Kundenrezension

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Besser als befürchtet!, 12. Juli 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst des Nebels: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich bin bei der Bewertung dieses Romans ein wenig in der Zwickmühle: Wie kann ich Wilkie Collins' Monddiamant mit vier Sternen bewerten (einen phantastischen 700-Seiten-Schmöker mit überaus komplexer Figurenausgestaltung und grandiosem Handlungsaufbau), und gleichzeitig diesen spannenden, aber simplen Jugend-Grusel-Roman ebenso mit vier Sternen bedenken?
Nun: Ich gab dem ersten der in Deutsch neu aufgelegten Anfangs-Romane Zafons, Der dunkle Wächter, drei Sterne - und dieser hier ist besser. Er ist allerdings nicht halb so gut wie Collins' oben genannter Roman.
Dennoch bleibt festzuhalten: Zafons Erstling (denn das ist "Der Fürst des Nebels"; und es wäre interessant zu wissen, warum der Verlag den ersten Roman als zweiten herausbringt...) ist wirklich ganz schön:
Schön gruselig, schön spannend und schön erzählt. Allerdings ist er noch vergleichsweise schlicht in Aufbau und Erzählkunst, und daher auch nicht wirklich mit Zafons Knüllern Der Schatten des Windes oder Das Spiel des Engels zu vergleichen. Wer also nach letzterem Entzungserscheinungen hat und hofft, mit diesem hier ein ähnlich grandioses Buch zu bekommen, wird enttäuscht werden.
Wer aber weiß, dass es sich um die Anfänge Zafons, um ein Jugendbuch handelt, der kann offen an die Sache herangehen und spannende, zufrieden stellende Schnellkost erwarten.

Die Geschichte dreht sich um den 13-jährigen Max Carver, der mit seinen zwei Schwestern, Mutter und Vater aus der großen Stadt vor dem zweiten Weltkrieg flieht - in ein kleines Fischerdörfchen an der englischen Küste. Was bei der Ankunft mit dem Zug noch wie eine perfekte Idylle am blauen Meer aussieht, wird schon beim Verlassen des Bahnhofs merkwürdig: Eine eigentümliche Katze schließt sich der Familie an - und die Bahnhofsuhr scheint rückwärts zu gehen!
Doch darauf geben die Carvers erst einmal nichts. Im Gegenteil: Als der Vater im Schuppen neben dem neuen Haus zwei Fahrräder und einen Filmprojektor findet, scheint einem herrlichen Sommer voller Sonne und Gemütlichkeit nichts mehr im Wege zu stehen. Doch als sich die Filme, die sich beim Projektor fanden, als überaus merkwürdige Privataufnahmen entpuppen, Max ein Carree voller grusliger Skulpturen entdeckt und wenig später seine kleine Schwester beinahe um Leben kommt, ist es schnell vorbei mit der Gemütlichkeit. Und schon bald müssen Max und seine große Schwester Alicia, die sich inzwischen mit dem Dorfjungen Roland angefreundet haben, den Kampf mit einem schier übermächtigen Gegner aufnehmen...

Klingt spannend, ist spannend - und macht größtenteils Spaß. Warum größtenteils? Erstens, weil sich auch hier wieder - wie schon bei "Der dunkle Wächter" Anschlussfehler und schiefe Bilder eingeschlichen haben, wenn auch nur vereinzelt und nicht gar so extrem. Und zweitens, weil mir Zafon mit dem Namen des Vaters unheimlich auf den Geist ging. Gerade zu Anfang wird jedes Mal, wenn der Vater etwas sagt oder tut, sein voller Name genannt: "Maximilian Carver". Nicht zur Abwechslung mal "Maximilian" oder "Max' Vater" oder weiß der Himmel, IMMER "Maximilian Carver". Teils zählte ich ACHT Wiederholungen des Namens auf nur zwei Seiten!!! Aber glücklicherweise hat der Autor dann irgendwann ein Einsehen gehabt - und es seinem Leser doch zugetraut, sich den Familiennamen gemerkt zu haben...

Aber wie dem auch sei: In kurzer Zeit hat man die 270 extrem dicken und mit großen Buchstaben bedruckten Seiten (was soll dieses Dicke-Schinden? Die schmalsten Bücher sind manchmal die größten, siehe Der große Gatsby), nach kurzer Zeit also hat man die Seiten durchgelesen. Dabei fühlt man sich vielleicht nicht reich beschenkt, aber gut unterhalten. Und das kann im heißen Sommer schon genügen.

Allerdings hoffe ich, dass der nächste neue Zafon für Erwachsene nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt, denn erst seit "Der Schatten des Windes" weiß der Autor mich so richtig zu packen...
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 13.07.2010 12:24:37 GMT+02:00
Lieber Daniel,

ich bin immer noch unschlüssig wegen meiner Sommerlektüre und empfinde diese Rezi insofern als einen Wink zur rechten Zeit. Was die Tendenz von Verlagen angeht, Romane durch dicke Seiten und große Schrift und Zeilenabstände zu strecken, so glaube ich, daß hier vor allem finanzielle ERwägungen dahinterstecken, denn je dicker ein Buch scheint, desto höher kann ja auch sein Preis sein. / Die Schwierigkeit, manchmal in der Zahl der Sterne die Verhältnismäßigkeit nicht aus den Augen zu verlieren, habe ich auch. Ich meine, wie können sowohl Shakespeares Macbeth als auch ein gelungenes GEO-Epoche-Heft jeweils fünf Sterne erhalten? Ich denke mir dabei immer, daß ich jedes Buch / jeden Film nach seinen eigenen Voraussetzungen und denen seines Genres betrachte, wenn ich Sterne vergebe. Im Grunde sind die Sterne ja eigentlich ein wenig vereinfachend.

Noch eine schöne Woche, Tristram

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.07.2010 13:32:35 GMT+02:00
Hey Tristram,

als kleine leichte Sommerlektüre am Strand ist das Buch allemal geeignet. Wie gesagt, als Snack zwischendurch. Mein Lieblings-Strandbuch bisher ist "Der Pate".
Dieses Jahr werde ich mir im Urlaub wohl aber Die Glasbücher der Traumfresser und Drei Mann in einem Boot einverseelen... ;-)

Das mit den verschiedenen Rezensionsmaßstäben ist richtig. Habe auch überlegt, ob ich das noch dazu schreibe. Aber letztlich ist es ja richtig: Wer über den oben besprochenen Zafon stolpert, hat sehr wahrscheinlich NICHT nach Wilkie oder Dickens oder Melville oder was auch immer gesucht - und wird demzufolge auch nicht in Verwirrung geraten ob der vier Sterne hier wie da... :-)

Dir auch eine schöne Woche!
Daniel

Veröffentlicht am 15.07.2010 12:01:36 GMT+02:00
Hallo Daniel,

wie immer ist Deine Rezension sehr aussagekräftig und bestärkt mich in diesem Fall in dem Beschluss, keine weiteren Jugendromane von Zafon zu lesen.

Als Sommerlektüre am Strand lese ich am liebsten Taschenbücher, weil die einfach besser in der Hand liegen und es nicht so schlimm ist, wenn sie voll Sand und Sonnencreme werden ;-)

Und zu anspruchsvoll sollte die Lektüre dann auch nicht sein. Habe einmal den Fehler gemacht und Dickens "Bleak House" bei Strand mit Meerblick gelesen und konnte mich manchmal gedanklich einfach nicht so ganz in die düsteren Gassen von London versetzen. Noch schlimmer ging es mir mit "Fräulein Smillas Gespür für Schnee". Eisige Temperaturen und Schneeflocken bei 30 Grad im Schatten?! Da versagt auch die größte Phantasie.
Übrigens habe ich als Hitzetipp gelesen, dass man sich ein Bild von Eis und Schnee vor die Nase halten soll. Habe ich gleich mal ausprobiert, aber es hat in meinem Fall überhaupt nicht funktioniert!

Heute ist es ja zum Glück nicht mehr ganz so heiss. Da funktionieren die Hirnwindungen so langsam wieder...

Lieber Gruß
Tanja

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.07.2010 08:53:18 GMT+02:00
Oh, das kann ich mir denken, dass Fräulein Smilla und Bleak House nicht recht an den Strand passen! ;-D Ich habe übrigens gerade (für mich selbst überraschend) mit "Drood" begonnen - und muss sagen, dass ich die Beschreibung des Unglücks sehr gut gelungen finde. Allein die Szene mit dem Arm! Liest sich sehr gut - und ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht. Scheint ein perfektes Buch für mich zu sein... ;-)

LG
D
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