Kundenrezension

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht nur ein persönlicher Meilenstein, 24. März 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Delicate Sound of Thunder (Audio CD)
Bei "DSOT" handelt es sich um das vorletzte Live-Album von "Pink Floyd", welches auf der Tournee zum ebenfalls vorletzten Studioalbum "Momentary Lapse Of Reason" in 1988 aufgenommen wurde. Die Aufnahmen zu diesen Alben bzw. diese Tournee erfolgten erstmalig ohne den Sänger, Bassisten und Gründungsmitglied "Roger Waters". Der Gitarrist "David Gilmour" hat hier den Gesangspart übernommen.

Ein Konzert dieser Tournee habe ich mit meiner damaligen Frau besuchen können. Sie war kein ausgesprochener Musikgourmet, bestenfalls Musikkonsument und liebte es im Wesentlichen zu tanzen, bevorzugt zur Musik von Dieter Bohlen. Während des gesamten Konzertes hing ihr (nach eigener Aussage und im positiven Sinn) die berühmte Kinnlade herunter. Hiermit ist eigentlich schon sehr viel gesagt, doch wer mehr wissen will darf gerne weiterlesen :-)

"Sachliche Betrachtung"
Pink Floyd = Gigantomanie. Selbstverständlich, wenn man sie sieht. Warum auch nicht? Bei Pink Floyd passt es. Wenn man aber nur hört, dann ist es eben NUR Musik. Hierüber sollte man nicht streiten. Pink Floyd gehören zu den Musikern, die man zumindest mal intensiv gehört haben sollte, wenn man sich mit Musik ernsthaft auseinandersetzten möchte. Und dieses Live-Album bietet hierzu eine gute Gelegenheit.
Wie so häufig wird mit späten Live-Alben ein guter Querschnitt durch die Schaffensperioden eines Musikers / einer Band dokumentiert. Dies ist auch hier festzustellen, wobei Raritäten leider nicht zu finden sind. Vielmehr handelt es sich um eine Art Best-Of Album, bei dem auch das seinerzeit aktuelle Studio-Album promotet wird.
Zunächst aber mag man sich fragen, in wie weit PF ohne Roger Waters überhaupt geht. Manch einer wird sich, bei den klassisch von Roger Waters gesungenen Stücken, erst an den Live-Gesang von David Gilmour gewöhnen müssen. Da jedoch der Gesang von DG kein Novum darstellt, dürfte es hier die geringsten Probleme geben.
Bemerkenswert erachte ich die Feststellung, dass bei dieser Tournee die Studioaufnahmen nicht generell einfach nur 1 zu 1 nachgespielt wurden, sondern dass es sich bei der Mehrzahl der Aufführungen um echte Liveversionen handelt; individuell, kreativ, virtuos und emotional, hierbei sauber und somit nachvollziehbar gespielt. Aber das sollte man von PF schon erwarten.
Entscheidend ist, dass die Präsenz von Pink Floyd auch ohne Roger Waters erhalten geblieben ist. Ihre Songs haben nichts an Spannung, Intensität und Kreativität verloren. Ihre Geschichten werden noch immer mit beeindruckender Dichte erzählt. Die mitunter sehr komplexen Werke, wie der Opener "Shine On Your Crazy Diamond", erzielen nicht nur ihre volle Wirkung, viel mehr werden sie hier Live in einer Art vorgetragen, wie es sein soll! Eine Art, die die einzelnen Songs und die gesamte Band nicht nur glaubwürdig erscheinen lässt sondern vielmehr noch den besonderen, den anspruchsvollen und insbesondere den legendären Nimbus von Pink Floyd unterstreicht.
Festzustellen ist noch, dass diese Liveaufnahme wie schon das dazugehörige Studioalbum "Momentary Lapse Of Reason" gitarrenlastig und somit auf David Gilmour ausgelegt wurde.

"Emotionale Betrachtung"
Die hier gebotenen Live-Aufnahmen beinhalten Überraschungseffekte, die bereits mehrfach genannte Spannung und somit (zumindest für mich) eine mehr als nachhaltige Unterhalten. Schon mit dem Opener "Shine On Your Crazy Diamond" überrollt mich die unglaubliche Wirkung des Albums "Wish You Were Here" (beim Konzert von einer gigantischen Laser-Light-Show untermalt). Es folgen (Entschuldigung für die Superlativen) Ausnahmeknaller wie "One Of These Days", "Time", "Money", und natürlich "Wish You Were Here". Gänsehaut folgt auf Gänsehaut. Selbst die Songs aus dem damals aktuellen und umstrittenen Studioalbum "Momentary Lapse Of Reason" funktionieren. Sie besitzen zwar nicht ganz die Genialität und den Tiefgang der älteren Titel (von / und oder mit Roger Waters), doch muss man hierbei immer beachten, dass "legendäre" Einspielungen auch immer in einem Kontext mit dem seinerzeit Erlebten und Gefühlten stehen.
Sicherlich muss man mit Pink Floyd auch in einem Atemzug "Roger Waters" erwähnen, jedoch nicht mehr bzw. nachdrücklicher als "David Gilmour" oder "Nick Mason" und "Richard Wright"! Einzig bei "Another Brick In The Wall Pt. 2" fehlt mir die Stimme von Roger Waters. Es fehlt etwas mehr als etwas...
Im Übrigen bekommt DG gesangliche Unterstützung durch den formidablen Background-Chor. Dies ist nicht nur dem US-Amerikanischen Geschmack geschuldet. Was die Damen insbesondere bei "Money" abliefern ist nicht nur Würze sondern gehört vielmehr zum Salz in der Suppe; schwarz, kräftig, Soul, Leidenschaft! Ein doppelter Espresso für die Seele...
Das Besondere von "DSOF" / der Live-Versionen kann man unter anderem beim Anfang des Stückes "Run like Hell" finden. Dieser Song hat mir damals im Stadion und in dieser Interpretation die berühmten eiskalten Schauern über den Rücken gejagt. Und das funktioniert auch auf diesem Album.
Als Höhepunkt dieser Live-Einspielung präsentiert sich mir wiederholt das legendäre und vom Rolling Stone Magazin prämierte "Comfortably Numb". Es stellt speziell für mich und hier in dieser Version den Höhepunkt des "Machbaren" dar. Man sollte es über eine würdige Musikanlage oder zumindest über einen guten Kopfhörer mit klarer Auflösung und druckvollem Klang recht laut hören... beim Übergang von dem Gesangspart zum eigentlichen Gitarrensolo bekomme ich JEDESMAL innerhalb weniger Sekunden eine Gänsehaut, die schon regelrecht gruselt. Alleine diese Aufnahme ist die Anschaffung dieses Albums mehr als wert! Diese Version von "Comfortably Numb" ist STATE OF THE ART!!! Was hier David Gilmour auf seiner Fender Stratocaster darbietet ist bezeichnend für sein Gitarrenspiel, ja für seinen gesamten Genius! Ich kniee nieder und verbeuge mich noch tiefer...
Wohl dem, der dieses Konzert mit der dazugehörigen Show live erleben durfte!

"Abschließende Betrachtung "
Das Album "Delicate Sound Of Thunder" von "Pink Floyd" erlaub ich mir mit vollen 5 Sternen (plus) zu bewerten. Somit möchte ich "DSOT" eindringlich weiter empfehlen. Wie immer betone ich, dass es sich hier um eine rein subjektive Betrachtung handelt. Alles im Leben ist Geschmackssache bzw. eine Frage des persönlichen Anspruches.
Hier handelt es sich um ein Album, dass nicht nur eine Sammlung vervollständigt. Es stellt mehr noch ein nach meinem Wertesystem bedeutendes Werk der Band "Pink Floyd" dar.
Wenn es Bands gibt, die für Emotionen stehen, dann gehören Pink Floyd mit Sicherheit in die Top Ten. Diese hier aufgezeichnete Tournee hat alle Erwartungen erfüllt, im Wesentlichen aber die Positiven. Es wird sich (immer) die Frage stellen, was man denn so erwartet. Aber egal was und / oder wie, mit "DSOT" kann man schwerlich enttäuscht werden. Wenn ja, dann wäre das unfair und ganz klar Jammern auf höchstem Niveau!
Das folgende und letzte Live-Album "P.U.L.S.E." zum promoteten Studio-Album "The Division Bell" wirkt hingegen etwas wärmer aber nicht packender. Die Stärke von "P.U.L.S.E." liegt im umfangreicheren Programm, was auch der vorangegangenen Studioaufnahme geschuldet ist. Für meinen Geschmack ist "P.U.L.S.E." keine verfeinerte Version von "DSOT" sondern eher eine Überfeinerte, irgendwie zu glatt, zu routiniert. Bei "DSOT" wollte PF nach meinem Empfinden zeigen, dass sie es auch ohne Roger Waters können. Und dies mit Erfolg!
Für Neueinsteiger ist dieses Album unbedingt geeignet. Sie bekommen einen breiten Querschnitt des Repertoires von Pink Floyd und dies auf sehr hohen Niveau.
Für Freunde und Fans ist dieses Album ohnehin ein MUST HAVE.
Den Kritikern möchte ich empfehlen noch einmal in sich hineinzuhorchen und dann der (wenn überhaupt) vergleichbaren Musik aus jener Zeit gegenüber zu stellen. Ich bin davon Überzeugt, dass dann Pink Floyd und deren Arbeit aus dieser Zeit wieder in einem anderen Licht steht.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 17.05.2012 20:22:18 GMT+02:00
Stefan Meier meint:
Jawohl, ich liebe diese mit soviel Herzblut aus dem von Gänsehaut überschütteten Leib geschnittene Rezension. Spätestens bei deinem "Ich kniee nieder und verbeuge mich noch tiefer..." war es um mich geschehen. Danke dafür, dass es noch richtige Wertschätzer dieser Band gibt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.05.2012 20:21:41 GMT+02:00
Leicar7 meint:
Servus und danke für die Blumen. Ja, bei Musik geht es um Emotionen. Pink Floyd hat reichlich davon. In jeder ihrer Epochen gab's Perlen, auch auf der Zielgeraden!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.06.2013 10:01:01 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 25.06.2013 10:22:58 GMT+02:00
Uwe Smala meint:
Floyd gehören zu meinen Lieblingen und das hier Beschriebene kann ich nur bestätigen..auf DVD ist es auch der Hammer.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.06.2013 18:20:49 GMT+02:00
Leicar7 meint:
Und das Beste - die Musik wird scheinbar nicht alt. Habe die Tage erst wirklich das gesamte Programm durchgehört - incl. "Obscured by Clouds". Der Geist Syd Barrett's lebt! Und der von Richard Wright selbstverständlich auch...

Veröffentlicht am 29.06.2013 07:33:09 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 29.06.2013 07:33:26 GMT+02:00
Du weißt, ich stehe ja auf lange Rezensionen, und kann dir in allen Belangen nur beipflichten. Solche Klassiker und Perlen werden eben nie alt...;-)
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