Kundenrezension

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mit neuem Drummer zurück zu alter Stärke, 20. Januar 2014
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Rezension bezieht sich auf: Into the Storm (Ltd.Digi) (Audio CD)
Veränderungen im Lineup sind bei Axel Rudi Pell nach den turbulenten 1990ern eine Seltenheit geworden. Die Mannschaft um Sänger Johnny Gioeli, Bassist Volker Krawczak und Keyboarder Freddy Doernberg begleitet den Bochumer Gitarristen mittlerweile seit 1998. Bisher war auch Schlagzeuger Mike Terrana stets fester Bestandteil dieser Formation. Doch im Vorfeld der Produktion des 16. Pell-Albums "Into the Storm" (2014) gibt der Bandleader seinem Trommler den Laufpass. Aus welchen Gründen auch immer - es ist die richtige Entscheidung gewesen. Terrana mag zwar ein technisch herausragender Drummer sein, aber er raubt den teils epischen Songs mit seinen wilden Wirbeln und Fills jeglichen Raum zur Entfaltung. Besonders in jüngerer Vergangenheit bedeutet das weniger Atmosphäre und mehr klinische Kälte. Gerade die ist aber das Todesurteil für den typisch magischen Sound von Axel Rudi Pell.

Der neue Mann ist zum Glück wesentlich entspannter. Bobby Rondinelli (früher unter anderem bei Black Sabbath und Whitesnake) - ein großer Name des Business - hat es offenbar nicht nötig, den Showman raushängen zu lassen. Seine straighte Art zu spielen ermöglicht den 12 neuen Titeln genügend Freiraum und das ist der entscheidende Pluspunkt von "Into the Storm". Zudem sind die zuletzt doch sehr gewöhnlichen Kompositionen des Herrn Pell deutlich spannender geworden.

Nach dem obligatorischen Intro, welches das Segelschiff auf die Reise in stürmische Gewässer schickt, donnert der "Tower of Lies" los. Unglaublich heavy trotz fehlender Doublebass. Da ist sie endlich, die lange vermisste Spritzigkeit. Keine sterile Metall-Snare mehr, stattdessen natürlicher Oldschool-Sound und ein flitzendes Solo. Geglückter Auftakt, wenngleich ein bisschen Clipping zu hören ist. Ein ähnliches Sound-Desaster wie beim Vorgänger "Circle of the Oath" (2012) konnte zum Glück vermieden werden.

In ähnlichem Stil geht es mit der Vorab-Veröffentlichung "Long way to go" weiter. Die kommt derart melodisch um die Ecke, dass man sich unweigerlich an alte Glanztaten der 90er erinnert fühlt. Damals, als Pell den geheimnisvollen Storyteller gibt und seinen Fantasy-Jüngern großartige Hymnen schenkt. Bei den Refrains hapert es im neuen Jahrtausend zwar immer noch, aber immerhin ist auf dem neuesten Werk eine wesentliche Steigerung erkennbar.

In "Burning Chains" sucht man die Doublebass vergeblich (wie auch auf dem Rest des Albums), dafür entschädigt aber ein fetziges Power-Riff. Derart ungestüm hat die Truppe lange nicht geklungen und es ist eine Freude, sie entfesselt lospreschen zu hören. Der beste, weil härteste Song der LP. Da glühen die Ketten.

Für gewöhnlich steigt bei Pell mit fortschreitender Spieldauer auch meistens die Gefahr eines Durchhängers. Nicht so in diesem Fall. "When truth hurts" ist die stärkste Ballade seit dem überragenden "Where the wild waters flow" (2011). Endlich wieder große Gefühle, endlich wieder mehr Intimität im Sound. Mag vielleicht mit daran liegen, dass der Gitarrist dieses Mal höchstselbst die Produktion übernommen hat. Stamm-Producer Charlie Bauerfeind hat seine Hände aber dennoch im Spiel.

Und erstaunlicherweise findet sich auch im weiteren Verlauf kein einziger Ausfall. "Changing times", "Touching Heaven" und "High above" halten gekonnt das Niveau. Selbst die etwas nervig intonierte Neil Young-Nummer "Hey Hey My My" hat ihre Momente.

Wirklich aufsehenerregend ist jedoch der Titelsong. Mit über 10 Minuten Laufzeit das Herzstück der Platte und gleichzeitig endlich wieder ein überzeugendes Epos in der Tradition von "Casbah" oder "The Masquerade Ball". Fettes Riff, orientalisches Flair und ein bombastischer Refrain. Jetzt schon ein Klassiker.

Auf der Limited Edition finden sich zwei ebenfalls hörenswerte Bonustracks. Zum einen das leichtfüßige Instrumental "White Cats" und das Blackmore's Night Cover "Way to Mandalay". Hier trumpft Axel Rudi Pell nochmals groß auf und zollt seinem großen Vorbild Ritchie Blackmore Respekt. Die Hard Rock-Version des Folk-Titels hat großes Hitpotential und ist vielleicht das beste Cover der Bandgeschichte.

Das erstaunliche an "Into the Storm" ist seine Konstanz. Wo früher ein, zwei, oder manchmal sogar drei Lieder schwach vor sich hin dümpelten, gibt es diesmal ausnahmslos hohe Qualität. Das rechtfertigt dann im Verbund mit dem edlen Digipak inklusive Poster verdiente vier Sterne. Mit einer so starken Pell-Platte habe ich persönlich nach den durchwachsenen letzten Werken nicht mehr gerechnet. Erfreulich, dass er ausgerechnet zum 25-Jährigen Bandjubiläum das Gegenteil bewiesen hat. So kann es gerne weitergehen.
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