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4.0 von 5 Sternen ...do the Dixieland Rock with me!, 14. Oktober 2003
Rezension bezieht sich auf: Dixieland Rocks (Audio CD)
Das Jahr 1975 begann wenig erfolgsversprechend für Elvis. Sein für Januar geplantes Engagement im Las Vegas Hilton musste wegen Krankheit auf März verlegt werden. Doch dann lieferte er tolle Shows, scherzte viel, brachte spontane Raritäten wie „You're The Reason I'm Livin'", auch stellte er aktuelles Songmaterial (unter anderem „Promised Land") vor. Mitte April begann dann seine erste Tournee des Jahres. Die Fans waren begeistert, doch die Presse zerriss die Auftritte. Elvis wurde als „übergewichtig und blass" beschrieben. Zum Ende der Tournee kamen dann auch Gerüchte auf, dass er müde wirken würde. Das auf der CD „Dixieland Rocks" veröffentlichte Konzert stammt vom Ende der Tournee, die am 07. Mai in Murfreesboro/Tennessee endete (veröffentlicht ist die Show vom 06. Mai 1975 in Murfreesboro, der Schlussblock und die Bonussongs stammen vom 07. Mai). Doch von Müdigkeit keine Spur!
Wie jedes Elvis-Konzert 1975, so begann auch das am 06. Mai mit Richard Strauß' „Also sprach Zarathustra", das in ein flott vorgetragenes „See See Rider" überleitet. Elvis klingt ein wenig kurzatmig, zwischendurch auch ein wenig nasal, aber ansonsten scheint er gut drauf zu sein. Der Eindruck wird bestätigt, da Elvis vor dem Medley „I Got A Woman/Amen" mit dem Publikum scherzt (er spielt auf seinen erst zwei Wochen zurückliegenden Auftritt in Murfreesboro an). Bis hierher war das Material ja bereits bekannt (wurde 1980 auf „Elvis Aron Presley" veröffentlicht, dann wurde auf Aufnahmen von der Juni-Tournee 1975 zurück gegriffen), mit „Love Me" hören wir den ersten unbekannten Titel. Den Eröffnungsblock schließt Elvis mit „If You Love Me" ab.
Eine erste Überraschung erfolgt mit „You Don't Have To Say You Love Me". Dieser Song gehörte von 1970 bis 1972 zum festen Repertoire eines jeden Elvis-Konzerts, 1975 wurde es nur bei wenigen Gelegenheiten dargeboten. Leider leitet Elvis nun schon zum heute sehr kurz ausfallenden Oldie-Block über, beginnt diesen mit „All Shook Up", es folgt das Medley „Teddy Bear/Don't Be Cruel". Wie gewohnt singt er sich relativ schnell und lustlos durch die Stücke durch, lacht dabei viel.
Auch mit „The Wonder Of You" greift Elvis auf Material zurück, dass er 1970/71 regelmäßig live darbot, dann aber aus dem Programm strich. 1975 gehörte es dann fast regelmäßig ins Programm, leider fehlt die schöne musikalische Einleitung, wie wir sie aus den Konzerten von 1970 kennen. Die fehlt auch beim folgenden „Polk Salad Annie" - bei dem Elvis und die Band aber richtig loslegen! Danach hat sich Elvis eine Pause verdient, atemlos beginnt er - nach ein paar Scherzen mit dem Publikum („Willst du einen Schal? Oder willst du einen Kuss? Gibt's noch was, was du willst?") - mit der Bandvorstellung. Mit knapp neun Minuten ist sie heute relativ kurz, wird durch eine tolle Version von „Johnny B. Goode" (gespielt von „J.B.", also James Burton, an der Gitarre) und einem wahnsinnigen Schlagzeug-Solo von Ronnie Tutt noch unterhaltsamer gestaltet. Den Bass von Jerry Sheff hört man auf der ganzen CD sehr gut raus, er ist etwas übersteuert - trotzdem ist sein Blues hörenswert. Auch Elvis is begeistert, obwohl er ihn „fünf Minuten zu lang" findet. Glen D. Hardin schließt sich mit einem Pianosolo an. Die Bandvorstellung schlisst mit „Long Live Rock And Roll", gespielt vom Joe Guercio Orchestra.
„My Boy" ist eine wunderschöne Ballade, relativ aktuell. Im Dezember 1973 eingespielt wurde der Song im Januar 1975 auf einer Single veröffentlicht, hat im Mai die Charts aber schon wieder verlassen. Und dann präsentiert Elvis seine aktuelle Single, die gerade erst veröffentlicht wurde. Er erwähnt, dass der Song zu viele Worte hätte, die er noch immer nicht alle kennen würde. Trotzdem liefert er eine tolle Fassung von „T-R-O-U-B-L-E" ab!
Danach ist es wieder mal Zeit zum durchatmen. Doch die nutzt Elvis hervorragend, präsentiert eine wunderschöne Version der Ballade „I'll Remember You", die seit der „Aloha From Hawaii"-Show im Januar 1973 zu seinem Standartrepertoire gehörte.
„Why Me Lord" war eines der lustigsten Lieder, die Elvis 1975 darbot. Elvis beschränkt sich darauf, den Refrain mitzusingen, die Strophen überlässt er J.D. Sumner - den er aber durch verschiedene Zurufe und Scherze immer wieder aus der Fassung zu bringen versucht. Das gelingt ihm heute zwar nicht ganz, aber man muss das trotzdem gehört haben! Beim anschließenden „Let Me Be There" scheint Elvis noch nicht ganz bei der Sache zu sein, diesmal kommt ihm J.D. Sumner zur Hilfe.
Auch bei der patriotischen Hymne „An American Trilogy" schafft es Evis nicht ganz ernst zu bleiben. „Ihr seid es, ihr Narren", scherzt er, als seine Backgroundsänger singen „I wish I was in Dixie...".
Mit „Fairytale", einem zu diesem Zeitpunkt noch unveröffentlichten Song (der im selben Monat auf der LP „Today" erscheinen sollte), endet die Aufnahme der Show vom 06. Mai. Wahrscheinlich wurde gar nicht die komplette Show aufgezeichnet. Häufig war es so, dass man nach dem Eröffnungsblock mit der Aufnahme begann oder eben den Schluss der Show nicht mitschnitt. Überraschungen waren meistens im Mittelteil zu erwarten.
So setzt sich die CD mit den Aufnahmen vom 07. Mai aus Murfreesboro fort. Elvis klingt in dieser Nacht etwas müder - aber er scheint trotzdem bei bester Laune zu sein. Nachdem er sich bei seiner Band für die fantastische Arbeit bedankt und verabschiedet hat (wobei er direkt seine nächste Tournee, die in drei Wochen starten soll, ankündigt) bringt Elvis mit „Little Darlin'" eine nette Persiflage auf die Songs der 50er Jahre - bei der er viel herumalbert.
Schließlich bittet Elvis die Lichttechniker darum, die Saallichter einzuschalten. Im Publikum bricht sofort Chaos aus, jeder will Elvis auf sich aufmerksam machen. Allerdings scheint das mit den Saallichtern nicht zu funktionieren - und so singt er „Funny How Time Slips Away" ohne ins Publikum blicken zu können. Heraus kommt eine selten live erlebte durchgesungene Version, meistens nutzte Elvis den Song zum Kontakt mit dem Publikum.
Nun kommt eine unklare Stelle. Elvis sagt eine weitere Show am nächsten Abend in Murfreesboro an. Ist er durcheinander geraten, oder stimmen hier irgendwelche Angaben von RCA oder FTD nicht? Es folgt jedenfalls „Can't Help Falling In Love", das typische Schlusslied - mit dem er diesmal auch seine erste Tournee des Jahres beendet!?
Doch die CD ist noch nicht zu Ende. Das Follow That Dream-Label präsentiert uns noch zwei Bonussongs vom 07. Mai 1975. Zuerst eine wunderschöne Fassung von „Bridge Over Troubled Water", danach eine lustige Version von „Love Me Tender", die Elvis mit dem Geständnis „I love little babyducks!" beginnt. Dann küsst er sich durchs Publikum, was ihm hörbar Spaß bereitet!
Insgesamt eine sehr empfehlenswerte CD mit einem tollen Konzert! Allerdings gibt es auch einige Mängel anzusprechen. So finde ich persönlich den Titel „Dixieland Rocks" ein wenig unglücklich - suggeriert dieser doch, dass Elvis auch den Song „Dixieland Rock" aus seinem Film „King Creole" (deutsch: „Mein Leben ist der Rhythmus") von 1958 darbietet. Währe natürlich eine Sensation gewesen, ist aber nicht der Fall.
Ein zweiter Kritikpunkt ist die Wiedergabe der Fotos auf dem Cover. Es sieht nach einem sehr schlechten Computerausdruck aus. Schade - aber der Inhalt der CD entschädigt die äußere Aufmachung.
Ein letzter Kritikpunkt - ich habe ihn bereits angesprochen - ist die Unklarheit am Ende der CD, betreffend des Aufnahmedatums. Ich befürchte fast, dass hier die Angaben zum Aufnahmedatum nicht stimmen. Wahrscheinlich liegt hier doch ein komplettes Konzert vor, in das lediglich die Aufnahme von „Little Darlin'" eingefügt wurde. Schließlich ist es nur schwer vorstellbar, dass sich Elvis bei seiner Band bedankt, sich bei dieser verabschiedet - und zwei Songs später ein weiteres Konzert ansagt...!?
Also, wahrscheinlich stammt „Little Darlin'" wirklich vom 07. Mai, „Can't Help Falling In Love" wohl aber wieder vom 06. Mai. Und wahrscheinlich auch „Funny How Time Slips Away".
Die CD absolut hörenswert! Elvis ist gut drauf, das Konzert ist Klasse! Nur die oben angesprochenen Ungereimtheiten und Mängel veranlassen mich dazu, einen Stern von der Höchstbewertung abzuziehen!
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