Kundenrezension

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anders, ganz anders als erwartet, 6. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Satyricon (Audio CD)
Bereits bei den ersten Klängen des Intros von Satyricons selbstbetitelter 2013er Platte, "Voice Of Shadows", spürt man förmlich, wie selbsternannte Szene-Polizisten beginnen, ihre Messer zu wetzen. Denn was hier nach den ersten Drumkicks zu hören ist, klingt alles andere als norwegisch bzw. "trve". Eine bedächtige, dennoch mächtige Gitarrenmelodie, die eher an den Orient denken lässt. Man glaubt kaum, dass man hier wirklich eine Platte von Satyricon aufgelegt hat. Ist aber so, wie spätestens beim ersten Gesangseinsatz von "Trog Og Kraft" zu hören ist. Hier strapaziert eindeutig Meister Satyr seine Stimmbänder, darüber kann auch die Melodie nicht hinweg täuschen, die das Intro geschickt wieder aufnimmt. Dadurch wird eine dichte, sehr düstere Atmosphäre geschaffen, die man so von Satyricon schon länger nicht mehr gehört hat. Noch dazu ist das Stück ausgesprochen abwechslungsreich, gegen Ende gibt es sogar ein kurzes akustisches Zwischenspiel zu hören. Insgesamt ein ausgesprochen starker Einstieg in dieses Album, der jeden Hörer, der kein neues "Nemesis Divina" erwartet, regelrecht gefangen nimmt. Ein Gefühl, das – zumindest bei mir – über die gesamte Spielzeit aufrecht bleibt. Wobei nicht verhehlt werden soll, dass man gelegentlich überrascht aufhorcht, doch dazu weiter unten.

Diese …ähem… "gute" Gefühl bleibt auch beim für die neuere Satyricon-Ausrichtung typischen "Our World, It Rumbles Tonight". Ein schneller Track im Stile von "Now, Diabolical" – speziell das MG-Riffing muss man gehört haben, aber auch die Leadgitarre weiß zu überzeugen. Dazu gibt es den üblichen Knurr-Keif-Gesang von Satyr, an dem ich persönlich nichts auszusetzen finde. In eine ähnliche Kerbe haut auch das eine Spur düsterere "Nocturnal Flare", das vor allem im Gitarrenbereich mit vielen Details aufwartet, die man beim ersten Hören schwer erfasst, die letztlich aber verantwortlich für die außergewöhnlich unheilvolle, drückende Atmosphäre sind. Einziger Wermutstropfen: Dieser Song hätte ruhig eine Minute kürzer sein können… So richtig Gas geben Satyricon bei "Walker Upon The Wind" – durchaus überraschend, mit so einem wütenden Ausbruch inklusive Doublebass-Gewitter und flirrenden Gitarren hätte man bei den Veteranen kaum noch gerechnet. Gefällt! Ihrer eigenen Vergangenheit besinnen sich Satyricon auf diesem Album speziell auch im dafür perfekt betitelten "Ageless Northern Spirit". Ein handelsüblicher Black Metal-Song, der sich anfühlt, als wäre er speziell für die kalte Heimat der Band geschrieben worden. Gar nicht übel, auch wenn man ähnliches von dieser Band schon besser gehört hat.

Die genannten Songs sind großteils gut und können – zumindest zum Teil – durchaus im Satyricon-Kontext eingeordnet werden. Anders sieht es mit dem Rest des Materials aus. "Nekrohaven" ist das kürzeste Stück auf "Satyricon". Ein eher brachialer Track, manche könnten sich am teilweise elektronisch verzerrten Gesang von Satyr stören. Sind vermutlich die gleichen, die sich auf der anderen Seite mehr Abwechslung wünschen… Interessanter als das Gekrächze ist aber ohnehin die Musik, die hier einen sehr starken Black n' Roll-Einschlag aufweist. Orientiert sich stark in Richtung Kvelertak, was auf einer Satyricon-Scheibe natürlich gewöhnungsbedürftig klingt. Ich persönlich sehe es als rumplige Hommage und finde den Song gut.

Im Gegensatz dazu ist "The Infinity Of Time And Space" mit 7:48 Minuten der längste Song auf "Satyricon" und eine noch größere Überraschung. Wenn hier plötzlich Sprechgesang auf dem Programm steht und das Ganze nach dem auch anno 2013 immer noch sehr beliebten "Okkult-Rock" klingt, ist man zunächst ausgesprochen verdutzt. Interessant ist allerdings, dass Satyricon mit diesem staubtrockenen Stück einige der Bands dieses Genres hinter sich lassen. "The Infinity Of Time And Space" ist tatsächlich ein Song, wie geschaffen für große Lautstärke und das Hören auf Vinyl. Majestätisch und gleichzeitig lässig rockend – man glaubt kaum, dass hier Satyr und Frost am Werk sind, wenn der Gesang und die eingestreuten Black Metal-Parts nicht wären, würde ich spontan an Acts wie Graveyard denken. "Natt" ist schließlich der passende, düster-unheimliche Ausklang von "Satyricon". Geisterhaftes Geflüster und eine hypnotische Melodie lassen ein intensives Album ausklingen und hinterlassen in diesem Fall ein Gefühl, wie bei einem Filmabspann. Und das passt ja eigentlich auch ganz gut zu der Achterbahnfahrt, die "Satyricon" als Album im Endeffekt ist.

Bleibt noch "Phoenix" zu erwähnen – der Song, an dem sich die Geister am meisten scheiden werden. Nein, das ist kein Black Metal – auch wenn das Stück durchaus so beginnt. Hmm… eine gewisse Ähnlichkeit zu "The Infinity Of Time And Space" ist hier auszumachen, wird durch den Gastgesang von Sivert Høyem (Madrugada) allerdings auf die Spitze getrieben. Das hat schon fast etwas von – keine Ahnung. Ghost? Muse? The Doors? Ich kann es nicht genau einordnen. Es ist jedenfalls ein Stück, wie es auf einer Satyricon-Scheibe noch nie vorgekommen ist. Und: Es ist ein verdammter Hit, den man nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Der einzige wirkliche Hit auf dieser insgesamt sehr düsteren und wenig eingängigen Scheibe. Was man damit anfangen soll, muss jeder für sich entscheiden. Mir persönlich gefällt es ausgezeichnet – wäre aber wohl am Ende der Scheibe besser aufgehoben gewesen. Aber solche Konventionen und Überlegungen, wie man es allen recht machen kann, waren ja noch nie etwas für Satyricon, die sich schon vor langer Zeit davon befreit haben, es der "trve"-Fraktion (deren Gesichter ich beim Hören von "Phoenix" übrigens für mein Leben gern sehen würde…) recht machen zu wollen.

Fazit: Mit dieser Scheibe haben Satyricon mit Sicherheit nicht die beste Platte ihrer bisherigen Karriere geschaffen. Aber eine derartige Steigerung gegenüber dem noch auf dem mittelprächtigen "The Age Of Nero" zelebrierten, mittlerweile ausgereizten Stil hätte ich nicht erwartet. "Satyricon" ist meiner Ansicht nach eines der düstersten und gleichzeitig abwechslungsreichsten und mutigsten Alben der Norweger. Unerwartet? Ja! Unerwartet gut? Ebenfalls: Ja! "Phoenix" hin, Black Metal her. Mir gefällt es sogar so gut, dass ich die Höchstwertung springen lasse.
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