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5.0 von 5 Sternen Zeitreise in das 19. Jahrhundert, 24. September 2007
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Rezension bezieht sich auf: Jahrmarkt der Eitelkeit: Ein Roman ohne Held. Zwei Bände in Kassette (insel taschenbuch) (Taschenbuch)
Mitte des 19. Jahrhunderts spielt der Autor, William Makepeace Thackeray, ein Stück menschlicher Eitelkeiten auf dem Jahrmarkt des Lebens auf und hinterlässt der Nachwelt ein satirisches Original seiner damaligen Welt.
Hierzu hat er zwei der gegensätzlichsten Frauengestalten erfunden, die uns in der Literaturgeschichte begegnen. Die junge Becky Sharp ist fest entschlossen sich mit ihrem geni-alen Verstand und ihrer Skrupellosigkeit einen Platz in der Welt zu schaffen. Dagegen träumt die sanfte Amelia Sedley von einem Leben voller Liebe und Schönheit.
Ausgangspunkt der Geschichte ist die Begebenheit als die beiden jungen Damen eine ehrwürdige Schule für junge Mädchen verlassen. Amelia war dort die Lieblingsschülerin ihrer Lehrer gewesen und auch ihre Freundinnen lassen das liebe Mädchen nur ungern ziehen. Ganz andere Gefühle bringt man Becky entgegen, die dort nur unter der Bedingung, dass sie sich nützlich zu machen habe, überhaupt aufgenommen wurde und nun mit Freuden verabschiedet wird, um ihre neue Stellung als Gouvernante anzutreten. Becky hat aber eigentlich ganz andere Pläne. Schließlich kommt ihre Freundin Amelia aus einer reichen Kaufmannsfamilie und hat noch einen unverheirateten Bruder, der eben Karriere in Indien gemacht hat und nun in London weilt. Und auch Amelia, die ihre Liebe zu ihrem Verlobten, George Osborne, erneuert hat, wünscht sich nichts mehr, als dass auch Becky Glück im Leben zu teil wird. Doch einige sind wohl der Ansicht, dass sich die junge Dame nicht über ihren Stand erheben sollte. Doch nach ihrer ersten Niederlage ist Becky nur um so fester entschlossen, die menschliche Natur mit ihrer Eitelkeit genauer zu studieren, um zu schmeicheln und zu gefallen und sich so in die erlauchten Kreise zu erheben. Amelia dagegen muss feststellen, dass ihre bedingungslose Liebe nicht im gleichen Maß erwidert wird und hat düstere Vorahnungen, was ihre Zukunft betrifft. Schließlich treffen die zwei Frauen sich nach längerer Zeit in Europa wieder. Beide sind in der Zwischenzeit verheiratet und ihre Ehemänner stehen in der Schlacht von Waterloo, die nicht nur für England entscheidende Bedeutung hat...
Die Figuren auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit sind mit spitzer Feder gezeichnet und so überzogen dargestellt, dass klar wird, dass es sich nur um Karikaturen handeln kann. Becky ist mit nüchternem Verstand, aber ohne jegliche Herzenswärme das Gegenbild der sentimentalen Amelia, die nur aus Gefühl besteht und beständig auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Die Männer werden in das Spiel der beiden Frauen beinahe willenlos hineingetrieben. Der eitle Mr. Sedley mit den vielen Komplexen, wird von der schmeichelnden Becky in Gefühlswirren gestürzt, genauso auch der nichtswürdige, aber charmante Rawdon Crawley, der auf großem Fuße lebt, ohne je einen Penny besessen zu haben. Dagegen empfindet George Osborne die Liebe seiner ergebenen Amelia bald als Bürde in seinem abenteuerlustigen Leben. Und sein treuer Freund, William Dobbin, ist Amelia schon nach der ersten Begegnung verfallen, findet aber selbst nach Osbornes Ableben keinen Weg in das ewige Witwenherz seiner Angebetenen.
William Thackeray hat hier ein zwar sehr lebhaftes, aber nicht eben schmeichelhaftes Bild der maroden mittleren und oberen Gesellschaftsschicht seiner Tage entworfen. Hierbei spielt er als Beobachter, kritischer Beurteiler und teilnahmsvoller Begleiter eine wichtige Rolle in diesem Drama. Er gleitet des öfteren ab, um fern der Handlung den ein oder anderen Hinweis oder Verweis anzubringen. Er rügt die Intrigen der kleinen Aufsteigerin und stellt gleichzeitig die moralische Verkommenheit der sogenannten feinen Gesellschaft heraus. Der Handlungsrahmen umfasst um die zwanzig Jahre und um doch immer noch eine gewisse Spannung beizubehalten, hat sich Mr. Thackeray eine geschickte Taktik einfallen lassen. Er erzählt eine Episode zunächst nicht zu Ende, sondern lässt diese an einer interessanten Stelle offen um später wieder auf das Ereignis zurück zu kommen. Oder eine Figur trifft auf eine weitere und wir erfahren erst nach und nach um wen es sich handelt.
Es bleibt am Ende der Verdacht, dass des Autors Sympathie doch mehr der intriganten Becky als der süßen Amelia gegolten hat. Und wir schließen uns den Schlussworten des Romans an: "Ach! Vanitas vanitum! Wer von uns ist auf dieser Welt glücklich? Wer von uns hat, was er wünscht, oder ist, wenn er es hat, zufrieden? -Kommt, Kinder, wir wollen die Puppen in den Kasten tun; denn unser Spiel ist aus."
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