Kundenrezension

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meilenstein? Ein Meilengebirge!, 20. Mai 2011
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: L. A. Noire (uncut) [PEGI] (Videospiel)
(Der erste Abschnitt dieser Rezension erzählt eine kurze Videosequenz zum Fall 'The Red Lipstick Murder'. Er verrät keine Dinge, die für die Gesamtkonzeption der Story wichtig wären, sondern schildert nur einen kurzen Ausschnitt, der die Stimmung des Spiels widerspiegelt. Wer aber keine Einzelheiten zum Spielinhalt erfahren möchte, überspringt ihn besser.)

Der Motor läuft, während sich die Schritte langsam dem stehenden Wagen nähern. Die Büsche und Sträucher des abgelegenen Parkstücks scheinen im weißen Scheinwerferlicht nur in Grauschattierungen. Die düstere Welt aus schwarzen und weißen Farben wird nur leicht durch das rote Bremslicht des Wagens durchbrochen. Mit einem schnellen Ruck greift der Mann an die Wagentür, reißt sie auf und zerrt die schreiende Frau an den Haaren nach außen. Seine dunkle Silhouette hebt sich gegen den mondbeleuchteten Hintergrund ab, während er mit dem Brecheisen mehrmals zuschlägt bis die Schreie verstummen. Willkommen in der Stadt der Engel, willkommen im Film Noir.

(Ende des ersten Abschnitts.)

Ein Bruch mit der Tradition:
L.A. Noire tritt ein sehr schweres Erbe an. Entwicklerstudio Rockstar hat mit GTA 4 und Red Dead Redemption die Messlatte für sich selbst sehr hoch gelegt. GTA 4 führte das Open World Actionspiel in die Moderne und begeisterte durch starke Charaktere, hervorragendes Gameplay und einen satirischen Seitenhieb auf den American Way of Life. Red Dead Redemption übernahm das Gameplay, die Charakterzeichnung und die Satire. All das überführte es in ein historisches Setting und setzte zudem neue Maßstäbe im Storytelling (SPOILERANFANG: Nachdem die Hauptstory abgeschlossen war, folgte ein genialer Seitenstrang der Geschichte, der die Spielgewohnheiten auf den Kopf stellte. Vieh züchten, Krähen verjagen, ein ganz gewöhnliches Farmerleben führen und am Ende von der Vergangenheit eingeholt werden und sogar das Ende der eigenen Hauptfigur erleben. SPOILERENDE). Wie wird sich nun L.A. Noire in dieser Reihe machen? Indem es die Stärken übernimmt und neue Elemente einbaut.

Das alte Gameplay:
Wer die Spielfigur das erste Mal bewegt, wird die Ähnlichkeiten zu GTA und RDR sofort bemerken. Die Spielfigur kann in der 3rd Person Perspektive frei durch ein herrlich in Szene gesetztes L.A. laufen. Die obligatorische Minimap, gelegentliche Schießereien mit Deckungssystem, Schlägereien und Fahrermissionen sind natürlich auch mit dabei. Aber sie sind stark reduziert und stellen den geringeren Anteil am Spiel dar.

Das neue Gameplay:
Doch der eigentlich Reiz von L.A. Noire liegt darin, wofür diese Spielelemente gewichen sind. Denn der Hauptcharakter ist kein Kleinkrimineller oder Outlaw, sondern ein Polizist. Als Officer Phelps beginnt man seine Karriere in der Stadt der Engel. Und genau in dieser Spielwelt macht Rockstar keine Gefangenen. Die Stadt ist genial in Szene gesetzt, die Figuren ebenso. Das Voiceacting der englischen Sprecher ist nah an der Perfektion und die Animationen der Gesichter suchen auf der Xbox360 ihresgleichen. Die Mimik stellt einen wichtigen Teil des Gameplays dar, denn als Polizist stehen etwas andere Aufgaben auf dem Tagesplan. Tatortuntersuchungen, Zeugenbefragungen, Verhöre und eine ganze Menge Intuitionsgabe sowie Kombinationsvermögen lassen hier nicht nur die Herzen der Actionfans, sondern vor allem die Herzen der Adventurefans höher schlagen. Und sollte man sich etwas verzockt haben, kann man den Verdächtigen noch immer beschatten. Schließlich kann ja nicht jedes Verhör perfekt ablaufen. Aber was man nicht im Kopf hat, das hat man eben in den Beinen und im Tank. So macht sich Phelps mit seinen ersten Fällen einen Namen. Die Beförderung winkt und bald hat er es regelmäßig mit verschiedenen Kapitalverbrechen zu tun. Je weiter er auf der Karriereleiter steigt, desto dunkler wirkt auch der Moloch LA. Die Stadt der Engel entpuppt sich als ein korruptes Herz der Finsternis.

Die Präsentation:
Wie von Rockstar gewohnt, zeigt sich LA von seiner schönsten und dunkelsten Seite. Die Hintergrundmusik orientiert sich deutlich an den schwermütigen Melodien des Film Noire. Mit Piano und Saxophonklängen versetzt der Soundtrack den Spieler direkt in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Grafik kann sich sehen lassen, wobei natürlich die Gesichtsanimationen einen ganz besonderen Stellenwert haben. Das peinlich berührte Augenniederschlagen einer Zeugin, weil sie Angst hat bei einer Lüge erwischt zu werden. Das selbstverliebte Lächeln eines echten Drecksacks, der glaubt, man könne ihm ohnehin nichts anhaben. Das wütende Ausrasten eines cholerischen Verdächtigen, der gerade etwas zu sehr gereizt wurde. All das zeigt sich sehr eindrucksvoll in der Mimik und trägt tatsächlich dazu bei, dass man in den Gesichtern lesen kann. Dies ist für das Gameplay wiederum elementar.
Die Film Noir Stimmung ist ebenfalls sehr schön eingefangen. Die Fälle werden jeweils mit einer kurzen stimmungsvollen Sequenz eingeleitet. Die Erzählstimmung des Spiels ist schön düster, wie man es vom Spieltitel und dem darin genannten Genre kennt. Von schlagkräftigen Cops über Crime bis zur begehrenswerten Femme Fatale ist alles in diesem Spieljuwel vorhanden. Ebenso wie die genretypischen Rückblenden. Eine unglaublich dichte Inszenierung lassen den Spieler in die Geschichte und das digitale LA abtauchen.
Zudem sind die Figuren realistischer gehalten als bei GTA und RDR. Dies spiegelt sich auch in der Grafik wieder. Den überzeichneten Comicstil sucht man hier vergeblich. Abgerundet wird die Präsentation durch die gute Vertonung von ausgezeichneten Dialogen.

Lose Enden:
Trotz der genialen Neuerungen gibt es bei L.A. Noire noch immer etwas zu bemängeln. Dadurch, dass der Spieler quasi einen Krimi spielt, ergeben sich einige negative Aspekte. Denn ein Krimi ist immer solange spannend, bis man ihn das erste Mal ausgelesen hat. Danach kann das Buch zwar noch immer super sein, aber den ganz besonderen Reiz hat es verloren. So ähnlich verhält es sich auch bei L.A. Noire. Die tolle Story trägt die Motivation ohne Probleme konstant hoch. Aber der Wiederspielwert sinkt im Vergleich zu GTA oder RDR stark ab, weil man die Rätsellösungen natürlich schon kennt. Und genau dieses Knobeln steht im Vordergrund des Gameplays.
L.A. Noire hat leider auch nicht so viele Nebenaufgaben wie GTA oder RDR zu bieten. Es wirkt auch etwas komisch, dass man als Polizist keine Straßenverkehrsregeln befolgen muss, Autos rammen kann und ungestraft davon kommt.
Zudem zeigt sich, dass der Xbox360 langsam die Puste ausgeht. Das Spiel kommt auf drei Discs' Die meisten wird es nicht stören, alle acht bis zehn Stunden die Disc zu wechseln, aber trotzdem zeigt sich daran, dass die Konsole langsam ein Update zur BluRay bräuchte.

Fazit:
Rockstar hat sich hier mal wieder ein Denkmal geschaffen. Nachdem die Gesichtsanimationen bereits als 'Meilenstein' in den Medien bezeichnet wurden, darf man dies auch für das Gesamtkonzept des Spiels unterschreiben. Die tatsächlichen Auswirkungen des neuen Gameplays auf die Videospiellandschaft wird man wohl erst in einigen Jahren absehen können, doch ich bin mir sicher, dass L.A. Noire für die Weiterentwicklung des Mediums in Sachen Storytelling, Animationen und Spielkonzeption eine tragende Rolle spielen wird.
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Kommentare


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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 26.05.2011 13:58:21 GMT+02:00
ExoRcist meint:
Eine Klasse Rezension.
Man merkt allerdings nicht nur an den 3 Discs, dass der XBox die Puste ausgeht, auch Grafisch fällt leider immer wieder auf, dass die Konsole eigentlich nicht mit dem Spiel mitkommt. So treten gelegentlich leichte Ruckler und/oder Texturfehler auf, bzw. werden Texturen teilweise erst nachgeladen wenn man direkt vor den Objekten steht.
Den Spielspaß mindert das ganze allerdings meiner Meinung nach nicht im geringsten es zeigt nur, dass die XBox langsam ein Update nötig hätte.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.05.2011 19:31:35 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 26.05.2011 19:32:31 GMT+02:00
Da hast du völlig Recht. Das Nachladen bzw. die langsam ladenden Texturen kann man etwas mindern, wenn man das Spiel auf Platte installiert. Aber es hat ja auch nicht jeder eine 120GB Platte und genug Platz dafür. Prinzipiell bin ich trotzdem immer wieder überrascht, was die Entwickler noch aus der betagten (mittlerweile ja schon 6 Jahre alten!) Konsole rausholen, aber bei den letzten Titeln (etwa Crysis 2 und L.A. Noire) hat man gesehen, dass die Grenzen nun doch langsam erreicht sind. Ich freue mich jedenfalls schon auf die nächste Xbox, sofern das Spiele Line-Up da auch so gut aussehen wird wie auf der 360.
Achja und natürlich vielen Dank für das Lob. Es freut mich immer, wenn mein Geschreibsel irgendwen anspricht.
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