Kundenrezension

53 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen von Schirach kann es besser, 20. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Tabu: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich habe alle Bücher von Ferdinand von Schirach gelesen. "Schuld" und "Verbrechen" sind unerreicht, gemessen an der "Lang"-Geschichte "Der Fall Collini", der für mich inhaltlich mehr Examensklausur im 1. juristischen Staatsexamen war als Literatur und auch sein neuester Roman kommt nicht an die Kurzgeschichtenbände heran. "Tabu" ist verstörend, Sebastian von Eschburg, der vordergründige Protagonist, für den Leser nicht greifbar, weder sympathisch noch das Gegenteil. Mir als Leser blieb Eschburg - wie er nach seinem Eintritt bei dem "Fotografen" nur noch genannt wird - schlicht gleichgültig.

Anders Konrad Biegler, für mich der wahre Held der Geschichte. Alt, krank, desillusioniert, aber ein glänzender Strafverteidiger, der sich nicht erklären muss, sich für nichts entschuldigen muss, der grantig, unhöflich und sehr eigen ist, dabei völlig uneitel und deshalb sympathisch. Genial die Zeugenbefragung des Folter-androhenden Polizisten, obwohl ich bezweifle, dass eine solche Befragung vor einem bundesdeutschen Strafgericht möglich wäre, nachdem der Zeuge von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht hat. Ob in dieser Befragung das titelgebende "Tabu" angesprochen wird, weiß ich nicht, aber es würde passen, besser jedenfalls als die anderen Themen.

von Schirachs Sprache wieder schnörkellos, gradlinig, aber für einen Roman zu wenig. Ein Literaturkritiker hat über von Schirachs Erzählstil mal geschrieben, nur mit Hauptsätzen lasse sich kein Palast bauen; ich verstehe, was er gemeint hat.

Ich habe "Tabu" an einem Nachmittag gelesen, es ist flüssig geschrieben, die einzelnen Teile des Romans sind nicht in Ziffern unterteilt, sondern in Farben, in Anlehnung an die Farblehre nach Helmholtz.

Die Auflösung ist vorhersehbar, als Konrad Biegler zum ersten Mal auf Sebastian von Eschburg trifft und ihm die 6 Möglichkeiten einer Verteidigung bei einer Mordanklage erläutert. Übrigens sind dann während der Anklageverlesung in der Hauptverhandlung ausdrücklich keine Mordmerkmale erkennbar, im weiteren Verlauf wird jedoch weiter vom Mordvorwurf gesprochen, und erst am Ende von Totschlag. Diese Ungenauigkeiten erstaunen bei einem Autor, der selbst Strafverteidiger ist und erschweren das Lesen.

Da mir "Tabu" im Ergebnis dann doch einen kurzweiligen Nachmittag beschert hat, 3 Punkte.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 01.10.2013 01:50:56 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 01.10.2013 02:04:22 GMT+02:00
Hugo N. Otten meint:
Danke für Ihre sehr prägnante Kritik, der ich mich vollinhaltlich anschließen kann. Ich würde dem angesehenen Zeit-Kritiker Greiner ("Bloß aus Hauptsätzen baut man keinen Palast, allenfalls eine Hütte") nicht nur zustimmen, sondern noch fast ein Stückchen weiter gehen und sagen, dass Schirachs Erzählform definitiv _nicht_ der Roman ist. Das hat sich für mich schon im "Fall Collini" angedeutet (den ich nach den famosen Erzählbänden eine rechte Enttäuschung fand) - Schirachs lakonischer Schreibstil kann einfach keinen Roman von 250 Seiten tragen. Für kurze pointierte Erzählungen ist er gerade richtig, aber hier leider völlig fehl am Platz.

"Tabu" ist ein deutlich unterdurchschnittlicher Roman; die Geschichte ist völlig unrund zusammengestöpselt, darüber kann auch der bedeutungsschwangere "Farblehre"-Aufbau nicht hinwegtäuschen. Die Beschreibung von Eschburgs Vorleben (ebenso wie die des schrulligen Strafverteidigers) schrammt stilistisch mehr als einmal haarscharf an Klischees vorbei, wie man sie im ZDF-Nachmittagsfernsehen zuhauf antrifft, die Motive der Protagonisten bleiben dafür völlig im Dunkeln. Wie es Herr Greiner (der sicher schon zehnmal so viele Bücher wie ich gelesen hat) folgerichtig resümiert: "Da würde man schon gerne wissen: Worum geht es eigentlich?"

Am besten ist Schirach noch (wie zu erwarten) in der Darstellung der Gerichtsverhandlung, genauer: im (quasi) Showdown zwischen Anwalt und Polizist. Mir stellt sich aber dabei die Frage: Wenn diese Szene, die von der Folter und ihrer fehlgeleiteten moralischen Rechtfertigung durch einige Zeitgenossen (selbst in einem Rechtsstaat) handelt, mutmaßlich eines der Kernstücke der Geschichte darstellt (zumindest lässt dies ein neulich im SPIEGEL erschienener Schirach-Essay vermuten), hätte es dazu dann wirklich mehr als 200 zusätzliche Seiten drögen Inhalts bedurft?
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