Kundenrezension

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sitzen machen und "Eins, zwei, drei" gucken!, 16. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Eins, Zwei, Drei (DVD)
Billy Wilders "Eins, zwei, drei" gehört ganz bestimmt zu den allerbesten Filmkomödien, die je gedreht wurden -- eine an sich schon komische Grundsituation, "überzeugter Kommunist muss binnen weniger Stunden in einen für amerikanische Tycoons akzeptablen Schwiegersohn umgemodelt werden", wird durch die traumwandlerisch sichere Regie und phantastische Schauspieler-Leistungen bin in die allerkleinste Nebenrolle hinein zum Meisterwerk.

Wer den Film noch nicht kennt: Berlin, Frühsommer 1961. McNamara, Coca-Cola-Chef für Westberlin (James Cagney in der Rolle seines Lebens), hat sich gut eingerichtet mit devoten Subalternen (einfach herrlich: Hanns Lothar als hackenschlagender Schlemmer), dem wasserstoffblonden "Fraulein Ingeborg" mit Monroe-Touch als Sprachsekretärin (unwiderstehlich: Liselotte Pulver), dem unerschütterlich korrekten Chaffeur Fritz (Karl Lieffen) und treu ergebenen Angestellten, die unerschütterlich aufstehen, sobald der Chef den Raum betritt und auf seinen Befehl zum "Sitzen machen" warten. Und nun wird ihm die Sorge für die 17jährige Tochter Scarlett seines Chefs Hazeltine (genial dämlich: Pamela Tiffin) angetragen. Damit nicht genug: Nach einigen Wochen will Hazeltine seine süße unschuldige Tochter wieder abholen, und wenige Stunden vor dessen Eintreffen erfährt McNamara, dass Scarlet heimlich den Ostberliner Kommunisten Otto Piffl (Horst Buchholz) geheiratet hat und obendrein schwanger ist -- eine Katastrophe, denn Hazeltine ist ein strammer Kalter Krieger. Eine aberwitzige Jagd beginnt, während der Liselotte Pulver zu den Klängen des Säbeltanzes auf dem Tisch tanzt und dabei die russische Handelskommission betört, Piffl mit "Itsy bitsy teeny weeny" gefoltert wird, die Mutter aller Auto-Verfolgungsjagden zu sehen ist, und Otto Ludwig Piffl schließlich in Rekordzeit und brachialstmöglich in den Leiter der Flaschenabfüllung Otto Ludwig von Droste-Schattenburg verwandelt wird. Wilders und Diamonds Drehbuch beruht auf einer Salonkomödie von Ferenc Molnár von 1928, und man merkt es in jeder Einstellung, jedem Dialog: Wilder hatte sich seinen k.u.k.-Humor unversehrt bewahrt.

Noch einmal: Was hier an schauspielerischen Leistungen zu sehen ist vom alles und alle antreibenden James Cagney bis in die allerkleinste Nebenrolle, wie hier en passant Film- und Kulturgeschichte veräppelt werden, von "Ninotschka" bis "Zwölf Uhr mittags", von sozialistischen Heiligen Kühen bis zu amerikanischer Prüderie, wie hier die Dialoge vor Witz sprühen, wie Wilder hier noch brillante Pointen in Szenen setzt, mit denen andere Regisseure auch schon ohne Pointe hochzufrieden gewesen wären -- das ist Spitzenklasse!
Man könnte schwelgen, Szene für Szene rekapitulieren: Friedrich Holländers Gastspiel als durch nichts zu beeindruckender Kapellmeister im Grandhotel "Potemkin" (früher "Grandhotel Göring", noch früher "Grandhotel Bismarck"), McNamaras Gattin (Arlene Francis) mit ihren wunderbar sarkastischen Kommentaren, Schlemmer (Hanns Lothar) als betörendes "Fraulein" im neckischen Getupften, der "Genosse Borodenko vom Limonandensekretariat", Schlemmers nicht zu übertreffendes zackiges "Die Herren Kommunisten sind eingetroffen!", schließlich die atemberaubende Jagd zum Flughafen Tempelhof, um den hohen Gästen aus Amerika den gerade noch rechtzeitig fertiggewordenen Schwiegersohn vorzustellen -- es wäre ungerecht all den vielen ungenannten Szenen gegenüber.

Diese DVD enthält erfreulicherweise aber nicht nur die deutsche Fassung (was allein schon den Kauf wert wäre), sondern, neben den italienischen, französischen usw. Synchronisationen, das amerikanische Original. Und das ist natürlich verlockend und ein Hochgenuss, und zwar nicht nur wegen der ganzen Palette an "German Englishes", vom Doktor und seinem "The temperature, she is normal" bis zu Buchholz' nahezu perfekter Aussprache. Das Beste ist nämlich: Man stellt fest, wie hervorragend dieser Film synchronisiert wurde, wie jeder Original-Witz kongenial ins Deutsche übertragen wurde. Keine platten Übersetzungen, im Gegenteil! Einige hinterhältige Seitenhiebe auf die jüngste deutsche Vergangenheit sind sogar in der deutschen Version noch gemeiner, treffen noch exakter ins Schwarze. Auch hier erkennt man Billy Wilders Handschrift.

Das einzige was bei dieser DVD (genauso wie bei der -- vermutlich hier zugrunde liegenden -- Ausgabe von "MGM Home Entertainment") vermisst werden könnte, sind Hintergrund-Informationen zum Film, etwa ausführlichere Besetzungslisten (gerade weil hier die schauspielerischen Leistungen so phantastisch sind!), Hinweise auf Synchronsprecher oder auch Nähkästchen-Plauderei über die teilweise turbulenten Dreharbeiten (in dieser Hinsicht ist Karaseks Billy-Wilder-Buch ein guter Tipp) usw. Aber, was wiegt dieser kleine Einwand schon gegen dieses begnadete Meisterwerk!

Also los, sitzen machen und "Eins, zwei, drei" gucken!
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 09.04.2008 17:44:01 GMT+02:00
christine meint:
Schön, schön, schön! Ihre Rez macht wieder richtig Lust auf Wilder. Gut, dass ich jetzt meine alte VHS in Pension schicken kann! Wirklich einer der wenigen Filme, die immer noch besser werden, auch wenn man ihn schon sooo oft gesehen hat. Was hätte aus Frau Pulver werden können, wenn sie öfters eine solche Chance gehabt hätte. Liebe Grüße!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.04.2008 18:45:22 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.04.2008 18:47:14 GMT+02:00
weiser111 meint:
Dankeschön fürs Lob! Ich kann das Lob aber in vollem Umfang retournieren und bitte inständig nach nochmaliger Lektüre der "Die Katze auf dem heißen Blechdach"-Rezension (und Sledge Hammer!):
Sitzen machen und die nächste Rez schreiben!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.04.2008 18:05:12 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 10.04.2008 18:06:03 GMT+02:00
christine meint:
Aha, ein heimlicher Sledge-Fan? Hätte ich nicht gedacht, aber das macht Sie mir noch sympathischer. Gerührt, gerührt werde ich meiner neuen Passion, dem Rezenschreiben, öfters nachgeben. Dieser Mai ist für uns Wilder-Schwestern ja der Höhepunkt: "Double Indemnity" UND "A Foreign Affair" auf Scheibe. Das wird ein Fest. Grüße!
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