Kundenrezension

72 von 96 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Lauwarm, fast schon kühl, 4. September 2013
Rezension bezieht sich auf: F (Gebundene Ausgabe)
Schade. Ich habe mich sehr auf den neuen Kehlmann gefreut. Doch so richtig wollte diese konstruierte Geschichte um drei Brüder bei mir nicht zünden. Und ich glaube auch zu wissen, warum das so ist.

Daniel Kehlmann gilt als Edelfeder Nummer eins im deutschsprachigen Literaturbetrieb. Er sagt äußerst schlaue Sachen, hat eine tolle Schreibe und wirkt, wie ich finde, ziemlich nett, so man das aus der Distanz sagen kann.

Da ich bereits viele Kehlmann-Bücher gelesen habe (am besten fand ich sein Debüt "Beerholms Vorstellung", dicht gefolgt von "Ruhm" und erst dann "Die Vermessung der Welt") habe ich mich richtiggehend gefreut auf den neuen Roman.

Als ich zu lesen begonnen habe, war mein erster Gedanke: ja, ein klassischer Kehlmann. Die Sätze kompakt, die Atmosphäre reduziert, in allen Situationen eine angenehme Komik. Und über allem drübergestreut eine Prise Bildung und Wissen. Als Leser mag ich soetwas gerne, man hat das Gefühl, etwas en passant zu lernen. Bei Kehlmann erfährt man in der Tat viel über die ersten und letzten Dinge, über Sinn und Unsinn des Lebens.

Aber so richtig bin ich nicht in die Geschichte hineingekommen. Obwohl ein einfacher Lesefluss und viele gute Ideen, zog sich die Geschichte wie ein Kaugummi. Das ist das Stichwort: Geschichte! Besser noch: Story! Denn das Gefühl, hier eine Geschichte vor sich zu haben, wollte sich bei mir perdu nicht einstellen.

Das ist, wenn man so will, der Fehler dieses Buches - und bei genauerem Hinschauen vielleicht sogar der "Fehler" Kehlmanns. Er erzählt keine Geschichte!
Vladimir Nabokov hat sich einmal abschätzig über Thomas Mann geäußert. Nabokov meinte sinngemäßg, Mann will keine Geschichten erzählen, sondern dem Leser eine Ideologie, ein Weltbild, Philosophie vermitteln. Genau das sei das Problem.

Dieses Problem habe ich mit "F". "F" wie "Fehler" sozusagen. Ich habe nie das Gefühl, dass diese Figuren im Roman echt sind. Ein guter Schriftsteller muss das aber in mir auslösen. Murakami schafft das, Stephen King schafft das, Philip Roth oder Truman Capote schaffen das u.v.a.

Aber zu keiner Sekunde, hatte ich den Drang, unbedingt weiterlesen zu müssen, um zu erfahren, wie die Geschichte endet. Bei mir stellte sich ein Gefühl von Belanglosigkeit ein. Ein sicheres Zeichen von zweitklassiger Literatur.

Was mir über die ganze Strecke des Buches immer wieder unangenehm aufgefallen ist: Kehlmann befolgt eine der wichtigsten, ja wenn nicht gar DIE wichtigste Regel, erzählerischen Schreibens nicht: Show, don't tell!

Bei Kehlmann wird daraus ein Tell, don't show! Nicht in allen Szenen, aber doch zu oft für meinen Geschmack. Kehlmann zeigt nicht, wie sich seine Protagonisten fühlen, er erklärt es.

Das Buch hinterlässt bei mir ein lauwarmes Gefühl. Ich habe zum Teil jetzt schon die Handlung wieder vergessen. Ein schlechtes Zeichen.

Fazit: Ein äußerst konstruierter, angestrengter und schaler Roman.
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Kommentare


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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 10.09.2013 17:22:29 GMT+02:00
Louisa meint:
Danke, diese Rezension drückt ziemlich genau aus, was ich selber hätte schreiben wollen. Ich schätze Kehlmann als Autor sehr und dennoch empfinde ich "F" als mißlungen, als dünn und konstruiert und unergreifend. Genial geschrieben zwar, aber eben doch so, dass die Protagonisten nicht lebendig werden. Sie haben das sehr gut in Worte gefasst.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.09.2013 20:08:50 GMT+02:00
R. Bodega meint:
Hallo "thecommunicator" Auch wenn es etwas schräg wirkt, muss ich jetzt mal Werbung machen, denn so langsam setzt bei mir Frust ein. Werbung für Volker Ferkau, der wegen seiner hochintensiven Schreibe nicht nur mit Stephen King verglichen wird, sondern den zig Rezensenten als große literarische Entdeckung hochjubelt, dessen Buchverkäufe aber mau sind. Seine 2 Familienromane "Alles auf Anfang" und "Die Mitte des Weges" bieten genau das, was Sie bei "F" vermissen. Show, don't tell! Ferkau schreibt nie belanglos, seine Sprache ist außergewöhnlich direkt und voller Lust. Mir gehen die ganzen Tellkamps und Kehlmanns dieser Welt, die nur noch für's Feuilleton schreiben, auf den Keks. Punkt! P.S. Und ja, ich bin ein Fan der genannten 2 Bücher.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.10.2013 01:29:42 GMT+02:00
Dauerleser meint:
FERKAU??????? nooooooooo. die ferkau verschwörung :))))))))

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.11.2013 00:29:45 GMT+01:00
ging mir sehr ähnlich. kann so gesehen bei keinem punkt widersprechen, dennoch frage ich mich, ob der punkt, den sie vermissen (die gefühlswelt) so sehr in seinen anderen büchern vertreten war. meines erachtens hat er da auch schon sehr spärlich mit hantiert. trotz allem; generell fehlt irgendwas...
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