen als referenzen aufzuzählen. die nächstliegende benchmark bei ff ist immer ff. das ist definitiv kein album, das beim ersten hören packt, niederzwingt, widerstand zwecklos macht. man muss sich damit schon öfter und genauer befassen, bis es abzuheben beginnt. langfristig wird es entweder bis zum meisterwerk wachsen - oder zur randnotiz verkümmern. ich hoffe auf ersteres und befürchte zweiteres. für den moment einmal ist es: faszinierend.
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freiwillige selbstkopiewehr
wieder einmal waren die vorausberichte ein unsinn. weder sind ff (franz ferdinand, nicht freiwillige feuerwehr) jetzt eine elktronikband (sieht man vom zweiten teil von "lucid dreams" ab), noch folgen sie ihren genre-kollegen the killers unter die discokugel.
auch wenn dieses album "anders" klingt, sind ff immer noch ganz eindeutig ff, also zum tanzen gebrachter rock. was sie getan haben, war vermutlich die notwehrreaktion einer band, die keine lust hat, sich zu kopieren, weil das nämlich eh alle anderen tun. ff standen am anfang der gigantischen newnew wave, welche seit 2005 alles überrollte: pumpende 1-2-1-2-bässe, zappelige gitarren, zum rock verschärfte dance-beats vom schlagzeug, dazu schluchzender, knapp vorm überschnappen befindlicher gesang. sehr, sehr lässig, das ganze!
all das ist auf dem neuen album auch da, aber es ist weniger vordergründig, weniger auffällig, verschliffener, zerfranster. im soundbild treiben sich diverse alte synthesizer herum, die gitarren schweifen ab, da und dort zeigt sich ein echo-effekt oder ein lustiges percussion-geräusch. ff klingen dadurch künstlerisch wertvoller, aber auch weniger prägnant, weniger zupackend.
die single "ulysses" - ein herrlich aufgeregter track - könnte ganz großes disco-kino sein, dazu schiebt der bass aber zuwenig. so ist es halt ganz großes indie-rock-kino. dieses stück ist sehr typisch für das ganze album. die nächsten stücke sind ähnlich aufgelegt: da bauen sich immer wieder hitmelodien und hitgrooves auf, um dann plötzlich links abzubiegen, sich zu verbremsen oder etwas anderes unvorhergesehenes zu machen. "twilight omens" könnte ebenfalls der große partyhit sein, ist dazu aber schlicht zu mysteriös - und eine spur zu langsam. "live alone" beginnt als superhit - nur um dann zu subtil für einen solchen zu werden. "lucid dreams" ist zur hälfte nett blubbernder indie-disco-rock - und zur anderen überdrückventil für sich aufgestaut habende elektronik-spieltriebe. lustig, aber auch ein bisschen länglich. danach geht das album mit zwei ruhigen, scheinromantischen stücken untypisch, aber interessant zu ende.
dieses album spielt, so scheints, mit erwartungshaltungen - die werden aufgebaut und umgehend enttäuscht, oft aber auf das allerangenehmste. oft, aber nicht immer - bei manchen songs habe ich den eindruck, die sind schlicht nicht ganz so gut, sprich zwingend, sprich auch inspiriert, wie früheres.
was ff mit diesem album gelungen ist: sie klingen anders - und trotzdem ausschließlich wie sie selbst. anders als bei anderen new new wave acts kommt man hier kaum auf die idee, die üblichen postpunk-verdächtigen als referenzen aufzuzählen. die nächstliegende benchmark bei ff ist immer ff.
das ist definitiv kein album, das beim ersten hören packt, niederzwingt, widerstand zwecklos macht. man muss sich damit schon öfter und genauer befassen, bis es abzuheben beginnt.
langfristig wird es entweder bis zum meisterwerk wachsen - oder zur randnotiz verkümmern. ich hoffe auf ersteres und befürchte zweiteres.
für den moment einmal ist es: faszinierend.
guitar
21. Januar 2009
- Insgesamt:
5

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Ort: wien
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