Kundenrezension

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen NieR to Perfection? Oder: Mut zur Lücke, 7. Oktober 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Nier - [PlayStation 3] (Videospiel)
Was haben sich die meisten Fachmagazine über dieses Spiel die Mäuler zerrissen. Miese Graphik, altbackenes Gameplay und eine Story, die teilweise ausschließlich in Textform mit schwarzem Hintergrund dargestellt wird. Mehr als 70% war bei den meisten Redakteuren nicht drin.
Trotzdem fand ich das Spiel interessant und nachdem ich die überwiegend positiven Rezensionen hier auf Amazon gelesen hatte, wagte ich es: Ich bestellte mir "NieR". Nun, um eines vorweg zu nehmen - ich wurde nicht enttäuscht!
Aber immer der Reihe nach...

Die Graphik:
Naja, eine Augenweide ist "NieR" tatsächlich nicht. Die Texturen sehen auf eine gewisse Entfernung zwar nicht schlecht aus, beim näheren Heranzoomen offenbart sich jedoch, dass eben diese Texturen doch nicht so hochwertig sind. Besonders seltsam mutet einem der Unschärfe-Effekt an, den der Spieler oft bewundern darf. Bei diesem Effekt sieht man nämlich immer senkrechte und waagerechte Linien, wodurch die Graphik an jenen Stellen ziemlich grobpixelig wirkt.
Auch das Charakterdesign hat nicht gerade einen Publikumspreis verdient. Die Figuren sind recht seltsam proportioniert und vor allem Nier, der Hauptcharakter, besticht durch außergewöhnliche Hässlichkeit. Dafür sehen die zahlreichen Bossgegner in fast allen Fällen wirklich genial und abwechslungsreich designt aus. Hier also ein ganz klarer Pluspunkt.
Insgesamt kann ich sagen, dass die graphische Präsentation zwar nicht gerade das höchste der Gefühle ist, Augenkrebs bekommt man aber nicht vom Spiel - zumal die Spielwelt insgesamt sogar echt cool aussieht.

Die Musik / Der Sound:
"NieR" hat einen wirklich außergewöhnlichen Soundtrack. Fast alle Musiktitel werden vokal unterstützt. Dabei werden sowohl ganze Chöre als auch einzelne Sängerinnen zum Einsatz gebracht. Die wenigen instrumentalen Stücke bestechen meistens durch wunderschöne Pianomelodien. Die Musik ist also qualitativ als sehr hochwertig einzustufen, denn es werden durch die Bank weg fast ausschließlich echte Instrumente verwendet. Viele Kompositionen gingen mir dennoch mit der Zeit reichlich auf die Nerven. Letztendlich gibt es aber auch einige echte Ohrwürmer, die überaus gelungen sind. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Musik stumm zu schalten, so dass nur noch Sprecher und Soundeffekte zu hören sind.
Sehr gut gefallen mir die englischen Synchronsprecher. Speziell die Sprecher von Nier, Kaine und Grimoire Weiss sind toll. Aber auch alle anderen wichtigen Figuren, die im Spiel auftauchen, werden sehr gut synchronisiert.
Zur Soundausgabe kann ich leider nichts sagen, da ich kein Surround-System besitze.

Die Story:
Hier spielt "NieR" ganz klar seine Stärken aus. Im Grunde geht es um einen Vater, der auf der Suche nach einem Heilmittel für seine Tochter ist, die an der mysteriösen Runenpest erkrankt ist. Aber wie es halt so ist, entfaltet sich schon nach recht kurzer Zeit eine sehr komplexe Handlung, die auch nach dem kompletten Durchspielen nicht zwangsläufig alle Fragen bezüglich der Charaktere und der Vorgeschichte beantwortet. Wer sich ein wenig mit Animés / Mangas auseinandersetzt, wird hierbei aber auch einige Elemente erkennen, die nicht ganz neu sind. Wegen Spoilergefahr gehe ich darauf aber jetzt nicht näher ein. Präsentiert wird die Geschichte durch zahlreiche, toll geschnittene Zwischensequenzen, aber auch anhand von Textboxen, die nur teilweise synchronisiert sind.
Aber das ist noch nicht alles! "NieR" hat nämlich insgesamt vier verschiedene Enden zu bieten und hier haben sich die Entwickler wirklich was Besonderes einfallen lassen. Nach dem ersten Durchspielen kann ein Spielstand angelegt werden. Wird dieser geladen, beginnt das Spiel nicht ganz von vorn, sondern setzt direkt nach einer bestimmten Schlüsselszene in der Story an. Von dort wird das Spiel wieder bis zum Ende gespielt, wobei es aber etliche neue Zwischensequenzen zu bestaunen gibt. Diese sind durchaus sinnvoll, denn durch sie verwandeln sich die zunächst stumpf bösartig wirkenden Gegner ("Schatten") im Spiel zu Wesen, die durchaus auch Gefühle und ihre eigenen Beweggründe für ihr Handeln haben. Dies ist auch eng mit der Vorgeschichte zu "NieR" verwoben. Aber wie auch immer: Nach dem zweiten Durchspielen darf noch ein Spielstand angelegt und geladen werden. Das Spiel beginnt wieder nach der erwähnten Schlüsselszene und wer im Spiel alle Waffen - insgesamt 30 - gesammelt hat, bekommt zwei weitere Variationen des Spielendes geboten. Hierbei kommt es darauf an, welche Entscheidung man kurz vor Ende trifft. Jede bietet ein anderes Ende. Und ohne zuviel verraten zu wollen: Beim dritten Durchgang sollte man erst die obere Entscheidungsmöglichkeit wählen, denn für die untere Möglichkeit haben die Entwickler sich eine echte Innovation überlegt. Diese Innovation verleiht der Entscheidung einen ganz besonderen Nachdruck und macht es dem Spieler nicht wirklich leichter, sich endgültig für diese Auswahl zu entscheiden.
Das mag jetzt beim Lesen verwirrend sein, wenn ihr "NieR" aber soweit spielt, wird euch schnell alles klar.

Das Kampfsystem:
Die Kämpfe finden in Echtzeit statt. Zunächst gibt es im Spiel nur eine Waffengattung, die Einhänder, später kommen die Zweihänder und Speere hinzu. Jede Gattung hat ihre Vor- und Nachteile. Gekämpft wird grundsätzlich gegen die sogenannten "Schatten". Das mag recht eintönig klingen, aber es gibt zahlreiche Varianten von diesen Wesen, die natürlich unterschiedlich stark sind und unterschiedlich aussehen. Die Entwickler haben dem Hauptcharakter etliche Funktionen spendiert, wie z.B. das effektive Durchbrechen von Rüstungen oder die Möglichkeit, Mitstreitern Befehle zu erteilen - die meisten Funktionen sind aber entbehrlich und habe ich im gesamten Spiel nie benutzt.
Für jede Waffe gibt es übrigens ein vierstufiges Upgrade-System, wofür man unterschiedliche Items sammeln muss. Die Upgrades wirken sich auf die Stärke der Waffe, aber auch auf das Gewicht und somit die Schnelligkeit im Kampf aus.

Der Umfang:
"NieR" hatte bei mir eine beachtliche Spielzeit von ziemlich genau 60 Stunden. In diesen 60 Stunden habe ich alle Enden gesehen, 78% der Nebenmissionen absolviert (darauf gehe ich gleich näher ein), sowie ein paar Trophäen für meinen PS3-Account gesammelt.
Die Nebenmissionen sind recht abwechslungsreich gestaltet. Leider sind etliche Missionen mit sehr viel Lauferei verbunden, wodurch einerseits die Spielzeit künstlich erhöht wird und andererseits die Nerven des Spielers teilweise arg strapaziert werden. Trotzdem sollte man die Missionen nicht außer Acht lassen und zwar aus zwei Gründen:
1) Viele Missionen stehen im Zusammenhang mit der Hauptstory, geben dieser neue Facetten und werfen neue Fragen auf. Dadurch wird die Qualität des Spielerlebnisses deutlich gesteigert.
2) Einige Waffen bekommt man nur durch das Erfüllen der Nebenaufgaben und wie oben bereits erwähnt, bekommt der Spieler nur durch eine komplette Waffensammlung die Möglichkeit, die letzten beiden Enden des Spieles zu sehen. Und ich finde, es sind die besseren Enden.
Abgesehen von den Nebenmissionen kann man sich die Zeit mit Angeln oder dem Säen und Ernten von Getreide, Gemüse und Obst vertreiben. Beides wird aber im Prinzip nur zum Lösen einiger Nebenmissionen benötigt.

Mein Fazit:
Ich bin traurig.
Traurig, weil viele sogenannte "Fach"-Magazine das Spiel wegen der eingangs erwähnten Schwächen gnadenlos abgestraft haben. Dabei hat gerade "NieR" nicht nur einen, sondern insbesondere einen zweiten Blick verdient. Wer sich nicht durch die mittelmäßige optische Präsentation und dem konventionellen Gameplay abschrecken lässt, wird mit einer echten Spiele-Perle aus Fernost belohnt, die eine der besten Stories der letzten Jahre zu bieten hat. Allerdings sollte man für "NieR" durchaus eine gewisse Sympathie für japanische Spiele mitbringen, denn insgesamt ist das Spiel nicht sehr "westlich".
Auch die erwähnten Textabschnitte mit schwarzem Hintergrund habe ich als erfrischende Abwechslung empfunden, denn gerade diese Passagen konnten mich mit einer hervorragenden Schriftsprache begeistern. Außerdem sind diese Abschnitte durchaus mit Bedacht gewählt worden, denn sie geben grundsätzlich nur Träume und Erinnerungen wider.
Trotzdem kann ich "NieR" keine vollen fünf Sterne geben, denn gerade die ewige Lauferei für die Nebenmissionen beeinflusst den Spielspaß nicht wenig.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 31.12.2010 01:55:00 GMT+01:00
[Von Amazon gelöscht am 18.04.2011 11:13:08 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.01.2011 09:32:25 GMT+01:00
Vielen Dank! Immer wieder schön zu sehen, wenn meine Rezensionen weiterhelfen können bzw. positiv aufgenommen werden :)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.01.2011 15:40:24 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.01.2011 15:41:10 GMT+01:00
Frankyboy meint:
Ebenso von mir ein Lob! Finde es echt cool, dass es Leute gibt, die viel von iher Zeit opfern um eine ausführliche Rezension zu schreiben, nur um Interessenten die Kaufentscheidung zu erleichtern. Ich ziehe meinen Hut vor Ihnen :-D!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.01.2011 18:15:01 GMT+01:00
Haha, das finde ich ja wirklich lieb. Da fühle ich mich direkt geehrt und werde rot im Gesicht ;)
Ich empfinde es einfach selbst als recht nervig, wenn ich x-mal eine Bewertung im Stile von "Geiles Game, sofort kaufen" zu lesen bekomme und nur hin und wieder mal eine Rezension zu Gesicht bekomme, die mir mehr inhaltliche Tiefe bietet. Deswegen mache ich meine eigenen Bewertungen möglichst ausführlich :)
Vielen Dank jedenfalls auch Ihnen, Frank, für Ihr Lob!
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