Kundenrezension

52 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Grandiose Sequel..., 1. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Winterrose: Roman (Gebundene Ausgabe)
...aber streckenweise sehr mit Klischee und Drama überfrachtet.

India Selvyn Jones will schon seit ihrer Kindheit Ärztin werden. Für ein Mädchen im beginnenden 20. Jahrhundert, das dazu noch aus einem wohlhabenden und aristokratischen Elternhaus stammt scheint dies allerdings ein zu hoch gestecktes Ziel, denn von ihr wird erwartet wird, dass sie heiratet und Erben gebiert.
Dennoch schafft sie es und kann schließlich in Whitechapel, dem ärmsten Viertel der Stadt London, als Ärztin arbeiten. Alles scheint gut zu sein, denn ihr Verlobter Freddie Lytton, ein ambitionierter Abgeordneter, unterstützt India in ihren sozialen Bestrebungen. So glaubt sie jedenfalls. Sie ahnt nicht was Freddie hinter ihrem Rücken treibt und dass er ihr Verderben bereits vor Jahren eingeleitet hat.
Als India den Verbrecherboss Sid Malone kennen und lieben lernt verkompliziert sich ihr Leben unendlich. Freddie ist Sids Todfeind und der Herr Abgeordnete schaut natürlich nicht tatenlos zu, als India eigene Wege geht.

Mein Lob:
Wow, ich möchte nicht wissen wie lange Jennifer Donnelly recherchiert hat, bis sie so umfangreiches Hintergrundwissen zusammen getragen hat. Spielerisch leicht und sehr lebendig lässt sie den Leser in das London von 1900 eintauchen. Alles ist plastisch, gegenwärtig, glaubwürdig, fesselnd, selbst die offenen Brüche und Zangengeburten hat man direkt vor Augen beim Lesen ;-). Mit der ehrlichen und altruistischen India ist Jennifer Donnelly eine sehr liebenswürdige Heldin gelungen, die natürlich das Opfer gemeinster Intrigen werden muss, bevor sie das Glück findet. Man braucht das Buch "Die Teerose" nicht zu kennen um dieser Geschichte folgen zu können, aber es ist den Eingeweihten sicher eine Freude Fiona und Joe wieder zu sehen und zu erfahren wie es mit Charley Finnegan - dem obskuren Sid Malone - weitergeht.

Die Geschichte beginnt leise und behutsam als India gerade ihren Studienabschluss feiert und öffnet sich allmählich, wie eine Rose, in die große böse Welt der Politik, der Medizin und Armut, bis sie über 800 lange, lange Seiten hinweg ihre volle Blüte an herzrührender Dramatik, prickelnder Sinnlichkeit und nervenzerreißender Spannung entfaltet.
Dies alles: Die Kombination von fundierter Recherche, opulenter Schilderung und ausgezeichneter Schreibkunst macht diesen Roman zu einem wirklich empfehlenswerten Leseerlebnis, dem ich 5 Sterne geben würde, wäre da nicht das letzte Drittel gewesen:

Meine Kritik (Ich weiß, die Fans würden mich jetzt am Liebsten massakrieren, aber irgendjemand muss auch mal die Schwächen beim Namen nennen):
Ab der zweiten Hälfte verliert diese Geschichte deutlich an Schwung und Substanz. Indias Lebensziel und ein wirklich guter Denkansatz der Romans, eine Frauen- und Kinderklinik in Whitechapel, wird dem Pathos und dem Kitsch geopfert und der allzu dick aufgetragenen Dramatik. Für meinen Geschmack verzettelt sich die Autorin immer mehr ab dem Moment wo India ihre Klinik aufgibt (warum sie das tut, wird nicht verraten). Der Handlungsverlauf wird für mich ab diesem Moment zusehends unglaubwürdig und auch unangenehm. Es gefällt mir einfach nicht mehr wohin die Autorin ihre India und mich als Leserin führt - aber das ist sicher Geschmackssache. Weiterhin hat mich der Handlungsstrang "Seamus und Willa" wirklich sehr genervt. Ich weiß natürlich, dass das die Einleitung zu Teil 3 der Trilogie - zur "Wildrose" - ist, aber musste dieser Handlungsstrang wirklich so ausgiebig sein? Ich wollte ab einem gewissen Punkt in der Geschichte eigentlich nur noch wissen wie India endlich mit Freddie dem Mistkerl fertig wird, und selbst Joe und Fiona waren mir da beinahe zu viel des Guten, aber stattdessen bemüht mich die Autorin Seiten lang auf den Kilimandscharo hinauf und in das Zelt von Seamus und Willa hinein... Das waren Seiten, die ich oft voller Überdruss überblättert habe.
Weiterer Kritikpunkt (dann höre ich aber auch auf): Für meinen Geschmack hat Frau Donnelly die Tragik etwas überstrapaziert. Das scheint eines ihrer Lieblingsmotive zu sein, denn schon bei Fionas "Teerose" jagte ein Drama das andere, bis man dachte, die arme Frau könne nicht noch mehr schultern. Aber Indias Leben ist geradezu ein Ausbund an Verrat, Tragödie, an verpassten Begegnungen, unausgesprochenen Worten, endlosem Liebeskummer und Dauerdrama. Das duldsame Leiden, dem sie sich, als eine angebliche emanzipierte Frau, dann Jahre lang selbst aussetzt toppte das Ganze dann schließlich für mich zur Unerträglichkeit. 200 Seiten weniger und Verzicht auf die Seamus-Willa-Nebenhandlung hätten dem Buch vielleicht gut getan und es zu einem Meisterwerk gemacht.

Fazit:
Ein wundervoll geschriebener und fesselnder Roman voller Sinnlichkeit der mit dem Stilmittel der Dramatik für meinen Geschmack etwas zu großzügig umgeht.
Auf jeden Fall eine Empfehlung für alle Fans von historisch gut recherchierten und anspruchsvoll geschriebenen Liebesromanen und ein MUSS für die Fans von der Teerose. Ich persönlich bin aber nicht geneigt mir mit dem Teil 3 noch mal so einen Ausbund an seelischer Not und Tragödie zuzuführen. Sorry.
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Kommentare


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1-10 von 10 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 01.09.2008 15:17:26 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 01.09.2008 15:33:53 GMT+02:00
Don Alegre meint:
... nach 31 x Vollbejahung, der erste Sterneabzug. Da werden die Fans aber nicht nur bei Vollmond heulen!
Eine wahrlich romantische T86 :-) Rezension!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.09.2008 10:21:41 GMT+02:00
Woodstock meint:
4 Sterne ist immer noch eine gute Bewertung für ein gutes Buch. Zum Heulen beim Vollmond dürfte der Verriss - der gar keiner ist - wohl kaum ausreichen, aber ein paar empörte Nein-Klicks dürfte die woodstocksche Analyse schon einbringen. Damit muss man rechnen ;-).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.09.2008 11:59:12 GMT+02:00
Ophelia meint:
Ja was mach ich jetzt? Lese ich das Buch nun als Teerosenliebhaberin oder nicht? Deine Kritikpunkte treffen ja ehrlicherweise auch etwas auf das erste Buch zu.
Wahrscheinlich erliege ich aber dem Charme deiner Rez und dem der Schriftstellerin. :-)))

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.09.2008 12:44:15 GMT+02:00
Woodstock meint:
Natürlich lesen! Aber vielleicht erst kaufen wenn im November die Taschenbuchausgabe erscheint.

Veröffentlicht am 02.09.2008 16:07:14 GMT+02:00
Don Alegre meint:
Liebe Woodstöckin, Wölfe tanzen :-))) und heulen immer bei Vollmond! Und im Winter streiten sie erst recht um die Rosen :-))
Erfreut und erleichtert entnehme ich Deinem Kommentar, dass Du, abseits von voller und prickelnder Sinnlichkeit, überstrapazierter Tragik und großzügiger und herzrührender Dramatik, all diese bereits analytisch betrachtet und eingerechnet hast.

Liebe Ophelia, folge dem Rat von unserer geschätzten Lady, warte bis November und kaufe erst einmal die ersten zwei Drittel der TB-Ausgabe.

[liebe Grüsse an Euch beide]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.02.2009 12:46:57 GMT+01:00
Ophelia meint:
Hallo Mylady,
habe mir das Buch nun wirklich vor ein paar Wochen zu Gemüte geführt und mich eigentlich bestens unterhalten. Abgesehen von so manchen kleineren Ärgernissen. Mich hat die Seamus / Willa Story übrigens gar nicht gestört, im Gegenteil, aber alle anderen von die genannten Kritikpunkte haben ihre Übereinstimmung bei mir gefunden. Vor allem die Grausamkeit und das Unglück, welche mit malerischer Schicksalshaftigkeit immer an der rechten Zeit und am rechten Ort genau unsere Heldin antreffen. Kann genauso nerven wie zuviel Glück. Dass die Medizin so im Sande verläuft, schade. Die Afrikageschichte fand ich gar nicht so schlecht, aber sie hätte eine wenig anders und glaubhafter eingefädelt sein müssen. (Dass dann aber der Plantagenlady beide Kinder verbrannt sind fand ich dann wirklich den Gipfel)(der Unzumutbarkeit)

"Die Geschichte beginnt leise und behutsam als India gerade ihren Studienabschluss feiert und öffnet sich allmählich, wie eine Rose, in die große böse Welt der Politik, der Medizin und Armut, bis sie über 800 lange, lange Seiten hinweg ihre volle Blüte an herzrührender Dramatik, prickelnder Sinnlichkeit und nervenzerreißender Spannung entfaltet."

So ist es und deshalb wird die Wildrose dann doch Pflicht und nicht verschmäht. ;-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.02.2009 11:36:39 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 06.02.2009 11:39:23 GMT+01:00
Woodstock meint:
Hallo liebe Ophelia,
das Buch ist ja auch wirklich ein Super-Leseerlebnis, und - ich kann es nur wiederholen - mit vier Sternen auch als solches von mir eingestuft worden. Die diversen kleinen Ärgernisse, haben mich aber bei der Winterrose seltsamerweise hier deutlich mehr gestört als bei anderen Liebesromanen, das gebe ich zu. Vielleicht liegt es daran, dass meine Erwartungen an die Autorin und ihr Können deutlich höher angesiedelt waren als bei anderen aus dem Genre, verwöhnt durch die Teerose. Diese fand ich insgesamt sehr viel homogener und den schwülstig-tragisch-kitschig Anteil fand ich dort gerade noch in erträglichen Dosen serviert.

Wer weiß, vielleicht lasse ich mich irgendwann doch auch noch zur "Wildrose" hinreißen, wenn mir mal wieder nach überbordend zelebrieten menschlichen Tragödien zumute ist ;o).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.02.2009 09:51:00 GMT+01:00
Ophelia meint:
Hallo! Kennst mich ja, auf "überbordend zelebrierten menschlichen Tragödien" kann ich mich ja eh ganz gut einlassen. Nur der Schmalz als Schmiere in der Schicksalhaftigkeit ist ein wenig zu üppig für meinen Geschmack! :o)
Bis zur Wildrose dauert es ja eh noch länger.....

Veröffentlicht am 04.05.2009 14:09:14 GMT+02:00
Liebe Heidi,

nachdem die Lektüre der "Winterrose" mir eine schlaflose Nacht etwas verkürzt hat, sehe ich mir heute hier die Rezensionen an und entdecke Deine köstliche und höchst zutreffende Kritik plus Kommentaren :-)

Die "Teerose" war gerade noch erträglich dramatisch, aber die winterliche Rose war dann doch hart an der Schmerzgrenze. Hoffentlich hat die Autorin nicht vor, ihr Werk mit einem dritten Teil zu krönen, der noch mehr Kitsch, Herzschmerz und Dramatik bietet!

Schade, dass India und damit auch die Autorin die Klinik aufgibt. Allerdings wird da schon eine sehr herzschmerzliche Begründung gegeben. Der arme Sid Malone kann eben nur ins bürgerliche Leben zurück, wenn er auf einem anderen Kontinent "neu anfängt". Und die tapfere India ist bereit, als Opfer ihren eigentlichen Lebenstraum aufzugeben (Liebe geht halt über alles, nicht wahr?). Dumm nur, dass diese große Tat die vielen leidvollen Jahre und die fürchterliche Szene in der Löwengrube nicht verhindern konnte ;-)

Liebe Grüße und einen schönen Nachmittag
Tanja

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.05.2009 16:49:03 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.05.2009 16:50:31 GMT+02:00
Woodstock meint:
Hallo liebe Tanja,
ein wenig hatte ich schon an mir selbst gezweifelt, weil alle anderen Rezensionen mit satten 5 Sternen aufwarteten und ich als einzige Rezensentin einen Stern abgezogen hatte. Aber besonders zum Ende hin war ich des ganzen mühsam heraufbeschworenen Leide(n)s so überdrüssig, dass ich das Buch am Schluss sogar mit leichter Verärgerung zu Ende brachte.
Ich hoffe aber sehr, du schreibst auch noch eine Rezension (4 oder 3 Sterne?) oder lässt wenigstens in das überwältigende Gesamtbild auch noch ein paar kritische Töne einfließen.
Ich wünsche Dir auch einen schönen Nachmittag
Heidi
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Artikel

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