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Kundenrezension

36 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut lesbar, aber inhaltlich nicht überzeugend, 16. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Capital in the Twenty-First Century (Gebundene Ausgabe)
Ein gut geschriebenes Buch, angenehm zu lesen und mit vielen interessanten Beobachtungen, die zum Nachdenken anregen. Seine Kernaussage: Im Kapitalismus liegen die Kapitalrenditen normalerweise deutlich über dem Wirtschaftswachstum, was ohne staatliches Eingreifen zu einer ständig zunehmenden Wohlstandskonzentration führe. Die Prosperität der Mittelklasse des 20. Jahrhunderts beruhe auf Sonderfaktoren wie starkem Wirtschaftswachstum und kriegsbedingten Kapitalzerstörungen, für die Zukunft sei aber ohne erhebliche Vermögenssteuern eine Rückkehr zur Rentiers-Gesellschaft des 18. Jahrhunderts zu erwarten.

Trotz dieser scheinbar eingängigen Argumente sind die Schlussfolgerungen nicht überzeugend. Zu häufig vollzieht Piketty gedankliche Kurzschlüsse, zu wenig berücksichtigt er Untersuchungen mit anderen Ergebnissen. Um hier nur die wichtigsten Kritikpunkte zu nennen:

Die weltweite Ungleichheit hat während der letzten drei Jahrzehnte nicht zugenommen: Piketty verwendet ab S. 304 viel Platz für die Wiederholung der wohlbekannten Tatsache, dass Ungleichheiten innerhalb der meisten armen und reichen Länder während der letzten gut 30 Jahre deutlich zugenommen haben. Entgegen einem verbreiteten Missverständnis hat aber die weltweite Ungleichheit sogar eher abgenommen: Das schnellere Einkommenswachstum in bevölkerungsreichen Schwellenländern wie China und Indien hat zu einer Konvergenz zwischen ärmeren und wohlhabenden Staaten geführt, die innerstaatliche Entwicklungen mehr als kompensiert hat.

Ein niedrigeres Wirtschaftswachstum hängt nicht mit mehr Ungleichheit zusammen: Kernelement des Buchs ist die Behauptung, eine hohe Differenz zwischen Kapitalrendite und Wirtschaftswachstum führe zu Ungleichheit: Unstrittig ist, dass hohe Kapitalerträge vor allem den bereits Wohlhabenden helfen, damit Pikettys Argument stimmt, müsste aber auch niedriges Wachstum mit mehr Ungleichheit einhergehen. Um letzteres zu belegen, stützt der Autor sich erzählerisch vor allem auf zwei Episoden: Die vorindustrielle Zeit von Jane Austen & Co (niedriges Wachstum, viel soziale Ungerechtigkeit) und das 20. Jahrhundert (hohes Wachstum in Verbindung mit einer prosperierenden Mittelklasse). Zahllose andere Beispiele zeigen aber, dass hohes Wachstum wie etwa derzeit in China sogar eher mit einer zunehmenden Wohlstandsspreizung einhergeht .

Pikettys Vorhersage einer Auseinanderentwicklung von Kapitalrenditen und Wirtschaftswachstum ist zweifelhaft: Ob sich das Weltwirtschaftswachstum langfristig tatsächlich verlangsamen wird, sei dahingestellt, jedenfalls wurden neue Allzeitrekorde für das globale Wirtschaftswachstum ja erst in der jüngsten Vergangenheit aufgestellt und Beobachter wie Matt Ridley weisen darauf hin, dass die Integration der Schwellenländer in die Weltwirtschaft beinhaltet, dass zusätzliche Millionen von Ingenieuren und Managern an Produktivitätsverbesserungen arbeiten. Noch weit fraglicher ist aber Pikettys Annahme einer langfristig relativ stabilen, strukturell bedingten Kapitalrendite von 4-5%. Die von Großgrundbesitzern früherer Jahrhunderte (in einem weitgehendend inflationsfreien Umfeld) erzielten Renditen vergleicht der Autor hier zum Beleg mit den durchschnittlichen Wertzuwächsen großer Anlagedepots in der Gegenwart. Letztere sind aber vor allem auf Einmaleffekte wie die steigenden Bewertungen fast aller Vermögensobjekte zurückzuführen und gerade diese höheren Preise lassen es unwahrscheinlich erscheinen, dass Anleger künftig mit 5% Rendite nach Inflation rechnen können. Wissenschaftler wie Homer und Sylla zeigen eindrucksvoll, wie die Zinsen im Laufe der Menschheitsgeschichte von annualisierten Sätzen um die 100% über die zweistelligen Beträge der mesopotamischen Zeit auf die heutigen Niveaus gefallen sind. Die mit wachsendem Wohlstand einhergehenden Veränderungen der Zeitpräferenzrate und Kapitalverfügbarkeit bedeuten langfristig tendenziell sinkende Zinsen und somit das Gegenteil einer sich öffnenden Schere zwischen Kapitalrenditen und Wirtschaftswachstum wie Piketty sie prognostiziert.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 21.05.2014 12:07:23 GMT+02:00
Guten Tag,
sehr interessanter Komemntar, aber ein paar Anmerkungen oder sogar Fragen habe ich dazu schon:
Sie saen "Die weltweite Ungleichheit hat während der letzten drei Jahrzehnte nicht zugenommen" und argumentieren das Problem aber eigentlich nur von der nationalen auf die globale Skala, machen aber mM nach keine Gradientenaussage.

Die Veränderungen des Zinsniveaus über die Zeiten glaube ich gerne (Zyklen und Einflüsse aller Art, die sich wahrscheinlich sogar einer umfassenden wissenschaftliche Analyse entziehen), aber geht es nicht eher um die Verteilung des lukrierten Zinses als um den %-Anteil, den er ausmacht - also wieviel von den Zinsen einbehalten wird und wieviel vielleicht doch wieder, wie früher üblich, gespendet oder wirklich versteuert wird oder im Mäzennatentum zur Selbst- und/oder Gottesverherrlichung gegeben wird :-).

Ich werde mir das Buch mit ihren Anmerkungen im Hinterkopf "reinziehen" :-)

Danke nochmals für ihren Kommentar dazu.
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