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Rezension bezieht sich auf: Almanach der Toten. Das große Indianerepos. (Broschiert)
Ausgangspunkt dieses Romans ist die Begegnung zwischen Halbblut Seese und dem Laguna-Indianer Sterling auf einer Farm in Tuscon/Arizona. Nach Jahren selbstzerstörerischen Lebens zwischen Drogen und einer Dreiecksbeziehung mit zwei bisexuellen Männern, begleitet von einem sadistischen Rauschgift-Boss, wird Seeses Baby entführt. Ihre letzte Hoffnung, den Sohn wiederzufinden, ist die Wahrsagerin Lecha, die sie aus dem Fernsehen kennt und ebenso auf der Farm lebt. Sterling ist froh, als Mädchen für alles angestellt zu werden, nachdem er von den Indianern aus dem Reservat verbannt wurde, da man ihn für die Entweihung heiliger Stätten durch eine Filmproduktion verantwortlich gemacht hatte. Seese hatte vorher kaum Kontakt zu Indianern und Sterling kaum zu Weißen. Lecha übersetzt zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Zeta das indianische 'Almanach der Toten', das (wirklich existierende) Vermächtnis der Vorfahren. Zetas Teil enthält den Schlüssel für eine Spiritualität, die alle moralische Verderbtheit überwinden kann.Zur Verrohung und zur Unterdrückung der Ureinwohner tragen u.a. Killer, Waffen- und Organhändler, betrügerische Politiker, Sex-Erpresser und sadistische Polizisten unterschiedlicher Ethnie zwischen Nord- und Südamerika bei. Beispielsweise ein Kubaner, der die mexikanischen Indianer zu Kommunisten machen will, die ihre eigene Geschichte verfälschen. Zuletzt versammelt sich ein Aufstand, um das Land von den Weißen zurückzuerobern. Die Indianerin Leslie Marmon Silko hat 1991 ein eindringliches, beklemmendes Epos voller zorniger Figuren geschrieben. Die Bilder und Motive zwischen Schrecken und Hoffnung wiederholen sich und wühlen einen immer tiefer auf. Blut und Sex sind die zentralen Metaphern einer Gesellschaft, die sich selbst konsumiert. Eine Handlung ergibt die nächste und die Verschwörungen rennen immer weiter der Fantasie voraus. Silko hat eine wunderbar abwechslungsreiche Erzählstimme, die das Lesen sogar dann zum Vergnügen macht, wenn man mal nicht der Handlung folgt. In ihrer nichtlinearen Erzählweise nimmt sie vieles vorweg, ohne das es der Spannung Abbruch tun würde. Auch die vielen, oft nur skizzierten Figuren, sind kein Problem angesichts der Handlungsdichte. Rückblenden und schön eingeflochtene mythische Exkurse machen "Almanach der Toten" zu einem eindringlichen Leseerlebnis mit Nachhall. Äußerst gelungen ist auch, wie Silko die Geschichten um alte Helden wie Geronimo (dessen Legende gleich auf mindestens drei Apachen selben Namens basiert) und die Geschichte der Unabhängigkeitskriege einbindet. Wer ein wütendes, realistisches Amerika-Epos aus Indianer-Perspektive lesen möchte, eine Hommage an Spiritualität und Gemeinschaft, wird dieses grandiose 1000 Seiten-Werk verschlingen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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