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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Natürliche Musikalität, aber fehlendes Feuer, 5. Juni 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Rachmaninoff: 2. Klavierkonzert (Audio CD)
Nach ihren Ausflügen in das klassisch-romantische Repertoire deutscher Prägung (Brahms, Beethoven) kehrt Hélène Grimaud in ihrer neuesten Einspielung wieder zu Sergei Rachmaninov zurück, dem sie schon in ihrer Jugendzeit eine Einspielung sowohl des vorliegenden Klavierkonzertes als auch der 2. Klaviersonate (beides bei Denon erschienen, jedoch zur Zeit vergriffen) gewidmet hat. Das in unzähligen Aufnahmen vorliegende, wohl bekannteste zweite Klavierkonzert wird mit einigen Préludes und Etudes-tableaux sowie den weitaus weniger bekannten Corelli-Variationen gekoppelt, in denen sich der etwas sprödere Spätstil Rachmaninovs manifestiert.
Was das Klavierkonzert angeht, so wartet Grimaud mit der von ihr schon in den zwei letzten CDs so hochgelobten Musikalität auf, mit der sie musikalische Strukturen auf natürliche Weise entwickelt und zu wie selbstverständlichen Spannungsbögen zu formen vermag. Die vielfältigen klanglichen Schattierungen, die ihr dabei gelingen, machen auch aus diesem so oft gespielten Konzert wieder eine Neuentdeckung. Die fabelhafte Begleitung durch das Philharmonia Orchestra unter Ashkenazy tragen dazu ebenso bei wie der runde, volle Klang, den die gebürtige Französin ihrem Steinway entlockt; dabei scheut sie auch dynamische Extreme nicht. - Was trotz allem fehlt, wird offenbar, wenn man ihre Einspielung etwa mit der von Vladimir Ashkenazy selbst (unter Previn, Decca) vergleicht oder auch mit der von Bernd Glemser (Naxos): Grimaud wählt vergleichsweise langsame Tempi (die Anfangs-Arpeggien etwa erinnern an Svjatoslav Richter); dies ist zwar grundsätzlich nicht zu bemängeln, jedoch verbleibt sie auch an den Stellen, wo mehr Rasanz und Unruhe gefragt ist (etwa gegen Ende des 1. Satzes) bei ihrer Zurückhaltung. Das hemmt den Fluß des Stückes und verleiht ihm einen manchmal etwas schwerfälligen Charakter, den gerade der Komponist selber (man höre seine eigenen Einspielungen) so nicht haben wollte. Insofern würde ich die o.g. Aufnahmen vorziehen, wobei Ashkenazy leidenschaftlich-virtuos, Glemser analytisch-virtuos spielt.
Die Etudes-tableaux und Préludes gehören seit langem zum Repertoire der Pianistin und werden von ihr regelmäßig als Zugaben gespielt. Dabei überzeugt Grimaud mit einer sehr guten Melodieführung und ausdrucksstarkem, fein nuanciertem Spiel. Diese zum großen Teil lyrischen Werke liegen ihr sichtlich. - Bezüglich der Corelli-Variationen gilt dasselbe wie für das Klavierkonzert: hoher Detailreichtum, die Pianistin gibt hier jeder Variation einen eigenständigen Charakter - jedoch bei den rasanteren Stücken werden diese nicht mit der nötigen Virtuosität dargestellt. Man kann unterstellen, daß dies aus der künstlerisch durchaus lobenswerten Intention geschieht, die Stücke nicht zu bloßem "Virtuosenfutter" verkommen zu lassen; es fehlt dann aber meiner Meinung nach öfters am nötigen "Drive", der etwa die Einspielung von Ashkenazy (Decca) zur Referenz macht.
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