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Kundenrezension

15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr nötiges wissenschaftliches Buch - Kampf dem Vorurteil, 2. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Hexen: Glaube, Verfolgung, Vermarktung (Beck'sche Reihe) (Taschenbuch)
Wie bitter notwendig dieses Buch und seine Lektüre sind, zeigt besonders die Reaktion der Leser hier bei der Bewertung.

Dieses Buch räumt eben gerade mit Vorurteilen bezüglich Kirche und Hexenverfolgung auf - ich finde es phantastisch wenn ein Verlag einem Autor die Möglichkeit zu einer fundierten wissenschaftlichen Analyse GEGEN allgemeine Vorurteile gibt. Viele Medien sind zu reinen Vorurteilsbestätigungsmaschinen verkommen: sag mir welches Vorurteil du hast und ich liefere dir eine populärwissenschaftlich leicht geschriebene Analyse zur Bestätigung ' du zahlst - ich liefere ' mir doch egal was die Wahrheit ist.

Vieles was Behringer in Kommentaren hier unterstellt wird ist schlicht und einfach falsch.

Im Kern geht es in seinem Buch um folgendes:
Ja, es gab die Inquisition. Sie richtete sich aber 'propaganda fide' zur Verteidigung des katholischen Glaubens gegen Ketzer ' also gegen Gegenkirchen von unten wie die Albigenser oder Katharer.
Ebenso gab es schon immer Hexenglauben in allen Kulturen der Welt und auch bei den Angehörigen der christlichen Konfessionen. Anders als die Vorurteile gegen Juden und Ketzer richteten sich die Anklagen gegen Hexen auf Wetterphänomene (abnormer Hagelschlag, Überschwemmung, daraus folgende Viehseuchen etc.). Deshalb kam es oft zu Anklagen von unten aus dem Bauernvolk (verbrennt die Hexe, sie hat das Vieh verhext) und nicht von oben (Graf oder Bischof). Deshalb verläuft die Intensität der Hexenverfolgung auch parallel zur Intensität der kleinen Eiszeit mit Höhepunkt um 1550-1650. (Also zu einer Zeit als die Reformation große Teile Nord-Mitteleuropas erfasste).
Behringer arbeitet sehr gut heraus, dass die Kirche (protestantische wie katholische) eben ein Problem mit der Hexenverfolgung hatte (weil diese eben die persönliche Anwesenheit von Zauberern unterstellte, was im Kern gegen christliche Glaubenslehre verstieß)und dass deshalb die spanische Inquisition beispielsweise die Hexenverfolgung - ganz im Gegensatz zur Ketzerverfolgung - VERBOT. Andererseits war gerade Calvin in der Schweiz ein engagierter Hexenverfolger aus anderen Gründen (warum auch reformierte Kirchen sich beteiligten müsste tiefer erklärt werden ' ein Ansatz wäre vielleicht, dass die neue Macht es sich nicht mit der bäuerlichen Bevölkerung verderben wollte. Das Buch hat hier eine Lücke. Es ist eben doch nur ein guter Überblick keine detaillierte Ausarbeitung.
Insgesamt geht Behringer sehr analytisch vor und stellt beispielsweise auch den Zusammenhang zwischen Bauernwillen nach Hexenbestrafung aufgrund von Missernten und überforderter weltlicher und kirchlicher Justiz in Kleinstaaten dar, die nachgab und der Verbrennung der "Hexe" durch den Lynchmob zustimmte. Auf den Punkt: je kleiner der Staat (reichsunmittelbare Grafschaften waren besonders anfällig) desto wahrscheinlicher, dass der Lynchmob recht bekam ' desto häufiger die Zahl der Hexen-'prozesse' und -verbrennungen.
Behringer stellt auch den katholischen Verfasser des Hexenhammers (der es schaffte, einen Papst zu überzeugen, worauf sich vor allem in Deutschland Inquisitionsprozesse gegen Hexen häuften) in den Zusammenhang seiner Grundtheorie: die Auswirkungen der kleinen Eiszeit waren in Zentraleuropa eben schwerer (Frostgrenze) als im Mittelmeerraum.
Hexenverfolgung war kein rein katholisches Phänomen ' es gab in Nordeuropa und auch in Übersee Hexenprozesse. Die Aufklärung und die folgende Erklärung der Unfehlbarkeit des Papstes brachte aber eine starke anti-katholische Propaganda, so dass man heute vor allem in Deutschland den Hexenwahn als Inquisitionsexzess ansieht - was er nicht allein war.
Es ist so gesehen vollkommen klar, dass ein solches Buch nicht die herrschenden Vorurteile trifft und deshalb schwer verdaulich ist.
Man merkt dem Buch die gute Recherche und dem Autor seine profunde Kenntnis an. Am Schluss schildert er auch noch, wie in manchen dekolonisierten Staaten das aufgeklärte Recht der Neuzeit an manchen Stellen mit noch vorhandenem Hexenglauben kollidiert und revidiert wird - gerade diesen Ausblick fand ich sehr interessant. Zeigt er doch wie dünn unser Zivilisationslack ist und wie sehr auch bei uns in Europa manche noch an diesen Hexenunsinn glauben.
(Die Lynchmob-Zusammenrottung funktioniert wie die letzten Tage (Emden) zeigten, auch und gerade mit facebook hervorragend.)

Insgesamt ein sehr gutes Buch, das einem sehr fundierte neue Einblicke in ein geschichtliches Phänomen gibt, das man aufgrund gelernter Vorteile zu kennen glaubte.
Sehr empfehlenswert!
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 20.09.2014 11:07:47 GMT+02:00
Es stimmt nicht, dass sich aufgrund des Hexenhammers die Verfolgung von Hexen verschärfte. Die war ja bereits in vollem Gang. Heinrich Kramer hatte ihn ja geschrieben, nachdem der Bischof ihn des Landes verwiesen und seine Urteile aufgehoben hatte. "Desiderantes affectibus" hatte ja auch nicht die Verbrennung von Hexen angeordnet, sondern die Bestrafung zum Zwecke der Läuterung.

Insgesamt kann festgestellt werden, dass die Katholische Kirche in Rom versucht hat, die Hexenverfolgung zu bekämpfen, zumindest aber einzuschränken.
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