Kundenrezension

68 von 82 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Agains all Odds, 3. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Ziemlich beste Freunde (DVD)
(Kinoversion)

"Ziemlich beste Freunde" ist einer der besten französischen Filme, die ich je gesehen habe, eine wunderbare Culture-Clash-Komödie mit ernsten Anklängen, die so lebensbejahend und realistisch ist, dass einem ganz warm ums Herz wird. Ein großartiger Film, der trotz seiner eigentlich bedrückenden Geschichte warmherzig, lustig und ergreifend ist und einen mit einem wunderbar leichten Gefühl wieder aus dem Kino entlässt. "Ziemlich beste Freunde" beweist einmal mehr: die besten Geschichten schreibt das wahre Leben, denn dieser Film beruht auf einer wahren Geschichte. Ein besserer Start ins neue Kinojahr ist kaum möglich, weshalb ich "Ziemlich beste Freunde" jedem nur wärmstens empfehlen kann.

Der Aristokrat Philippe (François Cluzet, "Kleine wahre Lügen") ist seit einem Sportunfall vom Hals abwärts gelähmt. Sein Verschleiß an Pflegekräften ist hoch, da die Pflege arbeitsintensiv ist und Philippe so seine Launen hat. In eine erneute Vorstellungsrunde platzt eines Tages auch der Senegalese Driss (Omar Sy, "Micmacs"), der den Job allerdings gar nicht haben will, sondern nur die Unterschrift für das Arbeitsamt, die beweist, dass er sich beworben hat. Aus einer Laune heraus stellt Philippe Driss dennoch für vier Wochen zur Probe ein, weil ihm die unverblümte, direkte Art von Driss gefällt. Trotz gravierender sozialer Unterschiede begegnet ihm Driss auf Augenhöhe und hat vor allem kein Mitleid mit Philippe. Driss' kriminelle Vergangenheit, sein Gefängnisaufenthalt und sogar, dass Driss ihm beim ersten Besuch gleich eins seiner wertvollen Fabergé-Eier klaut, interessieren Philippe nicht. Für ihn ist Driss die Chance, aus seinem eintönigen Alltag auszubrechen und wieder mehr am Leben teilzunehmen. Driss tauscht den Behinderten-Transporter erstmal gegen den schnittigen Maserati aus Philippes Fuhrpark ein, lacht hemmungslos über die verkleideten Sänger in der Oper, in die ihn Philippe mitnimmt, mischt Philippes langweilige Geburtstagsparty samt Kammerorchester mit den Songs von Earth, Wind & Fire auf und raucht mit ihm Joints. Zwischen Philippe und Driss entwickelt sich tatsächlich eine Freundschaft, von der beide gleichermaßen profitieren. Bis Driss' Vergangenheit ihn wieder einholt...

Philippe Pozzo di Borgo, einst Werbeleiter der Champagnerfirma Pommery, verunglückte 1993 mit 42 Jahren bei einem Paragliding-Flug und ist seitdem vom Hals abwärts gelähmt. Kurz darauf musste er auch noch den Tod seiner Frau verwinden, die ihn mit den zwei adoptierten Kindern allein zurückließ. Bis er eines Tages den 20jährigen, algerischstämmigen Kleinkriminellen Abdel Sellou trifft und als Pfleger einstellt. Die gemeinsame Zeit mit Sellou hat Pozzo di Borgo in seinem 2001 erschienenen Buch "Le second Souffle" (in etwa "Der zweite Atemzug") beschrieben, 2004 folgte sogar eine Dokumentation über diese ungewöhnliche Geschichte. Und genau diese hat die Regisseure Olivier Nakache und Eric Toledano zu ihrem Film inspiriert.

"Ziemlich beste Freunde" ist ein herzerfrischend ehrlicher, kurzweiliger, amüsanter, mitfühlender und beeindruckender Film. Natürlich kommt auch er nicht ohne Klischees aus (Driss' "Bad Boy"-Image färbt ein wenig auf den zurückhaltenden Aristokraten ab, es werden Joints geraucht, der Rollstuhl wird auf mehr PS getrimmt und auch Prostituierte kommen, wenn auch auf sehr ungewöhnliche Weise, zum Zuge), aber gerade an den Stellen, wo man sie zwangsläufig erwartet, werden Klischees glücklicherweise vermieden. Driss nutzt Philippe trotz dessen offensichtlichem Reichtum nicht aus, er wird auch nicht rückfällig und sinkt auch nicht wieder ab ins kriminelle Milieu.

Driss' ungestüme Art, seine Flapsigkeit, die aber nie in Respektlosigkeit abdriftet und seine immer ungefiltert aus ihm herausströmenden Emotionen verbinden sich auf einzigartige Weise mit Philippes feinsinnigem Humor, seiner ruhigen, aber bestimmten Art und dem umfangreichen Wissen, von dem er ein wenig an Driss weitergeben kann. Er fängt an, die Welt mit Driss' Augen zu sehen und kann sich selbst immer öfter ein Schmunzeln oder Lachen nicht mehr verkneifen, wenn Driss ihn mit seiner Unbekümmertheit auf die offensichtlichen Missstände in Philippes manchmal sehr steifer Welt hinweist. Es macht einfach Spaß, diesem emotionalen Aufeinanderprallen von Banlieue und Pariser Nobelviertel zuzusehen, das sich nach und nach auf eine recht einfache Aussage reduzieren lässt: Das Leben lohnt sich, selbst, wenn man eigentlich schon nicht mehr daran glaubt.

Die 112 Minuten vergehen wie im Fluge, Langeweile kommt zu keinem Zeitpunkt auf, im Gegenteil, man hätte diesem nur scheinbar ungleichen Paar gerne noch viel länger zugesehen. Und das liegt neben dem fantastischen Drehbuch der beiden Regisseure und deren Talent, Filme zu drehen, einem sehr stimmigen Soundtrack, der die Unterschiede zwischen Philippes und Driss' Welt auch musikalisch hervorragend veranschaulicht, natürlich vorrangig an dem grandiosen Cast. François Cluzet, der hier vollkommen auf seine Mimik und Sprache reduziert agieren muss, meistert diese Aufgabe hervorragend. Er spielt seinen Philippe mit fast anmutiger Würde, Großmut, aber auch Verzweiflung und Hilflosigkeit. Omar Sy, dieser beeindruckend dunkle Hüne, versieht seinen Driss mit einem herrlich schnodderigen Charme, entwaffnender Ehrlichkeit und einer erstaunlichen Vielschichtigkeit, die von trotziger Arbeitsverweigerung über unbändige Freude bis hin zu erstaunlicher Sanftmut reicht. Flankiert werden diese beiden großartigen Mimen von nicht minder begabten Nebendarstellern, die sich sowohl in Philippes Haushalt als auch in Driss' Familie finden.

Es gibt schlicht und ergreifend nichts Negatives zu sagen zu diesem Film. Er ist Kinounterhaltung in seiner besten Form, er berührt, erfreut und stimmt nachdenklich. Man fühlt sich bestens unterhalten, ist sofort emotional involviert, kann herzhaft lachen aber auch ruhige, traurige und ergreifende Momente genießen. Zu Recht hat bereits jeder dritte Franzose diesen Film gesehen und man kann nur hoffen, dass "Ziemlich beste Freunde" auch in Deutschland ähnlich populär werden wird. Ich trage gern meinen Teil dazu bei, indem ich diesen Film jedem nur wärmstens ans Herz legen kann. Somit gerne volle fünf von fünf ungewöhnlichen Freundschaften, aus denen Wunderbares erwachsen kann.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 16.03.2012 18:25:56 GMT+01:00
Ich wollte eigentlich auch eine Rezension schreiben. Aber nachdem ich die Ihre gelesen habe, kann ich mich nur vollinhaltlich anschliessen. Dieser Film ist ein Geschenk. Ein Geschenk an uns und an das Leben. Wie schön, dass man so etwas heute noch sagen kann. Und DANKE für Ihre Rezension!
Übrigens, als Opernfan habe ich über die Opernsequenz Tränen gelacht...!
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